{"id":656,"date":"2011-07-20T09:04:30","date_gmt":"2011-07-20T08:04:30","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=656"},"modified":"2017-07-15T13:01:34","modified_gmt":"2017-07-15T12:01:34","slug":"gluck-und-leid-beim-vespafahren-immer-in-der-kombi-zu-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/gluck-und-leid-beim-vespafahren-immer-in-der-kombi-zu-haben\/","title":{"rendered":"Gl\u00fcck und Leid &#8211; beim Vespafahren immer in der Kombi zu haben"},"content":{"rendered":"<p>Mein letzter Zusammenbruch mit einer Vespa &#8211; schon drei Tage her. So geht das nicht. Also startete ich einen neuen Versuch, mit der frisch restaurierten GS, bei der ich den Tacho zum Laufen gebracht habe, so als Sonntag-Vormittagsarbeit.<\/p>\n<p>Das Ziel war Rekawinkel, wo wir den 18. Geburtstag meines Neffen Matthias feiern wollten. Die GS lief pr\u00e4chtig, leider nur bis kurz vor Rekawinkel. Kurz vor der Bahnunterf\u00fchrung ein seltsames Stottern, leider bei genau diesem Motor nur allzu bekannt. <\/p>\n<p>Bitte nicht! Nicht dieser Defekt! Nicht schon wieder ein undefinierbarer Schaden, der von der Z\u00fcndspule, der Z\u00fcndgrundplatte, dem Kondensator, dem Polrad, dem Vergaser, den Vergaserd\u00fcsen, der Schwimmerkammer, der Benzinzufuhr, dem Tank, den Simmerringen, dem Zylinderkopf, der Batterie, dem Kabelbaum, dem Gleichrichter oder von sonstwo kommen kann.<\/p>\n<p>Einen halben Kilometer weiter dann die Klarheit: sie nimmt kein Gas mehr an, ich rette mich \u00fcber den Rekawinkler Berg bis zum Haus meiner Schwester und ihrer Familie.<\/p>\n<p>Irgendwie mochte bei mir keine rechte Feierlaune aufkommen und ich entschloss mich, die Heimreise noch bei Tageslicht anzutreten. Die GS sprang tadellos an und hatte wieder ihre Leistung. Bis zum Kreisverkehr in Pressbaum. Dann war es wieder da, das Problem. Ich rief bei meiner Schwester an und bat meine Mutter noch etwas zu warten, ich k\u00e4me wieder zur\u00fcck. Da sie auf ihrem Heimweg ohnehin bei mir vorbeif\u00e4hrt, k\u00f6nnte sie mir quasi Sch\u00fctzenhilfe leisten.<\/p>\n<p>Ich schaffte es auch bis Rekawinkel, langsam, aber doch.<\/p>\n<p>Aber vielleicht war das Problem ja auch zu beheben. Es k\u00f6nnte z.B. daran liegen, dass die Entl\u00fcftung des Tankdeckels nicht ordentlich funktioniert. Dann entsteht ein Unterdruck und der Vergaser bekommt nicht mehr genug Sprit &#8211; das w\u00fcrde das Ph\u00e4nomen erkl\u00e4ren und auch, warum sie nach einiger Zeit wieder l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Also versuchte ich mit Hilfe meines Schwagers und meiner beiden Neffen das Entl\u00fcftungsloch freizubohren. Das gelang und wir bohrten zur Sicherheit noch ein zweites hinein. Leider war es inzwischen sehr d\u00e4mmrig und ich musste noch den Sicherungssplint f\u00fcr den Tankdeckel wieder hineinklopfen. Also griff ich zu meiner Jacke und wollte mein Handy herausholen, das ist n\u00e4mlich ein Outdoor-Modell und nicht nur wasserfest und sto\u00dffest und staubdicht, sondern hat auch noch eine famose Taschenlampe.<\/p>\n<p>Doch mein Schwager Andi winkte ab und bat meinen Neffen die gro\u00dfe, fette Mag-Lite zu holen. So war der Splint schnell eingebaut und ich machte mich frohen Mutes auf den Heimweg. Meine Mutter fuhr zur Sicherheit hinter mir her, und so kamen wir bis zu besagtem Kreisverkehr bei der Autobahnauffahrt. Ich blieb stehen und ging zu meiner Mutter, um ihr zu sagen, dass alles wunderbar l\u00e4uft und ich jetzt wohl gut nach Hause kommen w\u00fcrde &#8211; Schaden erkannt, behoben, alles bestens!<\/p>\n<p>Ich fuhr die Bundesstra\u00dfe und tuckerte durch Pressbaum. Dann wurde aus dem Tuckern ein Stottern. Ich fuhr rechts ran und bemerkte zu meiner Freude, dass meine Mutter doch nicht die Autobahn genommen hatte, sondern aufgrund einer Vorahnung hinter mir hergefahren war. Gemeinsam \u00fcberlegten wir, wo ich die Kiste abstellen k\u00f6nnte. So eine frisch lackierte GS Baujahr 1960 findet schnell neue Freunde.<\/p>\n<p>Dann kam mir die Idee, noch ein St\u00fcckchen weiter zu fahren. Vielleicht ging es ja, langsam und mit der einen oder anderen Pause. Im unteren Drehzahlbereich nahm sie ja Gas an.<\/p>\n<p>So kamen wir bis Hadersdorf-Weidlingau (dem ber\u00fchmten HaWei), wo ich eine Woche zuvor den Kabelbrand hatte. Dort war es dann endg\u00fcltig aus. Mit einem letzten Seufzer, garniert mit einer feschen Fehlz\u00fcndung, verreckte der Motor.<\/p>\n<p>Als ich die Vespa am Stra\u00dfenrand parken wollte, bemerkte ich, dass mein Handy nicht in der daf\u00fcr vorgesehenen Jackentasche war. Und leider auch in keiner anderen Tasche. Also rief meine Mutter in Rekawinkel an und rief die Familie auf den Plan, um eine lustige Sp\u00e4tabend-Handysuche zu beginnen. Ich m\u00fcsste es dort verloren haben, wo wir die Reparatur vorgenommen hatten. Oder auf der Veranda. Oder sonstwo im Garten.<\/p>\n<p>Nach etwa einer halben Stunde war klar: kein Handy. Mein Tagesfazit war somit ein eher durchmischtes mit lustigen Aussichten: eine lange Fehlersuche bei der Vespa, gefolgt von einer m\u00fchsamen Reparatur eines gerade erst frisch aufgebauten Motors, garniert mit der Frage, ob die Vespa bis zu ihrer Abholung noch dort stehen w\u00fcrde, wo ich sie abgestellt hatte sowie der Frage, wo ich ein geeignetes Transportmittel zu ihrem Heimtransport herbekommen k\u00f6nnte.<br \/>\nUnd nat\u00fcrlich die nette Aussicht die Sim-Karte sperren zu m\u00fcssen plus Handykauf plus dem Eintippen von ca. 600 Namen plus Telefonnummern etc.<\/p>\n<p>An dieser Stelle gilt mein Dank meiner geduldigen Mutter, die ihren vollkommen entnervten Sohn noch nach Hause chauffieren durfte. Ich kann gar trefflich jammern, wenn mir danach ist!<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde mein n\u00e4chtlich entworfener Schlachtplan umgesetzt: Trotz fetter Regenwolken Gilera satteln, Handy von Oliver ausborgen und meine Schwester anrufen, damit sie wei\u00df, dass ich mich jetzt selbst auf die Handysuche mache. Dann die Strecke abfahren und schauen, ob irgendwo ein Handy liegt. In der Nacht hatte es stark geregnet, aber mein Handy ist ein Outdoor-Modell (sagte ich das schon?) und wasserfest. Und sto\u00dffest, also w\u00fcrde es auch ein Herausfallen \u00fcberlebt haben, ganz abgesehen davon, dass mir vollkommen schleierhaft war, wie das Ding \u00fcberhaupt herausfallen konnte. Und wieso ich die Jackentasche nicht zugemacht hatte. Und wieso ich \u00fcberhaupt so deppat bin.<\/p>\n<p>An der Stelle in Pressbaum, an der aus dem Tuckern ein Stottern geworden war und ich meine Mutter hinter mir bemerkte, suchte ich ganz besonders genau.<br \/>\nUnd genau da kam der Anruf meines Schwagers: Meine Mutter wurde angerufen, ein ehrlicher Mensch h\u00e4tte mein Handy gefunden. Also rief ich meine Mutter und danach den ehrlichen Menschen (Danke Herr Strausky aus D\u00fcrrwien!) an und erfuhr, dass ich nur 3 Minuten entfernt w\u00e4re. Also hinfahren und Handy abholen. Ich erfuhr, dass er es an der Bushaltestelle vor dem Kreisverkehr gefunden h\u00e4tte, heute fr\u00fch. Dann hatte er die letzte angerufene Nummer gew\u00e4hlt (bezeichnet mit &#8222;Mutti Handy&#8220; und so nahmen die Dinge ihren Lauf.<br \/>\nEs war mir wohl aus der Tasche gefallen, als ich mich zu meiner im Auto sitzenden Mutter runtergebeugt hatte, um ihr zu sagen, dass alles bestens w\u00e4re und ich ab jetzt allein gut nach Wien kommen w\u00fcrde. Die Jackentasche war offen, weil ich sie auf-, aber nicht mehr zugemacht hatte, als mein Neffe blitzschnell mit der Mag-Lite daher kam.<\/p>\n<p>Herr Strausky ist ein alter Vespa-Fahrer und gab mir noch ein paar Tipps f\u00fcr die Fehlersuche und die Reparatur mit auf den Weg &#8211; \u00fcbrigens welche, die ich noch nicht kannte. Das Handy selbst stellte sich als doch nicht wasserfest heraus, das Display funktioniert zwar noch, hat aber einige Macken. Nokia 3720 h\u00e4lt nicht, was es verspricht.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise hatte ich eines meiner B\u00fccher einstecken und konnte es Herrn Strausky verehren. So freudig hab ich noch nie eine Widmung wo hineingeschrieben!<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag half mir Ronny mit dem Bus die GS abzuholen, die gl\u00fccklicherweise noch da war.<\/p>\n<p>Fazit: eine kaputte Vespa, ein wiedergefundenes Handy und einen netten Menschen kennen gelernt. Wer wei\u00df, wozu das alles gut ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein letzter Zusammenbruch mit einer Vespa &#8211; schon drei Tage her. So geht das nicht. Also startete ich einen neuen Versuch, mit der frisch restaurierten GS, bei der ich den Tacho zum Laufen gebracht habe, so als Sonntag-Vormittagsarbeit. 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