{"id":865,"date":"2012-03-30T19:06:03","date_gmt":"2012-03-30T18:06:03","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=865"},"modified":"2012-03-30T19:06:03","modified_gmt":"2012-03-30T18:06:03","slug":"guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/guido-und-thomy-am-ende-der-welt-eine-reise-in-die-mondberge-des-ruwenzori-tag-14\/","title":{"rendered":"Guido und Thomy am Ende der Welt &#8211; eine Reise in die Mondberge des Ruwenzori \/ Tag 14"},"content":{"rendered":"<p>Tag 14 &#8211; Queen Elizabeth National Park &#8211; Ishasha<\/p>\n<p>Regen in der Fr\u00fch, die Abfahrt zur angenehmen Uhrzeit 0800. Schon wenige Minuten nach der Abzweigung ver\u00e4ndert sich die Landschaft total &#8211; der Bereich des QENP n\u00f6rdlich das Kanals ist g\u00e4nzlich anders als der im S\u00fcden: fast keine Wolfsmilchb\u00e4ume, gr\u00fcner, mehr Akazien, ein bisschen wie in Kenia.<\/p>\n<p>Wir fahren \u00fcber eine gute Schotterstra\u00dfe, die zugleich auch eine Hauptroute in den Kongo ist. Die Br\u00fccken (f\u00fcnf an der Zahl) werden gerade erneuert und an einer Stelle sehen wir einen Rest alten Asphalts. Zu Zeiten Idi Amins war der Handel wesentlich ausgepr\u00e4gter und die gesamte Stra\u00dfe war asphaltiert. Vincente meint, wenn die politische Lage wieder besser wird, dann wird man die Stra\u00dfe wieder asphaltieren.<\/p>\n<p>Mehr als 40 km\/h sind nicht drin und so erreichen wir nach ca. zwei Stunden Ishasha. Der erste Anblick ist ern\u00fcchternd: der Gro\u00dfteil ist abgebrannt. Niemand kann genau sagen, ob da Brandstiftung war oder &#8222;nur&#8220; eine achtsam weggeworfene Zigarette.<br \/>\nNun ist das mit dem Abbrennen der Savanne so eine Sache. Es gibt Bef\u00fcrworter, die darin eine Erneuerung sehen: Frisches Gras kann wachsen, die Asche d\u00fcngt und insgesamt hat es Vorteile. Die Gegner meinen: es sterben unz\u00e4hlige Kleintiere und auch die Gro\u00dftiere m\u00fcssen fl\u00fcchten. <\/p>\n<p>Ich kann nicht sagen, was wirklich gut ist, aber das, was wir gesehen haben, ist nicht gut. Es mag schon sein, dass ein Steppenbrand da und dort auf nat\u00fcrliche Weise vorkommt, aber das, was derzeit in Uganda abgebrannt wird, ist nicht normal und auch nicht mehr gut.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr uns bedeutete es, dass wir fast keine Tiere sahen. Ein paar Elefanten, viele Impalas und einige Wasserb\u00f6cke, das war es auch schon. Wir umkreisten jeden einzelnen der legend\u00e4ren Feigenb\u00e4ume, auf denen gerne die L\u00f6wen liegen. Wir sahen am Gesicht von Vincent recht deutlich und schon ganz zu Beginn, dass es mit L\u00f6wen heute wohl nichts werden w\u00fcrde. Er f\u00fchrte uns brav durch den gesamten Park, den man \u00fcbrigens in einem halben Tag schon recht gut abgeklappert hat. Wer die F\u00fclle der Nationalparks in Kenia kennt, wird hier ziemlich entt\u00e4uscht sein.<\/p>\n<p>Nur zwei Minuten von einer Ranger-Station entfernt machten wir Mittagspause und bekamen ein vorbestelltes Essen. Gleich daneben verl\u00e4uft ein Fluss, der die Grenze zum Kongo darstellt. Auf der anderen Seite geht der Park in den Virunga-Nationalpark \u00fcber, der f\u00fcr Touristen nicht oder sehr eingeschr\u00e4nkt zug\u00e4nglich ist. Auch hier wird man sehen, was die politische Lage der n\u00e4chsten Jahre bringt.<\/p>\n<p>Direkt am Fluss befindet sich ein wirklich wundersch\u00f6ner Campingplatz, der 5 Euro pro Nacht kostet. Unter gro\u00dfen B\u00e4umen mit viel Wiese und den \u00fcblichen WC- und Duschanlagen. In der Hochsaison wahrscheinlich nicht zu empfehlen, jetzt war er komplett leer.<\/p>\n<p>Ich fand dort eine interessante Schote, die von einem Baum runtergefallen war: gro\u00df, flach, sehr hart und mit einem braunen, samtigen \u00dcberzug, wie ein Fell. Ich musste sie nat\u00fcrlich mitnehmen und beschloss, mich in Wien schlau zu machen, was denn das wohl sein k\u00f6nnte.<br \/>\nEin kleiner Vorgriff: Eine Woche sp\u00e4ter sitze ich in Wien auf meiner Couch und lese gerade, als ich einen lauten Knall h\u00f6re. Es klang als w\u00fcrde man ein aufgeblasenes Papiersackerl zerplatzen. Zugleich sah ich ein paar Dinge durch mein Wohnzimmer fliegen.<br \/>\nDie Schote war explodiert und hatte sich &#8211; ehemals komplett flach &#8211; total verformt. Die beiden H\u00e4lften waren auseinander gesprungen und hatten sich wie ein Korkenzieher eingerollt. Die herumfliegenden Gegenst\u00e4nde waren die Samen, zwei fand ich, eine ist bis jetzt verschollen.<\/p>\n<p>Ich bin froh, dass mir die Schote nicht im Flugzeug im Handgep\u00e4ck explodiert ist. Das h\u00e4tte zu spannenden Szenen f\u00fchren k\u00f6nnen. Nun wei\u00df ich, wie der dazu geh\u00f6rige Baum seine Samen verbreitet. Ich habe noch nicht herausfinden k\u00f6nnen, um was f\u00fcr einen Baum es sich handelt, aber das wird noch.<\/p>\n<p>Ein wenig entt\u00e4uscht fuhren wir zur\u00fcck und \u00fcberredeten Vincent noch zu einer Runde \u00fcber die n\u00f6rdlichen Krater. Es war sp\u00e4terer Nachmittag, es war hei\u00df und der Weg \u00fcber die Krater ist steinig. Vincent war nicht sehr gl\u00fccklich, dass er den Toyota Lite-Ace seines Bruders dort hinauf jagen musste, aber es hat sich f\u00fcr uns ausgezahlt. Das ist eine urige und wundersch\u00f6ne Landschaft, nur sehr schwer zu beschreiben. Einer der Orte, an die ich mich immer gerne zur\u00fcck erinnern werde. Eine sanfte, ruhige Landschaft mit Wiesen, die sich im Wind bewegen, die gr\u00fcnen H\u00fcgel Afrikas. Entstanden durch Eruptionskrater, die auch noch gut erhalten sind, einige davon haben in der Mitte einen See, andere sind mit Wald gef\u00fcllt. Die Landschaft erscheint abgehoben, menschen- und tierleer, aber irgendwie mystisch-beruhigend.<\/p>\n<p>Zum Abschied schenkten wir Vincent unseren kaputten K\u00fchlschrank und g\u00f6nnten uns an der Bar ein k\u00fchles Bierchen. Wir beschlossen, am n\u00e4chsten Vormittag noch einmal Schimpansen-Tracking zu machen und dann zu versuchen, bis Jinja zu kommen. Der Lohn k\u00f6nnte ein zus\u00e4tzlicher Sicherheitstag sein, den wir ohne Stress in Nairobi verbringen k\u00f6nnten. So ging ein langer Tag zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag 14 &#8211; Queen Elizabeth National Park &#8211; Ishasha Regen in der Fr\u00fch, die Abfahrt zur angenehmen Uhrzeit 0800. Schon wenige Minuten nach der Abzweigung ver\u00e4ndert sich die Landschaft total &#8211; der Bereich des QENP n\u00f6rdlich das Kanals ist g\u00e4nzlich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-865","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=865"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/865\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":866,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/865\/revisions\/866"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}