{"id":838,"date":"2012-03-22T23:30:41","date_gmt":"2012-03-22T22:30:41","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=838"},"modified":"2012-03-22T23:30:41","modified_gmt":"2012-03-22T22:30:41","slug":"guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-6\/","title":{"rendered":"Guido und Thomy am Ende der Welt &#8211; eine Reise in die Mondberge des Ruwenzori \/ Tag 6"},"content":{"rendered":"<p>Tag 6 &#8211; Fahrt von Kibale zum Ruwenzori<\/p>\n<p>Das war ein gro\u00dfteils unspektakul\u00e4rer Tag. Ein weiteres Mal gesalzene Butter zum Honig und dann eine Stunde nach Fort Portal. Das ist eine Kleinstadt mit einer Hauptstra\u00dfe und zwei Nebenfahrbahnen, in denen eine nette Dame mit einer gelben Sch\u00fcrze Parktickets austeilt. Wof\u00fcr die sind und ob und wie man da was zahlen muss, blieb mir verschlossen.<br \/>\nIm Westen Ugandas ist Internet noch Mangelware. Es gibt drei Internet-Shops in Fort Portal, einer davon hatte auch tats\u00e4chlich Internet. Leider waren die Computer so alt, dass sich meine Webmail-Seiten nicht aufrufen lie\u00dfen. Lediglich ein paar Minuten Facebook waren drin.<\/p>\n<p>Von Fort Portal erkennt man schon die &#8222;Portal Peaks&#8220;, zumindest bei gutem Wetter. Das sind die n\u00f6rdlichsten der h\u00f6heren Gipfel, auch schon \u00fcber 4.000 Meter hoch. Wir sahen sie erst am n\u00e4chsten Tag.<br \/>\nDie Stra\u00dfe f\u00fchrt an der Ostflanke des Ruwenzori entlang, ist kurvig und bergig, aber sehr gut ausgebaut. Danach geht es \u00fcber eine Schotterstra\u00dfe etwa 15 km bergauf zu dem kleinen Ort, an dem alle Wanderungen und Touren beginnen. Nachdem wir im Office des Ruwenzori Mountaineering Service (das ist die Firma, die das Monopol hat die Touren zu organisieren) erfuhren, dass sie meine Anzahlung von vor drei Wochen noch immer nicht bekommen haben oder vielleicht schon, aber sie wissen es nicht und es w\u00fcrde bis zum n\u00e4chsten Tag dauern, ehe sie das in Erfahrung bringen konnten bla bla bla&#8230; machten wir uns auf die Suche nach einem Quartier.<\/p>\n<p>Das Anforderungsprofil war leicht: Wir wollten uns das letzte Mal f\u00fcr sechs Tage eine Dusche g\u00f6nnen und ein Abendessen haben. Zwei Kilometer weiter hatten wir ein nettes Quartier gesehen und fuhren dorthin zur\u00fcck. Ein Herr (europ\u00e4isches Aussehen oder so \u00e4hnlich) in den besten Jahren mit gro\u00dfem Schnauzer empfing uns und ich wurde den Verdacht nicht los, dass er Deutsch sprechen k\u00f6nnte.<br \/>\nNicht nur das, er hei\u00dft Otto und leitet gemeinsam mit seiner Frau Monika die Pension. Sie haben saubere sch\u00f6ne Zimmer mit gro\u00dfen Badezimmern und er hatte in seiner Jugend Koch gelernt. Perfekte Voraussetzungen f\u00fcr einen netten Abend.<\/p>\n<p>Otto wuchs ein paar hundert Meter von uns entfernt in Hernals auf, war ein Busenfreund von Udo Proksch und ging 1973 als Ingenieur nach S\u00fcdafrika. Wie viele Europ\u00e4er hat er ein bewegtes Leben hinter sich und war vor einiger Zeit in Uganda gestrandet, als Manager in einer Kobalt-Mine. Die wurde geschlossen und jetzt betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Monika hier am Ende der Welt eine Unterkunft. Er ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der Landlord ist ungef\u00e4hr das, was bei uns der B\u00fcrgermeister in Personalunion mit dem Bischof ist. Monika meinte, sie w\u00fcrde den Landlord anrufen und fragen, ob wir auf dem Grundst\u00fcck (riesig) campen d\u00fcrften. Plus einer bussifeinen Dusche nat\u00fcrlich und Otto w\u00fcrde uns ein Abendessen kochen, er w\u00e4re gelernter Koch (beim Demel&#8230;).<br \/>\nSp\u00e4ter schaute der Landlord dann pers\u00f6nlich vorbei, in einem aufgemotzten Mitsubishi Pajero mit Chromleisten \u00fcberall und dunklen Scheiben und blitzenden Alu-Felgen. Ganz so, wie sich reiche Afrikaner das vorstellen und manchmal auch verwirklichen. Ein netter Herr, Chef von etlichen Firmen (Kakao, Kaffee, Tee und noch einiges mehr) und auf dem Dach seines Pajero befand sich ein Skitr\u00e4ger. So einer, wie er auch bei uns im Winter auf den Autos ist, der mit den Gummiw\u00fcrsten zum Einklemmen der Ski.<br \/>\nAuf meine Frage, warum er einen Skitr\u00e4ger auf dem Dach h\u00e4tte, meinte er, das w\u00fcsste er bereits, dass das ein Skitr\u00e4ger w\u00e4re, aber der war schon oben, als er das Auto gekauft h\u00e4tte und er w\u00fcrde ja nicht st\u00f6ren.<br \/>\nMonika meinte, er w\u00e4re ca. 200 Mio Dollar schwer, einer der reichsten M\u00e4nner Ugandas. F\u00fcr uns war wichtig, dass er uns auf seinem Grundst\u00fcck campen lie\u00df und das passte.<\/p>\n<p>Otto ist das, was man einen Bullshit-Artist nennt. Der Wiener Ausdruck ist &#8222;G\u00b4schichtldrucker&#8220;, aber er ist einer von der feinen Sorte. So stellten wir uns am Abend gemeinsam einige Nile Special hinein und plauderten \u00fcber alles, au\u00dfer \u00fcber Gott und die Welt. Es sollte f\u00fcr sechs Tage das letzte Bier sein.<br \/>\nSo schliefen wir zwischen Schweinen, Rindern, Ziegen und Bananen dem n\u00e4chsten Tag entgegen. Noch war ungewiss, ob wir den Ruwenzori w\u00fcrden machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was mich an Ostafrika fertig macht: Es gibt keine Haken. Ich wei\u00df nicht warum, das wird mir ein ewiges Mirakel bleiben, aber es gibt keine Haken. Gar keine Haken. Egal in welchem Badezimmer oder Vorzimmer oder sonst wo man sich aufh\u00e4lt, es gibt keine Haken. Haben die nichts zum Aufh\u00e4ngen? Liegt bei den Ostafrikanern alles am Boden? Keine Haken! (Hab ich das schon erw\u00e4hnt? Egal.) Es gibt auch fast keine Ablagen und Spiegel sind manchmal so montiert, dass sich ein Zwerg b\u00fccken muss, um sich zu sehen.<br \/>\nWas bringt ihnen das? Haken sind nicht teuer und auch nicht schwer zu montieren und im Gegensatz zum H\u00e4uslpapier werden sie normalerweise nicht gefladert.   Egal, keine Haken, egal wo man ist. Vielleicht gibt es sie in 5-Sterne-Hotels, aber selbst das bezweifle ich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 6 &#8211; Fahrt von Kibale zum Ruwenzori Das war ein gro\u00dfteils unspektakul\u00e4rer Tag. Ein weiteres Mal gesalzene Butter zum Honig und dann eine Stunde nach Fort Portal. 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