{"id":654,"date":"2011-07-18T11:03:08","date_gmt":"2011-07-18T10:03:08","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=654"},"modified":"2011-07-18T11:03:08","modified_gmt":"2011-07-18T10:03:08","slug":"die-tschernobyl-vespa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/die-tschernobyl-vespa\/","title":{"rendered":"Die Tschernobyl-Vespa"},"content":{"rendered":"<p>Endlich, letzten Freitag war es soweit, Thomy hatte Zeit, um mir beim Vergasereind\u00fcsen zu helfen. Ich knatterte nach Greifenstein und wir versuchten unser bestes, das aus mir unerfindlichen Gr\u00fcnden leider nicht gut genug war. Nach einigen erfolglosen Proberunden inkl. entsprechender Schieberei war es Abend und ich fuhr nach Wien zur\u00fcck.<br \/>\nDas Motto war &#8222;Vursicht&#8220; und so fuhr ich gem\u00e4chlich und m\u00f6glichst motorschonend. Da sie im Standgas zu hoch blieb, keimte in mir schon der Verdacht, dass da was nicht in Ordnung war.<br \/>\nBei der Kreuzung Kahlenbergerdorf war es dann soweit: Im Leerlauf drehte der Motor pl\u00f6tzlich quasi von alleine hoch und ich schob die Kiste ohne Z\u00f6gern rechts auf den Gehsteig und bet\u00e4tigte den kleinen Totmach-Knopf (Der hei\u00dft offiziell nicht so, aber er unterbricht die Z\u00fcndung und damit stellt man auch den Motor ab.) Irgendwie wollte der Knopf aber gerade nicht und die Vespa drehte weiter hoch.<\/p>\n<p>Schwerere Gesch\u00fctze mussten ran und ich nahm mit einiger Hast die Seitenbacke runter und zog den Kerzenstecker ab. Dann bekommt die Kerze keinen Strom mehr, es gibt keinen Z\u00fcndfunken und der Motor bleibt stehen. Theoretisch.<br \/>\nMein Motor wollte aber nicht stehenbleiben und lief einfach weiter, immer noch in schwindelerregende H\u00f6hen drehend. Seit diesem Moment wei\u00df ich, wie sich die Leute im Kontrollraum von Tschernobyl (und wahrscheinlich auch ihre Kollegen in Fukushima) f\u00fchlten, als sie den Notfallknopf dr\u00fcckten und nichts passierte. Au\u00dferdem nenne ich meinen Motor ab jetzt HAL 7000, das war der Computer aus Stanley Kubricks Film &#8222;Odysee 2001&#8220;, der auch die Abschaltung einfach verweigerte.<\/p>\n<p>Leider war klar, dass diese verr\u00fcckten Drehzahlen nicht lange gut gehen w\u00fcrden und ich ein \u00e4hnliches Ergebnis wie in Tschernobyl, n\u00e4mlich eine fette Explosion, zu erwarten h\u00e4tte, und zwar in K\u00fcrze. Das schmerzt bei einem gerade neu aufgebauten Motor, in den ich viel Zeit und viel Geld investiert habe. <\/p>\n<p>Dummerweise kommt so ein Ph\u00e4nomen eigentlich nie vor und daher ist es auch nicht ganz leicht, die richtigen Ma\u00dfnahmen zu setzen. Die erste M\u00f6glichkeit w\u00e4re gewesen, den Luftbalg zusammenzuquetschen und dem Motor sozusagen an die Gurgel zu gehen: Luft weg, Atmen beendet, Motor stirbt.<br \/>\nDas fiel mir nicht ein.<\/p>\n<p>Die zweite Variante besteht darin, den Choke zu ziehen, fest auf die Hinterbremse zu steigen und zugleich den zweiten Gang einzulegen, damit kann man den Motor auch abw\u00fcrgen. Das fiel mir zum Teil ein, aber die Umsetzung war irgendwie nicht erfolgreich.<\/p>\n<p>Die dritte Variante besteht im blitzschnellen Abdrehen des Benzinhahns, um ihm den Nachschub abzuschneiden. Das fiel mir ein und das funktionierte auch, gl\u00fccklicherweise noch bevor der Motor explodierte.<\/p>\n<p>Vollkommen am Ende waren jedoch meine Nerven, und ich bin heilfroh, dass ich die Kiste nach einer entsprechenden Abk\u00fchlungsphase wieder starten und mit dem neuen Motto &#8222;Vursicht, mehr Vursicht, noch mehr Vursicht&#8220; sowie fetteren D\u00fcsen im Vergaser (ich kann die D\u00fcsen inzwischen fast so schnell tauschen wie ein paar Socken) gut nach Hause kommen konnte.<\/p>\n<p>Eines ist mir jetzt klar: Wer Vespa-Fahren \u00fcbersteht, den kann nicht mehr viel ersch\u00fcttern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich, letzten Freitag war es soweit, Thomy hatte Zeit, um mir beim Vergasereind\u00fcsen zu helfen. Ich knatterte nach Greifenstein und wir versuchten unser bestes, das aus mir unerfindlichen Gr\u00fcnden leider nicht gut genug war. 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