{"id":690,"date":"2011-08-28T09:06:10","date_gmt":"2011-08-28T08:06:10","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=690"},"modified":"2017-07-15T13:10:52","modified_gmt":"2017-07-15T12:10:52","slug":"57er-chevy-blade-gitarrn-und-zaunpinkeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/57er-chevy-blade-gitarrn-und-zaunpinkeln\/","title":{"rendered":"57er Chevy, blade Gitarrn und Zaunpinkeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Deja-vu<\/strong><\/p>\n<p>Legend\u00e4r die Szene am Ostbahn-IX-Platz im Sommer vor 20 Jahren. Damals spielte der Ostbahnkurti mit der Chefpartie und die Organisation war genauso mies wie diesmal. Derselbe Veranstalter? W\u00e4re m\u00f6glich. Jedenfalls gab es damals schon keine H\u00e4usln, was f\u00fcr die Damen elendslange Schlangen bedeutete und eine Art \u00fcberirdische K\u00f6rperbeherrschung und -fr\u00fcherkennung erforderte.<br \/>\nDie Herren hatten es leichter, sie gingen zu einer gro\u00dfen B\u00f6schung und pinkelten einfach hinunter in die Buschreihe. Feine Sache, bis auf den leicht alkoholisierten Herrn, der ein wenig die Balance verlor und die B\u00f6schung hinunter st\u00fcrzte, hinein in besagte, gut durchtr\u00e4nkte B\u00fcsche. Gratulation im Nachhinein.<\/p>\n<p><strong>Die Organisation<\/strong><\/p>\n<p>Diesmal gab es keine B\u00f6schung, aber auch keine Klos. Es war tats\u00e4chlich nur eine Handvoll Mobilklos vorhanden und die waren beim Eingang aufgestellt, genau am weitesten Punkt von der B\u00fchne entfernt. Da tausende Menschen dicht gedr\u00e4ngt standen, keine ganz einfache Koordinationst\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise mussten die Herren nicht so oft aufs Klo, weil auch der Biernachschub \u00fcberhaupt nicht funktionierte. Die leicht \u00fcberforderten Ausschschenksklaven hatten eine Handvoll Durchfluss-K\u00fchlanlagen, aus denen in erster Linie Schaum rauskam. Offensichtlich wussten sie nicht, dass man die F\u00e4sser trotzdem einen Tag vorher anliefern und ruhen lassen muss. Auch ein wenig K\u00fchlung h\u00e4tte dem Bier nicht geschadet, es war lauwarm mit wenig Kohlens\u00e4ure.<br \/>\nDie armen Damen und Herren hatten zudem nur eine Handkassa in Form einer Blechb\u00fcchse, in der alles Wechselgeld ungeordnet herum lag. Ewiges St\u00f6bern war die Folge, ganz abgesehen davon dass sie untereinander nicht organisiert waren. Dabei wurden gerade bei diesem Konzert die meisten Karten im Vorverkauf ausgegeben und der Veranstalter wusste sehr genau, wie viele (sehr viele!) Menschen kommen w\u00fcrden. Und wenn er nicht ganz deppat ist, dann wusste er auch, dass Ostbahnkurti-Fans jede Menge Bier und Spritzwein trinken (Thomy: &#8222;Am besten ich nehm gleich vier Bier&#8220; &#8211; Ich: &#8222;Gut, dann nehm ich auch vier&#8230;&#8220;).<br \/>\nAuch die R\u00fcckgabe der Pfandbecher war eine Katastrophe, denn daf\u00fcr musste man sich genauso lange anstellen wie f\u00fcr ein Bier.<\/p>\n<p>Auch am Eingang gab es Stress. Alles dauerte ewig, bis auf das Schlange-Bilden. Die wuchs schnell und es wurde klar: der Veranstalter hatte offensichtlich auch hier gespart (&#8222;Oh, so viele Leute, und die wollen alle jetzt vor Beginn des Konzerts rein&#8230;&#8220;) oder ist einfach unf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Sehr fein auch der Hinweis auf der Eintrittskarte, dass man nicht mit St\u00f6ckelschuhen zum Konzert kommen darf. Also:<br \/>\n1.) Ostbahnkurtifans tragen eher selten St\u00f6ckelschuhe beim Konzert.<br \/>\n2.) Schon gar nicht, wenn wetterm\u00e4\u00dfig ein Inferno angek\u00fcndigt ist<br \/>\n3.) Es war weder Zeit noch M\u00f6glichkeit, das am Eingang zu kontrollieren.<br \/>\n4.) Die Kaiserwiese hat keinen Parkettboden. Deswegen hei\u00dft sie auch &#8222;Wiese&#8220; und nicht &#8222;Salon&#8220;.<\/p>\n<p>Die netten, schlecht bezahlten und als Security verkleideten Studenten, die die Z\u00e4une absicherten, konnten irgendwann den Andrang aus Harndrang nicht mehr zur\u00fcckweisen und erkannten, dass man einen gerade an den Zaun pinkelnden Herrn in Ostbahnkurti-Stimmung besser nicht von hinten zur Ordnung weist. Dann dreht er sich n\u00e4mlich um, w\u00e4hrend dem Pinkeln. So geschah es und die Reihe der Zaunpinkler wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Es war \u00fcbrigens kein Zaun, sondern ein gro\u00dfmaschiges Gitter und somit eher eine Art Orientierungshilfe, um nicht irgendwo hin zu lullen. Was auch irgendwie egal gewesen w\u00e4re, weil es ohnehin in Str\u00f6men regnete.<br \/>\nDas wird \u00fcbrigens lustig f\u00fcr unsere Nachfolger am Tag danach, beim zweiten Konzert. Da wird es n\u00e4mlich trocken sein. Aber vielleicht treiben sie ja noch irgendwo ein paar Klos auf. Rechts vorne gab es zwar einen Klowagen, aber soll sich der gesamte linke Teil vor der B\u00fchne ganz nach rechts durchquetschen? Bei 50 Euro mal 10.000 macht das eine halbe Million Einnahme, da sollte sich die Miete ausgehen.<\/p>\n<p>Wer sich \u00fcbrigens beim zweiten Konzert die 50 Euro Eintritt ersparen will: Der besagte Zaun war nicht abgedeckt und die ber\u00fchmten Zaung\u00e4ste konnten das Konzert von drau\u00dfen in der absolut gleichen Qualit\u00e4t wie die zahlenden G\u00e4ste ein paar Meter weiter genie\u00dfen. Mit selbst mitgebrachtem Bier, ohne Schlange stehen.<br \/>\nGenerell war aber der Standort Kaiserwiese gut gew\u00e4hlt: die richtige Gr\u00f6\u00dfe, gute Sicht auf die B\u00fchne, U-Bahn daneben, gute Akustigk &#8211; da gibt es nichts zu meckern.<\/p>\n<p><strong>Des Wetter wird umschlogn, do ziagt si schee wos zsam<\/strong><\/p>\n<p>Ein strahlend sch\u00f6ner, hei\u00dfer Sommertag. Dann ab 17 Uhr starker Wind und p\u00fcnktlich zu Konzertbeginn fing es zu regnen an. Auf der Facebook-Seite wurde ger\u00e4tselt, ob das Konzert abgesagt wird, um 18 Uhr sollte es angeblich eine Entscheidung des Veranstalters geben. Ob es sie offiziell gab, wei\u00df ich nicht, aber das Konzert fand statt.<br \/>\nFast alle Menschen waren vorgewarnt und hatten Regenpellarinen mit. Ich hatte die Grundausstattung f\u00fcr Ostbahnkurti-Konzerte mit (Leiberl, fette alte Lederjacke, Stiefel, Jeans, Wayfarer), aber nur die Schuhe kamen zur Geltung, weil die Sonnenbrille sinnlos war und die Regenjacke den Rest zuh\u00fcllte. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2011.08.28_Kurti\/Leiberl.jpg\" title=\"Leiberl.jpg\" alt=\"Leiberl.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das alte Kurti-Leiberl<\/p>\n<p>Es wurde erstaunlich frisch, vor allem gegen Ende des Konzerts, als es bereits 3,5 Stunden durchregnete. Nicht extrem stark, aber das reichte. Nur wenige Hartgesottene (bzw. Weichgesoffene) waren in kurzer Hose und T-Shirt gekommen. Thomy hatte mit Converse die deutlich falsche Schuhwahl getroffen. Fr\u00fcher heimgehen? Das war f\u00fcr so ziemlich keinen der mehr als 10.000 BesucherInnen (laut ORF) eine Option.<\/p>\n<p><strong>Das Publikum<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDer Altersschnitt lag sicher \u00fcber 40, jede Menge Silberr\u00fccken und so ziemlich niemand unter 25, vielleicht ein paar der S\u00f6hne und T\u00f6chter der alten Kurti-Fans. Textfest bis fast ins Detail. Gute Stimmung trotz miesem Wetter. Der gut gelaunte Kurti und die tollen Musiker waren nicht allein f\u00fcr den Erfolg eines Konzerts verantwortlich, das in die Wiener Rock-Geschichte eingehen wird (zumindest f\u00fcr Ostbahnkurti-Fans). 3,5 Stunden im Regen durchhalten, das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2011.08.28_Kurti\/regen.jpg\" title=\"regen.jpg\" alt=\"regen.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Das alte Kurti-Leiberl<\/p>\n<p>Wenig Dr\u00e4ngerei trotz dichtem Bewuchs &#8211; das gesetztere Alter zeigt Wirkung.<\/p>\n<p><strong>Kurti, Band und Programm<br \/>\n<\/strong><br \/>\nGutgelaunt war er, der Herr Ostbahn. Nat\u00fcrlich merkt man ihm an, dass 25 Jahre vergangen sind (ich war 1987 auf meinem ersten Kurti-Konzert). Auch an der Band ist das Alter nicht spurlos vor\u00fcber gegangen. Wenn man jedoch die Augen schloss, dann war das der alte Dr. Kurt Ostbahn und die Chefpartie. Plus der Kombo, mit der ich aber schon seinerzeit nicht mehr viel anfangen konnte. Egal &#8211; allesamt gute Musiker, und sie waren alle da, auf der B\u00fchne hat es fast gewurlt: Josef Havlicek, Lilli Marschall, Mario Adretti, Wild Willy Brunner und der geniale Leopold &#8222;Prinz&#8220; Karasek, den ich lang nicht erkannt habe: graue kurze Haare, seinerzeit lange blonde Federn. Gro\u00dfartig auch Karl Horak, der eigentlich Leo Bei hei\u00dft, so wie auch die anderen Musiker in der Chefpartie immer mit ihrem K\u00fcnstlernamen aufgetreten sind. Und es hat niemand je gest\u00f6rt, die Inszenierung war stets perfekt.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht lie\u00df auch das Programm nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Gef\u00fchlt hat mir keiner der Klassiker gefehlt und ich bin selbst erstaunt, wie ich bei Liedern textfest bin, die ich seit 15 Jahren nicht mehr geh\u00f6rt habe. Gefehlt hat mir lediglich der &#8222;Stern vom Praterstern&#8220;, den ich eigentlich erwartet h\u00e4tte, denn die Kaiserwiese liegt direkt daneben. Und &#8222;Chili con Carne&#8220; hat mir auch gefehlt.<br \/>\n&#8222;Das Konzert ist hiermit offiziell zu Ende&#8230; oba mir sp\u00fcln eh glei weida&#8220; &#8211; der Kurti wei\u00df, was er seinen alten Fans schuldig ist und dass er gar nicht erst probieren muss, ohne entsprechende Zugabenmengen davonzukommen.<br \/>\nLegend\u00e4r die Gr\u00f6hlstrecke bei &#8222;\u00dcberstar&#8220;, die das Publikum auch diesmal viele Minuten lang durchhielt, w\u00e4hrend der Kurti sich eine kleine Erfrischung g\u00f6nnte. Und am Schluss nat\u00fcrlich &#8222;Tequila Sunrise&#8220;, einer der H\u00f6hepunkte, schlichtweg genial die Kombi aus Kurti, Kombo, Chefpartie und Publikum.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wenn die Musik vurbei is&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Im kurzen Interview heute in der ZIB hat der Kurti angek\u00fcndigt, dass dies ein einmaliges Ereignis war (also halt die zwei Auftritte gestern  und heute), w\u00e4hrend der Veranstalter nat\u00fcrlich davon schw\u00e4rmt, das j\u00e4hrlich zu machen.<br \/>\nHoffentlich h\u00e4lt der Kurti sein Wort. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Deja-vu Legend\u00e4r die Szene am Ostbahn-IX-Platz im Sommer vor 20 Jahren. Damals spielte der Ostbahnkurti mit der Chefpartie und die Organisation war genauso mies wie diesmal. Derselbe Veranstalter? W\u00e4re m\u00f6glich. Jedenfalls gab es damals schon keine H\u00e4usln, was f\u00fcr<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-690","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=690"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/690\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2274,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/690\/revisions\/2274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}