{"id":717,"date":"2011-10-15T22:04:46","date_gmt":"2011-10-15T21:04:46","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=717"},"modified":"2011-10-15T22:04:46","modified_gmt":"2011-10-15T21:04:46","slug":"hauptsache-neu-hauptsache-irgendwie-originell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/hauptsache-neu-hauptsache-irgendwie-originell\/","title":{"rendered":"Hauptsache neu, Hauptsache irgendwie originell"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;da darf die Funktionalit\u00e4t sich schon mal hinten anreihen. Die d\u00fcmmste Form dieser Entwicklung habe ich jetzt bei Toyota erlebt. Eigentlich eine Automarke, die ich f\u00fcr hohe Fertigungsqualit\u00e4t und clevere Fahrzeugtechnik kenne. Unser Landcruiser in Afrika ist einfach aufgebaut, hart im Nehmen und h\u00e4lt lange.<\/p>\n<p>Anders die r\u00fcschenbesetzten Schnick-Schnack-Kisten, die sie nach Europa bringen. Das neueste Beispiel ist der &#8222;Landcruiser 300&#8220;, ein Auto, das vor Sinnlosigkeit nur so strotzt. Der K\u00fcbel ist riesengro\u00df au\u00dfen, und kleiner als jeder Golf innen. Noch d\u00fcmmer ist in dieser Hinsicht nur mehr der Audi Q7 gebaut.<br \/>\nFast einen halben Meter dick sind die Innenverkleidungen und ich frage mich, was da dahinter steckt. Nur Querstreben und D\u00e4mm-Material wird es ja wohl nicht sein. Ich tippe auf hei\u00dfe Luft. Der Wagen ist \u00fcbrigens f\u00fcr die Stadt gebaut, dort geh\u00f6rt er hin, auch wenn sein Urahn ein Gel\u00e4ndewagen reinsten Wassers war (der J7, das ber\u00fchmte Buschtaxi, heute noch von allen NGOs weltweit und bei der UNO etc. im Einsatz). Der neue hei\u00dft &#8222;J15&#8220; und ist nicht mehr vergleichbar. Gel\u00e4ndefahren ist strikt verboten, au\u00dfer man m\u00f6chte sich alles kaputtmachen.<\/p>\n<p>Design schl\u00e4gt Funktionalit\u00e4t. Ein paar Beispiele:<br \/>\n1.) Hochglanzlackierte Sto\u00dfstangen bei einem Gel\u00e4ndeauto. Bei jedem Kratzer darf man das halbe Auto austauschen. Die Werkst\u00e4tten jubeln, die Kasko-Preise schnalzen gegen unendlich. Braucht kein Mensch, ist ein reines Design-Element, das mir pers\u00f6nlich nicht einmal gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>2.) Bauchige, vielfach gekr\u00fcmmte und gebogene Karosseriebleche. Das Ende des Autos ist weder vorne, noch hinten, noch auf der Seite auch nur zu erahnen. Deswegen hat sich mein Vater (seit kurzem in Besitz so eines Monsters) auch schon die Seitenflanken zerst\u00f6rt, an der Garagenwand. Auch hier: ein reines Designelement.<\/p>\n<p>3.) Die Scheinwerfer. Undinger, riesig gro\u00df, vielfach gebogen, verklebt, jede Menge Plastik. Ein kleiner Steinschlag und man muss seine Kinder als Sklaven verkaufen, um sich eines von den Tr\u00fcmmern neu leisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>4.) Der Innenraum. Selten was so funktionsbefreites gesehen. Hellbeiges Leder, quasi schon beim ersten Einsteigen automatisch versaut. Alles eng zugebaut, subjektiv f\u00fchle ich mich wie in einem Puch 500. Es war mir nicht m\u00f6glich, einen Platz zu finden, an dem ein Feuerl\u00f6scher angebracht werden k\u00f6nnte. Im ganzen Wagen nicht, auch nicht im Kofferraum. Absolut unm\u00f6glich, das ist nicht vorgesehen und geht einfach nicht. <\/p>\n<p>5.) Das M\u00e4usekino. Bildschirme wohin man blickt, tausend und eine Anzeige, in allen Farben, alles blinkt und es gibt ein halbes Dutzend Kameras au\u00dfen, mit denen man die Umgebung betrachten kann. \u00dcberall piept es und je nach eingelegtem Gang zeigen die Kameras verschiedene Ausschnitte. Dazu gibt es noch farbige Linien, so dass man erkennen kann, was in der Kamera das eigene Auto und was die Elemente in der Umgebung sind. Ein Overkill an &#8222;Features&#8220; und Sinneseindr\u00fccken. Die perfekte Ablenkung vom Fahren. <\/p>\n<p>Fahren braucht man mit dem Ding eigentlich nicht mehr, es spielt schon im Stand das gesamte Entertainment-Programm und das verlangt 100% der Aufmerksamkeit. Dann auch noch zu fahren w\u00e4re absolut fahrl\u00e4ssig. <\/p>\n<p>6.) Das absolute Highlight: der schl\u00fcssellose Z\u00fcndschl\u00fcssel. Damit hat Toyota den gr\u00f6\u00dften Bock geschossen. Es ist frei von jeder Funktionalit\u00e4t, ein reines Designelement, in der Praxis v\u00f6llig unbrauchbar. Zur Erkl\u00e4rung: Man steckt den Schl\u00fcssel in die Hosentasche und durch Funksignale erkennt der Bordcomputer, dass ein Schl\u00fcssel in der N\u00e4he ist. Dann kann man aufsperren (nat\u00fcrlich mit Druckkn\u00f6pfchen. Wehe dir, wenn die Batterie leer ist oder kaputt geht, dann bleibt man drau\u00dfen, denn es gibt keinen Schl\u00fcssel und kein Schloss mehr.).<br \/>\nMan kann auch einen Knopf zum Starten dr\u00fccken und dann wegfahren.<\/p>\n<p>Mein Vater hat mich noch eingewiesen in die vielen Besonderheiten und ich fuhr los. Am Zielort angekommen stellte ich den Wagen ab, das geht auch mittels des Starterknopfes. Ein paar Minuten sp\u00e4ter wollte ich ihn wieder starten &#8211; keine Chance, der Knopf verf\u00e4rbte sich nicht wie notwendig gr\u00fcn und ein schnarrendes Signal zeigte mir an: do geht jetzt nix!<\/p>\n<p>Den Schl\u00fcssel hatte ja mein Vater in der Hosentasche. W\u00e4hrend des Startens war er in meiner N\u00e4he, daher hat das funktioniert. Danach nicht mehr. Gl\u00fccklicherweise war ich nicht weit weg und konnte zur\u00fcck eilen, um meinem Vater den Schl\u00fcssel abzukn\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Einem Freund meines Mechanikers war das Upgrade dieser Bl\u00f6dheit zuteil geworden. Er stieg in sein Auto und fuhr auf Gesch\u00e4ftsreise nach Tirol. Nach einigen Stunden Fahrzeit fuhr er in Tirol zur Tankstelle und als er vom Bezahlen zum Auto kommt, ist dieses abgesperrt. Manche dieser neuen K\u00fcbel haben zu dem saubl\u00f6den Schl\u00fcsselsystem noch ein zus\u00e4tzliches &#8222;Sicherheitsfeature&#8220; &#8211; wenn man die T\u00fcren zuwirft, versperren sie sich automatisch nach ein paar Sekunden. Wof\u00fcr das gut ist, wei\u00df ich nicht, ich habe keine Angst vor Dieben und wenn, dann sperre ich mein Auto ab.<br \/>\nSo hatte das zur Folge, dass der gute Mann drau\u00dfen stand und auch dort blieb. Der Schl\u00fcssel war im 500 km entfernten Wien, das Handy lag nat\u00fcrlich im Auto und im Handy waren die Nummern f\u00fcr den Notfall. Bei den st\u00e4ndig wechselnden Nummern merkt sich das kein Mensch mehr und es ist eh im Telefonbuch am Handy gespeichert. Das im versperrten Auto liegt. Das war sicher eine gaudige Gesch\u00e4ftsreise.<\/p>\n<p>Bewerben tut Toyota dieses Auto \u00fcbrigens mit den Worten &#8222;Alles andere als Spielzeug&#8220;. Was genau sonst, erkl\u00e4ren sie leider nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;da darf die Funktionalit\u00e4t sich schon mal hinten anreihen. Die d\u00fcmmste Form dieser Entwicklung habe ich jetzt bei Toyota erlebt. Eigentlich eine Automarke, die ich f\u00fcr hohe Fertigungsqualit\u00e4t und clevere Fahrzeugtechnik kenne. 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