{"id":85,"date":"2009-01-26T11:10:54","date_gmt":"2009-01-26T10:10:54","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=85"},"modified":"2024-02-05T18:29:41","modified_gmt":"2024-02-05T17:29:41","slug":"afrika-21-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/afrika-21-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Afrika als Kontinent des 21. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick klingt das komisch: wie und warum soll ein Kontinent, der den westlichen L\u00e4ndern scheinbar so unglaublich hinterherhinkt, unsere Zukunftshoffnung sein? Welch wahnwitzig-romantische Vorstellung reitet mich, so etwas zu behaupten, ja nur zu denken? Der Schwarz ist ein relativ hoffnungsloser Fall von Afrika-Fan, das muss es sein!<br \/>\nIch denke, so leicht sollten wir es uns nicht machen. Ein paar <strong>Fakten<\/strong>:<br \/>\nDer afrikanische Kontinent wird derzeit hemmungslos ausgebeutet, und zwar von Europa, den USA und China \u2013 ein wenig spielen noch andere Staaten wie Indien und andere L\u00e4nder in Asien auch mit.<br \/>\nWir kaufen billig Rohstoffe, die wir mit entsprechender Wertsch\u00f6pfung verarbeiten. Die fertigen Produkte verkaufen wir dann teuer nach Afrika und lassen uns mit den Devisen bezahlen, die wir f\u00fcr die Rohstoffe bezahlt haben.<br \/>\nSo bekommen wir fast alles und die Afrikaner fast nichts. Wir werden dazu noch reicher und sie werden \u00e4rmer, weil sich ihre L\u00e4nder \u00f6konomisch nicht weiterentwickeln k\u00f6nnen (es fehlt das Geld und die Politiker sind korrupt). Das <strong>erste Pulverfass<\/strong>, auf dem alle sitzen, ist die <strong>Endlichkeit der Rohstoffe<\/strong>. Derzeit wird alles vollkommen hemmungslos abgebaut, umgeschnitten und ausgebeutet, gro\u00dfe Teile des Regenwaldes sind bereits verschwunden und wachsen auch nicht mehr nach. Auch die Bodensch\u00e4tze sind irgendwann zu Ende.<br \/>\nGenauso schlimm ist der <strong>Nahrungsmittelraub<\/strong>. Wir zwingen die Afrikaner bestimmte Pflanzen anzubauen, da wir ihnen sonst kein Geld geben. Die Ernten kaufen wir ihnen billig ab und liefern ihnen daf\u00fcr unsere Nahrung um teures Geld. Gegen ihre sonstigen Exporte bauen wir Zollschranken, so dass sie keine Gewinne mit Exportwaren machen k\u00f6nnen. Bei uns hingegen m\u00fcssen Lebensmittel tonnenweise vernichtet werden, weil sie entweder in bestimmte Marketingstrategien nicht hineinpassen oder aufgrund von Lobbying oder anderen politischen Kr\u00e4ften irgendjemand st\u00f6ren.<br \/>\nWehe uns, wenn die Afrikaner irgendwann Internet haben und die Bilder sehen, wie lastwagenweise frisches Obst, Gem\u00fcse, Brot, Milch, Getreide, Tiefk\u00fchlwaren und andere Lebensmittel zerhackt und verbrannt oder einfach auf eine gro\u00dfe M\u00fcllkippe geworfen werden. Hier der <strong>\u00dcberfluss<\/strong>, der mit hohem finanziellem Aufwand vernichtet werden muss, um irgendwelche lokalen M\u00e4rkte preislich rentabel zu halten, dort der <strong>Hunger<\/strong>.<br \/>\nIch lasse das Argument, dass wir unsere \u00dcbersch\u00fcsse ja nicht den langen Weg dorthin schicken k\u00f6nnen, etwa weil das zu teuer w\u00e4re, nicht gelten. Erstens: Wieso produzieren wir diese \u00dcbersch\u00fcsse \u2013 hier liegt der erste Fehler im System. Zweitens wird es erst dann richtig teuer, wenn wir die Rechnung f\u00fcr unsere Misswirtschaft geliefert bekommen.<br \/>\nWir werden sie von den Afrikanern geliefert bekommen und sie wird sehr, sehr hoch sein, wenn wir nicht rechtzeitig einen Turnaround schaffen.<br \/>\nDer Grund daf\u00fcr ist einfach: die Afrikaner basteln derzeit an einer <strong>riesengro\u00dfen Waffe<\/strong>, die all unsere Waffen locker auf einmal besiegen kann: der <strong>Bev\u00f6lkerungswachstum<\/strong>. W\u00e4hrend unsere Bev\u00f6lkerungen schrumpfen, explodieren die Afrikaner. In einem Dokumentarfilm hat ein Afrikaner relativ emotionslos angemerkt: Wartet, bis wir zu euch kommen und dann versucht, hohe Mauern zu bauen. Es wird euch nichts n\u00fctzen!<br \/>\nEr hat Recht \u2013 nicht mehr und nicht weniger. Derzeit kommen ein paar tausend Fl\u00fcchtlinge im Jahr. Wenn es jedes Jahr 20 oder 30 Millionen sind \u2013 was machen wir dann? Wie hoch m\u00fcssten die Mauern sein, hinter denen wir uns verstecken wollen? Werden wir dann Atombomben auf Afrika werfen aus irgendeinem Grund, den wir uns dann noch schnell ausdenken?<br \/>\nWerden wir gr\u00fcndlichen Mehrfachgenozid betreiben?<br \/>\nWir sollten uns vielleicht die Frage stellen, warum die denn kommen wollen. Heute ist es so, dass sie sich ihr Leben, ihr \u00dcberleben tats\u00e4chlich nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Es handelt sich nicht um wirtschaftliche Fl\u00fcchtlinge, sondern um politische. Sie fl\u00fcchten vor unserer Politik, die wir ihnen seit Jahrzehnten aufzwingen. S<strong>ie fl\u00fcchten vor unserer Politik zu uns.<\/strong> Das Argument, dass es sich dort um &#8222;barf\u00fc\u00dfige Neger&#8220; handelt, die nichts von Zivilisation verstehen, daher minderwertig sind und aufgrund interner Korruptionssysteme nichts weiterbringen, brauche ich nicht zu widerlegen. Es widerlegt sich in den n\u00e4chsten Jahrzehnten von selbst.<br \/>\nKein Afrikaner verl\u00e4sst seine Heimat, weil es so lustig ist oder weil er sich woanders ein besseres Einkommen verspricht.<br \/>\nEs kommt allerdings nicht nur die Rache f\u00fcr unseren Arroganzm\u00fcll, den wir in ganz Afrika verstreuen, von dort wieder zu uns, sondern auch <strong>Hoffnung<\/strong>. Was k\u00f6nnen wir von Afrika lernen, was k\u00f6nnen wir profitieren, das es uns erm\u00f6glicht, die Augen zu \u00f6ffnen?<\/p>\n<p><strong>1. Die Lebenslust<\/strong><br \/>\nWir versuchen mit viel Geld und noch mehr Aufwand unsere Freizeit zu f\u00fcllen: wir erfinden die verr\u00fccktesten Sportarten, verausgaben uns beim Wellness, dr\u00f6hnen uns mit hunderten Fernsehprogrammen zu, saufen uns an und vereinsamen in Singlehaushalten. Wir rufen an jeder Ecke nach Entertainment, wir wollen, dass eine Show die n\u00e4chste jagt und sp\u00fcren immer weniger Befriedigung dabei, weswegen das n\u00e4chste Auto auch immer noch st\u00e4rker und schneller sein muss als das vorherige.<br \/>\nDie Afrikaner lachen uns daf\u00fcr aus. Sie nippen sehr wohl auch selbst and dieser Droge und verfallen ihr auch, es gibt aber gen\u00fcgend Afrikaner, die sich noch das urspr\u00fcngliche Menschsein bewahrt haben. Sie sind teilweise bettelarm und trotzdem fr\u00f6hlich. Wie machen die das?<\/p>\n<p><strong>2. Die Langsamkeit<\/strong><br \/>\nDie Europ\u00e4er haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit \u2013 sagt ein altes Sprichwort. Wir nennen es Faulheit und M\u00fc\u00dfiggang, die Afrikaner nennen es einfach \u201eLeben\u201c und sind zufrieden damit. \u00dcberall dort, wo wir sie nicht mit unserer Zeitraffer- und Leistungskrankheit anstrecken, sind sie zufrieden. Sie sehen keinen Sinn darin, den ganzen Tag wie die Verr\u00fcckten herumzuhetzen, um Geld zu verdienen. Wenn wir auf das verzichten w\u00fcrden, was wir zuviel haben, h\u00e4tten wir genauso viel Zeit wie sie.<\/p>\n<p><strong>3. Die Bescheidenheit<\/strong><br \/>\nDie unbescheidensten Afrikaner sind diejenigen, die in unseren Eliteuniversit\u00e4ten studiert haben und danach in Afrika hohe Regierungs\u00e4mter innehaben. Sie sind genauso gierig wie wir, daher die hohe Korruption, die es in Afrika in den meisten Staaten erwiesenerma\u00dfen gibt.<br \/>\nAnsonsten sind sie bescheiden in dem Sinn, dass sie mit dem zufrieden sind, was sie brauchen. Wir hingegen sind nicht einmal mit dem zufrieden, was wir NICHT brauchen. Wenn ich Freunden zuh\u00f6re, wie sie stundenlang sich dar\u00fcber aufregen, dass ihnen der Autoh\u00e4ndler die falschen Alufelgen f\u00fcr ihr Drittauto verkauft hat, dann wird mir das nur allzu klar.<\/p>\n<p><strong>4. Der Reichtum<\/strong><br \/>\nWenn wir es schaffen, unsere Wirtschaft aus dem Wahnsinn zu befreien und den Afrikanern ihre wirtschaftliche Freiheit wiederzugeben, dann warten dort unersch\u00f6pfliche M\u00e4rkte, die f\u00fcr eine lange Zeit entsprechende Prosperit\u00e4t erm\u00f6glichen. Damit ist aber nicht gemeint, dass wir ihnen einfach noch mehr von dem Schrott aufdr\u00e4ngen, den wir derzeit erzeugen, sondern dass es sich um wertvolle Handelspartner dreht, zu denen sie sich entwickeln k\u00f6nnen.<br \/>\nEin weiterer Reichtum ist das vorhandene Wissen der Afrikaner.<\/p>\n<p><strong>5. Die wahren Sch\u00e4tze der Natur<\/strong><br \/>\nNoch vor 20 Jahren gab es auf Madagaskar europ\u00e4ische Biologen, die am Rande des Urwaldes lebten. Sie gingen einmal im Jahr f\u00fcr ein paar Stunden in den Wald und kamen mit so vielen neuen Pflanzenarten zur\u00fcck, dass sie f\u00fcr ein ganzes Jahr zu tun hatten. Madagaskar hat diese Urw\u00e4lder inzwischen abgeholzt, um einerseits Brennholz zu erzeugen und anderseits Tropenholz f\u00fcr die westliche Welt exportieren zu k\u00f6nnen und drittens, um neues Weide- und Ackerland zu schaffen, um die \u00dcberbev\u00f6lkerung ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen (daf\u00fcr auch das Brennholz)<br \/>\nWenn wir es schaffen, die Abholzung der Regenw\u00e4lder zu stoppen, helfen wir m\u00f6glicherweise nicht nur unserem Erdklima, sondern k\u00f6nnen auch von den reichen Natursch\u00e4tzen profitieren, die es dort gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick klingt das komisch: wie und warum soll ein Kontinent, der den westlichen L\u00e4ndern scheinbar so unglaublich hinterherhinkt, unsere Zukunftshoffnung sein? Welch wahnwitzig-romantische Vorstellung reitet mich, so etwas zu behaupten, ja nur zu denken? 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