{"id":471,"date":"2010-08-30T23:58:05","date_gmt":"2010-08-30T22:58:05","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=471"},"modified":"2017-07-15T10:50:26","modified_gmt":"2017-07-15T09:50:26","slug":"monday-frosty-monday-das-u2-konzert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/monday-frosty-monday-das-u2-konzert\/","title":{"rendered":"Monday, frosty Monday: Das U2-Konzert"},"content":{"rendered":"<p>Ich blicke gerade auf mein Au\u00dfenthermometer und es zeigt 11 Grad. Das ist nicht allzu ber\u00fchmt f\u00fcr August, erkl\u00e4rt aber teilweise, wieso ich beim Konzert j\u00e4mmerlich gefroren habe. Zum Gl\u00fcck hatte ich \u00fcber dem T-Shirt und dem Kaputzensweater noch das Security-T-Shirt und die absolut dichte Motorrad-Regenjacke. Okay, am dritten Rang pfeift der Wind so kalt wie im Westerwald, aber alles erkl\u00e4rt sich dadurch nicht.<\/p>\n<p>Aufgew\u00e4rmt in der warmen Stube darf ich ein wenig vom &#8222;gr\u00f6\u00dften Konzertereignis des Sommers&#8220; (Zitat: Alle Medien) berichten.<\/p>\n<p><strong>Hart, k\u00fchl, metallisch: Die Musik<\/strong><\/p>\n<p>Der Sound von U2 hatte noch nie w\u00e4rmende Elemente, sondern stammt aus den coolen 1980er-Jahren und ist dort auch geblieben. Die modernen Nummern sind &#8211; mit wenigen Ausnahmen &#8211; eher noch dissonanter und h\u00e4rter, und vor allem: k\u00fchl. Bono und Kollegen spielten einen klugen Mix aus alten Hadern und neueren und neuen Nummern, von denen ich nicht alle kannte. W\u00e4rmende Elemente waren maximal die immer noch absolut sensationelle Stimme von Bono Vox und ein Lied \u00fcber Burma und  die dort in Hausarrest sitzende, weil gew\u00e4hlte Eben-nicht-Pr\u00e4sidentin.<\/p>\n<p>Gerade der Beginn des Konzerts war cool, auch das Auftreten und die Umgebung der Band (dazu komme ich gleich) waren stimmig.<\/p>\n<p>Dass U2 musikalisch ihren H\u00f6hepunkt 1987 mit der komplett schwarz-wei\u00df gestalteten LP &#8222;The Joshua Tree&#8220; hatten, merkt man eindeutig daran, dass die wichtigsten Nummern daraus stammen und vom Publikum auch am meisten bejubelt werden (&#8222;With or without you&#8220; war eine der beiden Zugabennummern, davor noch &#8222;Where the streets have no name&#8220; ). Somit geb\u00fchrt der Gruppe auch schon der Titel &#8222;Rock-Opas&#8220;, wenngleich sie agil und frisch wirkten (aber das tun The Who auch und die sind noch \u00e4lter).<\/p>\n<p><strong>Die B\u00fchne<\/strong><\/p>\n<p>Ein unglaubliches Ding, das angeblich enorm teuer ist und auch so aussieht. Es handelt sich um eine Art Krake oder Spinne, die mit vier Beinen am Boden steht. Darunter h\u00e4ngt ein dunkler Kasten, der sich dann als 360-Grad-Leinwand, bestehend aus in die L\u00e4nge gezogenen und wie ein Scherengitter bewegbaren Sechsecken herausstellt.<\/p>\n<p>In allen Farben beleuchtet und mit einer riesigen Spitze, die \u00fcber das Stadiondach hinausragt, ist des sicher die perfekteste, gewaltigste und technisch aufw\u00e4ndigste B\u00fchne, die ich je gesehen habe. Und sie hat den Vorteil, dass sie rundum einsehbar ist, so dass das gesamte Ernst-Happel-Stadion ausverkauft werden konnte, bis auf einen kleinen Sektorteil hinter dem Technikkasten.<\/p>\n<p>Die Monitorkaskade ver\u00e4nderte sich st\u00e4ndig und zeigte mit der B\u00fchne gemeinsam jede Menge Spezialeffekte, der tollste davon war eine Art Glitzer-Spiegel-Jacke an einem beleuchteten Mikro-Ring, die Bono f\u00fcr eine Nummer anzog.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2010.08.30_U2\/stage.jpg\" title=\"stage.jpg\" alt=\"stage.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: B\u00fchne<\/p>\n<p>Aber auch hier: K\u00fchle, die meisten Bilder in U2-typischem schwarz-wei\u00df, die B\u00fchne aus viel Stahl. Selbst das rote Licht wirkte dort irgendwie kalt. Die Bilder waren meist technisch modifiziert, alles wirkte extrem professionell, aufw\u00e4ndig und wie durch einen Filter gedr\u00fcckt, der das Menschliche daraus entfernt. Bonos Charity-Elemente konnten den Eindruck bei mir auch nicht zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der zentrale Eindruck: die Menschen treten in den Hintergrund, angesichts der B\u00fchne wirkten die Musiker wie winzige Ameisen, die sich darunter bewegen, sichtbar nur durch die Scheinwerfer, die sie anstrahlen. So blickt auch niemand mehr (au\u00dfer den G\u00e4sten direkt rund um die B\u00fchne) auf die Musiker, sondern alle schauen auf die \u00fcberdimensionalen Leinw\u00e4nde.<\/p>\n<p>Rund um die eigentliche B\u00fchne war der heute stets beliebte VIP-Bereich, abgeschottet vom Plebs und diesmal mit der Besonderheit, dass der Abschottungsring rundherum ging und mit der B\u00fchne durch zwei bewegbare Br\u00fccken verbunden war. Die Zuseher im VIP-Bereich hatten somit das Vergn\u00fcgen,  hin und wieder unter einer der Br\u00fccken zu stehen.<\/p>\n<p><strong>Das Publikum <\/strong><\/p>\n<p> Von 15 bis 65 &#8211; alles vertreten, 70.000 Leute, Durchschnitt, angenehme Menschen wie wir alle, unaggressiv, h\u00f6flich, brav mitsingend wo von Bono verlangt. Nur einmal gab es eine \u00dcberraschung: Der Refrain von &#8222;I still have\u00b4nt found what I\u00b4m lookin for&#8220; wurde nach Ende der Nummer vom Publikum weitergesungen, mehrfach wiederholt. Bruce Springsteen etwa w\u00e4re darauf eingegangen und h\u00e4tte einfach noch einmal hineingestartet &#8211; musikalisch haben U2 das allemal drauf.  So wartete Bono bis den Leuten die Luft ausging und meinte dann &#8222;Thank you.&#8220; Okay, aber eben auch k\u00fchl. <\/p>\n<p>Ich selbst, diesmal wieder quasi dienstlich dort als Platzanweiser, hatte eine ruhige Kugel zu schieben. Nur einmal, da sah ich eine Frau mit gr\u00fcnen Gummistiefel an mir vorbeistiefeln. Ich darf erw\u00e4hnen, dass es im Happel-Stadion am dritten Rang nur eher selten tiefen, morastigen Untergrund gibt und ein anderer Grund f\u00fcr Gummistiefel f\u00e4llt mir um die Burg nicht ein. Verirrte Donaufischerin? Probandin im Dauerschwei\u00dffu\u00dftest? Keine Ahnung.<br \/>\nAnsonsten alles bestens, nach einiger Zeit sehen die Leute um mich herum aus wie der Betriebsausflug der Clown Doctors &#8211; viele rote Nasen.<\/p>\n<p>Ein Ph\u00e4nomen darf ich noch berichten: Fr\u00fcher sah man bei ruhigen Nummern Feuerzeuge. Heute &#8211; oder vielleicht ist das gerade bei U2 besonders auff\u00e4llig &#8211; sieht man statt dessen tausende kleine blaue eckige Lichter, die sich als die Monitore der iPhones, Digitalkameras und Handys herausstellen. Die Leute filmen was der Akku h\u00e4lt und  spiegeln so die unterk\u00fchlte High-Tech-Show auf der B\u00fchne wider: Alles wird durch einen Filter gejagt, sogar die eigene Wahrnehmung, die eigene Sicht geht durch eine Kamera.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2010.08.30_U2\/monitore.jpg\" title=\"monitore.jpg\" alt=\"monitore.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Viele fotografieren<\/p>\n<p>Alles in allem ein Erlebnis, von dem ich unterk\u00fchlt heimkomme: Perfekte Show, perfekte B\u00fchne, perfekte Musik. Herz nicht erreicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich blicke gerade auf mein Au\u00dfenthermometer und es zeigt 11 Grad. Das ist nicht allzu ber\u00fchmt f\u00fcr August, erkl\u00e4rt aber teilweise, wieso ich beim Konzert j\u00e4mmerlich gefroren habe. 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