{"id":3091,"date":"2025-11-22T20:22:42","date_gmt":"2025-11-22T19:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=3091"},"modified":"2026-03-13T08:47:54","modified_gmt":"2026-03-13T07:47:54","slug":"alte-schulfreunde-bleiben-in-erinnerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/alte-schulfreunde-bleiben-in-erinnerung\/","title":{"rendered":"Alte Schulfreunde bleiben in Erinnerung"},"content":{"rendered":"<p>Gleich vorweg: Neulich habe ich eine Handvoll alter Schulkollegen getroffen und wir hatten einen gro\u00dfartigen Abend.<br \/>\nLeider musste ich von drei weiteren Todesf\u00e4llen erfahren:<\/p>\n<p><strong>Rainer \u201eBauxi\u201c Kempf<\/strong><br \/>\nAuch mit ihm war ich in der Unterstufe, ich habe immer noch seine Stimme im Ohr und ein Bild von ihm in Erinnerung. Er ist 2024 verstorben, nach einem Leben mit H\u00f6hen und Tiefen. Vom guten Job mit gutem Einkommen bis zum Alkohol.<\/p>\n<p><strong>Harald L\u00f6scher<\/strong><br \/>\nAuch ein Klassenkamerad aus der Unterstufe. Ihn habe ich noch zur Schulzeit aus den Augen verloren. Meine st\u00e4rkste Erinnerung ist die an einen sehr selbstbewu\u00dften Typ, der beim Fu\u00dfball immer hinten in der Verteidigung stand und die B\u00e4lle nach vorne verteilte. Zu seinem Tod wei\u00df ich leider nichts.<\/p>\n<p><strong>Vladimir Vaverka<\/strong><br \/>\nEr hat uns auch nach der Unterstufe verlassen, auch von ihm wei\u00df ich wenig, nur dass er noch in seiner Jugend irgendwie ins Drogenmilieu abgerutscht ist und das nicht \u00fcberlebt hat. Meine intensivste Erinnerung: Er war schon damals an Chemie interessiert \u2013 ich glaube mich zu erinnern, dass sein Vater Chemiker war. Ich bekam damals einen Chemiebaukasten und gemeinsam mit Vladimir habe ich mit chemischen Stoffen experimentiert \u2013 auf niedrigem Niveau, aber es hat gro\u00dfen Spa\u00df gemacht \u2013 stinkender Schwefel, violett werdendes Kalium-Permanganat etc.<br \/>\nVon seinem Tod wu\u00dfte ich schon lange, aber mehr als die angef\u00fchrten Infos habe ich auch nicht.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2025.11.22_Schulfreunde\/UnterstufeTote.jpg\" title=\"UnterstufeTote.jpg\" alt=\"UnterstufeTote.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Die Unterstufenklasse Maroltingergasse 1980. Bisher haben uns nur die Burschen verlassen.<\/p>\n<p>Um die drei tut es mir sehr leid. Genauso wir um den Michi.<br \/>\nUnd auch noch um den Helmut.<\/p>\n<p><strong>Helmut Benedek<\/strong><br \/>\nEin Freund aus Jugendtagen, eine Zeitlang P\u00e4chter meines ehemaligen Stammlokals \u201eSlupinski\u201c. Ein witziger und immer ein wenig schr\u00e4ger Typ, unverkennbar durch seine Hakennase. Wir sind uns alle paar Jahre irgendwo \u00fcber den Weg gelaufen und ich hab mich immer gefreut ihn zu sehen. Zu mehr Kontakt ist es aber nicht mehr gekommen.<br \/>\nAuch \u00fcber seine Todesumst\u00e4nde wei\u00df ich leider nichts.<\/p>\n<p><strong>Der Michi Fink, ein Freund aus lang vergangenen Tagen.<\/strong><\/p>\n<p>Ich war mit dem Michi vier Jahre in der Unterstufe im Gymnasium und er war immer ein wenig schr\u00e4g. Vom Typ her kr\u00e4ftig gebaut und von Beginn an mit einer viereckigen Krankenkassabrille ausgestattet (siehe Bild oben), die gef\u00fchlterma\u00dfen nie mitgewachsen ist.<\/p>\n<p>In der Oberstufe war er dann in der Parallelklasse, wir hatten aber immer Kontakt, der sich nach der Schule noch intensiviert hat. Michi begann mit anderen Freunden ein Jus-Studium, kam aber nicht sehr weit.<br \/>\nDann erhielt er \u2013 ich glaube \u00fcber seinen Vater oder Onkel \u2013 die M\u00f6glichkeit bei der Justizwache einzusteigen. Das war ein sicherer Beamtenjob, der ihm zu Beginn einigerma\u00dfen taugte.<br \/>\nDamals hatte er noch etwas gr\u00f6\u00dfere Pl\u00e4ne, etwa eine Dienstpr\u00fcfung machen, die ihm einen Karrieresprung erm\u00f6glicht. Und wir gingen ein paar Mal Mountainbiken, wobei ich mich an eine Tour noch sehr gut erinnere: Wir sind auf den Troppberg bei Purkersdorf gefahren, von der Gablitzseite aus, haben ihn sozusagen \u00fcberquert und dann hinein in die Pfalzau und hinauf auf den Pfalzberg. Michi kannte die Strecke, vor allem der letzte Anstieg auf den Troppberg war durchaus anspruchsvoll.<br \/>\nAm Pfalzberg gab es damals eine kleine Jausenstation, wo wir uns Brote mit Eiaufstrich hineinwarfen.<br \/>\nDas war irgendwie die konkreteste Geschichte mit Michi, weil sie so besonders war. Alle anderen Treffen spielten sich meistens in Beisln ab, wo wir am Abend und ein Bierchen genehmigten oder zwei.<br \/>\nMichi machte damals irgendwie keine pers\u00f6nlichen Fortschritte, sondern versank in einen Alltagstrott aus Dienst im Gef\u00e4ngnis und Bierbeisl. Dazwischen ging er noch hin und wieder auf ein Hardrockkonzert, das war seine zweite Leidenschaft.<br \/>\nMit dem Mountainbiken h\u00f6rte er auf, was ich damals schade fand, denn ich w\u00e4re gerne noch weitere Touren mit ihm gefahren.<br \/>\nZu dieser Zeit hatte er noch Pl\u00e4ne, von deren Umsetzung er sich aber immer weiter entfernte. Das Bier wurde mehr und auch der Michi wurde mehr. Dazu kam noch, dass er nie wirklich Erfolg bei Frauen hatte. Das war insofern schade, als er durchaus nett und witzig war und man mit ihm gute Gespr\u00e4che f\u00fchren konnte, wenngleich auch das mit der Zeit immer schwieriger wurde.<\/p>\n<p>Aber es gab noch einen Ankn\u00fcpfungspunkt: Ostafrika. Genauer gesagt Kenia, das ihn faszinierte. Er fuhr zwar nie mit mir, daf\u00fcr aber mit meinem Bruder hinunter. Die \u00fcberbordende Exotik, die wilden Abenteuer, die sie dort gemeinsam verbrachten, waren ein Aufwecker, der leider nicht nachhaltig war.<br \/>\nDort hatte er auch die M\u00f6glichkeit Frauen kennenzulernen. Die wollten zwar in erster Linie sein Geld, man darf sich das allerdings nicht wie normale Prostitution vorstellen. Die M\u00e4dchen waren darauf aus einen (mehr oder weniger) reichen Wei\u00dfen kennenzulernen und im Idealfall eine Beziehung aufzubauen. Das haben gar nicht wenige geschafft, etwa die Lydia vom Erich, einem Freund und Gesch\u00e4ftspartner meines Bruders.<br \/>\nWenn das nicht klappte, nahmen sie zumindest Geschenke an, meist in Form von Geld, aber auch andere. Einen alten Freund von mir hat eine damals gebeten, dass er ihr das Schwimmen beibringt, weil sie alleine nicht ins Hotel zum Schwimmbecken durfte und au\u00dferdem niemand kannte, der das konnte.<br \/>\nDas war quasi die Gegenleistung f\u00fcr eine Woche Begleitung. <\/p>\n<p>Also fuhr Michi in den darauffolgenden Jahren ein paar Mal nach Kenia, um dort das zu bekommen, was er hier nicht bekam.<br \/>\nEr hatte die Gelegenheit mit meinem Bruder und anderen \u201eHaberern\u201c Safaris zu machen, eine sogar hinauf zum Turkana-See. Das war damals eine andere Zeit, die modernen Stra\u00dfen von heute waren noch Schotterpisten oder noch schlechter, viele Reisen sind absolut als Abenteuer einzustufen.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2025.11.22_Schulfreunde\/Baringo.jpg\" title=\"Baringo.jpg\" alt=\"Baringo.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Michi bei einem Bootsausflug am Lake Baringo. Der ist durch den Anstieg aller Seen im Rift Valley heute weitgehend uninteressant geworden. Damals gab es einen feinen Campingplatz und man konnte mit einem Boot Nilpferde beobachten.<\/p>\n<p>Und es gibt eine Menge lustiger Geschichten.<br \/>\nDie Beste ist zweifellos sein erster Kontakt mit einem Corner-Man. Das sind M\u00e4nner, die einem an einer Stra\u00dfenecke auflauern (daher der Name) und versuchen irgendwie betr\u00fcgerisch t\u00e4tig zu werden.<br \/>\nDie Jungs wollten nach Tansania und daf\u00fcr braucht man ein Visum. Michi hatte noch keins und daher schickten sie ihn in die City zur Tansanianischen High-Commission. Nachdem er dort das Visum beantragt hatte, wurde ihm mitgeteilt, dass er in zwei oder drei Stunden wiederkommen sollte.<br \/>\nAlso setzte Michi sich unten in ein Kaffeehaus, um sich die Zeit zu vertreiben. Auf einmal kommt ein Mann und fragt, ob er sich zu ihm setzen darf, er w\u00fcrde auf ein Visum warten und ihm w\u00e4re fad.<br \/>\nSie plaudern ein wenig, pl\u00f6tzlich kommen zwei M\u00e4nner in Trenchcoats, der Mann bei Michi springt auf und rennt weg. Einer der beiden Trenchcoat-M\u00e4nner l\u00e4uft ihm nach, der andere bleibt bei Michi und fragt ihn, was er mit dem Typen zu tun h\u00e4tte.<br \/>\nSie w\u00e4ren n\u00e4mlich von der Kriminalpolizei und zust\u00e4ndig f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Falschgeld. Der Mann, der weggelaufen war, sei so ein lange gesuchter Geldf\u00e4lscher und es sei nicht auszuschlie\u00dfen, dass Michi sein Komplize ist.<br \/>\nDem Michi geht der Reis, wie man so sch\u00f6n sagt, und er beteuert, dass er nur auf ein Visum warte und sich der Typ einfach dazugesetzt h\u00e4tte.<br \/>\nDer Trenchcoat-Typ meint, das klinge plausibel und er glaube ihm durchaus. Allerdings m\u00fcsse er sicher gehen, dass Michi nicht doch ein Geldf\u00e4lscher w\u00e4re und daher m\u00fcsste Michi ihn zum B\u00fcro der Kriminalpolizei begleiten.<br \/>\nMichi geht noch mehr der Reis und er meint, dass er auf sein Visum warten m\u00fcsse und au\u00dferdem h\u00e4tte er noch was vor etc.<br \/>\nDer Typ ist milde gestimmt und meint, sie k\u00f6nnten es auch anders machen: Michi solle ihm einfach nur all seine Dollar geben, er w\u00fcrde sie \u00fcberpr\u00fcfen und falls sie echt sind, ihm gerne vorbeibringen. Michi m\u00fcsse ihm nur seine Adresse geben und er w\u00fcrde so schnell wie m\u00f6glich vorbeikommen.<br \/>\nEinige Zeit sp\u00e4ter kommt Michi erleichtert ins Hotel zur\u00fcck und erz\u00e4hlt, dass er jetzt warten m\u00fcsse, bis der Kriminalpolizist vorbeikommen und ihm seine Dollar wieder bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Mein Bruder meint, dar\u00fcber lachen sie bis heute.<\/p>\n<p>Die zweite, und wahrscheinlich typischste Geschichte spielte sich bei einem sp\u00e4teren Kenia-Besuch ab. Peter hatte einen Gesch\u00e4ftspartner, den Erich, und der war mit einer wei\u00dfen S\u00fcdafrikanerin liiert, der Wendy.<br \/>\nSie war das, was man bei uns eine \u201eKeiffn\u201c nennt und die beiden pflegten regelm\u00e4\u00dfig zu streiten, also eigentlich fast immer.<br \/>\nEines sch\u00f6nen Nachmittags kamen die beiden streitend ins Hotel Boulevard, wo Michi gerade im Schatten am Pool sa\u00df und Bier trank. Genau genommen sa\u00df er schon den ganzen Tag da und trank Bier.<br \/>\nEr war bei dieser konzentrierten T\u00e4tigkeit nie sehr redsam und das Einzige, was er hin und wieder sagte, war \u201ewaiter, one more beer please\u201c.<br \/>\nMehr nicht.<br \/>\nUnd dann kamen Erich und Wendy und streiteten und streiteten. Irgendwann hatten sie genug und gingen nach Hause um dort weiterzustreiten.<br \/>\nMichi sa\u00df da und hatte noch kein Wort gesagt.<br \/>\nZeit verging. Dann meinte Michi \u201edie g\u00b4heart eam gonz allaa\u201c.<br \/>\nDas war es dann auch schon. Mehr sagte er nicht.<br \/>\nEs war aber auch genug.<\/p>\n<p>Ich hatte Michi irgendwann aus den Augen verloren. Es muss schon zwanzig Jahre her sein, dass ich mit ihm das letzte Mal auf ein Bier war \u2013 in Breitensee, wo er gewohnt hat. Es war keine Absicht, aber die alte Freundschaft verging, die Gespr\u00e4chsstoff wurde weniger, Michi redete nur mehr von Hardrock, Bier und sonst nichts mehr. Seine Karrierepl\u00e4ne hatte er l\u00e4ngst aufgegeben und lebte nur noch zur Pension hin. M\u00f6glicherweise hatte er es auch aufgegeben eine Frau zu finden.<br \/>\nVielleicht hat er irgendwann sich selbst aufgegeben. Durch Zufall erfuhr ich von einem alten Schulkollegen, dass er 2024 verstorben ist.<\/p>\n<p>Mir bleiben ein paar sch\u00f6ne Erinnerungen, ein bisschen Wehmut und das Bier, das ich gerne auf ihn hebe, auch wenn gerade das sein Untergang war.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2025.11.22_Schulfreunde\/Safari.jpg\" title=\"Safari.jpg\" alt=\"Safari.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Michi auf Safari im Oktober 1994 in der Masai Mara.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2025.11.22_Schulfreunde\/Essen.jpg\" title=\"Essen.jpg\" alt=\"Essen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Michi bei einer Jause mit Kuchen und Tusker-Bier<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2025.11.22_Schulfreunde\/Bus.jpg\" title=\"Bus.jpg\" alt=\"Bus.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Michi auf der R\u00fcckbank unseres VW-Busses, den mein Bruder 2025 wieder nach \u00d6sterreich gebracht und restauriert hat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich vorweg: Neulich habe ich eine Handvoll alter Schulkollegen getroffen und wir hatten einen gro\u00dfartigen Abend. 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