{"id":852,"date":"2012-03-26T18:08:46","date_gmt":"2012-03-26T17:08:46","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=852"},"modified":"2012-03-26T18:11:32","modified_gmt":"2012-03-26T17:11:32","slug":"guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-10\/","title":{"rendered":"Guido und Thomy am Ende der Welt &#8211; eine Reise in die Mondberge des Ruwenzori \/ Tag 10"},"content":{"rendered":"<p>Tag 10 &#8211; von der Bujuku-Hut zur Kitandara Hut<\/p>\n<p>Auch an diesem Tag hatten wir gro\u00dfe Versp\u00e4tung beim Abmarsch. Thomy hatte durchblicken lassen, dass er gerne zwei Etappen an einem Tag machen w\u00fcrde, um schneller wieder unten im Tal zu sein. Da wir die bisherigen Tage nur 4-5 Stunden gegangen waren, rechnete er sich gute Chancen aus.<\/p>\n<p>Doch Stephen kam nicht und nicht daher. Wollte er uns nur eine Etappe schaffen lassen, etwa weil er plus die anderen Leute nach Tagen bezahlt werden und ein Tag k\u00fcrzer f\u00fcr ihn weniger Geld bedeutet? Wir fanden das nicht heraus. Er meinte, sein Fr\u00fchst\u00fcck h\u00e4tte sich verz\u00f6gert, weil sie zuwenig Kohle zum Kochen gehabt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Der Scott-Elliot-Pass hatte es in sich, war aber letztlich nicht wirklich schwer. Zuerst im Kessel noch ein Sumpf und dann ein steiler Aufstieg. Auf der anderen Seite ging es bergab und Thomy ging mit unserem Koch Ambrose ein Eiltempo, w\u00e4hrend ich in normalem Tempo weiter ging. So war er nach insgesamt drei Stunden bei der H\u00fctte, w\u00e4hrend ich vier brauchte. Wir waren aber beide am fr\u00fchen Nachmittag schon am Ziel und Thomy dr\u00e4ngte darauf, noch eine Etappe zu machen. Ambrose und Stephen beratschlagten, aber Stephen meinte letztlich, das w\u00e4re nicht zu schaffen.<br \/>\nWie wir am n\u00e4chsten Tag erfuhren, w\u00e4re es tats\u00e4chlich zumindest sehr knapp geworden, wenn auch theoretisch machbar. <\/p>\n<p>So gingen wir noch ein wenig an dem malerischen See spazieren, an dessen Ufer die H\u00fctte liegt. Auf einer kleinen Anh\u00f6he waren wir dann im Kongo, denn genau dort verl\u00e4uft die Grenze. Die Kitandara-H\u00fctte ist alt, aber genauso ausgestattet wie die anderen. Obwohl sie auf 4.000 m liegt, ist es es dort etwas w\u00e4rmer als auf der Bujuku-Hut. Man schl\u00e4ft auch ganz gut, weil nach einem Abstieg die Luft etwas dicker ist.<\/p>\n<p>Am Nachmittag kamen auch die Italiener, ziemlich kaputt und gezeichnet von einer harten Gipfelbesteigung. Sogar Paolo hatte es geschafft und alle vier krochen sie in ihre Schlafs\u00e4cke. Das Wetter oben war mies, aber ich bewundere ihre Leistung, Respekt!<\/p>\n<p>Die Tr\u00e4ger schlafen hier auf uralten zerrissenen Schaumgummimatten unter einem Felsvorsprung. Laut eigenen Angaben ist es w\u00e4rmer als in der Blechh\u00fctte, die ihnen sonst noch zur Verf\u00fcgung steht. Sie machen sich ein Feuer und versuchen so die Nacht \u00fcber etwas W\u00e4rme zu ergattern. Sie haben meist keine warmen Jacken und keine Schlafs\u00e4cke, und es hat in der Nacht um die Null Grad oder auch darunter.<\/p>\n<p>Als wir diesen Felsen besichtigten, stellte sich die Frage, warum die Tr\u00e4ger so schlecht ausger\u00fcstet sind. Die Antwort ist nicht allzu kompliziert: Es gibt insgesamt 1500 Tr\u00e4ger, also ein deutliches \u00dcberangebot bei wenig Nachfrage, vor allem au\u00dferhalb der Hauptsaison. Daher kann das RMS die Preise bestimmen und die sind niedrig: 6 Dollar bekommt ein Tr\u00e4ger pro Tag (manche meinen: 4). Er k\u00f6nnte sich vom RMS einen Schlafsack oder eine Jacke mieten, aber das schm\u00e4lert den ohnehin nicht gerade \u00fcppigen Verdienst. Deswegen sind die Tr\u00e4ger auch nur im Nebenerwerb t\u00e4tig und sonst Bauern oder was auch immer. Die Jobs sind begehrt und so gibt es einen Wettbewerb darum.<br \/>\nWieso die Tr\u00e4ger lieber erb\u00e4rmlich frieren? Das wenige Geld spielt dort eine noch wesentlich gr\u00f6\u00dfere Rolle als wir gemeinhin annehmen. Die meisten Menschen leben ohne Ersparnisse, sie brauchen alles, was sie einnehmen, sofort auf. Sie k\u00f6nnen keine R\u00fccklagen machen und m\u00fcssen f\u00fcr Anschaffungen lange sparen.<br \/>\nDas Problem ist jetzt nicht nur das Frieren, sondern dadurch sind die Tr\u00e4ger auch anf\u00e4lliger f\u00fcr H\u00f6henkrankheit, weil der K\u00f6rper noch st\u00e4rker unter Stress steht. Dazu kommt noch die schwere Last und die enorme Geschwindigkeit, die sie gehen. Daher sterben auch hin und wieder Tr\u00e4ger, wenngleich es dar\u00fcber keinerlei Zahlen gibt. Einer von 1.500, was macht das schon, k\u00f6nnte man sagen.<\/p>\n<p>Wie eng das RMS kalkuliert kann ich nicht sagen, aber der durchschnittliche Tourist zahlt ca. 1000 Dollar f\u00fcr die 6-Tage-Tour. Wenn man 35 Dollar mal 5 N\u00e4chte nimmt, so sind das 175 Dollar Nationalpark-Eintrittsgeb\u00fchr. Pro Tourist braucht man 3-4 Personen als Tr\u00e4ger, F\u00fchrer, Koch. Wenn jeder 8 Dollar am Tag im Schnitt bekommt, so sind das 48 x 3 &#8211; sagen wir 150 Dollar. Weitere 140 Dollar zahlt man f\u00fcr das Essen, ich sch\u00e4tze die H\u00e4lfte davon wird wirklich f\u00fcr die Eink\u00e4ufe ausgegeben, sagen wir 75 Dollar. Dann sind wir in Summe bei 400 Dollar von 1.000. Das RMS muss dann noch die H\u00fctten erhalten und die Wege sowie diverse B\u00fcros mit Angestellten. <\/p>\n<p>Wenn man nun eine Sammlung macht und dem RMS einige Dutzend Schlafs\u00e4cke und Jacken zur Verf\u00fcgung stellt, was wird passieren? Sie werden die Gaben dankend annehmen, sofern man sie durch den Zoll durch bekommt. Dann werden sie die Ausr\u00fcstung in ein Lager bringen und entweder verkaufen oder an Touristen vermieten. Ich kenne Ostfrika seit 28 Jahren und wei\u00df, dass Hilfe nur funktioniert, wenn sie genau dorthin gebracht wird, wo sie gebraucht wird. Zu gro\u00df ist der Anreiz f\u00fcr den Missbrauch.<\/p>\n<p>Daher werde ich folgendes machen: Mein Netzwerk ist gro\u00df genug um jede Menge von den Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden sammeln zu k\u00f6nnen, die dort gebraucht werden. Das sind:<br \/>\nSchlafs\u00e4cke<br \/>\nwarme Jacken<br \/>\nRegenjacken, Windjacken bzw. Ponchos<br \/>\nWarme Pullover bzw. Sweater<br \/>\nHauben<br \/>\nHandschuhe<br \/>\nRucks\u00e4cke<\/p>\n<p>Thomy hat nat\u00fcrlich auch mitbekommen, was dort los ist und wird mich &#8211; vielleicht sogar im Rahmen seiner Firma &#8211; unterst\u00fctzen. Von der Post werde ich die Portokosten schnorren. Sie schreiben immer &#8222;Die Post bringt allen was&#8220;. Ich sage: Und was ist mit den Ugandesen?<br \/>\nEinen Geldgeber f\u00fcr die hoffentlich wirklich gro\u00dfe Kiste werde ich auch noch auftreiben. Dann mache ich daraus eine gute PR-Aktion f\u00fcr die Hauptsponsoren. Ich werde auch versuchen, das Zollproblem zu l\u00f6sen, das ist in Ostafrika immer ein Problem, da an den entsprechenden Stellen meist bereicherungsempf\u00e4ngliche B\u00fcrokraten sitzen.<\/p>\n<p>Die Kiste schicke ich an Stephen, unseren F\u00fchrer, und Ambrose, unseren Koch. Sie erscheinen mir vertrauensw\u00fcrdig und werden die Verteilung organisieren, wobei wir da auf ein neues Problem sto\u00dfen: Wie erzeugen wir das notwendige Mindestma\u00df an Gerechtigkeit? Wenn dort eine Kiste ankommt mit Gratis-Equipment, gibt es Mord und Totschlag &#8211; schon als wir nur eine Handvoll T-Shirts verteilt haben, war das ein Problem. Aber auch daf\u00fcr wird mir eine L\u00f6sung einfallen. Vielleicht l\u00e4sst sich sogar ein Gratis-Verleihsystem organisieren, wo immer diejenigen Tr\u00e4ger was bekommen, die es gerade brauchen. <\/p>\n<p>Alle, die diesen Blog lesen, sind herzlich aufgefordert nachzuschauen, ob sie altes Zeug daheim haben, das sie nicht mehr brauchen und das in obige Liste passt. Es wird den Menschen am Ende der Welt viel Freude bereiten und sie warm halten, wenn sie es gerade dringend brauchen. Ab April 2012 sammle ich die Sachen ein und m\u00f6chte noch im Fr\u00fchjahr (also vor Beginn der dortigen Sommersaison, wenn die Touren wieder losgehen) die Aktion abschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 10 &#8211; von der Bujuku-Hut zur Kitandara Hut Auch an diesem Tag hatten wir gro\u00dfe Versp\u00e4tung beim Abmarsch. 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