{"id":711,"date":"2011-09-16T08:16:36","date_gmt":"2011-09-16T07:16:36","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=711"},"modified":"2011-09-16T08:16:36","modified_gmt":"2011-09-16T07:16:36","slug":"gebannt-starren-wir-auf-den-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/gebannt-starren-wir-auf-den-euro\/","title":{"rendered":"Gebannt starren wir auf den Euro"},"content":{"rendered":"<p>In der heutigen Ausgabe von Medianet erkl\u00e4rt uns Erich Streissler (er wird dort als &#8222;Doyen der \u00f6sterr. Volkswirtschaft&#8220; tituliert, was auch immer das hei\u00dfen mag) gemeinsam mit Christian Helmenstein von der Industriellenvereinigung, dass der Euro uns mit 90 % Wahrscheinlichkeit bleibt.<\/p>\n<p>Das ist aber beruhigend! Griechenland k\u00f6nnte vielleicht austreten oder werde austreten m\u00fcssen &#8211; der genaue Wortlaut ist dem Artikel nicht zu entnehmen. Es wird nur geschrieben, dass immer mehr Volkswirte ein Scheitern des Euro &#8222;nicht mehr ausschlie\u00dfen&#8220;. Da wird von einem &#8222;Nord-Euro&#8220; gefaselt und davon, dass dieser dann &#8222;eine sichere Sache&#8220; w\u00e4re. <\/p>\n<p>Spontan fallen mir da die &#8222;Gated Communities&#8220; ein, die rund um die Welt gerade wie Schwammerln aus dem Boden wachsen. Das sind Hochsicherheits-Wohngebiete, in denen reiche Menschen im Luxus hausen. Bl\u00f6d daran ist nur, dass sie sich erstens dort gegenseitig auf die Nerven gehen, zweitens zum Arbeiten rausfahren m\u00fcssen (meist in ihren Hochsicherheits-SUVs) und drittens im Fall einer Krise dort ohnehin um nichts sicherer sind als woanders.<\/p>\n<p>Und genauso geht es uns mit dem Euro bzw. dem Nord-Euro. Letztlich wird es niemanden geben, der in einer echten Weltwirtschaftskrise seine Sch\u00e4fchen ins Trockene bringen kann. Hohe Mauern haben noch nie was gen\u00fctzt und W\u00e4hrungen kommen und gehen. <\/p>\n<p>Sich mit diesem oder \u00e4hnlichen Gedanken anzufreunden f\u00e4llt den meisten Menschen schwer, auch den Experten. W\u00e4hrungsst\u00fcrze gab es immer und wird es in Zukunft auch geben. Sie f\u00fchren meist zum Verlust der Ersparnisse, sofern diese in Geldwerten angelegt sind. Deswegen fl\u00fcchten derzeit so viele Bankmanager in reale Werte wie Grundst\u00fccke, Wald, Immobilien &#8211; sie ahnen bereits, was sich abspielen wird.<\/p>\n<p>Steht und bald der Tag bevor, an dem unerwartet der Herr Bundespr\u00e4sident am Sonntag Abend eine f\u00f6rmliche Ansprache an die lieben \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreicher h\u00e4lt, in der er ihnen erkl\u00e4rt, dass die Regierungen im Euro-Raum es zwar sehr bedauern, aber leider aufgrund von blablabla keine andere M\u00f6glichkeit sehen, als einen &#8222;Euro Neu&#8220; zu erschaffen? Man k\u00f6nne diesen Euro neu ab kommenden Montag bei jeder Bank um zwei Euro alt kaufen. Der Euro alt sei \u00fcbrigens ab jetzt nichts mehr wert, leider. Aber der Euro neu h\u00e4tte einen tollen Wert, n\u00e4mlich so viel wie der Euro alt. Wie EIN Euro alt, wohlgemerkt.<\/p>\n<p>Ich darf die gesch\u00e4tzten Leserinnen und Leser beruhigen, es gibt noch andere Szenarien. Wenn uns eine Krise trifft, und ich rede nicht von so einem Mail\u00fcfterl wie 2008\/2009, dann wird sie wahrscheinlich hart sein. So hart, dass ich nicht sicher bin, ob ich sie nicht lieber fr\u00fcher als sp\u00e4ter h\u00e4tte, weil sie auf jeden Fall umso h\u00e4rter wird, je sp\u00e4ter sie uns trifft. Warum? Weil wir derzeit mit leichtem Wahnsinn die Blasen aufpumpen und die Entwicklungen fast \u00fcberall exponentiell sind.<br \/>\nDann werden die Konsequenzen auch entsprechend hart sein.<\/p>\n<p>Kurz noch zur\u00fcck zu einer m\u00f6glichen Krise. Was k\u00f6nnte sie ausl\u00f6sen? Ein paar Hypothesen:<br \/>\n1.) Peak Oil wirkt sich aus. Die OPEC-Staaten schweigen beharrlich \u00fcber ihre tats\u00e4chlichen Vorr\u00e4te, in Texas pumpt J.R. schon lange kein \u00d6l mehr und der gr\u00f6\u00dfte \u00d6lfund der letzten 10 Jahre ist ein \u00d6lfeld im Golf von Mexico, das bei Vollausbeutung den Weltbedarf sechs Tage lang decken w\u00fcrde. F\u00fcr das Sch\u00fcrfen von zwei Litern \u00d6l aus \u00d6lsand muss man einen Liter \u00d6l verbrennen. Und doch wird \u00fcberall mantrahaft nachgebetet: Wir haben viel \u00d6l, wir haben noch lange sehr viel \u00d6l, es gibt \u00d6l ohne Ende. Das ist sehr bequem. Ob es stimmt, ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>2.) Eine Blase platzt. Anbieten w\u00fcrde sich etwa die chinesische Immo-Blase. Derzeit stehen in China ca. 60 Millionen Spekulationswohnungen leer, \u00e4hnlich wie die in den Geisterst\u00e4dten an der spanischen K\u00fcste oder in Dubai. Hauptinvestoren sind die chinesischen Banken, die im Falle eines Problems ihre Unmengen US-Staatsanleihen verkaufen m\u00fcssten. Zu einem miesen Preis, wie das halt so ist, wenn es pl\u00f6tzlich ein riesiges Angebot und wenig Nachfrage gibt. Dann krachen die US-Staatsanleihen und nicht nur die. Es k\u00f6nnte aber auch die US-Immoblase platzen oder die fondsgebundenen Lebensversicherungen, die in den gleichen Schrott investiert haben wie alle anderen. Oder die Kreditkartenblase: sehr viele Menschen leben derzeit auf Pump, vor allem was ihren Privatkonsum betrifft. <\/p>\n<p>3.) Eine Umweltkatastrophe. So etwas wie ein \u00fcberdimensionales Fukushima. In stabilen Zeiten locker handhabbar. In einer angeheizten, labilen Situation m\u00f6glicherweise der Tropfen, der das Fass zum \u00dcberlaufen bringt.<\/p>\n<p>4.) Ein Finanzcrash, der tats\u00e4chlich von einer Staatspleite ausgeht und nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, weil es zu schnell geht. Die meisten Finanztransaktionen sind heute computergesteuert und automatisiert. Da passieren Milliardenverk\u00e4ufe in Millisekunden &#8211; wir hatten das schon vor einiger Zeit, und man hat damals nichts dagegen unternommen, dass dies nicht wieder passiert. Erst vor ein paar Tagen hat ein H\u00e4ndler der UBS 1,6 Milliarden Euro mit einem Knopfdruck in den Sand gesetzt. Vier-Augen-Prinzip? Viel zu teuer!<\/p>\n<p>Wie funktioniert eigentlich Entschuldung? Kennt jemand eine andere Methode als den Crash, wo die Z\u00e4hler wieder auf Null gestellt werden? Gab es jemals schon einen langsamen Abbau von so etwas? Ich w\u00fcsste kein Beispiel.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re ein Alternativszenario? Wenn der politische Wille da ist, w\u00e4re gegen ein duales System nichts einzuwenden, auch wenn die Experten derzeit noch jammern, dass das nicht geht. Nach der Krise geht es dann doch. Das w\u00e4re eine Weltw\u00e4hrung f\u00fcr den internationalen Handel, die z. B. &#8222;Energo&#8220; hei\u00dft. Da unsere derzeitige Weltw\u00e4hrung ohnehin schon die Energie in Form des Erd\u00f6ls ist, w\u00e4re der Sprung gar nicht so gro\u00df. Und er w\u00fcrde bei einer \u00d6lkrise ein schnelles Umsteigen auf alternative Energieformen bringen, denn: Windenergie ist dann Geld in Form des Energo, Wasserenergie auch, Sonne nat\u00fcrlich etc. Weil der Energo aber nicht das kleine, lokale Alltagsleben abfangen kann, gibt es zumindest f\u00fcr eine \u00dcbergangszeit regionale Komplement\u00e4rw\u00e4hrungen (komplement\u00e4r weil sie die zentral ausgegebene Fiat-W\u00e4hrung, die ja auch der Energo w\u00e4re, erg\u00e4nzen). Es gibt sie \u00fcbrigens schon und viele stehen in den Startl\u00f6chern. Sie basieren oft auf Zeittauschsystemen und w\u00e4ren so eine gute Basis f\u00fcr die Verabschiedung des Wertmonopols der Erwerbsarbeit. Ab da hat auch etwas anderes Wert. Verlierer sind dann \u00fcbrigens die Herrschaftssysteme, weil sie das Druckmittel Geld f\u00fcr Erwerbsarbeit nicht mehr besitzen. Weniger Herren bedeutet auch weniger Knechte.<br \/>\nDer Energo w\u00e4re anfangs eher Buchgeld, um die Verh\u00e4ltnisse zwischen Staaten zu regeln, die Menschen brauchen aber konkretes Geld, mit dem sie ihr Leben organisieren. Da in einer \u00d6lkrise der Welthandel (Transport) ein Riesenproblem hat, muss sich die dann stattfindende Regionalisierung auch in der Form des dazu passenden Geldes ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Es ist ein unangenehmes Gef\u00fchl, eine Krise zu ahnen und nichts dagegen tun zu k\u00f6nnen. Und dass aus Krisen auch immer etwas Neues entsteht, ist auch nur bedingt beruhigend. Es ist letztlich genauso nichts mehr oder weniger als die Hoffnung, dass der Euro eh keine Probleme bekommen wird. Womit wir bei der Frage sind, was wir tun k\u00f6nnen. Etwas f\u00e4llt mir ein: Wir k\u00f6nnen das fassungslose Staunen schon mal \u00fcben, das wir anhand der schieren Gr\u00f6\u00dfe der n\u00e4chsten Krise ganz sicher haben werden. Immerhin, besser als nichts tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der heutigen Ausgabe von Medianet erkl\u00e4rt uns Erich Streissler (er wird dort als &#8222;Doyen der \u00f6sterr. 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