{"id":662,"date":"2011-07-24T22:45:28","date_gmt":"2011-07-24T21:45:28","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=662"},"modified":"2011-07-24T22:45:28","modified_gmt":"2011-07-24T21:45:28","slug":"breivik-ein-cyber-krimineller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/breivik-ein-cyber-krimineller\/","title":{"rendered":"Breivik &#8211; ein Cyber-Krimineller?"},"content":{"rendered":"<p>Was mir sofort aufgefallen ist: Der hat sich nicht hamdraht! Alle Amokl\u00e4ufer der letzten Jahre haben sich selbst erschossen. Gestern wurde mir auf die Frage danach geantwortet: Die Linken bringen sich danach um, die Rechten nicht.<br \/>\nIch bezweifle das, ohne hier irgend eine Statistik zu kennen. Aber darum geht es gar nicht. In der aktuellen Sendung &#8222;Runder Tisch&#8220; wurde es schon angesprochen: Wir leben in einem Internet-Zeitalter und das spielt eine zunehmend immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. M\u00f6glicherweise auch f\u00fcr diesen Fall. <\/p>\n<p>Davor musste man (Mann &#8211; Amokl\u00e4ufer sind meines Wissens immer m\u00e4nnlich) sich in die entsprechende Gesellschaft begeben, ob dies nun eine politische Partei oder ein Jugendlager war. Mann musste in der realen Welt Kontakte kn\u00fcpfen und etwa irgendwo von irgendwem lernen, wie man eine Bombe baut oder auch mit einer Waffe umgeht.<\/p>\n<p>Jetzt ist das nicht mehr unbedingt so. Heute kann Mann zum Amokl\u00e4ufer werden und alle Vorbereitungen treffen, ohne Mitglied einer Gruppe zu sein oder auch nur irgend jemand zu treffen. Anders Breivik hat sich nicht nur die notwendigen technischen Informationen aus dem Internet geholt, sondern auch die vielen hasserf\u00fcllten Manuskripte, die er scheinbar brauchte, um sich in seinen Wahn hineinzuleben. Er d\u00fcrfte sich von der realen Welt entkoppelt haben. Schade, dass er nicht in seiner Welt geblieben ist, sondern leider zur\u00fcckkehren musste.<\/p>\n<p>Die Ballerspiele mit t\u00e4uschend echter Grafik hei\u00dfen nicht umsonst &#8222;Ego-Shooter&#8220; oder auch &#8222;First-Person-Shooter&#8220;. Darin versucht man m\u00f6glichst realgetreu zum Amokl\u00e4ufer zu werden und alles niederzuknallen, was sich bewegt. Das Skript f\u00fcr sein reales Massaker schrieb ihm das &#8222;Game&#8220;. Irgendwann d\u00fcrften die Menschen auf der Insel f\u00fcr ihn auch nur mehr virtuelle Gestalten gewesen sein, die er umbringen musste. Im Spiel muss man sie ja auch umbringen. <\/p>\n<p>Ist es ein Gl\u00fcck, dass er bis zu seiner Verhaftung nicht mehr in die Realit\u00e4t zur\u00fcck gefunden hat? So wird sich zumindest die M\u00f6glichkeit ergeben, diesen Menschen (auch wenn das hart klingt: er ist ein Mensch und kein Tier, denn Tiere machen so etwas nicht) genau zu studieren. Die Frage ist nur, ob das was hilft. Den Toten hilft es nichts. Kann wenigstens die Gesellschaft daraus lernen?<\/p>\n<p>Bisher hatten die meisten Amokl\u00e4ufer noch einen gewissen Bezug zur realen Welt. Das ist f\u00fcr mich die beste Erkl\u00e4rung, warum sie sich selbst aus ebendieser entfernten. Anders Breivik hat sich eine komplett virtuelle Welt aufgebaut, mit einer virtuellen Gefahr (Islam), mit Guten und B\u00f6sen. Diese klare, eigentlich schon radikale Einteilung in Gut und B\u00f6se macht ihn zum Psychopath der gef\u00e4hrlichsten Sorte: vorher nicht erkennbar, extrem gef\u00e4hrlich, kaltbl\u00fctig, ohne Reue und ohne Emotionen. So stellen sich die meisten Milit\u00e4rs den idealen Soldaten vor: ohne Familie und daher ohne Bindungen und ohne Kontrolle durch andere Menschen. <\/p>\n<p>Er sieht aus wie einer von uns. Er ist auch einer von uns, und das macht ihn so gef\u00e4hrlich. Er geh\u00f6rt zur Generation Internet &#8211; einem Typ Mensch, der sich lieber am Bildschirm einen Sonnenuntergang ansieht als hinauszugehen und sich selbst einen anzusehen. Er hat Beziehungen gekn\u00fcpft, aber diese waren auch in erster Linie virtuell, also \u00fcber das Internet.<br \/>\nWarum ist er nicht vor dem Bildschirm geblieben? Das wird sicher das gr\u00f6\u00dfte R\u00e4tsel sein, das es zu kl\u00e4ren gilt. Was hat ihn dazu bewogen, zumindest in einem gewissen Ma\u00df in die Realit\u00e4t zur\u00fcckzukehren?<br \/>\nEr mag einer gewisse Veranlagung dazu haben, aber in welchem Ausma\u00df hat das Internet diese Anlagen verst\u00e4rkt, heraustreten lassen, gef\u00f6rdert? Ob er ohne Internet auch zum Massenm\u00f6rder geworden w\u00e4re, steht nicht zur Debatte, denn das Internet ist nun einmal da und scheinbar nicht nur ein Segen. Die wirre Sammlung an Ideologien und Verr\u00fcckheiten, die sich in seinem 1500 Seiten starken Pamphlet findet, ist ein gutes Zeugnis f\u00fcr die Art und Weise, wie uns das Internet beeinflusst: Wir k\u00f6nnen uns jederzeit einen Cocktail aus allen m\u00f6glichen Ideen brauen. Eine Doktorarbeit ist genauso schnell geschrieben wie eine Bombe gebaut ist. <\/p>\n<p>Entgleitet uns das Internet? Ist die derzeitige Internet-Generation der 30 bis 40j\u00e4hrigen noch nicht so gut darauf eingestellt, dass sie die sch\u00e4dlichen Seiten abwehren kann?<\/p>\n<p>Jedenfalls ist es gerade in Norwegen leicht, sich automatische Waffen zu besorgen, mit denen man die Computerspiele m\u00f6glichst realistisch in die Tat umsetzen kann. Wof\u00fcr brauchen eigentlich Privatpersonen diese Schnellfeuer-Maschinenpistolen, au\u00dfer um damit Amokl\u00e4ufe zu begehen? Zur Jagd? Zur Selbstverteidigung? Aber gegen wen? Gegen andere Amokl\u00e4ufer?<br \/>\nHoffentlich gibt es wenigstens eine Waffendebatte im sch\u00f6nen Norwegen. Den Herrn Breivik w\u00fcrde ich die Gr\u00e4ber f\u00fcr all seine Opfer schaufeln lassen. Nicht virtuell, sondern real. Und bitte, gebt ihm im Gef\u00e4ngnis keinen Internet-Anschluss. Zumindest das Recht auf die virtuelle Welt sollte er sich in der Realit\u00e4t verspielt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was mir sofort aufgefallen ist: Der hat sich nicht hamdraht! Alle Amokl\u00e4ufer der letzten Jahre haben sich selbst erschossen. Gestern wurde mir auf die Frage danach geantwortet: Die Linken bringen sich danach um, die Rechten nicht. 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