{"id":713,"date":"2011-10-23T16:18:29","date_gmt":"2011-10-23T15:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=713"},"modified":"2017-07-15T13:14:20","modified_gmt":"2017-07-15T12:14:20","slug":"der-heinz-ist-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/der-heinz-ist-nicht-mehr\/","title":{"rendered":"Der Heinz ist nicht mehr"},"content":{"rendered":"<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2011.10.23_Heinz\/Heinz.jpg\" title=\"Heinz.jpg\" alt=\"Heinz.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild: Heinz Kittenberger<\/p>\n<p>Es muss Sommer 93 gewesen sein, als ich nach Liesing fuhr, weil dort ein geiles Fest stattfinden sollte. Ich bin bei Festen gerne fr\u00fch dort, denn dann kann man interessante Menschen kennen lernen und langsam in das Fest hinein wachsen. Leider hatten mir meine Freunde noch dazu eine falsche Startzeit angegeben und so war ich tats\u00e4chlich zu fr\u00fch dort.<br \/>\nDas Fest war eine House-Party und fand in einem Schie\u00dfkeller statt. Ich wartete in der langen Auffahrt, als pl\u00f6tzlich ein h\u00fcnenhafter blonder Typ mit etwas schlacksigem Gang vor mir stand und mich begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Das war der Heinz und so hab ich ihn kennen gelernt. Wir entdeckten schnell, dass wir gemeinsame Freunde hatten und er lud mich gleich auf einen Stoli ein, denn er hatte gerade zuf\u00e4llig eine Flasche dabei, da er zu den Veranstaltern geh\u00f6rte.<br \/>\nBeiderseitige Sympathie f\u00fchrte dazu, dass wir noch in diesem Sommer gemeinsam den Rathausplatz unsicher machten und Heinz im Winter 94 mit der Greifenstein-Runde mit nach Kroatien fuhr, \u00fcber Silvester.<\/p>\n<p>Heinz war das, was man &#8222;immer gut drauf&#8220; nennt, und er war f\u00fcr jedes Fest zu haben. Mit der Zeit entdeckten wir, dass er da und dort ein klein wenig zu \u00fcbertreiben pflegte. Er hatte eine Stahlbaufirma und war auf Inneneinrichtung spezialisiert. In diesem Job war er wirklich gut, bis auf die Zahlen, die mochte er gar nicht. Und Computer auch nicht. Also schrieb ich ihm mehrere Jahre lang die Angebote, und er schickte sie dann an die Auftraggeber.<\/p>\n<p>Nebenbei jobbte er noch als Mitglied einer milit\u00e4rischen Spezialeinheit. Ich wei\u00df bis heute nicht, was daran erfunden und was die Wahrheit war. Auf einer meiner Parties stand er pl\u00f6tzlich in der Eingangst\u00fcr, mit Natojacke, Jeans, Sportschuhen und Baseball-Kappe und dr\u00fcckte mir eine Tasche in die Hand: &#8222;Bring die sofort in dein Schlafzimmer und versteck sie. Ich komm gerade von einem Auftrag und das soll niemand sehen.&#8220;<br \/>\nDie Tasche hatte einen offenen Zipp und so sah ich drin seltsame Dinge, wie eine Maschinenpistole mit Laser-Zielger\u00e4t und noch andere Waffen. So war der Heinz. Er war Profisurfer und Kickboxer, Fallschirmspringer und Weiberheld, Snowboarder und Trinker. Er war verr\u00fcckt, liebenswert, manchmal unausstehlich und oft hilfsbereit.<\/p>\n<p>Heinz erschien auf seinem eigenen Geburtstagsfest \u2013 nicht. Wir machten es beim Weihrauch und es war ein \u00dcberraschungsfest. Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung bestand darin, dass er nicht auftauchte. So blieb sein Platz leer und davor stand eine Torte. F\u00fcr den Heinz, der nicht da war. Er meinte sp\u00e4ter, er w\u00e4re spontan nach Wr. Neustadt Fallschirmspringen gegangen und h\u00e4tte sich dann mit Freunden versoffen. Und sein Handy h\u00e4tte er nicht mit gehabt. Und auf die tolle Party, auf die ich ihn mitnehmen wollte, h\u00e4tte er einfach vergessen.<\/p>\n<p>Heinz war ein sehr begabter Mensch. Viele aus meinem bzw. unserem Freundeskreis haben Dinge, die er selbst hergestellt hat. Ich habe das Gl\u00fcck, gleich eine ganze Menge zu haben, einen Kasten, Couchtische, einen CD-St\u00e4nder und vor allem eine famose Sitzgarnitur.<\/p>\n<p>ES gibt eine Menge Geschichten, die wir alle mit dem Heinz erlebt haben. Sie waren fast immer lustig und immer schr\u00e4g.<\/p>\n<p>Seine letzte berufliche Anstrengung war der Aufbau einer neuen Selbstverteidigungsmethode. Das Konzept war toll, seine Art zu unterrichten war professionell und gut. Leider konnte er es nicht mehr vermarkten, er war schon zu sehr in eine Welt hin\u00fcber gewandert, die nicht mehr die seiner Mitmenschen war. Diese nahmen ihn nicht mehr oder nur mehr zum Teil ernst. Hin und wieder blitzten seine Talente auf und es fanden Begegnungen statt. Leider nur allzu oft fl\u00fcchtete er in verr\u00fcckte Geschichten, die keiner mehr glaubte und die ihn als Mensch von uns abr\u00fccken lie\u00dfen. Ob er dies selbst wollte, werden wir nie erfahren. Der Heinz konnte auch sehr verschlossen sein und gut abblocken, er wechselte einfach das Thema oder meinte: \u201eIch bin ein Blondchen, ich darf das.\u201c<br \/>\nSo konnte er seine letzte wirklich gute Idee nicht mehr umsetzen und driftete immer mehr in eine Welt, in die ihm keiner folgen wollte und konnte. Das Fluchtvehikel war letztlich der Alkohol und es war nur mehr selten der Fall, dass man ihn n\u00fcchtern sah. Ich selbst habe ihn seit meinem letzten gro\u00dfen Geburtstagsfest nicht mehr gesehen, das war vor f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p>Bei unseren Telefonaten hatte ich nie das Gef\u00fchl, noch an ihn heranzukommen. Das war auch fr\u00fcher schwierig, aber nicht unm\u00f6glich. Seine Themen waren einseitig und immer die gleichen. Sie wiederholten sich und es war schwierig, das Interesse daran auch nur ein wenig aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>Die meisten Freunde hatten sich schon von ihm entfernt, und das aus gutem Grund. Heinz lie\u00df sich nicht helfen, bis zum Schluss nicht. Er lebte ein einsames Leben, das immer einsamer wurde, mit Hund und alter Mutter, mit seinen Geschichten aus der Vergangenheit, die leider keine Zukunft hatten. In einem sch\u00f6nen Haus, gut gesichert gegen Eindringlinge, so wie der Heinz selbst auch.<\/p>\n<p>Er ist in seinem Haus gestorben, in seiner Welt, zwischen Design und Alkohol.<\/p>\n<p>Ich werde ihn vermissen, Heinz das Blondchen, Heinz den lustigen Kumpel, den Hundebesitzer, den kreativen Menschen, den Sportler, sogar den Aufschneider und Weiberheld.<\/p>\n<p>Er geht uns voraus und irgendwann werden wir ihm folgen. Mach\u00b4s gut, lieber Heinz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: Heinz Kittenberger Es muss Sommer 93 gewesen sein, als ich nach Liesing fuhr, weil dort ein geiles Fest stattfinden sollte. 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