{"id":831,"date":"2012-03-22T18:04:15","date_gmt":"2012-03-22T17:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=831"},"modified":"2012-03-22T18:04:15","modified_gmt":"2012-03-22T17:04:15","slug":"guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-5\/","title":{"rendered":"Guido und Thomy am Ende der Welt &#8211; eine Reise in die Mondberge des Ruwenzori \/ Tag 5"},"content":{"rendered":"<p>Tag 5: Chimpanzee Habituation Experience<\/p>\n<p>05.20 Tagwache, da ist es stockfinster am \u00c4quator, die Scheinwerfer unseres Toyotas durchschneiden die Nacht, als wir zur Station der UWA (Uganda Wildlife Authority) fahren, von wo es zu den Schimpansen geht.<br \/>\nDas Lunchpaket ist geschn\u00fcrt, gen\u00fcgend Wasser und Foto- sowie Filmausr\u00fcstung sind dabei. Das Toastbrot mit Peanut-Butter musste ich jedoch schnellstens herschenken, nicht alles f\u00fchre ich ohne Not meinem Magen zu. Passender waren da schon die Bananen.<\/p>\n<p>Die Spannung steigt &#8211; werden wir wilde Schimpansen sehen? Laut F\u00fchrer betr\u00e4gt die Erfolgsquote 85%, aber was hei\u00dft das schon und wer hat die \u00fcberhaupt festgelegt? Es gibt nur eine einzige Garantie: unsere 220 Dollar, die wir pro Person im voraus gezahlt haben, bekommen wir nicht wieder.<\/p>\n<p>Prinzipiell gibt es zwei M\u00f6glichkeiten hier im Kibale-Nationalpark: 1.) Chimp-Tracking, das bedeutet man sucht die Schimpansen und hat dann eine Stunde Zeit, sie zu beobachten. Wenn man sie findet.<br \/>\n2.) Die Habituation Experience: man findet die Schimpansen und kann sie einen Tag lang beobachten, auf den Spuren von Jane Goodall, genau das, wovon Thomy schon seit l\u00e4ngerer Zeit tr\u00e4umt und wof\u00fcr er top-motiviert ist. Also ziehen wir im Morgengrauen los, gemeinsam mit einem griechischen Profi-Fotografen und seiner Freundin plus einem F\u00fchrer und zwei &#8222;Trackern&#8220;, die uns die Schimpansen aufsp\u00fcren sollen. <\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den Gorillas, bei denen man immer wei\u00df, wo sie gerade sind und es daher die Garantie gibt, dass man sie zu Gesicht bekommt, ist das mit Schimpansen anders. Sie bewegen sich schnell und selbst wenn sie sich ganz langsam bewegen, ist das immer noch doppelt so schnell wie wir. Das sollten wir an dem Tag noch zu sp\u00fcren bekommen.<\/p>\n<p>Aber unser F\u00fchrer ist einer der besten und die Griechen, die das schon den dritten Tag machen, versichern uns, dass es die beiden Tage davor sensationell war, am zweiten Tag hatten sie die Schimpansen schon nach f\u00fcnf Minuten gefunden.<br \/>\nWir sind zuversichtlich und starten ins Geb\u00fcsch. Nach einiger Zeit entdeckt der F\u00fchrer bereits Schlafnester und wir ahnen es &#8211; gleich ist es soweit, gleich haben wir sie.<\/p>\n<p>Seit der Erfindung des Handys f\u00fcr Ugandesen sind diese nicht nur ganz narrisch auf Mobiltelefone, sondern verwenden diese auch f\u00fcr sehr sinnvolle Dinge, wie etwa die Koordination der Schimpansen-Suche. St\u00e4ndig fliegen SMS hin und her und wir wissen: gleich haben wir sie! Komisch nur, dass sie so leise sind. Schreien und streiten die nicht die ganze Zeit? Das h\u00f6rt man angeblich meilenweit und kann unsere n\u00e4chsten Verwandten daher leicht aufsp\u00fcren.<\/p>\n<p>Wie sp\u00fcrt man sie jedoch auf, wenn sie nicht schreien, ja wenn sie sich mucksm\u00e4uschenstill verhalten, so wie heute? Die sorgenvollen Gesichter der Tracker verraten uns: das wird doch nicht so leicht.<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden geben sie auf und wir verlassen dieses St\u00fcck Wald und marschieren zur Station zur\u00fcck. Dort k\u00e4me bald ein Jeep und br\u00e4chte uns in einen anderen Teil des Waldes, wo wir angeblich mehr Chancen h\u00e4tten. Immerhin haben wir schon eine Menge Urwald durchstreift und dabei unz\u00e4hlige Ladungen Spinnweben abbekommen. Genauer gesagt: Ich habe sie abbekommen, denn Thomy hielt sich schlauerweise immer zuf\u00e4llig hinter mir auf und der F\u00fchrer vor mir war einen Kopf kleiner. Ja, das macht viel aus, spinnwebentechnisch.<\/p>\n<p>Neuer Wald, neues Gl\u00fcck. Wir starten wieder zuversichtlich und ich hole mir die restlichen Spinnweben ins Gesicht, wahrscheinlich alle, die dieser Wald zu bieten hat. W\u00e4re ich auf Spinnensuche, ich w\u00e4re der gl\u00fccklichste Mensch auf Erden.<\/p>\n<p>So aber bin ich das nicht, weil es wird Mittag und wir haben noch keine Schimpansen gesehen. Doch pl\u00f6tzlich kommt Unruhe auf, es wird hektisch und wir krachen durchs Unterholz, um in eine kleine, sumpfige Senke zu gelangen. Und tats\u00e4chlich, da ist einer! Er sitzt auf einem umgest\u00fcrzten Baum, oder besser gesagt, er sa\u00df dort, denn er zog es vor, gleich wieder im Unterholz zu verschwinden.<\/p>\n<p>Schimpansen sind fast schwarz und hervorragend getarnt, in diesem dichten Wald, in dem es vor Schimpansen angeblich nur so wimmelt und 85 von 100 Touristen ein Erfolgserlebnis haben. Derzeit waren wir 4 von den restlichen 15. Wir hasteten in die Richtung, in die der Schimpanse verschwunden war und tats\u00e4chlich erhaschten wir noch ein paar Blicke auf einige dieser interessanten Tiere, aber immer nur von weit weg, zu wenig f\u00fcr gute Fotos. <\/p>\n<p>Dann waren sie ganz verschwunden, was f\u00fcr Schimpansen eine einfache Sache ist. Sie sind etwa halb so hoch wie wir Menschen und k\u00f6nnen sich elegant und flink durchs Unterholz bewegen, ganz im Gegensatz zu uns. Wir krachen taumelnd durch den Wald, ungelenk, laut und langsam. Und fluchend, wegen den Spinnweben.<br \/>\nAlso Mittagspause und dann weiter. Am Nachmittag sollte es klappen, die F\u00fchrer und Tracker diskutieren eifrig, wo die verflixten Schimpansen sein k\u00f6nnten und warum wir sie noch nicht gesehen h\u00e4tten. Das Ergebnis: Wahrscheinlich waren die M\u00e4nnchen der Gruppe an diesem Tag auf Reviergrenzenkontrolle. In so einem Fall verhalten sich die zur\u00fcck gebliebenen Weibchen und Jungen ganz ganz leise, um nicht von einer fremden Gruppe entdeckt und attackiert zu werden.<\/p>\n<p>Leider bedeutet das auch, dass wir sie nicht finden. Sie k\u00f6nnen 10 Meter neben dir im Wald sein, eine ganze Horde, und du bekommst keinen einzigen davon zu Gesicht &#8211; wer nicht laut ist, wird nicht gefunden. Gut f\u00fcr die Chimps, schlecht f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Stunden vergehen, wir rennen quer durch den Wald, H\u00fcgel hinauf, durch B\u00e4che durch, H\u00fcgel hinunter, immer getrieben von neuen SMS und Anrufen der Tracker. Nach einiger Zeit habe ich das Gef\u00fchl, dass wir schon jeden verdammten Baum in diesem Wald gesehen h\u00e4tten. Immer wieder der Blick hinauf, in die Kronen der Urwaldriesen &#8211; irgendwo m\u00fcssen sie doch stecken!<br \/>\nWir sehen Unmengen an wundersch\u00f6nen Schmetterlingen und bleiben von Zeit zu Zeit an einer Dornenranke h\u00e4ngen, die den passenden Namen &#8222;Wait a minute&#8220; tr\u00e4gt. Der Wald ist toll, ein perfektes Habitat f\u00fcr Schimpansen und ein echter Urwald, so wie es ihn bis vor einiger Zeit in ganz Uganda gab. Jetzt sind nur mehr einige k\u00e4rgliche Reste vorhanden, die aufgrund ihres Status als Nationalpark noch nicht abgeholzt wurden und daher noch Schimpansen beherbergen. Also theoretisch zumindest. Und wir hatten Wettergl\u00fcck, es war an diesem Tag trocken und sonnig. Perfekt zum Schimpansen-Beobachten.<\/p>\n<p>Dann wird es Abend. Wir kehren langsam zur Stra\u00dfe zur\u00fcck, auf der unser Jeep wartet. Dort finden wir eine ganze Horde Touristen, die tats\u00e4chlich Schimpansen gefunden haben, in einem hohen Baum gleich neben der Stra\u00dfe. Und wir sind an diesem Tag elf Stunden lang insgesamt 17 km durch den Wald gekoffert, schwitzend und mit ersten Blasen auf den F\u00fc\u00dfen. Und die h\u00e4ngen da in den B\u00e4umen genau neben der Stra\u00dfe. Es ist zum Heulen, aber andererseits: jetzt haben wir sie, die gesuchten Kerle!<br \/>\nAlso z\u00fccken auch wir unsere Kameras und filmen drauf los. Oben im Baum spielen zwei Junge und drei \u00e4ltere Schimpansen suchen nach Fr\u00fcchten und Bl\u00e4ttern. Dann wird es Zeit zu gehen, die D\u00e4mmerung ist nicht mehr fern. Aber unser F\u00fchrer raunt uns zu noch ein wenig zu bleiben, obwohl wir schon etwas geschlaucht sind. Die Schimpansen am Baum sind hoch oben und schwierig zu filmen und runterkommen tun sie auch nicht. <\/p>\n<p>Also ziehen die Touristen ab und wir bleiben allein zur\u00fcck. Doch auf einmal, wie durch ein Wunder kommen sie aus dem Wald heraus &#8211; erst einer, dann noch einer, und sie haben es nicht eilig und trotten \u00fcber die Stra\u00dfe zu den anderen. Und einer bleibt da, er hockt sich neben die Stra\u00dfe und l\u00e4sst uns nahe heran. Wir filmen und knipsen was das Zeug h\u00e4lt. Es handelt sich um ein 25 Jahre altes M\u00e4nnchen, um eines der friedlichsten Gesch\u00f6pfe unter den habituierten (also an Menschen gew\u00f6hnten) Schimpansen in diesem Wald. Und er posiert freiwillig und ganz ohne Scheu, mindestens 15 Minuten lang. Ich freue mich, als ich seinen Namen erfahre, er hei\u00dft &#8222;Herr Schwarz&#8220; und ist ein sehr sympathischer Bursche, dieser entfernte Vetter von mir. Und es is ein magischer Moment, diesen Gesch\u00f6pfen in die Augen zu schauen. Hat was!<\/p>\n<p>Dann trollt auch er sich zu den anderen auf einen hohen Baum. Im \u00dcberschwang verwandtschaftlicher Gef\u00fchle versuche ich auch auf den Baum zu klettern, scheitere aber kl\u00e4glich an meiner mangelhaften Technik. Bei den schwarzen Kerlen schaut das so spielerisch einfach aus!<\/p>\n<p>Es wird Zeit sich zu verabschieden. Ich w\u00fcnsche all diesen freundlichen Wesen, dass sie ihren Urwald noch lange haben und sich nicht zu sehr von ihnen nachkletternden Touristen beeindrucken lassen. Leider stehen die Chancen denkbar schlecht, denn die st\u00e4ndig wachsende Bev\u00f6lkerung \u00fcbt enormen Druck auf die letzten noch verbliebenen W\u00e4lder aus. Man will das Holz, man will das Land, eine Bananenplantage oder eine Teepflanzung bringt Profit, ein Wald nicht, vor allem, weil die Bev\u00f6lkerung trotz diesbez\u00fcglicher Pl\u00e4ne und Verordnungen nicht an den Einnahmen der Parks beteiligt wird. Korrupte Verwaltungsbeamte stecken das Geld lieber in die eigene Tasche und wenn die Schimpansen dann in die Felder der Bauern eindringen, werden sie erschossen, vergiftet oder verenden in Drahtschlingen.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns war es noch sch\u00f6n. Die 220 Dollar haben sich letztendlich ausgezahlt, der Dank gilt auch unserem F\u00fchrer, der den richtigen Riecher hatte und mit uns noch genau die richtige Zeit geblieben ist. Und Spinnweben sind angeblich gesund.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 5: Chimpanzee Habituation Experience 05.20 Tagwache, da ist es stockfinster am \u00c4quator, die Scheinwerfer unseres Toyotas durchschneiden die Nacht, als wir zur Station der UWA (Uganda Wildlife Authority) fahren, von wo es zu den Schimpansen geht. 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