{"id":849,"date":"2012-03-25T10:09:05","date_gmt":"2012-03-25T09:09:05","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=849"},"modified":"2012-03-25T10:09:05","modified_gmt":"2012-03-25T09:09:05","slug":"guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-9\/","title":{"rendered":"Guido und Thomy am Ende der Welt &#8211; eine Reise in die Mondberge des Ruwenzori \/ Tag 9"},"content":{"rendered":"<p>Tag 9: John-Matte-Hut bis Bujuku-Hut<\/p>\n<p>Der dritte Tag beginnt wie der zweite, da ich wieder mitten in der Nacht aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Hier ist es schon deutlich k\u00fchler, die H\u00fctten haben nicht nur keine Heizung, sondern sie sind auch recht zugig gebaut, also auf Betonpfeilern und der Boden besteht aus einer Lage Holzbrettern, durch deren Fugen es durchpfeift. Der einzig warme Ort ist der Schlafsack, denn auch in der H\u00fctte hat es in der Nacht nur wenige Plusgrade.<\/p>\n<p>Wir befinden uns jetzt auf ca. 3.300 Metern und ich habe das Gl\u00fcck, dass mir diese H\u00f6he nichts ausmacht und ich daher prinzipiell ganz gut schlafen kann. Die H\u00f6henangaben der verschiedenen Orte im Ruwenzori schwanken \u00fcbrigens betr\u00e4chtlich, bis zu mehreren hundert Metern. Ich habe es noch nicht geschafft eine wirklich verl\u00e4ssliche Quelle (GPS-Messung) zu finden &#8211; andererseits ist es eigentlich egal. &#8222;Hoch oben&#8220; reicht hier auch.<\/p>\n<p>Zum Fr\u00fchst\u00fcck gibt es Fried Chicken und den obligaten Toast mit Honig. Und eine Erkenntnis: zu viel Tee macht deppat. Da wir keinen Kr\u00e4utertee mit haben, sind wir nach einigen Bechern Schwarztee mit Teein vollgepumpt, was auch den kurzen Schlaf erkl\u00e4rt und sonst noch einige kleinere Beschwerden. Daher beschlie\u00dfen Thomy und ich den Tee wegzulassen und ab jetzt das zu trinken, was da ist: hei\u00dfes Wasser. Geschmacklich ist das kein Aussereisser, aber wir befinden uns im Ruwenzori und da ist alles ein wenig anders.<\/p>\n<p>Der Lower Big Bog, einer der gef\u00fcrchteten S\u00fcmpfe, beginnt gleich nach der H\u00fctte und ist komplett mit einem Steg versehen. Man muss h\u00f6llisch aufpassen, denn die Bretter sind in einem Abstand aufgenagelt, dass man mit dem Fu\u00df dazwischen passt. Wenn es wirklich nass ist, erm\u00f6glicht der Steg jedoch die m\u00fchelose \u00dcberwindung des Sumpfes.<br \/>\nDanach beginnt ein steiler Aufstieg, gefolgt vom Upper Big Bog. Dieser hat keinen Steg bzw. nur mehr Reste eines alten, aber die sonst \u00fcblichen Baumst\u00e4mme und Bretter in L\u00e4ngsrichtung, \u00fcber die man balancieren kann. Das ber\u00fchmte &#8222;Grasb\u00fcschelh\u00fcpfen&#8220; um dem tiefen Morast zu entkommen, konnten wir uns bis auf wenige Ausnahmen ersparen. Wir sanken nie tiefer als bis zum Kn\u00f6chel ein und das ist ein Privileg, das man hier nur in der Trockenzeit hat.<\/p>\n<p>Unsere italienischen Freunde hatten an diesem Tag einen wesentlich weiteren Weg, sie stiegen direkt zur Elena Hut auf 4.600 m auf, w\u00e4hrend wir nur bis zur Bujuku-H\u00fctte gingen, die auf 3.900 m liegt. Aber auch diese H\u00fctte ist eine gewisse Herausforderung, denn sie liegt in einem Talkessel, in dem sich die K\u00e4lte sammelt. So hatte es in der H\u00fctte in der Nacht Minusgrade und wir waren froh, warme Schlafs\u00e4cke zu haben.<br \/>\nVor allem Paolo, unser Wegbegleiter am Vortag hatte es schwer. Er war langsamer als die anderen und kam in den Schneeregen. Er erz\u00e4hlte uns am n\u00e4chsten Tag, dass das eine sehr schwierige Angelegenheit war, erstens der lange Aufstieg, zweitens die Mischung aus Schneefall, Schneeregen, Regen und Graupelschauer und drittens hatte einer der Tr\u00e4ger nur drei T-Shirts, die er \u00fcbereinander trug, im Schneesturm, ohne Jacke und ohne Handschuhe. Zu diesem Problem werde ich sp\u00e4ter noch mehr berichten.<br \/>\nAm Vorabend hatten die Italiener noch den Geburtstag von Graziano gefeiert und wir konnten mit einer Runde Uganda Waragi beisteuern, sie bedankten sich mit erstklassigem Parmesan.<\/p>\n<p>Wir waren froh &#8222;nur&#8220; den Central Circuit Trail zu machen und nicht den Gipfel auf dem Mt. Stanley, den wir \u00fcbrigens nie zu Gesicht bekamen, da er am Abend, an dem wir auf der Bujuku-H\u00fctte waren, in dichten Wolken verborgen war.<\/p>\n<p>Nach dem Upper Bigger Bog folgt ein weiterer Anstieg, es beginnt der Bereich der Riesensenezien, die dort ganze W\u00e4lder bilden. Das Tal, das man nun bis zum Talkessel und dem darin befindlichen See durchquert, erinnert mich ein wenig an das Teleki-Valley am Mt. Kenia und befindet sich auch auf ca. der gleichen Seeh\u00f6he. Ich bekomme eine Unterzuckerung und w\u00e4hrend wir eine kleine Essenspause machen, f\u00e4ngt es zu regnen an. Diesmal ordentlich und der erste Einsatz der Ponchos wird notwendig. Am Seeufer erfahren wir dann, wie es aussieht, wenn die S\u00fcmpfe wirklich nass sind. Man muss sich den Weg suchen, jeder Tritt will wohl\u00fcberlegt sein und oft muss man eine Route aufgeben und ein paar Meter weiter links oder rechts sein Gl\u00fcck suchen. Das ist anstrengend und kostet enorm viel Zeit. So erkl\u00e4ren sich auch die Zeitangaben f\u00fcr die Tagesetappen, die wir jeweils ordentlich unterbieten konnten. Sie sind auf nasse Bedingungen ausgerichtet und dann kommt man nicht um 14 sondern erst um 17 Uhr auf die H\u00fctte und ist entsprechend fertig. Wir brauchen auch f\u00fcr diese Etappe nur 4 Stunden und obwohl wir sp\u00e4t (um 09.50) weg kamen, sind wir doch um 13.50 auf der H\u00fctte. Dann folgt wieder ein langer Nachmittag und ein noch l\u00e4ngerer Abend, vor allem weil es drau\u00dfen immer wieder regnet und saukalt ist. Das ist der Zeitpunkt, an dem Thomy ein kleines Motivationstief bekommt, denn wir haben erst Halbzeit und ihn begeistern die Berge weit weniger als mich. Ihm ist kalt, weil er einen Fleece-Sweater zu wenig mit hat und mein alter Kaputzensweater hilft zwar, ist aber nur eine Notl\u00f6sung. Ich muss zugeben, ich habe das auch untersch\u00e4tzt, obwohl ich die Bedingungen gut kenne. Es ist das stundenlange Herumsitzen, das ausk\u00fchlt und auch eine k\u00fchle Stimmung erzeugt. Wir \u00fcberlegen, ob wir noch auf einen angrenzenden Stuhlman-Pass hinaufsteigen sollten, einfach um die Zeit zu vertreiben und weil wir noch gen\u00fcgend Kraft haben, aber das miese Wetter l\u00e4sst uns diese Gedanken schnell vergessen.<\/p>\n<p>Hier zeigt es sich erst richtig, wie wichtig warme Kleidung und vor allem trockenes Equipment ist. Was hier nass ist, wird nicht wieder trocken. Gl\u00fccklicherweise habe ich ein zweites Paar warme Schuhe mit, die ich auf der H\u00fctte anziehen kann. Am n\u00e4chsten Tag werden sie wieder verpackt und f\u00fcr die n\u00e4chste H\u00fctte auf die Reise geschickt. Besser in der Fr\u00fch in kalte, nasse Schuhe schl\u00fcpfen, denn die sind nach ein paar hundert Metern wieder ertr\u00e4glich. Aber auf der H\u00fctte braucht man ein Paar trockene Schuhe.<\/p>\n<p>So geht der dritte Tag zu Ende. Und es sollte noch einiges folgen.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Bergsteiger, die den Ruwenzori machen wollen, hier ein paar Tipps, kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>1.) Der wichtigste Tipp: Alle Kleidungsst\u00fccke einzeln in Plastiks\u00e4cke verpacken und dann in den Rucksack. Die warme Jacke und der Schlafsack haben dabei Priorit\u00e4t. Bitte nicht darauf verlassen, dass der moderne und teure Rucksack wirklich wasserdicht ist!<\/p>\n<p>2.) Ein Buch f\u00fcr die langen Nachmittage mitnehmen. Bis zum Sonnenuntergang ist gen\u00fcgend Licht um zu lesen vorhanden.<\/p>\n<p>3.) Teleskopstecken. Das RMS achtet zwar darauf und man kann sich welche ausborgen, aber man sollte sich eigene Stecken mitnehmen. Die besten sind die mit zwei Handgriffen untereinander, denn dann kann man auf Steilpassagen den Griff wechseln (Tipp der Italiener). Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr im Ruwenzori ist das Umkn\u00f6cheln bzw. die entsprechenden Verletzungen. Bergrettung ist weit, es gibt zwar zwei Tragen und man zahlt f\u00fcr die Bergrettung einen gewissen Betrag automatisch mit, aber wie das in der Praxis aussieht, ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>4.) Ein paar wasserdichte Stiefel. Das ist schwierig, denn die meisten Herstellerangaben halten nicht, was sie versprechen. Das war z.B. bei meinen Haix-Schuhen so. Eine Alternative sind Gummistiefel. Etliche Bergsteiger berichteten uns, dass man damit gar nicht so schlecht gehen k\u00f6nne. Alle F\u00fchrer und Tr\u00e4ger gehen ausschlie\u00dflich mit Gummlern. Ich selbst hatte Angst vor Blasenbildung, aber meine Variante war letztlich auch keine optimale. Geschwitzt habe ich in meinen tollen Goretex-Schuhen auch nicht weniger als in Gummistiefeln.<\/p>\n<p>5.) Kopftaschenlampe. Heute haben die alle LED und halten mit einer Batteriegarnitur ewig. Die kosten bei uns ca. 5 Euro und sind auch tolle Geschenke f\u00fcr F\u00fchrer oder Tr\u00e4ger.<\/p>\n<p>6.) Ein zus\u00e4tzlicher alter Schlafsack oder eine alte Jacke als Geschenk. Dazu sp\u00e4ter noch mehr.<\/p>\n<p>7.) Ein desinfizierendes Handgel (z.B. Ombia Med von Hofer\/ALDI). Nicht nur f\u00fcr Hygienefanatiker. Ein paar Tropfen auf die H\u00e4nde, verreiben, passt. <\/p>\n<p>8.) Ein Waschlappen. F\u00fcr die kleine W\u00e4sche, man glaubt gar nicht, was ein Schaffel mit warmem Wasser alles bewirken kann, f\u00fcr K\u00f6rper und Seele. Der Waschlappen ist dabei ausgesprochen hilfreich.<\/p>\n<p>9.) Bei der Ankunft bzw. Abreise bei Otto und Monika einkehren. Ca. 2 km vor dem RMS auch auf der rechten Seite bergauf. Sehr sauber, nett, nicht teuer und es gibt eine tolle hei\u00dfe Dusche. <\/p>\n<p>10.) Pole Pole. Das gilt f\u00fcr alle hohen afrikanischen Berge und darf hier noch einmal gesagt werden. Zu schnell gehen ist keine gute Idee. Zeit lassen, der Berg verlangt das, manchmal l\u00e4sst er die zu Schnellen nicht hinauf. Selbst unser F\u00fchrer mit 20 Jahren Erfahrung war manchmal zu schnell. Das ist \u00fcbrigens ein Tipp von Otto: brems den F\u00fchrer ein, er passt sich dann deiner Geschwindigkeit an.<\/p>\n<p>11.) Viel trinken. Darauf hat Stephen, unser F\u00fchrer, sehr genau geachtet. Man vergisst es einfach und f\u00fchlt sich gar nicht durstig, aber eine Regel sagt: Wenn Du Durst hast, ist es zu sp\u00e4t. Gerade dort oben braucht der K\u00f6rper viel Wasser. Wir hatten stets zwei Flaschen mit. Man kann sie regelm\u00e4\u00dfig an den B\u00e4chen und Fl\u00fcssen auff\u00fcllen, das Wasser ist bedenkenlos trinkbar. Ganz oben, am vierten und f\u00fcnften Tag haben wir hei\u00dfes Wasser in Thermoskannen getrunken. (Kr\u00e4utertee w\u00e4re die Alternative gewesen). Thermoskanne mitnehmen! Zu wenig Fl\u00fcssigkeit kann die H\u00f6henkrankheit verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>12.) Ab dem dritten Tag Handschuhe in den Tagesrucksack. Es wird kalt und das Wetter ist komplett unberechenbar.<\/p>\n<p>13.) Kopfbedeckung und zwar immer. Ich bevorzuge einen breitkrempigen Hut, weil der Ohren und Hals sch\u00fctzt. Ideal ist auch ein lang\u00e4rmeliges Hemd, bei dem man den Kragen aufstellen kann. Auf den H\u00e4nden bekam ich trotz Dauerbew\u00f6lkung einen Sonnenbrand, die Sonne ist auf 4.000 m direkt am \u00c4quator kein Spa\u00df und ein Sonnenstich bedeutet das Ende der Tour oder zumindest eine betr\u00e4chtliche Erschwernis.<\/p>\n<p>14.) Bescheidenheit. Man lernt sie ohnehin am Berg, sollte aber schon eine gewisse Portion davon mitbringen. Essen, W\u00e4rme, Hygiene, Platz &#8211; am Ende der Welt gilt es nichts zu beweisen und es ist auch nicht luxuri\u00f6s. Wer lieber im klimatisierten 5-Sterne-Hotel einen Drink schl\u00fcrft, sollte nicht in den Ruwenzori gehen. Sechs Tage keine Dusche &#8211; noch Fragen?<\/p>\n<p>15.) Schwindelfreiheit und ein guter Gleichgewichtssinn. Viele Stellen sind ausgesetzt, wenngleich keine echte Kletterei (au\u00dfer man geht auf die Gipfel, aber diese Leute brauchen meine Tipps wahrscheinlich eh nicht). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 9: John-Matte-Hut bis Bujuku-Hut Der dritte Tag beginnt wie der zweite, da ich wieder mitten in der Nacht aufwache und nicht mehr einschlafen kann. 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