{"id":895,"date":"2012-05-01T09:33:02","date_gmt":"2012-05-01T08:33:02","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=895"},"modified":"2017-07-15T13:52:35","modified_gmt":"2017-07-15T12:52:35","slug":"ein-vespa-tag-im-april","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/ein-vespa-tag-im-april\/","title":{"rendered":"Ein Vespa Tag im April"},"content":{"rendered":"<p>Was hab ich mich gefreut auf diese Saison: Beide Vespas rennen, nur mehr kosmetische Kleinigkeiten sind zu tun (Vergaser-Feineinstellung, einen Bowdenzug tauschen&#8230;) und sonst nur mehr: fahren, fahren, fahren. Die Fr\u00fcchte der letztj\u00e4hrigen Anstrengungen und Verzweiflungen ernten.<\/p>\n<p>Dann kam der letzte Freitag. Ich musste nach Sauerbrunn im Burgenland und ein stabiles Hoch lag \u00fcber \u00d6sterreich. Ein perfekter Tag zum Vespa-fahren, warm und sonnig, ohne die geringste Gefahr eingeschauert zu werden. Ich konnte mir die Zeit gut einteilen (ganz wichtig wenn man mit der Vespa wohin f\u00e4hrt) und hoffte, neues Vertrauen in den 200er Motor zu bekommen, nachdem genau dieses letztes Jahr komplett zerst\u00f6rt worden war.<\/p>\n<p>Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber das zuletzt kommt oft sehr bald. Bei mir auf der Triester Stra\u00dfe. Kurz zum Hintergrund: Der Motor wurde von mir letztes Jahr komplett neu aufgebaut (Nicht-TechnikerInnen k\u00f6nnen das \u00fcberlesen: 200er O-Tuning mit aufgemachten \u00dcberst\u00f6mern, optimiertem Auslass, gefr\u00e4stem Kolben, 60er-Polinist-Welle, Gravedigger-Kopf, ovalisiertem Vergaser und Sip Road Auspuff) und brachte mich schier zur Verzweiflung. Wenn ich auf die andere Seite schaue, dann sehe ich viele sch\u00f6ne Geschichten f\u00fcr das n\u00e4chste Vespa-Buch. Aber eigentlich wollte ich lieber einen gut funktionierenden Motor. Letzten November bei der letzten Ausfahrt war es dann soweit: ein undichter Zylinderkopf wurde noch einmal abgezogen und sauber aufgesetzt, wenngleich ich mich wunderte, wieso er blasen konnte. Ich hatte ihn schon vorher gut montiert und die Dichtfl\u00e4chen waren plan und sauber. Aber egal &#8211; er lief und ich hatte das erste Mal ein gutes Kerzenbild (Wenn man die Z\u00fcndkerze nach einer flott gefahrenen Strecke rausschraubt, muss die Spitze rehbraun sein, schwarz w\u00e4re zu fett, wei\u00df w\u00e4re zu mager).<\/p>\n<p>Ich war zufrieden und wusste: ab n\u00e4chstem Jahr ist alle super.<br \/>\nBis zur Triester Stra\u00dfe, als ich bei einer Kreuzung vom Gas ging und die Motordrehzahl nicht runter ging. Das ist leider ein Zeichen f\u00fcr &#8222;zu mager&#8220; und deutet meist auf Falschluft hin. (schon wieder eine Klammer f\u00fcr die Techniker oder zumindest die Interessierten: Wenn ein Motor &#8222;Falschluft zieht&#8220; dann kommt von irgendwo &#8211; und genau das ist das Problem: von irgendwo! &#8211; Luft ins Gemisch, die da nicht hinkommen sollte. Dann wird das Gemisch magerer und die Verbrennung zu hei\u00df. Das f\u00fchrt gerne und oft zu einem Motorschaden, weil der Kolben am Zylinder anreibt).<br \/>\nAlso zittern bis Sauerbrunn und zur\u00fcck. Das sind 130 Kilometer. F\u00fcr eine Vespa mit defektem Motor eine lange Strecke. Und f\u00fcr Fahrer wie mich eine Ewigkeit, denn ich habe die unpraktische Eigenschaft, dass ich nicht einfach &#8222;pfeif drauf&#8220; sagen und sorglos dahinfahren kann, nach dem Motto: Wenn ich stehen bleibe, dann ist es halt so. Ich achte also st\u00e4ndig auf den Motor, auf die Vibrationen, auf die Ger\u00e4usche: f\u00e4ngt er an zu klingeln? Kommt ein neues Ger\u00e4usch dazu, dass darauf hinweist, dass es ihn gleich zerreissen wird? Zwei Finger st\u00e4ndig am Kupplungshebel, um im Notfall sofort auskuppeln zu k\u00f6nnen (bei einem Kolbenreiber blockiert das Hinterrad, was besonders in Kurven \u00e4u\u00dferst unangenehm ist, meist erfolgt dann ein Abflug ins Gem\u00fcse).<br \/>\nDas mit den Ger\u00e4uschen ist auch so eine Sache: Eine Vespa besteht vor allem aus Stahlblech, Aluminium, Gummi und ein wenig Plastik. \u00dcberall gibt es Verbindungen (geschraubt, geklemmt, gesteckt, geklebt, genietet, geschwei\u00dft), die reiben und Ger\u00e4usche erzeugen. Diese Ger\u00e4usche \u00e4ndern sich auch st\u00e4ndig, weil sich die Teile ausleiern oder sonstwie ver\u00e4ndern. Dazu kommt noch, dass die Vespa durch ihre Form und Verarbeitung ein einziger gro\u00dfer Resonanzk\u00f6rper ist und eine der schwierigsten Aufgaben darin besteht, ein bestimmtes Ger\u00e4usch zu seinem Ursprung hin zu verfolgen. Das kann ewig dauern und tausende Mechaniker und Vespa-Fahrer sind schon unter ihren Fahrzeugen gelegen und haben ger\u00e4tselt, woher dieses Klappern (in der FAchsprache: Schei\u00df-Klappern) kommt, das einen fast wahnsinnig macht. Die besonders hinterh\u00e4ltigen Ger\u00e4usche zeigen sich \u00fcbrigens nur bei bestimmten Drehzahlen, sind dann aber umso penetranter. Die kann man im Stand nicht simulieren, weil man dazu eine bestimmte Geschwindigkeit fahren muss. Dann wiederum kann man sie aber nicht orten.<br \/>\nAn dieser Stelle meiner Ausf\u00fchrungen empfehle ich allen Leserinnen und Lesern, die alte Vespas so sch\u00f6n finden, zugleich aber nicht die notwendige ausgepr\u00e4gte Leidensbereitschaft haben, vom Kauf einer alten Vespa deutlich Abstand zu nehmen. Glaubt mir: es zahlt sich nicht aus. Entweder ihr seid bereit das lange Jammertal zu durchwandern, oder ihr kauft euch eine moderne Vespa. Die sind auch bei weitem nicht fehlerfrei, aber doch wesentlich weniger anf\u00e4llig. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Geschichte: Ein herrlicher Fr\u00fchlingstag und ich schei\u00df mich an bis \u00fcber\u00b4s Kreuz, 130 km lang. Vor allem macht mich in solchen F\u00e4llen fertig, dass ich nicht genau wei\u00df, was los ist und wie sich das auswirken kann. Es gibt n\u00e4mlich einen ganzen Haufen m\u00f6glicher Ursachen und die k\u00f6nnen wieder eine Menge verschiedenster Auswirkungen haben. Ohne genauere Untersuchung l\u00e4sst sich da \u00fcberhaupt nichts sagen. Und die wollte ich nicht auf der Triester Stra\u00dfe machen. Also weiterfahren und hoffen. Das ist nicht Freude am Fahren, sondern Stress pur. Also genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich wollte.<\/p>\n<p>Kurz und gut: Ich kam zur\u00fcck bis Wien. Und irgendwann \u00fcberfiel auch mich die in solchen F\u00e4llen alles gnadenvoll zudeckende Wurschtigkeit, die mit einem Sto\u00dfseufzer und ungef\u00e4hr den folgenden Worten in den Vordergrund dr\u00e4ngt: Egal, ich fahr einfach, ich kann jetzt eh nix \u00e4ndern, es wird schon gut gehen.<\/p>\n<p>Vespafahrer m\u00fcssen bereit sein, sich dem Schicksal zu ergeben, selbst wenn sie nicht an ein solches glauben. Die Vespa verlangt das einfach und zwingt einen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter dazu, sie klopft dich weich, bis du soweit bist. Sie bringt dich zu einer neuen Einstellung, die letztlich mit feinen Adern all deine Lebensbereiche durchzieht: Es geht immer irgendwie weiter. Zu viel planen n\u00fctzt nichts, denn es kommt ohnehin anders. Ja, es ist gut und sinnvoll, Werkzeug und Ersatzteile mitzuf\u00fchren. Aber meistens wird genau das kaputt, was man nicht mit hat. Und dann steht man wo, f\u00fcr unbestimmte Zeit. Das Handy ist \u00fcbrigens ein Symbol der neuen Zeit, einer neuen \u00c4ra, die quasi nach dem Zeitalter der Vespas begann. Damit kann man im Falle einer Panne Hilfe holen. Aber letztlich n\u00fctzt es auch nicht immer was, denn man braucht die richtige Telefonnummer und ein Netz. Und die angerufene Person muss Zeit haben und einen Kleinbus. In der alten Zeit war es jedoch nicht nur schlechter, auch wenn wir uns das jetzt schon nicht mehr vorstellen k\u00f6nnen, weil wir uns daran gew\u00f6hnt haben, immer und \u00fcberall anrufen zu k\u00f6nnen, online zu sein etc.<br \/>\nOhne Handy ging es auch. Dazu eine kleine Geschichte: Im Fr\u00fchjahr 1990 musste ich nach Zittau auf eine Interviewtour fahren. Zittau ist eine Stadt ca. so gro\u00df wie Wr. Neustadt und liegt in Sachsen, genau am Dreil\u00e4ndereck Tschechien, Deutschland und Polen. Ein halbes Jahr nach der Wende hatte sich in Sachsen noch nicht allzu viel ver\u00e4ndert und wir tauchten in tiefes DDR-Feeling ein. Als wir mit unserem Gastgeber am Abend zusammen sa\u00dfen und die n\u00e4chsten Tage planen wollten, entspann sich ungef\u00e4hr folgendes Gespr\u00e4ch:<br \/>\n&#8222;Gut, dann rufen wir morgen all deine Bekannten an und machen Interviewtermine aus.&#8220;<br \/>\n&#8222;Nee, anrufen ist n\u00fcscht.&#8220;<br \/>\n&#8222;Wieso nicht?&#8220;<br \/>\n&#8222;Die haben alle kein Telefon und ich auch nicht.&#8220;<br \/>\nIch konnte es nicht glauben, bis er mir erkl\u00e4rte, dass es in der DDR nun einmal f\u00fcr private Haushalte kein Telefon gab. Ganz wenige Leute hatten eines im B\u00fcro oder in der Firma. Aber auf meine Frage &#8222;wie lebt ihr, wie kommuniziert ihr, wie trefft ihr euch?&#8220; hatte er eine gute Antwort. In Zittau gab es sehr viele alte H\u00e4user, deren Haustore nie abgesperrt waren. An jeder Wohnungst\u00fcr hing ein Block und an einer Schnur ein Bleistift und wenn man gerade vorbei kam, schrieb man eine Nachricht. Oder man machte sich bei einem Treffen einfach das n\u00e4chste Treffen aus. Man fuhr vorbei, man lie\u00df ausrichten, da und dort wurden Briefe geschickt. Es funktionierte, die Menschen hatten dort und damals auch ein funktionierendes Sozialleben, w\u00e4hrend wir schon mit Telefon und Anrufbeantworter ausgestattet waren und uns nicht mehr vorstellen konnten, ohne leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die konnten leben, und genau das gilt f\u00fcr die fr\u00fchen Vespa-Zeiten auch. Damals wurde das Netzwerk nicht vom Mobiltelefon bestimmt, daf\u00fcr gab es andere M\u00f6glichkeiten. Wenn man am Stra\u00dfenrand mit einem Defekt verendete, dann blieb ein Autofahrer stehen oder ein anderer Vespa-Fahrer. Dann half man sich, wurde mitgenommen oder einer kannte einen anderen, der einen Transporter hatte oder Werkzeug oder sonst was. Es mag das eine Mal l\u00e4nger und das andere Mal k\u00fcrzer gedauert haben, aber jeder Vespa-Fahrer mit Panne wurde irgendwann aus seiner misslichen Lage befreit. Es ist eine reine Gew\u00f6hnungssache, und trotzdem ver\u00e4ndert sich die Welt mit der Technik und mit ihr die Kultur.<br \/>\nManchmal geht mit dem Kulturwandel auch etwas verloren, das wir nicht aufgeben sollten. Die Einstellung der Gelassenheit etwa geht in einer hektischen Zeit zunehmend verloren. Die alten Vespas symbolisieren jedoch genau diese Gelassenheit und zwingen ihre FahrerInnen dazu: Ob man einen Motorschaden hat oder nicht, ist f\u00fcr das Leben nicht wirklich wichtig &#8211; au\u00dfer nat\u00fcrlich man hat einen Unfall, das ver\u00e4ndert die Lage nat\u00fcrlich schon. Aber selbst Unf\u00e4lle haben schon zu wichtigen Ver\u00e4nderungen gef\u00fchrt, die das Leben positiv beeinflussen konnten oder ihm zumindest eine wertvolle Wendung gaben. In meinem ersten Vespa-Buch &#8222;Vespa &#8211; Was f\u00fcr ein Leben!&#8220; finden sich einige Geschichten \u00fcber Pannen, die zu spannenden Erlebnissen wurden.<\/p>\n<p>Wieder in Wien kroch ich unter die Vespa und sah das Malheur: Offensichtlich war der Zylinderkopf undicht geworden, es &#8222;saftelte&#8220; raus, eine \u00d6lspur war vom Kopf \u00fcber den Zylinder bis unten hin sichtbar. Wenigstens hatte ich die Ursache f\u00fcr das Problem gefunden, das ist f\u00fcr mich meist schon ein gro\u00dfes Erfolgserlebnis, weil ich dann wei\u00df, was zu tun ist. Meistens zumindest.<br \/>\nAlso runter mit dem Kopf und ein wenig wundern, wieso der undicht ist. (zur Erkl\u00e4rung: Vespas haben keine Zylinderkopfdichtung, sondern der Kopf liegt mit einer Dichtfl\u00e4che auf der Dichtfl\u00e4che des Zylinders auf. Die Muttern auf den vier Bolzen, die Zylinder und Kopf festhalten, werden \u00fcber Kreuz mit 18-22 Newtonmetern angezogen, dann ist das dicht wie nur was). Die Muttern hatten sich nicht gelockert und ich hatte f\u00fcr plane Dichtfl\u00e4chen gesorgt. Aber egal &#8211; Dichtfl\u00e4chen neu s\u00e4ubern und auf der Glasplatte auf Schmirgelpapier abziehen und wieder montieren &#8211; jetzt passt es. <\/p>\n<p>Leider wurde schon bei der Probefahrt klar, dass nichts passte. Der Kopf war immer noch undicht, das Fahren eher m\u00fchsam, weil dort, wo Sprit rauskommt, gelangt Luft hinein. Das macht den Motorlauf ungleichm\u00e4\u00dfig und man kann den Motor nicht ordentlich abstimmen. Sie springt auch zeitweise schlecht an und wird eben zu hei\u00df. Entspanntes Fahren wird unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Also diverse Anrufe bei Freunden, was sie denn so vorschlagen w\u00fcrden. Ronny meinte, die Sprengringe w\u00fcrden zu hei\u00df und sollten durch Zahnscheiben ersetzt werden. Wenn auch das nicht hilft, dann solle ich hitzefestes Silikon d\u00fcnn auf die Dichtfl\u00e4che auftragen, dann w\u00e4re der Kopf auf jeden Fall dicht.<\/p>\n<p>Ich hatte noch genau einen Nachmittag Zeit, um den Kopf dicht zu bekommen, denn am n\u00e4chsten Tag (Sonntag, 29. April 2012) musste ich zum Seiberer Bergpreis fahren, Gesamtstrecke ca. 250 km, das Ganze bei prognostizierten 30 Grad und mit zwei Bergetappen, die den Motor ordentlich fordern w\u00fcrden. Und f\u00fcr den ersten Mai, also zwei Tage sp\u00e4ter, war die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Ausfahrt geplant. Beides Tage, an denen ich nicht st\u00e4ndig auf den Motor achten m\u00fcssen wollte. <\/p>\n<p>Die Reparatur gelang und am n\u00e4chsten Tag in der Fr\u00fch ging es los. Ruhiges Standgas, ein gutes Zeichen. Die Freude w\u00e4hrte bis Klosterneuburg, als der Motor bei der ersten Kreuzung nicht mehr ins ruhige Standgas abfiel, sondern oben blieb. Fl\u00fcche ohne Ende und die Gewissheit, dass ich 250 Kilometer zittern vor mir hatte. Noch dazu musste ich alleine hinaus fahren, weil die Ank\u00fcndigungsweltmeister wieder einmal nicht zum Treffpunkt erschienen, so wie jedes Jahr. Man gew\u00f6hnt sich an alles. Das war auch punkto Motor notwendig, denn ich wusste, dass er an diesem Tag sehr hei\u00df laufen w\u00fcrde, st\u00e4ndig am Rande des motorischen Kreislaufkollaps, giftig im Biss, aber zu mager. Die nahe liegende L\u00f6sung, den Motor einfach niedertourig und gem\u00fctlich zu fahren, ist leider keine, denn Vespamotoren haben die Eigenschaft, nicht berechenbar zu sein &#8211; Italienerinnen eben, abh\u00e4ngig von spontanen Launen. Das bedeutet, dass ein Motor manchmal gerade im niedertourigen Bereich hei\u00df wird. (zur Erkl\u00e4rung: Je nach Drehzahl bekommt der Motor das Gemisch aus verschiedenen D\u00fcsen gespeist: Die Luftschraube, die Nebend\u00fcse und die Hauptd\u00fcse. Dazu gibt es noch weitere Komponenten, die das alles beeinflussen wie etwa der Auspuff, die Wahl der Z\u00fcndkerze &#8211; hei\u00dfer oder k\u00fchler &#8211; und die eingestellte Vorz\u00fcndung. Wenn etwa die Nebend\u00fcse zu klein ist, dann l\u00e4uft der Motor bei Vollgas gut, weil \u00fcber die Hauptd\u00fcse gespeist, wird aber im Teillastbereich zu mager, weil der dort das Gemisch aus der Nebend\u00fcse holt.)<\/p>\n<p>Ich konnte mir also nicht sicher sein, welches die richtige Fahrweise ist. Daher musste ich mich daran gew\u00f6hnen, nicht dauernd an den Motor zu denken, sondern einfach zu fahren. Das war keine leichte Aufgabe, vor allem an einem strahlend sonnigen Tag, der noch dazu seit sechs Jahren zu meinen Highlights geh\u00f6rt, der Seiberer Bergpreis, auf den freue ich mich den ganzen Winter lang.<\/p>\n<p>Es ging gut bis Weissenkirchen, aber ich wusste: jetzt kommt das Bergrennen, die eigentliche Pr\u00fcfung. Und es tauchte die Frage auf: Zylinderkopfschrauben nachziehen oder nicht? Das Werkzeug daf\u00fcr hatte ich mit, aber w\u00fcrde das was bringen? Zu fest anziehen kann den Bolzen ausreissen und dann ist alles vorbei. Andererseits: Wenn der Fehler durch Anziehen der Muttern behoben werden kann, w\u00e4re das eine Aussicht, die sehnlichst gew\u00fcnschte Entspannung herzustellen.<\/p>\n<p>Ich muss noch lernen, in solchen Situationen nicht meine Freunde zu fragen, denn da bekomme ich von vier Freunden mindestens f\u00fcnf Meinungen. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.05.01_Seiberer\/zangeln.jpg\" title=\"zangeln.jpg\" alt=\"zangeln.jpg\" \/><\/center><br \/>\nBild 1: Guido ist gerade fertig mit dem Zangeln<\/p>\n<p>Wie auf dem Foto zu sehen, hab ich das Werkzeug ausgepackt und die Muttern nachgezogen. Das Ph\u00e4nomen blieb leider und so wurden es zwei nicht ganz entspannte L\u00e4ufe und eine Heimfahrt, bei der wir (Gregor und ich) noch extrem starken Gegenwind hatten. Positiv gesehen kann ich sagen: Ich kam bis Wien und der Motor hat das ausgehalten. <\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag dann die Entscheidung: Was mache ich? Wie bekomme ich den Kopf dicht, wenn alle Versuche ausgesch\u00f6pft sind? Oder fahre ich bei der Mai-Ausfahrt mit der GS? Schlie\u00dflich hat man ja zwei Vespas, wenn die eine verreckt, kann man noch die andere ben\u00fctzen, wenngleich das keine entspannte Dauerl\u00f6sung darstellt.<br \/>\nDer letzte Tipp von Ronny: eventuell ein Haar-Riss im Zylinderkopf. Daher besorgte ich mir einen anderen Kopf (Danke Oliver!) und fuhr zu Christian. Dort entdeckten wir, dass der Kopf ohnehin dicht war. Die Italienerinnen \u00fcberraschen mich immer wieder, fad wird einem mit denen nicht. Leben im hohen Drehzahlbereich.<br \/>\nTrotzdem: Kopf runter, noch einmal abgezogen, Zentrierh\u00fclsen vorsichtig in Stellung gebracht, neu aufgesetzt, zugeschraubt. Vergaserd\u00fcsen getauscht und richtig eingestellt.<\/p>\n<p>Dann die Heimfahrt. \u00dcber die H\u00fcttelbergstra\u00dfe hinauf zum Schottenhof, Taxi \u00fcberholt, Motor dreht gut. Bei der Abfahrt einmal ordentlich ausdrehen, ein guter Hunderter ist drin. Dann kommen die Autos entgegen und blinken mich an, gleich mehrere. Also runter vom Gas und auf die Bremse &#8211; gerade noch rechtzeitig, denn unten beim Hanslteich stehen die Sheriffs und haben ihre Laserpistolen gez\u00fcckt. Den Autofahrer hinter mir winken sie raus. Phuuu, Gl\u00fcck gehabt, denn bei meiner Geschwindigkeit w\u00e4re der F\u00fchrerschein weg gewesen und ein paar Hunderter Strafe gleich noch drauf. So nahe liegen Gl\u00fcck und Leid beim Vespafahren beieinander, oft verschwimmen die Unterschiede. Das Fachwort daf\u00fcr ist &#8222;Thrill&#8220;, was so viel bedeutet wie &#8222;Angstlust&#8220; und beim Vespafahren eine gro\u00dfe Rolle spielt.<\/p>\n<p>Und der Tag war noch nicht zu Ende. Am Abend fuhr ich noch mit der GS nach Klosterneuburg auf einen Entspannungsspritzwein mit dem Bacherl. Auf der Hochstra\u00dfe spinnt das Abblendlicht, f\u00e4llt aus, dann auch das R\u00fccklicht. Ich schalte auf Schei\u00dfdrauf-Modus und fahre weiter. Licht ist total \u00fcberbewertet, auch in der Nacht. Wird schon nix passieren.<br \/>\nIn Kloburg angekommen wechsle ich das durchgebrannte R\u00fccklicht und entdecke, dass die Birne vorne in Ordnung ist. Also wieder eine neue Baustelle, die Suche nach einem Fehler beginnt von vorne. Aber meine Gelassenheit erlaubt mir drei Spritzer bis die Sonne untergeht. Dann fahre ich mit Standlicht und R\u00fccklicht nach Hause. Irgendwann irgendwo brennt das R\u00fccklicht wieder durch. Wurscht, morgen ist Mai.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hab ich mich gefreut auf diese Saison: Beide Vespas rennen, nur mehr kosmetische Kleinigkeiten sind zu tun (Vergaser-Feineinstellung, einen Bowdenzug tauschen&#8230;) und sonst nur mehr: fahren, fahren, fahren. Die Fr\u00fcchte der letztj\u00e4hrigen Anstrengungen und Verzweiflungen ernten. Dann kam der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-895","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/895","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=895"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/895\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2285,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/895\/revisions\/2285"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=895"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=895"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=895"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}