{"id":826,"date":"2012-03-20T09:16:54","date_gmt":"2012-03-20T08:16:54","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=826"},"modified":"2012-03-20T09:18:58","modified_gmt":"2012-03-20T08:18:58","slug":"guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-4\/","title":{"rendered":"Guido und Thomy am Ende der Welt &#8211; eine Reise in die Mondberge des Ruwenzori \/ Tag 4"},"content":{"rendered":"<p>Tag 4: Jinja &#8211; Kibale National Park<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck sehr afrikanisch: Die Butter gesalzen, was nur bedingt mit dem Honig harmoniert. Eigentlich war sie nur geeignet, um sie sich in die Haare zu schmieren, was in Afrika ja mancherorts durchaus gemacht wird. Da ich kein Massai bin, lie\u00df ich diese Gelegenheit aus.<br \/>\nIch mag es nicht, wenn beim Essen an der falschen Stelle gespart wird. Schon das Abendessen gestern war eher bescheiden, diesmal sollte es eher noch bergab gehen. Toastbrot ist so ein Fall. In Ostafrika bekommt man normalerweise nur sehr wenig Brot und das tr\u00e4gt seine englischen Wurzeln in sich: Vor allem Toastbrot, generell nur Wei\u00dfbrot und sonst eher nichts. Das ist okay, Schwarzbrot bekomme ich zuhause ohnehin genug und wir hatten als Notvorrat f\u00fcr den Ruwenzori  sechs Packungen Pumpernickel auch dabei.<br \/>\nAber es war das billigste Toastbrot und einfach nicht gut. Also ein paar von den Bananen einstecken und ab auf die Stra\u00dfe. Vom Kingfisher war ich diesmal ein wenig entt\u00e4uscht, die Gesamtrechnung f\u00fcr eine \u00dcbernachtung zwei Personen plus Abendessen und Fr\u00fchst\u00fcck betrug 96 Dollar, das w\u00e4re vom Prinzip okay, wenn das Fr\u00fchst\u00fcck gepasst h\u00e4tte. Bedingte Empfehlung f\u00fcr das Kingfisher, das war fr\u00fcher besser. <\/p>\n<p>Noch ein Tag im Auto, als ob die gestrigen 13 Stunden nicht schon genug gewesen w\u00e4ren. Doch diesmal sollte es einfacher und schneller gehen. An der Rezeption des Kingfisher hatte ich erfahren, dass es eine Nordumfahrung (&#8222;Northern Bypass&#8220;) f\u00fcr Kampala gibt. Ich hatte die Verkehrsh\u00f6lle noch gut in Erinnerung, als wir vor sechs Jahren aus Ruanda zur\u00fcck kamen. <\/p>\n<p>Es ging gut und schnell voran, obwohl wir nicht mehr den Sonntagsbonus wie am Vortag hatten &#8211; weniger LKW, \u00e4hnlich wie bei uns. Die Nordumfahrung war leicht zu finden (erstes Roundabout auf der Hauptstra\u00dfe Jinja &#8211; Kampala, Mbarara und Fort Portal sind ausgeschildert, man f\u00e4hrt bei den diversen Roundabouts einfach immer gerade aus bis zum Ende des Northern Bypass und dann rechts) und dann muss man nur ca. 2 km unbefestigte Stra\u00dfe \u00fcberwinden, um auf die sensationell gute Schnellstra\u00dfe Richtung Fort Portal zu gelangen.<\/p>\n<p>Ein paar Worte \u00fcber die Stra\u00dfen in Uganda: Sie waren schon vor sechs Jahren nicht schlecht, aber jetzt sind sie wirklich ein Traum. Keine oder fast keine Schlagl\u00f6cher, teilweise sogar Bodenmarkierungen, asphaltierte Bankette, auf denen die Motorradfahrer unterwegs sind &#8211; auch wenn es offiziell verboten ist. Zumindest alle Hauptstra\u00dfen sind hervorragend gepflegt, auftauchende Schlagl\u00f6cher werden ausgebessert. Interessanterweise sahen wir nur sehr wenig chinesische Pr\u00e4senz, auf den Baustellen arbeiteten vor allem Ugandesen.<br \/>\nWichtig ist es im Ortsgebiet die 50er Beschr\u00e4nkung einzuhalten, \u00dcberland sind 100 erlaubt, wenngleich wir eher mit 80-90 unterwegs waren, weil erstens der Toyota keine Rakete ist und zweitens jederzeit mit allem gerechnet werden muss &#8211; Kinder, Tiere, Traktoren etc.<\/p>\n<p>Kurz nach Kampala gerieten wir in eine der \u00e4u\u00dferst zahlreichen Verkehrskontrollen. Es gibt verschiedene Arten von Polizei und sie sind an der Uniform gut zu erkennen. Die Verkehrspolizei ist in blau-grau gesprenkelt gekleidet und hat immer ein dunkelblaues Auto dabei, meist einen Pickup. Sie zeigen nur selten Interesse an Touristen und halten vor allem die zahlreichen LKW auf, um was auch immer zu kontrollieren. Sie sind gut ausgestattet und d\u00fcrften anst\u00e4ndig oder zumindest regelm\u00e4\u00dfig bezahlt werden, daher m\u00fcssen sie sich ihr Gehalt nicht von den Touristen holen, wie wir das etwa sechs Jahre vorher noch schmerzlich zu sp\u00fcren bekamen.<\/p>\n<p>Dann gibt es die motorisierte Einheit mit Polizeimotorr\u00e4dern, ganz in bl\u00fctenwei\u00df gekleidet und sehr auff\u00e4llig. Sie interessierten sich \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr uns und meist kann man sie beobachten, wie sie am Stra\u00dfenrand unter einem schattigen Baum eine ruhige Kugel schieben. <\/p>\n<p>Nur einmal wurden wir aufgehalten und der Chef der Kontrolle meinte recht deutlich, er h\u00e4tte gerne ein klein wenig von uns. Das meinte er \u00fcbrigens w\u00f6rtlich, denn mit 5 Dollar war er zufrieden und w\u00fcnschte uns noch eine gute Fahrt inkl. ein paar Hinweisen, wie weit es noch bis Fort Portal w\u00e4re. (von Kampala \u00fcbrigens ca. 300 km).<br \/>\nZu einer weiteren Unterhaltung kam es nicht, denn pl\u00f6tzlich fuhr ein Motorradfahrer vorbei und achtete nicht auf die Stopsignale. Also die ganze Meute unter wildem Geschrei auf den Pickup und nichts wie hinterher. Wir trollten uns und als wir sie \u00fcberholten, nachdem sie den Motorradfahrer erwischt hatten, winkte uns der Chef noch freundlich zu. Seitdem hatten wir immer 5 Dollar griffbereit.<\/p>\n<p>Fast ganz Uganda brennt. So erscheint es zumindest. Bis auf wenige Waldreste brennen sie alles nieder. Zuerst werden die B\u00e4ume gef\u00e4llt und zu Bauholz verarbeitet. Der Rest landet in Meilern und wird zu Holzkohle verarbeitet, die am Stra\u00dfenrand in gro\u00dfen wei\u00dfen S\u00e4cken auf die Abholung wartet. In ganz Ostafrika wird mit Holzkohle gekocht und der Bedarf ist nicht nur riesig, er steigt st\u00e4ndig.<br \/>\nDie Baumst\u00fcmpfe werden abgebrannt, damit man sie aus dem Boden bekommt und dann entsteht dort eine Bananenplantage oder sonst eine landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che.<br \/>\nAus unserer Sicht ist das traurig, aber einem Ostafrikaner bedeutet der Wald nichts, von ihm kann man nicht leben, von einer Bananenplantage schon. Da die Bev\u00f6lkerung st\u00e4ndig rasant am Zunehmen ist und der Ressourcenbedarf somit auch st\u00e4ndig steigt, wird diese Entwicklung auch nicht aufzuhalten sein. Wald gibt es bald (ich sch\u00e4tze in f\u00fcnf Jahren) nur mehr in den Nationalparks und auch die werden dann unter Druck geraten &#8211; was z\u00e4hlen die Tiere und B\u00e4ume, wenn man nichts zu Essen hat?<br \/>\nHin und wieder lassen sie einen Baum als Schattenspender stehen, aber prinzipiell sind sie gerade dabei, das Land gr\u00fcndlich abzuholzen. Und sie sind sehr schnell.<br \/>\nDas ergibt auch den f\u00fcr Afrika so typischen Geruch, den ich seit 28 Jahren mit Ostafrika verbinde: Rauch.<\/p>\n<p>Es gibt unglaublich viele Menschen und fast alle sind jung oder sehr jung. Wir haben auch in Uganda immer wieder das Phantom-Ph\u00e4nomen beobachten k\u00f6nnen: Wann immer man irgendwo im freien Land stehen bleibt, etwa um pinkeln zu gehen, tauchen pl\u00f6tzlich wie aus dem Nichts Menschen auf. Sie sind freundlich und unendlich neugierig. Sie stehen da und schauen dir zu, was auch immer du gerade machst. Selbst wenn du genau darauf achtest irgendwo stehen zu bleiben, wo garantiert keine Menschen sind, vergehen nur ein paar Sekunden, bevor einer quasi aus dem Boden w\u00e4chst. Sie kommen blitzschnell daher gerannt und dann sind sie da. Und schauen.<br \/>\nGenerell halten sich enorm viele Menschen neben der Stra\u00dfe auf, vor allem in D\u00f6rfern. Das ist nicht ungef\u00e4hrlich, denn sie pflegen recht spontan die Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren. Im Ortsgebiet f\u00e4hrt man am besten sehr vorsichtig und langsam, denn es rennt dauernd wer dr\u00fcber.<br \/>\nDas Leben spielt sich im Freien ab, in den meist sehr bescheidenen H\u00fctten oder H\u00e4usern d\u00fcrfte es nicht viel geben, weswegen man sich dort aufhalten soll. Man hat dort kein Internet und meist keinen Strom und kein Wasser, es sind eigentlich Schlafh\u00fctten und Unterst\u00e4nde wenn es regnet.<br \/>\nAlso ist man im Freien und dort auf der Stra\u00dfe oder neben der Stra\u00dfe. Man steht oder sitzt herum, wartet auf ein Matatu, \u00fcberquert von Zeit zu Zeit die Stra\u00dfe und l\u00e4sst den Tag vergehen. <\/p>\n<p>Und dann irgendwo doch noch die chinesische Fabrik. Riesig und mit hohem Zaun rundherum. Und protzigem Eingangsportal, auf dem geschrieben steht &#8222;We buy all scrap for cash&#8220;.<br \/>\nDas ist typisch, man schreibt keinen blumigen Firmennamen oben hin, sondern eine klare Botschaft: Wir kaufen allen Schrott und zahlen in bar! Gesch\u00e4ftst\u00fcchtig sind sie, die Chinesen und haben m\u00f6glicherweise schon verstanden, dass Abf\u00e4lle Rohstoffe sind. Zumindest dort in dieser Fabrik.<\/p>\n<p>Die Afrikaner haben das noch nicht so heraus, zumindest was das Wasser betrifft. \u00c4hnlich wie in Ruanda sieht man jede Menge gelbe Wasserkanister, die sie mit sich herum schleppen oder auf dem Fahrrad transportieren. Wasser in Zisternen zu sammeln ist ihnen unbekannt oder sie haben tats\u00e4chlich nicht die technischen oder finanziellen M\u00f6glichkeiten, um sich so das Leben leichter zu machen. Vielleicht haben sie auch Angst, dass sich in stehendem Wasser die Anophelesm\u00fccke vermehrt und sie noch mehr Probleme mit der Malaria bekommen.<\/p>\n<p>Irgendwann sind wir dann im Kibale National Park, der ein aus einem gro\u00dfen Wald besteht, in dem es Schimpansen gibt. Wir fahren zur Verwaltung des Uganda Wildlife Authority und verhandeln mit dem Zust\u00e4ndigen um ein Permit f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Ich wei\u00df bis heute nicht, warum er sich so lange geziert hat &#8211; es waren noch Pl\u00e4tze frei und wir haben auch brav die 220 Dollar pro Person hingelegt, um am n\u00e4chsten Tag superzeitig (05.20 Uhr) aufzustehen: ein ganzer Tag lang &#8222;Habituation Experience&#8220; &#8211; einer von Thomys Tr\u00e4umen und ich schloss mich da gerne an.<\/p>\n<p>Danach ging es in unser Quartier, ins so genannte &#8222;Chimps Nest&#8220;. Obwohl wir schon gegen 15.30 dort waren, wollten wir nach der langen und anstrengenden Fahrt nicht campen und mieteten uns eine Banda: sauber, nett eingerichtet, mit gutem Moskitonetz und Dusche im Freien. Das ist auch so eine eigene Erfindung: In einer Art Kamin wird mittels Holzkohlefeuer Wasser hei\u00df gemacht, das dann bis zu zwei Tage lang h\u00e4lt.<br \/>\nDer einzige Nachteil sind die hundsmiserablen Armaturen, die es in ganz Ostafrika zu kaufen gibt und die immer, absolut immer der letzte Mist sind. Das f\u00fchrte f\u00fcr uns zu einer unw\u00fcrdigen Duschsituation, da sich die eigentliche Dusche punkto Temperatur nicht regeln lie\u00df &#8211; entweder eiskalt oder brennend hei\u00df.<br \/>\nDer Auslass, der eigentlich f\u00fcr die F\u00fcllung einer Badewanne gedacht w\u00e4re, diente uns als Ersatzbrause, denn dort lie\u00df sich das Wasser temperaturm\u00e4\u00dfig einstellen. Also duschen in Hockstellung. Danach Spannung auf den n\u00e4chsten Tag. Werden wir sie sehen, die n\u00e4chsten Verwandten von Guido und Thomy?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 4: Jinja &#8211; Kibale National Park Das Fr\u00fchst\u00fcck sehr afrikanisch: Die Butter gesalzen, was nur bedingt mit dem Honig harmoniert. 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