{"id":764,"date":"2011-12-15T09:00:29","date_gmt":"2011-12-15T08:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=764"},"modified":"2011-12-15T09:00:29","modified_gmt":"2011-12-15T08:00:29","slug":"kleine-wunder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/kleine-wunder\/","title":{"rendered":"Kleine Wunder"},"content":{"rendered":"<p>In Namibia wird an die Menschen das so genannte BIG (Basis Income Grant) ausgezahlt &#8211; umgerechnet 8 Euro. Dieses Geld steht jedem Menschen ab seiner Geburt zu, jedoch leider nicht in ganz Namibia, sondern nur in einem Ort namens Otjivero. Mittels einer Karte und des Fingerabdrucks kann man sich das Geld jeden Monat auszahlen lassen. Nicht alle geben es f\u00fcr vern\u00fcnftige Dinge aus.<\/p>\n<p>Hochgerechnet w\u00fcrde es 5,7% des Namibischen Budgets kosten und mit sofortiger Wirkung 30% aller Menschen aus der Armut emporheben.<\/p>\n<p>Interessant ist die Grundidee dahinter: Jeder Mensch hat von Geburt an ein Recht zu leben. Diejenigen, die vorher schon da waren, sind die einzigen, die ihm dieses Recht geben oder verweigern k\u00f6nnen. Sie bilden zusammen die Gemeinschaft und die ist es auch, die das BIG auszahlt. Da der Staat in Namibia jedoch in seiner Entwicklung noch nicht so weit ist, \u00fcbernimmt eine evangelische Kirche plus europ\u00e4ischen Sponsoren das BIG.<\/p>\n<p>Das Problem: Es handelt sich hier wiederum um Almosen, die von den Reichen an die Armen verteilt werden. Die haben kein Anrecht darauf. Der evang. Bischof kommentiert das so: Es sollte nie Geld f\u00fcr die Armen zuerst durch die H\u00e4nde von Reichen gehen.<br \/>\nDas hat was.<br \/>\nAber was ist die Alternative? Die Reichen sind ja eben deswegen reich, WEIL sie das Geld haben. Das f\u00fchrt uns zur &#8222;Im-Zentrum-Diskussion&#8220; von neulich. Mit dem M\u00f6rtel und mit dem Chef von Berndorf. Alle dort versammelten Reichen stellten sich als totale Wohlt\u00e4ter dar, sozial bis in die Knochen, jeden Cent re-inverstierend, nat\u00fcrlich zum Wohl der gesamten Menschheit. Nur sie selbst w\u00e4ren geknechtet und w\u00fcrden ohnehin schon fast alles in Form von Steuern abgeben. Jetzt noch 0,3 % mehr Grundsteuer? Unm\u00f6glich! Sie w\u00e4ren sofort pleite, denn in Wahrheit w\u00e4re all das Geld, das sie haben, ja bei genauer Betrachtung nur Schulden und sie w\u00fcrden&#8230; ach egal, die Reichen wollen sich nichts wegnehmen lassen, das ist ja nicht neu.<\/p>\n<p>Gestern hat Christian Felber im Club 2 die Idee eingebracht, Verm\u00f6gen von \u00fcber einer Million Euro mit 1 % zu besteuern. Wilde, etwas hilflos wirkende Aufregung &#8211; das k\u00f6nne man doch nicht machen, die h\u00e4tten sich das alles hart erarbeitet und das w\u00fcrde letztlich zu einer vollkommen ungerechten Umverteilung (bei diesem Wort heulen manche Menschen noch viel viel mehr auf) f\u00fchren. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4re das ab-so-lut indiskutabel, niemals, wir geben nichts her (der Niki Lauda sagt es uns eh t\u00e4glich in der Werbung: Ich habe doch nichts zu verschenken!). Und au\u00dferdem. Und \u00fcberhaupt. Da k\u00f6nne ja jeder kommen!<\/p>\n<p>Und dann war ich gestern noch in einer Arbeitsgruppe, in der ein Banker (Bank Austria, Bereich Lobbying) meinte: Die meisten Unternehmer w\u00e4ren ohnehin komplett altruistisch und w\u00fcrden sich maximal ein paar Cent da und dort f\u00fcr eigene Bed\u00fcrfnisse aus dem Topf nehmen, den Rest des Profits jedoch in Lohnerh\u00f6hungen ihrer Mitarbeiter investieren. Fazit: lauter Heilige, weder gierig noch sonst irgendwas. Und es g\u00e4be auch keine reichen Griechen, die ihr Geld in die Schweiz gebracht h\u00e4tten &#8211; vielleicht ein paar kleinere Betr\u00e4ge, aber sonst nicht, das w\u00e4re doch aufgefallen!<\/p>\n<p>Je mehr ich dar\u00fcber nachdenke, desto interessanter wird es: Eat the Rich! Das ist immer noch ein Ausweg, wenn man sonst nichts mehr zu Fressen hat, auch wenn die wahrscheinlich nicht sehr gut schmecken. Leider betrifft das auch mich, denn im Vergleich zum M\u00f6rtel bin ich arm wie eine Kirchenmaus (punkto Geldverm\u00f6gen und Grund etc.), aber im Vergleich mit den meisten Menschen auf dieser Welt bin ich reich. Und ich will keine Mauern bauen, um das zu sch\u00fctzen, was ich angeh\u00e4uft habe. <\/p>\n<p>Da muss es eine bessere L\u00f6sung geben. Gegen das bedingungslose Grundeinkommen spricht bei uns vor allem, dass dieses Geld dann nicht mehr durch die H\u00e4nde der Reichen flie\u00dfen w\u00fcrde und sie eines starken Machtmittels beraubt w\u00fcrden. Verst\u00e4ndlich, dass sie das nicht wollen.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das jetzt? Wir werden auf das eine oder andere spannende Ereignis warten m\u00fcssen, nach dem uns sowieso keine Alternative mehr bleibt. Scheinbar brauchen wir Menschen das, ohne starken Leidensdruck gibt es keine Ver\u00e4nderung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Namibia wird an die Menschen das so genannte BIG (Basis Income Grant) ausgezahlt &#8211; umgerechnet 8 Euro. 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