{"id":608,"date":"2011-05-18T09:00:02","date_gmt":"2011-05-18T08:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=608"},"modified":"2017-07-15T12:52:27","modified_gmt":"2017-07-15T11:52:27","slug":"jo-wieder-bahnfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/jo-wieder-bahnfahren\/","title":{"rendered":"J\u00f6, wieder Bahnfahren!"},"content":{"rendered":"<p>Es war wieder einmal soweit und eine fr\u00f6hliche Gesch\u00e4ftsreise mit der Bahn stand am Programm. Sonntag 10:36 von Wien Wbhf. in ca. sieben Stunden nach Hanau (wer\u00b4s kennt&#8230; f\u00fcr die anderen: zwischen W\u00fcrzburg und Frankfurt, quasi irgendwo dazwischen, mehr muss man dar\u00fcber wirklich nicht wissen), um dann am n\u00e4chsten Tag eine Pr\u00e4sentation (ca. 1,5 Stunden) durchzuf\u00fchren. Danach ging es mit einem Kollegen per Auto nach Augsburg und von dort mit dem Zug wieder zur\u00fcck nach Wien, Planankunft 23:44.<\/p>\n<p>So viel zur Theorie. Wie eigentlich immer (ich bin eine Art Bahn-Gl\u00fcckskind) standen mir folgende Herausforderungen zur gesch\u00e4tzten Auswahl (Mehrfachnennungen m\u00f6glich):<br \/>\n1.) die Mama mit dauerkreischendem Kleinkind<br \/>\n2.) die feucht-fr\u00f6hliche Pensionistentruppe &#8222;Noch \u00b4n Korn, noch \u00b4n Bier&#8220; aus Wuppertal<br \/>\n3.) die Handy-Tussi mit einer F\u00fclle Reserveakkus im Taschl<br \/>\n4.) die zwei Omas, die nur einmal pro Stunde (wenn sie kurz h\u00fcsteln oder l\u00e4nger pinkeln m\u00fcssen) nicht den Schlapfen offen haben.<br \/>\n5.) der anschlussfreudige Knechter mit sich wiederholenden Lebensgeschichten und -geschichteln<br \/>\n6.) der dicke Herr mit wei\u00dfen Socken, Sandalen und Gilet, dessen ihm Zugemutete das erste Mal seit der Hochzeit vor 40 Jahren alleine zuhause ist, somit hilflos, und ihn alle f\u00fcnf Minuten anruft, um zu fragen, ob es ihn eh noch gibt.<\/p>\n<p>Ich w\u00e4hlte diesmal 6.) und die XL-Variante von 4.), die darin bestand, dass eine der Omas die ganz kurzen Quasselpausen mit einem durchgehenden &#8222;ach ja&#8230; ach jeh&#8230; ach ja&#8230; ach je&#8230; usw.&#8220; zu f\u00fcllen pflegte.<br \/>\nLeider kann man in einem ICE die Fenster nicht \u00f6ffnen, ich h\u00e4tte f\u00fcr nichts garantieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Irgendwie stieg ich nicht ungern aus im hessischen Hanau und freute mich schon ganz doll auf die R\u00fcckfahrt.<br \/>\nDem Bahn-Gott sei Dank fand diese schon am n\u00e4chsten Tag statt und ich durfte zum Auftakt erfahren, dass der Hauptbahnhof in Augsburg irgendwie der \u00e4lteste noch erhaltene in Deutschland ist. (&#8222;A scho wos&#8220; sagt der gelernte Wiener in diesem Moment).<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2011.05.18_Augsburg\/Aug.jpg\" title=\"Aug.jpg\" alt=\"Aug.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Augsburg, Hauptbahnhof<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2011.05.18_Augsburg\/Aug2.jpg\" title=\"Aug2.jpg\" alt=\"Aug2.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Augsburg, Hauptbahnhof<\/p>\n<p>Damit verkn\u00fcpft ist die Besonderheit, dass es auf diesem Bahnhof keinerlei Sitzgelegenheiten mehr gibt, nicht eine einzige Bank, keine Sessel, nichts.<br \/>\nDas ist schon f\u00fcr mich bei einer Wartezeit von 2,5 Stunden nicht sehr angenehm &#8211; was aber machen dann alte Leute? Ob das Abmontieren s\u00e4mtlicher Sitzgelegenheiten die Volksgesundheit f\u00f6rdern soll? Oder den Umsatz der dort vertretenen Fast-Food-Ketten McDonalds, Burger King und Subway? Bei denen gibt es n\u00e4mlich Sitzgelegenheiten. Was es hingegen nicht gibt, sind WCs. Ja, die geneigten LeserInnen haben richtig geh\u00f6rt, keine WCs. Diese wiederum gibt es nur am Bahnhof und sie sind eine Art olfaktorisch bedenkliches Profit-Center.<\/p>\n<p>Sogar mir als Nichtraucher erschienen die geschlossenen (!) Raucherkabinen am Bahnsteig als Schildb\u00fcrgerstreiche &#8211; \u00fcbrigens der einzige Ort am Bahnsteig, an dem man vor Wind und Wetter gesch\u00fctzt ist.<\/p>\n<p>Ich hatte diesmal Gl\u00fcck und ca. eine Stunde Aufenthalt in Salzburg, daher konnten mich die 28 Minuten Versp\u00e4tung des EC 117 nicht schrecken. Abfahrt war auf Gleis 3, zumindest so lange, bis sich ca. 3 Minuten vor der Abfahrt alle Zustiegswilligen dort versammelt hatten. Dann wechselte die Anzeige urpl\u00f6tzlich auf Gleis 4, inklusive der gewohnt unverst\u00e4ndlichen Ansage (wie mein Freund Peter B. gerne bemerkt, k\u00f6nnen die Menschen auf den Mond fliegen, schaffen es aber nicht, h\u00f6rbare Lautsprecherdurchsagen zustande zu bringen).<br \/>\nAlso trippelten die so Bewegten die Treppen hinunter, den Gang entlang und auf der anderen Seite wieder hinauf. F\u00fcr sportliche jungen M\u00e4nner mit leichtem Gep\u00e4ck recht erfrischend, nicht ganz so angenehm f\u00fcr die alte Dame mit dem schweren Koffer und den Blinden mit Stock. Aber auch sie schafften es.<\/p>\n<p>Als der Zug schon in der Ferne zu sehen war, wechselte die Anzeige (\u00c4tsch!) abermals auf zwei Bahnsteige weiter.<br \/>\nDie Deutsche Bahn hat offensichtlich einen Volksgesundheits-Auftrag, den sie mittels spontaner Bewegungsimpulse zu erf\u00fcllen gedenkt. Oder sie hat einen ausgepr\u00e4gten Hang zu dem Teil der darwinistischen Evolutionstheorie, in der es um &#8222;survival of the fittest&#8220; geht &#8211; nur die Schnellsten, St\u00e4rksten \u00fcberleben.<br \/>\nMit anderen Worten: Der Blinde gab gleich auf und die Oma schaffte es nur mehr bis in den Gang, h\u00e4tte in ihrem augenblicklichen Zustand aber ohnehin nicht mehr Bahnfahren sollen.<\/p>\n<p>Aus meiner Liste fasste ich diesmal 1a aus, Mutter mit zwei G\u00f6ren.<br \/>\nDas war fast zu angenehm, aber ich hatte ja noch die Chance auf den Railjet von Salzburg nach Wien. Die Bahn ist immer f\u00fcr \u00dcberraschungen gut, soviel ist sicher (oder auch: da f\u00e4hrt die Eisenbahn dr\u00fcber!).<br \/>\nHoppala, der Railjet war sogar p\u00fcnktlich. Ich war gespannt, da ich noch nie mit so einem vielbeworbenen Spezialzug gefahren war: Ein Flugzeug auf R\u00e4dern, das klingt schon sehr geil.<br \/>\nDe facto erweist sich der Railjet als eine Art ICE f\u00fcr Arme, also ein ganz normaler Zug mit ein wenig Schnick-Schnack: Sitze wie im Flugzeug, allerdings mit absolut ausreichend Beinfreiheit, daf\u00fcr von der Breite eher f\u00fcr Schmalhans K\u00fcchenschabe. Dazu ein fetziger Au\u00dfenanstrich und die zweite Klasse hei\u00dft &#8222;Economy&#8220;.<br \/>\nIm Ruheabteil, in dem ich aufgrund der sp\u00e4ten Stunde einen Platz ergattern konnte, ist Bahn sei Dank das Handytelefonieren untersagt, interessanterweise aber auch das Tragen von Kopfh\u00f6rern. Der tiefere Sinn dieser Anweisung wurde mir nicht ersichtlich.<br \/>\nEs gibt ein exzellentes Leselicht und hin und wieder klappert eine Angestellte vorbei, die eine Nespresso-Maschine auf ihrem Wagerl hat.<br \/>\nDa die weitere Fahrt problemlos verlief, kann ich diese kleine Geschichte hier beenden. Weitere werden folgen, da bin ich mir sicher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war wieder einmal soweit und eine fr\u00f6hliche Gesch\u00e4ftsreise mit der Bahn stand am Programm. Sonntag 10:36 von Wien Wbhf. in ca. sieben Stunden nach Hanau (wer\u00b4s kennt&#8230; f\u00fcr die anderen: zwischen W\u00fcrzburg und Frankfurt, quasi irgendwo dazwischen, mehr muss<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-608","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-provokantes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/608","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=608"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/608\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2268,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/608\/revisions\/2268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}