{"id":725,"date":"2011-11-29T15:54:55","date_gmt":"2011-11-29T14:54:55","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=725"},"modified":"2011-11-29T15:54:55","modified_gmt":"2011-11-29T14:54:55","slug":"ein-neuer-aufbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/ein-neuer-aufbruch\/","title":{"rendered":"Ein neuer Aufbruch"},"content":{"rendered":"<p>Was bringt Menschen dazu, \u00fcber das Meer zu fahren?<\/p>\n<p>Konkreter Anlass f\u00fcr diese \u00dcberlegungen war eine TV-Doku \u00fcber die Besiedelung der Welt durch Homo Erectus und Homo Sapiens. Eine der wichtigsten Fragen entsteht durch die fr\u00fche Besiedelung Australiens. Aufgrund der Eiszeiten war der Meeresspiegel weltweit zeitweise bis zu 150 Meter tiefer als heute. Dadurch entstanden viele Landbr\u00fccken (Beringstra\u00dfe etc.) \u00fcber die Menschen in andere Kontinente wandern konnten.<\/p>\n<p>Bei Australien ist das nicht der Fall, man musste mit Booten hin\u00fcber, da dazwischen Tiefseegr\u00e4ben liegen. Es ist heute erwiesen, dass die Menschen in der Steinzeit diese \u00dcberquerung des Meeres zustande brachten. Ganz abgesehen von der Frage WIE sie das machten, ist die Frage nach dem WARUM noch viel spannender.<\/p>\n<p>1.) Die Notwendigkeit nachfolgenden Menschen auszuweichen oder neue Siedlungsgr\u00fcnde zu erschlie\u00dfen.<br \/>\nDas ist unwahrscheinlich, da es zu dieser Zeit sehr wenige Menschen und sehr viel Platz gab. <\/p>\n<p>2.) Die Ressourcen sind zu Ende.<br \/>\nAuch unwahrscheinlich, weil es f\u00fcr die wenigen Menschen genug gab.<\/p>\n<p>3.) Der Drang nach neuen Abenteuern.<br \/>\nAuch das erscheint mir unwahrscheinlich, da das Leben ohnehin ein einziges Abenteuer darstellte und das \u00dcberleben schon schwierig genug war. Au\u00dferdem war da ja das Problem, dass diese Menschen nichts von Australien wussten, also keine Ahnung haben konnten, ob da weit drau\u00dfen auf dem Meer \u00fcberhaupt Land war und wo es war und wie weit weg.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt uns schon zur grundlegenden Problematik: Welches Denken ist notwendig, um so eine \u00dcberfahrt nicht nur zu wagen, sondern \u00fcberhaupt in Betracht zu ziehen?<\/p>\n<p>Menschen sind und waren neugierig, also gierig nach Neuem. Es gab seit immer schon (also seit Anbeginn der Menschheit) Individuen, die neugieriger waren als andere. Irgend einer stellte sich immer die Frage: Was ist hinter dem n\u00e4chsten H\u00fcgel? Was ist hinter der Bergkette? Was ist auf der anderen Seite des Flusses?<\/p>\n<p>Aber die Frage, was hinter dem Horizont des Meeres ist, erweist sich als eine qualitativ g\u00e4nzlich andere. Zu dieser Zeit gab es keine Geografie und keine Kunst der Seefahrt, es gab noch keine Idee der &#8222;Erde&#8220;, also weder flach noch rund. Oder irren wir uns selbst gewaltig in dieser Annahme? Es gibt eine notwendige Grundvoraussetzung, um \u00fcber eine Seefahrt \u00fcber das Meer \u00fcberhaupt nachdenken zu k\u00f6nnen: &#8222;Dort kann was sein.&#8220;<br \/>\nWenn man diesen Gedanken nicht hat, f\u00e4hrt man nicht. Wenn man annimmt, dass sich das Meer ewig weit hinaus erstreckt oder ein t\u00f6dlicher Abgrund lauert oder sonst irgend eine Art von Ende der Welt zu finden ist, dann f\u00e4hrt man nicht, auch nicht, wenn man muss.<br \/>\nDieses M\u00fcssen ist sowieso in Frage zu stellen, aber die Frage nach dem &#8222;Dort kann was sein&#8220; muss trotzdem positiv beantwortet werden k\u00f6nnen. Woher konnten die Menschen also das Wissen haben, dass hinter dem Meer etwas &#8211; n\u00e4mlich ein vergleichbares Land &#8211; sein kann. Vielleicht war ja bereits die M\u00f6glichkeit ausreichend, um mit viel Mut diesen Schritt zu wagen. Und man darf nicht vergessen: Um ein Land zu besiedeln, muss man eine entsprechend gro\u00dfe Anzahl an Menschen mitnehmen, zumindest Frauen, vielleicht sogar Kinder. Das setzt entsprechend gro\u00dfe Schiffe voraus und die F\u00e4higkeit, diese auch zu steuern und hochseetauglich zu machen.<\/p>\n<p>&#8222;Dort kann was sein&#8220; denkt man, wenn Information dieser Art vorhanden ist und transformiert werden kann. Wenn also der Gro\u00dfvater davon erz\u00e4hlt, dass die Vorfahren einen gro\u00dfen Bogen rund um ein Meer gewandert sind, dann k\u00f6nnte die Idee einer Abk\u00fcrzung kommen &#8211; es entsteht zumindest die Idee eines &#8222;Gegen\u00fcber&#8220;. Abgesehen von der Frage, wie man diese Art von Information von den Vorfahren bekommen kann und diese eine solche Information \u00fcberhaupt abstrahieren konnte, muss dieses Gegen\u00fcber entsprechend plastisch vorstellbar sein, und zwar inklusive so gro\u00dfer Vorteile, dass die doch deutlich erkennbaren Risiken einer Fahrt ins Unbekannte gering erschienen sein mussten.<\/p>\n<p>Wir reden hier von der m\u00f6glicherweise ersten Vorstellung vom Paradies \u00fcberhaupt. Ein Land, in dem Milch und Honig flie\u00dfen. So eine Vorstellung musste in den K\u00f6pfen entstehen, um ein derart gro\u00dfes Vorhaben \u00fcberhaupt planen zu k\u00f6nnen. Von der Komplexit\u00e4t der Leistung w\u00fcrde ich das mindestens mit dem ersten Flug zum Mond gleichsetzen. <\/p>\n<p>Das neue Land muss auf jeden Fall einen entsprechend gro\u00dfen Vorteil gegen\u00fcber dem alten, bekannten Land aufweisen. Eine Variante ist, dass dort die G\u00f6tter wohnen und man ihnen n\u00e4her kommen, vielleicht sogar bei oder mit ihnen wohnen kann. Diese Vorstellung gibt es ja auch heute noch, z. B. im Christentum. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Menschen damals Naturg\u00f6tter hatten, also einen Gott des Windes und einen der Wellen. Ihre Gottesvorstellungen waren noch nicht so anthropomorph, und ob man beim &#8222;Wind&#8220; wohnen wollte, das darf hinterfragt werden. Aber vielleicht waren auch ihre G\u00f6tter schon in menschlicher Gestalt. <\/p>\n<p>Fehlt uns das Denken, das diese Menschen hatten? Waren sie so furchtlos, dass sie auf wackeligen Fl\u00f6\u00dfen ins Nichts fuhren? Glaubten sie an G\u00f6tter, die sie besch\u00fctzen w\u00fcrden? Bis eine Besiedelung erfolgt, muss mehr als nur eine Fahrt gewagt worden sein. Kamen Menschen wieder zur\u00fcck, um zu berichten, was in der Ferne war? Dann mussten sie eine gar nicht so primitive Form der Navigation gehabt haben, oder einfach enorm viel Gl\u00fcck. Verschwanden zehn Schiffe im Nirgendwo, bis eines das ferne Land erreichte? Schickte man dann immer wieder Schiffe los, ohne zu wissen, wie es denen davor ergangen war?<\/p>\n<p>Wir haben heute keine Wissenschaft, die solche Fragen als Einzeldisziplin l\u00f6sen kann. Hier wird Interdisziplinarit\u00e4t gefragt sein, um sich dem Ph\u00e4nomen stellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bringt Menschen dazu, \u00fcber das Meer zu fahren? Konkreter Anlass f\u00fcr diese \u00dcberlegungen war eine TV-Doku \u00fcber die Besiedelung der Welt durch Homo Erectus und Homo Sapiens. Eine der wichtigsten Fragen entsteht durch die fr\u00fche Besiedelung Australiens. 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