{"id":936,"date":"2012-07-13T09:31:36","date_gmt":"2012-07-13T08:31:36","guid":{"rendered":"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/?p=936"},"modified":"2017-08-23T10:51:05","modified_gmt":"2017-08-23T09:51:05","slug":"der-boss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/der-boss\/","title":{"rendered":"Der Boss"},"content":{"rendered":"<p>Mein Posting Nr. 200 &#8211; das kann nur dem Boss gewidmet sein!<\/p>\n<p>Inzwischen habe ich den Vergleich von drei Konzerten &#8211; 25. Juni 2003 die &#8222;The Rising&#8220;-Tour, am 5. Juli 2009 &#8222;Working On a Dream&#8220; und jetzt die &#8222;Wrecking Ball Tour&#8220;. <\/p>\n<p><strong>Die Tourneen<\/strong><\/p>\n<p>Sie sind immer gigantisch, vor neun Jahren spielte er von 15. bis 27. Juli, also in knapp zwei Wochen insgesamt sieben Mal im Giants Stadium in New Jersey. Alle Konzerte restlos ausverkauft. Die Tour ging von August 2002 bis Oktober 2003 &#8211; er spielte 14 Monate.<br \/>\n2009 war es wieder eine Welttournee mit neuer Platte (1. April bis 22. November) und auch diesmal gibt es ein neues Album, eben &#8222;Wrecking Ball.&#8220; Und nat\u00fcrlich eine Welttournee, die diesmal von 9. M\u00e4rz bis 7. September dauern wird.<\/p>\n<p><strong>Der Boss<\/strong><\/p>\n<p>Wie macht er das? Der Mann wurde am 23. September 1949 geboren und ist somit immer noch \u00e4lter als der Gro\u00dfteil seines Publikums, das auch nicht mehr das J\u00fcngste ist. Er wird heuer 63 und spielte in Wien \u00fcber 3,5 Stunden ohne eine einzige Pause. Nein, nicht eine einzige. Entweder hat er eine unglaubliche Kondition und Konstitution oder einen sensationellen Arzt, der ihm Zeug gibt, das scheinbar \u00fcber Jahrzehnte keinen Schaden anrichtet.<br \/>\nUnd er hat Freude am Spielen, gro\u00dfe Freude sogar. Was er gestern live bot, kann man nicht simulieren. Auf seinen Ruf &#8222;Are you tired&#8220; br\u00fcllen Tausende &#8222;Noooo&#8220; und er spielte weiter.<br \/>\nEr tut und tat das auch bei den anderen Konzerten, in Madrid spielte der alte Mann 3 Stunden und 48 Minuten und somit das l\u00e4ngste Konzert seiner 40-j\u00e4hrigen Karriere. Er springt ins Publikum, l\u00e4sst sich angreifen, herumschubsen, bejubeln &#8211; vielleicht ist es dieses Bad in der Menge, das ihn jung h\u00e4lt, ein Verj\u00fcngungsbad sozusagen. Vielleicht ist er s\u00fcchtig und braucht den donnernden Jubel von zigtausend Menschen, denen er f\u00fcr mehrere Stunden Freude gibt, er und nat\u00fcrlich die E-Street-Band, von der er einige Zeit getrennt war und mit der er allerdings jetzt auch schon seit \u00fcber zehn Jahren wieder \u00e4u\u00dferst erfolgreich ist.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sind auch seine Auftritte durchorganisiert. Bei vielen Konzerten holt er w\u00e4hrend &#8222;Waitin on a sunny day&#8220; einen ca. 10-j\u00e4hrigen Buben auf die B\u00fchne, der dann eine Minute lang den Refrain singen darf. Ob das vorher ausgemacht ist, welcher Bub das jeweils wird, wei\u00df ich nicht, singen tun die nat\u00fcrlich grottenschlecht, aber darum geht es ja nicht. Der Effekt ist vorgeplant und tritt immer ein &#8211; R\u00fchrung im Publikum, Sympathie f\u00fcr den Boss.<\/p>\n<p>Trotzdem ist Springsteen sicher der authentischste Superstar und der einzige, der sich stets mehr als eine halbe Stunde im Publikum aufh\u00e4lt, das in dem Sinn nicht von Securities kontrolliert werden kann, denn im Wellenbrecher sind quasi &#8222;ganz normale Leute&#8220; (diesmal etwa: mein Bruder mit ein paar Freunden). Laut eigenen Aussagen versucht der Boss den amerikanischen Traum, den er seit Jahrzehnten besingt, mit der amerikanischen Realit\u00e4t auszugleichen &#8211; Ergebnis sind etwa einige Protestsongs auf seinem neuen Album, z. B. gegen die Finanzindustrie.<br \/>\nHier ein Bild von Markus Gobetzky &#8211; die waren wirklich nah dran:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/boss.jpg\" title=\"boss.jpg\" alt=\"boss.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p><strong>Das Konzert<\/strong><\/p>\n<p>17:30 Dienstbeginn &#8211; nicht f\u00fcr den Boss, sondern f\u00fcr mich. Ich sehe mir die Konzerte gerne in der Rolle des Platzanweisers an. Das hat ein paar Vorteile, etwa dass ich Geld bekomme, statt zu bezahlen, oder dass ich nette Menschen treffe. Die Arbeit h\u00e4lt sich in Grenzen und das Konzert genie\u00dfe ich genauso wie alle anderen. Diesmal wurde ich zum &#8222;Supervisor&#8220; bef\u00f6rdert und bekam ein graues Poloshirt anstatt des orangen. Mehr Geld gab es daf\u00fcr nicht, aber uneingeschr\u00e4nkte Macht und ca. 2 cm K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe mehr, zumindest so lang ich das Polo trug. Hier meine Chefs in voller Autorit\u00e4tsstrenge:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/wiesi.JPG\" title=\"wiesi.JPG\" alt=\"wiesi.JPG\" \/><\/center><\/p>\n<p><strong>Das Publikum<\/strong><\/p>\n<p>Es war irgendwie klar, dass die Sache eher stressfrei abgehen wird. \u00c4ltere Herrschaften sind schon ein wenig au\u00dfer Atem, wenn sie bei uns am dritten Rang ankommen und machen wenig Stress. Sie wollen ihren Sitzplatz, vorher noch aufs Klo und ev. ein Bier. Mein Vorrat an Ohrenst\u00f6pseln wurde durch ein paar weitere von Markus erg\u00e4nzt und von einigen Leuten dankbar angenommen. Nur einmal wurde es etwas m\u00fchsam, als sich einige beschwerten, dass man am Juchhee eine grottenschlechte Akustik h\u00e4tte. Wir konnte etwa 30 Leute umsiedeln und alles lief bestens.<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/publikum.JPG\" title=\"publikum.JPG\" alt=\"publikum.JPG\" \/><\/center><\/p>\n<p>Der p\u00fcnktliche Beginn verschob sich um 40 Minuten und so begann das Konzert um 20:10 Uhr. Da war es noch taghell und es wollte noch keine echte Stimmung aufkommen &#8211; zumindest wenn man Stimmung mit lautem Gebr\u00fcll und Armewacheln gleichsetzt. Der Boss spielte zuerst einige Nummern seiner neuen Platte, die niemand kannte und die daher auch niemand interessierten.<br \/>\nSpannend wurde es ab der 12. Nummer &#8211; es wurde finster und der Boss spielte seine alten Hits &#8211; Badlands, gefolgt von Darlington County und dann kam bald auch schon Waitin on a sunny day &#8211; mit dem obligaten Buben. <\/p>\n<p><strong>Hier die Setlist:<\/strong><\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/setlist.tiff\" title=\"setlist.tiff\" alt=\"setlist.tiff\" \/><\/center><\/p>\n<p>F\u00fcr die 31 Lieder brauchte er 3:35 und konnte das mit 51.000 G\u00e4sten ausverkaufte Wiener Ernst Happel-Stadion absolut begeistern. Da kamen auch die Showeffekte nicht zu kurz, etwa die Ruheminute f\u00fcr Clarence Clemons, den im Juni 2011 an einem Schlaganfall verstorbenen Saxophonisten, bekannt als &#8222;Mr. Big&#8220; und seit Anfang der 1970er-Jahre treuer Begleiter der E-Street-Band.<br \/>\n&#8222;Ruheminute&#8220; bedeutete, dass der Ton der Lautsprecher abgeschaltet wurde und man sah ein Videoclip, einen Zusammenschnitt aus Szenen mit Mr. Big. Das Publikum klatschte derweilen. \u00dcbrigens spielte sein Neffe, Jake Clemons, die meisten Sax-Soli, ein witziger Typ mit unglaublicher Afro-Krause. Die Mutter d\u00fcrfte eher wei\u00dfe Hautfarbe haben. (Bild: Markus Gobetzky)<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/clemons.jpg\" title=\"clemons.jpg\" alt=\"clemons.jpg\" \/><\/center><\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/konzert.JPG\" title=\"konzert.JPG\" alt=\"konzert.JPG\" \/><\/center><\/p>\n<p>Sehr nett auch die Rockabilly-Nummer Seven Nights to Rock und nat\u00fcrlich Glory Days &#8211; wie immer blieb dem Boss jede Menge Spielraum f\u00fcr Soli, Interpretationen und sonstigen Unfug. Er war diesen Abend ausgesprochen gut gelaunt und genoss das Wiener Konzert sichtlich. Vielleicht war ihm ja auch der gro\u00dfartige Auftritt 2009 noch in Erinnerung, f\u00fcr mich das bessere Konzert, auch wenn es diesmal sehr gut war.<br \/>\nSeltsam war nur die Beleuchtung &#8211; w\u00e4hrend des gesamten Konzerts waren die R\u00e4nge beleuchtet und w\u00e4hrend der gesamten Zugabe wurde das komplette Stadion-Flutlicht eingeschaltet &#8211; warum wei\u00df ich nicht. Wenigstens konnte ich dadurch ein brauchbares Foto machen:<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/zugabe.JPG\" title=\"zugabe.JPG\" alt=\"zugabe.JPG\" \/><\/center><\/p>\n<p>Ganz zum Schluss noch eine nette Showeinlage: Der Boss ist am Ende, er winkt ab, kann keine Nummer mehr spielen und l\u00e4sst sich zu Boden fallen, gefilmt mit 3 Kameras und perfekt geschnitten. Die Nr. 2 der E-Street-Band, der Gitarrist Steven Van Zandt, nimmt einen wassergetr\u00e4nkten Schwamm und quetscht ihn \u00fcber dem Kopf von Bruce aus &#8211; dieser steht erfrischt auf und spielt noch die letzten zwei Nummern.<br \/>\nTwist And Shout als Schlussnummer erlebe ich bereits am Weg aus dem Stadion, als alter Profi bleibe ich immer nur bis zur letzten Nummer, die Heimfahrt wird dann wesentlich entspannter und kr\u00f6nt einen durchaus genialen Abend. <\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/guidoschwarz.at\/blog\/bilder\/2012.07.12_Boss\/rot.JPG\" title=\"rot.JPG\" alt=\"rot.JPG\" \/><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Posting Nr. 200 &#8211; das kann nur dem Boss gewidmet sein! Inzwischen habe ich den Vergleich von drei Konzerten &#8211; 25. Juni 2003 die &#8222;The Rising&#8220;-Tour, am 5. 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