Lovely Days – Das Festival 2006 und 2025

Es ist erstaunlich, wie stark meine Erinnerungen an das erste Lovely Days Festival 2006 noch ist. Immerhin ist das schon 19 Jahre her.
Damals fand es im VAZ in St. Pölten statt, direkt neben der Traisen, und es waren zwei heiße, wunderschöne Sommertage. Das Lineup war großartig, Brian Ferry als Höhepunkt des ersten Tages war großartig, am zweiten Tag dann Billy Idol, gefolgt von The Who.
Wir waren eine große Partie, mein Bruder mit dem Wohnwagen und ich bin mit der Vespa hinausgefahren. Mit Parka, damals schon Alt-Mod, aber was für eine Gelegenheit!

Es gab eine Art Woodstock-Atmosphäre, manche Besucher badeten nackt in der Traisen, verliebte Pärchen, entspannte Stimmung und großartige Musik.
2006 hatte ich noch kein Weblog, daher darf ich hier einen kleinen Rückblick machen.

DAS ERSTE LOVELY DAYS 2006

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Bild: Blick in der Abenddämmerung auf die Bühne

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Bild: Die Campingbusse könnten tw. schon in Woodstock gestanden sein. Okay, genau genommen nur der gelbe T2

Es war das einzige Mal, dass das Festival zwei Tage lang dauerte, am 21. und 22. Juli waren insgesamt 20.000 Menschen dort.
Ich erinnere mich noch, dass es sehr heiß war und die Leute mittels Schläuchen mit Wasser gekühlt wurden – zumindest die, die vorne standen.
Der Preis war damals 99 Euro für beide Tage – so viel zahlt man heute für einen Tag – allerdings war damals das Camping inkludiert, heute kostet das – in unserem Fall – 40 Euro extra.
Dies war das Line-up:

Freitag

13.15 Ten Years After
14.30 Canned Heat
15.50 The Stranglers
17.30 Donovan
19.10 Bap
20.55 Robert Plant
23.00 Roxy Music Feat. Bryan Ferry, Phil Manzanera, Andy Mackay, Paul Thompson

Samstag

13.15 Country Joe McDonald
14.30 Iron Butterfly
15.50 Willi Resetarits & Die Extracombo
17.20 Manfred Mann’s Earth Band
19.05 Gary Moore
20.55 Billy Idol
23.00 The Who

Was für eine irre Mischung – darunter diverse Bands, die tatsächlich in Woodstock gespielt hatten, oft allerdings nicht mehr in der Originalbesetzung, schließlich war es ja schon 37 Jahre her. Aber alleine Canned Heat und Country Joe McDonald zu erleben war es wert, dorthin zu fahren.
Ich erledigte das stilgerecht mit der damals noch recht neu aufgebauten Vespa Sprint.

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Bild: Mit Parka auf der Vespa

Wir hatten jede Menge Verpflegung mit und da der Campingplatz gleich neben dem Festivalgelände war, konnte man in den Pausen das eigene, gute Bier trinken.
Ich kann mich nicht an alle Gruppen wirklich erinnern, aber wir haben uns fast alles angesehen. BAP passten zwar – historisch gesehen – eigentlich überhaupt nicht hinein, Willi Resetarits auch nicht, aber sie waren trotzdem großartig.

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Bild: Manfred Mann´s Earth Band

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Bild: Country Joe McDonald

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Bild: Iron Butterfly – damals gab es schon die ersten Grauhaarigen

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Bild: Iron Butterfly – Nostalgie, aber immer noch guter Rock

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Bild: Links Alex, rechts Markus – Festivaljunkies

Highlight am ersten Tag war eindeutig Bryan Ferry, den ich mit ziemlich harter Rockmusik nicht so in Erinnerung hatte – in den 1980ern war er eher für Schmusesongs bekannt.

Da wir alle am zweiten Tag nicht viel zu tun hatten und es wirklich sehr heiß war, beschloss ich einen kleinen Vespa-Ausflug zur Traisen. Das waren nur ein paar hundert Meter, aber ich musste durch eine Siedlung durchfahren und hatte nur eine Badehose an. Hätte mich dort die Polizei aufgehalten, wäre der alte Spruch „Schau i aus als ob i an Ausweis mit hätt?“ angebracht gewesen.

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Bild: Viele junge Leute baden in der Traisen. Viel war an diesen Tagen nicht erlaubt, die Polizei drückte jedenfalls ein Auge zu

Es war an dem Tag aber alles extrem entspannt, die Traisen kühl bis kalt und die perfekte Erfrischung.
Mein Bruder war mit dem Wohnwagen da und hatte noch ein großes Vorzelt, die Freundespartie aus Klosterneuburg war ebenfalls gut ausgestattet und so ließ es sich aushalten, mit gut gekühlten Getränken und Grillfleisch.

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Bild: Die Vegetarier dürften daheim geblieben sein

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Bild: Auf so einem Festival ist ein Wohnwagen natürlich unglaublich praktisch. Selbst in der prallen Sonne lässt es sich mit einem Vorzelt gut aushalten, vor allem, wenn dahinter der Kühlschrank zu finden ist

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Bild: Das klassische Festival-Bild, mit Tschik, Bierdosen und guter Laune

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Bild: Links der 2022 verstorbene Peter Bachmann, einer meiner besten Freunde. Rechts daneben mein Bruder Peter mit kühlendem Handtuch am Kopf. Es war, wie schon geschrieben, sehr heiß.

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Bild: Noch einmal Peter, daneben Uschi, damals wie heute eine echte Festival-Prinzessin

Auch die Gruppen am zweiten Tag waren großartig, gut in Erinnerung ist mir noch Billy Idol, der damals fast nur Haut und Knochen war, aber wie ein Irrer auf der Bühne herumsprang und akrobatische Einlagen lieferte.
Höhepunkt war aber naturgemäß The Who, für die waren wir alle dort, die wollte ich wieder einmal sehen, die kommen nicht oft nach Österreich und schon gar nicht auf so ein Festival.

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Bild: Pete Townshend rechts, Roger Daltrey links

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Bild: Roger Daltrey
Am nächsten Morgen lagen zwar überall noch Alkoleichen herum, ich beschloss aber bald nach Wien zurück zu fahren. Dummerweise sprang die Vespa nicht an und als ich fluchend den Fehler suchte, kamen Freunde ohne Zahl und versuchten mir zu helfen.

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Bild: Unsere Mod-Vergangenheit lässt sich nicht leugnen, wobei die Parkas haben wir nur wirklich sehr kurz angezogen, genau genommen nur für das Foto.

Irgendwie fanden wir das Problem und ich machte mich auf den Heimweg.
Ungefähr zehn Kilometer nach St. Pölten dann ein lauter Knall und der Motor war aus. Ich war not amused, es war schon wieder heiß und ich wollte einfach nur nach Hause. Also Seitenbacke runter und dann sah ich schon die Bescherung: Die Zündkerze war nicht mehr dort, wo sie sein sollte, dafür hatte ich eine Beule in der Backe.
Damals war ich „zangelmäßig“ noch nicht so versiert wie heute und rief daher Hannes an, der mir die Vespa aufgebaut hatte. Der ging sogar ans Telefon und konnte mich schon kurz danach beschwichtigen.
Was war passiert? Als hundert Köche den Brei verdarben, hatte ich zwar die Kerze wieder hineingeschraubt, aber in der Ablenkung vergessen sie festzuziehen. Bei der Fahrt drehte sie sich dann Stück für Stück raus, bis der letzte Gewindegang erreicht war, dann schoss der Druck des Kolbens die Kerze raus.
Ob ich damit heimfahren könnte, war meine Frage an Hannes. Er meinte, wenn das Gewinde vom Zylinderkopf nicht kaputt ist, brauche ich die Kerze nur wieder hineinschrauben und dann weiterfahren.
Genauso war es auch und so ging das Festival noch versöhnlich zu Ende.

2007 war ich dann noch einmal am Lovely Days in St. Pölten, dann wurde es nach Wiesen verlegt, das auch ein sehr feiner Ort für dieses Festival war.
Ich war ein paar Mal dort, einige Jahre auch nicht, bis es endgültig nach Eisenstadt abwanderte. Dort hatte ich mehrere Jahre hintereinander geplant hinzufahren, liebe alte Freunde zu treffen um mir zum fünften Mal Ten Years After anzuhören.

An Wiesen habe ich noch eine Szene in Erinnerung: Ich liege auf einer Decke irgendwo auf der Wiese, neben mir ein gutes Bier, über mir ziehen Schäfchenwolken und Uriah Heep spielen „Free me“ („So long, Easy Rider, I´m gonna miss you for a while…“).
Das wird für mich immer das Bild vom Lovely Days bleiben.

In Eisenstadt war ich fast zehn Jahre dann doch nicht dabei. Bis heuer. Aber das ist schon die nächste Geschichte.

LOVELY DAYS 2025

Mein Bruder hat einen neuen alten VW-Bus T3 und das ist doch eine gute Gelegenheit wieder einmal auf ein Lovely Days zu fahren.
Diese klassischen Rock-Festivals gibt es inzwischen immer seltener, auch weil sich die klassischen Rock-Bands schon längst aufgelöst haben oder nur mehr in Fragmenten vorhanden sind.
Die neuen Musikgruppen sind ganz anders, oft von Profis entworfen wie die Boygroups in den 1990ern.
Die Art der Musik hat sich natürlich stark geändert, von Rap über Hiphop bis zu modernen, glattgeschliffenen Popsongs ohne Kanten und Charakter, vergleichbar mit dem Heineken oder Corona, die mit Bier nichts mehr zu tun haben, dafür aber überall getrunken werden.

Dagegen ist nichts zu sagen, es ist aber eine andere Welt. Am Lovely Days gibt es diese Welt noch, auch wenn sie inzwischen grauhaarig geworden ist.
Die anderen beiden Oldie-Festivals im Schlosspark Esterhazy heißen „Butterfly Dance“ (Soul, Funk, Reggae, HipHop, Jazz) und „Remember Forest Glade – when we were wild and young” (90er-Jahre Gruppen) und haben ein ähnliches Publikum.
Dieses ist mitgealtert, da und dort konnte ich aber auch die nächste oder übernächste Generation sehen. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die meisten Besucherinnen und Besucher Großeltern waren.
Warum auch nicht, die sind oft zahlungskräftig und so ein Festival geht ins Geld.
Dafür wird ja auch einiges geboten. Es gab ausreichend WC-Anlagen (leider die Plastikklos, diesmal in der ungarischen Ausführung) und Fress-Standln mit dem üblichen Angebot. Umweltschutz hat sich als Thema insofern durchgesetzt, als die Plastikpfandbecher inzwischen Standard sind. Es ist sowieso verboten irgendeine Form von Essen oder Trinken ins Gelände mitzunehmen, man wird ausgiebig durchsucht. Ich schätze, ein Packerl Mannerschnitten würden noch durchgehen, sonst aber nichts.

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Bild: Die klassischen Fress-Standln

Das ist einerseits verständlich, denn die Gastronomie will auch Geld verdienen, andererseits natürlich ärgerlich, weil normales Leitungswasser bekommt man nur in Plastikflaschen und an heißen Tagen geht das ordentlich ins Geld.
Wenn einem das ausgeschenkte Bier nicht schmeckt (ich trinke z.B. kein Villacher, andere mögen kein Ottakringer), dann kann man noch Wein trinken, dort wird aber auch das billigste Zeug ausgeschenkt, denn die meisten Menschen ordern Spritzer und es ist ihnen vollkommen egal, was da drin ist. Die Gastronomie will wiederum ihren Profit maximieren und kauft daher automatisch den billigsten Wein ein, den sie finden kann. Da es noch dazu keinerlei Verpflichtung gibt die Herkunft anzugeben und das Ausschankpersonal verständlicherweise keine Ahnung hat, was sie da ausschenken, ist die Sache ziemlich klar: Es gibt Rotwein und Weißwein, basta.
Als Camper hast du immerhin die Wahl zwischen den Auftritten zum Campingplatz zu gehen und dort dein eigener Gastronom zu sein.
Wir hatten gutes Bier in gut gekühlten Flaschen und es gab Käsekrainer mit Erdäpfelsalat. Da wir nicht wegen jedem Bier rauf- und wieder runterrennen wollten, konsumierten wir auch im Gelände, ich finde diese Mischform ganz praktisch.

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Bild: Um 13 Uhr eingetroffen, da ist genug Zeit um den Bus ordentlich hinzustellen und sich ein erstes Festival-Bier aufzumachen

Der Campingplatz ist ein alter Sportplatz und hat immerhin Plastikklos zu bieten. Als wir ankommen, sind die meisten schon da. Wir finden aber einen guten Platz, wobei das ziemlich egal ist, der Platz ist ja nicht groß und eine Wahl zwischen Schatten und Sonne gibt es nicht. Die meisten Camper sind mit Wohnmobilen da, einige auch mit Auto und Zelt. Ältere Pärchen haben aufgebaut als wollten sie einen ganzen Monat bleiben, uns gegenüber hat eine lustige Steirerpartie ein großes Hauszelt aufgestellt, unter dem sie sich schon am frühen Nachmittag ein gepflegtes Besäufnis geben.
Sie sind aber alle entspannt und nett und ich darf mir ein Ladegerät für das Handy ausborgen.
Camper wissen, dass sie sich arrangieren müssen, man ist sich platzmäßig ja sehr nahe. Kleine Unstimmigkeiten („da kannst di net hinstellen, da kommen wir ja nimmer raus“) werden schnell beseitigt und es geht generell sehr friedlich zu.

Mein Bruder hatte die Gelegenheit einen sehr gut erhaltenen VW T3 zu kaufen und diesen probieren wir jetzt aus. Conclusio: Er ist immer noch sehr praktisch, keine Rakete, aber gemütlich und robust. Das gleiche Modell (nur Afrika-tauglich mit Allrad) holt mein Bruder gerade aus Kenia zurück, wo der brave Bus 38 Jahre lang gute Dienste geleistet hat.

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Bild: Der Bus, gut ausgestattet und mit praktischem Schlafdach

Es gibt Camper von ganz winzig bis riesengroß, vom schwarz angesprayten Bus bis zum weiß blitzenden Luxuswohnmobil.

Zurück zum Festival. Hier ist das Lineup:

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Bild: Lineup mit Zeiten

Mein Bruder bleibt noch ein wenig beim Bus, während ich hinunter zum Festivalgelände gehe, um mir ein wenig Harri Stoja anzusehen. Es ist superheiß und es gibt dort nur für die ersten 30 Gäste den Schatten, den das Bühnendach spendet. Harri spielt wirklich gut, ich bleibe trotzdem nicht allzu lang, die Sonne knallt einfach zu stark runter.

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Bild: Harri Stojka

Das Gelände im Eisenstädter Schlosspark ist gut geeignet, riesig groß und leicht ansteigend. Es gibt vorne einen reinen Stehbereich, durch den quer ein kleines Biotop verläuft, das mit Gittern abgesichert ist.
Dahinter gibt es den Deckenbereich, wo man sich mit Freunden und Bier hinknotzen und der Musik lauschen kann. Großteils gibt es auch noch gute Sicht auf die Bühne, wobei die beiden Videoleinwände eine große Hilfe sind, eh wie bei allen Konzerten, wenn man nicht ganz vorne steht. Die gibt es ja inzwischen seit über 30 Jahren, sie sind aber besser und größer geworden.

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Bild: Das Festivalgelände mit Bühne und Videowalls

Im Deckenbereich geht es zu wie in Caorle am Strand. Man findet einen Platz und reserviert ihn sich mit einer Decke. Dieser Bereich ist auch noch ausgeschildert und umrahmt, es geht also ganz geordnet zu. Mich als alten Gruppendynamiker interessiert sowas, denn das ist in dieser Form erst entstanden. In Wiesen hat noch jeder irgendwo seine Decke aufgelegt, hier muss alles auf den Meter genau geordnet sein. Weiter vorne sind Decken verboten – wahrscheinlich ist das irgendwann ausgeartet und hat zu Konflikten geführt.
Am schlechtesten haben es eigentlich die Sitzplatzgäste erwischt. Die Tribüne ist voll in der Mittagssonne und sie haben dafür 150 Euro gezahlt. Die Tribüne ist auch nicht gut besucht, zumindest jetzt unter Tags noch nicht.

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Bild: Tribüne in der prallen Sonne

Im hintersten Bereich geht es am lockersten zu, da haben alle viel Platz, es gibt da und dort einen Baum und es geht eher zu wie im Schwimmbad, Kinder laufen herum und irgendwo weiter unten spielt Musik.

Viele Gäste haben schlauerweise Strohhüte auf, was gut gegen die Sonne hilft und trotzdem luftig ist. Mein Bandana tut es auch, manche schlauen Leute waren früh dort und haben sich einen der wenigen Schattenplätze unter den wenigen Bäumen geschnappt.
Von The Doors Alive sehen wir nur die letzten drei Nummern, The Sweet sehe ich mir dann gemeinsam mit meinem Bruder komplett an, wir finden einen Halbschattenplatz am Rand und machen es uns gemütlich. Den Deckenplatz, den ich ursprünglich hatte, geben wir wieder auf.
Jede dieser alten Bands hat noch ein Urspungsmitglied, meistens ist es der Gitarrist. Die sind alle schon in die Jahre gekommen, bei The Sweet ist es Andy Scott als einzig noch Lebender, die anderen, derzeitigen Bandmitglieder sind halb so alt.

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Bild: The Sweet spielen, es ist früher Nachmittag, die Stimmung ist gut

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Bild: Andy Scott

Die alten Nummern (natürlich inkl. Ballroom Blitz) klingen wie früher oder fast wie früher. Bei all diesen Bands wurde dafür gesorgt, dass die Nachfolgenmitglieder ungefähr so spielen wie ihre Vorgänger. Das klappt eigentlich überall ganz gut, The Sweet zuzuhören macht durchaus Spaß, klingt aber natürlich immer nach Vergangenheit, Jugend und den unbeschwerten Tagen, denen man melancholisch ein wenig nachtrauern darf, während die Haare auf der Bühne und im Publikum jedes Jahr grauer werden.

In einigen Jahren wird das alles komplett zu Ende sein, auch die letzten Gründungsmitglieder aller alten Bands werden in Pension oder gestorben sein, die Bands werden sich sinnvollerweise auflösen und die klassische Rockmusik wird nur mehr über den Lautsprecher hörbar sein.
So ist es halt, aber mich interessiert trotzdem, warum diese Zeit so abgeschlossen erscheint. Es waren etwas mehr als zwei Jahrzehnte, von 1962 bis 1985, danach kam nichts mehr. Scheinbar ist diese Art der Musik ein Kind ihrer Zeit, als die E-Gitarren und Verstärker erfunden wurden und die Musik sich vom Rock´n Roll, Blues und Folk weiterentwickelte.

Natürlich haben die Bands auch damals schon von alten Nummern da und dort abgekupfert, aber der Großteil wurde neu komponiert, entwickelt, erfunden, erschaffen. Das war auch in der Elektronikmusik der 1980er ähnlich, wenngleich hier die Synthesizer schon einiges an Kreativleistung ersetzten. HipHop und Rap waren auch noch eigenständig und neu, danach jedoch kann ich mich nicht erinnern, substanziell Eigenständiges gehört zu haben.
Die Rolling Stones oder The Who waren keine am Papier konzeptionierten Bands, sondern da haben sich Musiker gefunden und gerockt.
Alle heutigen Rockbands klingen entweder nach gestern oder belanglos. Das werden junge Menschen wahrscheinlich anders sehen, aber ich kann das Neue halt nicht erkennen. Vielleicht wird eine der neuen Rockgruppen auch in fünfzig Jahren noch auf der Bühne stehen, ich kann es mir halt nicht vorstellen.
Inzwischen gibt es die erste komplett virtuelle Band. Die Musiker sind im (oder vom) Computer generiert, ihre Musik ebenfalls und sie haben hohe Zugriffsraten im Internet. Das mag mögen, wer will.

Mothers Finest haben wir uns nur zum Teil angehört, bei Slade ist der einzige noch aktive Musiker aus der Originalbesetzung Dave Hill, grauhaarig und bald seinen achtzigsten Geburtstag feiernd. „Cum on feel the noize“ durfte nicht fehlen.

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Bild: Suchbild: Wer findet meinen Bruder Peter? (Auflösung: Das ist der Blick vom Schotterweg in den obersten Bereich. Mein Bruder knotzt direkt vor dem kleinen Baum in Bildmitte auf einer Decke.

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Bild: Jetzt liege ich unter dem Baum auf der Decke und schaue in den blauen Himmel mit Schäfchenwolken – ähnlich wie vor vielen Jahren beim Lovely Days in Wiesen

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Bild: Hinter einem Schotterweg beginnt der hinterste Bereich, wo jede Menge Platz ist und auch das nächste Getränkestandl ist nicht weit.

Bei Melissa Etheridge waren wir bereits im hintersten Bereich, aber irgendwie noch weit genug vorne, um die Show gut mitzuerleben. Ich ergatterte sogar einen Platz in einer der wenigen Hängematten, die dort vorzufinden waren.

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Bild: Ich liege in der Hängematte und schaue Melissa Etheridge. Das Leben ist schön an diesem Abend

„Bring Me Some Water“ als Highlight, aber die ganze Show war kraftvoll und engagiert, kurz ihr Geld wert.
Manche der Bands haben sogar kürzlich erst ein neues Album herausgebracht, aber nichts davon ist wirklich interessant, außer für eingefleischte Fans der jeweiligen Gruppe.
Die Leute wollen die alten Hits hören, sonst nichts.

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Bild: Um 23 Uhr beginnt Billy Idol

Das gilt natürlich auch für Billy Idol, den Höhepunkt des Festivals, der wie alle anderen pünktlich begann.
Das ist das Wesen dieser Festivals: Pünktlich beginnen, zwischen 70 und 90 Minuten spielen, dann Umbaupause. Da gibt es keine Zugaben oder maximal eine, alles ist durchgeplant.

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Bild: Billy in Action

Bei Billy war interessant, wie er sich verändert hat. Vor 19 Jahren war er ein kraftvoller, wilder Hund, scheinbar noch in einer Drogenphase, daher Haut und Knochen.

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Bild: Billy 2025

Diesmal langsamer, klarerweise nicht mehr so kräftig, routiniert und mit Botox unter der Haut oder zumindest dem einen oder anderen Lifting.
Der Hauptfaktor war für mich die Nostalgie, keine Frage. Musikalisch gibt es natürlich ein bemüht, aber irgendwie ist es auch ein trauriger Abgang, der sich da vollzieht. Sein Gitarrenkollege Steve Stevens spielte eine ganze, verdächtig lange Akustiknummer, während Billy wahrscheinlich Erholung nötig hatte.

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Bild: Steve Stevens beim Solo

Für sein Alter spielte Billy aber alle Nummern noch sehr anständig runter – von „Mony Mony“ über „White Wedding“, „Eyes Without A Face“ bis zu „Hot In The City“ war alles dabei, was wir früher gerne hörten.

Und so ist es auch eine halbe Stunde nach Mitternacht mit der letzten Nummer einfach zu Ende, die Leute verlassen schnell das Gelände, unter Tags mussten eine Handvoll Medizinfälle versorgt werden, die meisten wegen der Kombination aus Sonne und Alkohol.

Ansonsten war alles friedlich, routiniert und nett. Es war gut, dort gewesen zu sein. Ob ich mir noch weitere Lovely Days ansehen werde, hängt vom Zufall ab. Ich fürchte, die wirklich interessanten Gruppen habe ich bereits abgefrühstückt. Aber wer weiß, vielleicht taucht noch der eine oder andere Grauhaarige auf, den ich mir gerne ansehe.

Uwe Arnold – ein Philosoph ist gegangen

UWE ARNOLD (1936 – 2024)

Im Sommer 2024 ist wieder einer der alten Gruppendynamik-Philosophie-Viererbande (Peter Heintel, Gerhard Schwarz, Ber Pesendorfer, Uwe Arnold) gegangen.
Uwe hat die letzten Jahre zurückgezogen in Klagenfurt gelebt und war leider auch nicht am Begräbnis meines Vaters 2022.

Begonnen hat alles am Institut für Philosophie an der Uni Wien, wo unter der Schirmherrschaft von Erich Heintel junge Philosophen ihre Karriere entwickeln konnten.

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Bild: Gerhard Schwarz und Uwe Arnold 1974

Sie landeten über Traugott Lindner dann auch alle bei der Gruppendynamik und blieben dort, was automatisch in den 1980ern einen Klagenfurt-Konnex eröffnete, da die Gruppendynamik dort an der Uni verankert werden konnte.
So zog es auch Uwe irgendwann dorthin und er wurde Professor am Institut für Philosophie in Klagenfurt.
Als Spin-off entwickelte sich die ÖGGG, die später in ÖGGO (Österreichische Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsberatung) umbenannt wurde. Uwe war dort lange Jahre als Trainer und Ausbildner tätig.
Sein Kern blieb aber immer die Philosophie und dort entwickelte er sich auch zu einem der außergewöhnlichsten Philosophen Österreichs.
Das Besondere an ihm war die Art und Weise, wie er schwierige Inhalte vermitteln konnte. Seine Vorlesungen waren exzellent und sehr beliebt. Ich konnte sie leider nie direkt genießen, glücklicherweise wurden sie aber alle auf Tonband aufgenommen und transkribiert, so dass sie heute verfügbar sind.
Wenn ich etwas Schlaues zu einem Thema von mir geben muss, schaue ich nach, was Uwe dazu gesagt hat. Seine geschichtlichen Herleitungen eröffnen mir heute noch Erkenntnisse, weil sie aus dem üblichen Denken heraustreten und somit andere Blickrichtungen eröffnen.

Uwe war ein besonderer Typ, er stach aus der Menge durch seine wilde Frisur, seine Rollkragenpullis und seine sonore, ausgesprochen markante Stimme hervor – und natürlich durch sein Faible für Tabakwaren. Früher Zigaretten, später dann Pfeife.

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Bild: Uwe Arnold

Sowohl in der Philosophie wie auch in der Gruppendynamik hatte er Autorität und Einfluss.
Unvergessen ist sein Auftritt im „Club 2“. Dort wurde er von einem Teilnehmer mit den Worten „Kennen Sie überhaupt Hegel?“ attackiert.
Seine Antwort: „Nicht persönlich.“

Zudem war er bei vielen Motivforschungsprojekten dabei und auch hier war seine Analyse stets gefragt. Seine Spezialität war die Verbindung von Tiefe und Überblick, was gerade in diesem schwierigen Forschungsgebiet dringend notwendig ist, um die Zusammenhänge auf den verschiedenen Ebenen zu verstehen.

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Bild: Hypothesensitzung im Büro von Gerhard Schwarz, ca. 1983 (von links: Monika Hänslin, Ewald Krainz, Traugott Lindner, Ber Pesendorfer, Uwe Arnold)

So gescheit und eloquent Uwe war, die eine oder andere Kante gab es doch. Eine davon führte leider zum Bruch, als er eine Empfehlung für die Gruppendynamikausbildung zurückzog, die er mir vorher schon gegeben hatte – und zwar weil er sich über jemand anderen geärgert hatte. Auf meine Nachfrage reagierte er unverständlich, was für mich der Anlass (nicht die Ursache) war, die Ausbildung abzubrechen.
Ich verlor dadurch auch den Kontakt zu ihm und fand ihn nicht mehr wieder.

Er wird mir aber als Quelle der Weisheit und Inspiration trotzdem in guter Erinnerung bleiben.

Taylor Swift

Ein Versuch einer Kulturtheorie

Okay, eine ganze Kulturtheorie wird es wohl nicht, aber ein Versuch einige wichtige Elemente zu finden und aus deren Kombination ein Gesamtbild zu formen.

Ein Phänomen ist sie auf jeden Fall, die Taylor Swift.

In der Schweizer TV-Sendung Sternstunde Philosophie („Taylor Swift – die Utopie des Normalen“) wird das Phänomen vom Medienwissenschaftler Jörn Glasenapp, Autor des Buches „Taylor Swift“ (wie sollte es auch sonst heißen) gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Christine Lötscher untersucht. Ihre Diskussionspunkte und Erkenntnisse fließen in meine Überlegungen ein.

Ich versuche es zuerst in einzelnen Punkten zu erfassen.

a.) Quantität/Dimension
Sie schlägt alle Kassenrekorde, Preiserekorde, Stadionrekorde und noch einige mehr. Sie ist in einer neuen Dimension im Geldverdienen und Erfolg haben. Auf Instagram hat sie 283 Millionen Follower und bei ihrer 2024 aktuellen Konzerttour angeblich bereits mehr als eine Milliarde Dollar verdient.

b.) Qualität/künstlerisches Schaffen
Auch hier ist sie in der Branche Popmusik führend. Das ist unter anderem deswegen interessant, weil sie aus der amerikanischen Country-Szene stammt und dort nicht an der Spitze ist.
Sie spielt bzw. spielte aber in der oberen Liga mit, war eine der Laudatorinnen von Brooks & Dunn („The Last Rodeo“, Youtube) und in der Szene sehr bekannt.
Diese ist sicher die härteste Musikszene der Welt, da sie riesig ist und eine unglaubliche Vielzahl von Talenten aufweist. Wenn wir uns nur auf die Frauen beschränken, dann finden wir die Wurzeln im Dreigestirn Dolly Parton, Linda Ronstadt und Emmylou Harris (über die ich zur Country Music gekommen bin). Da reden wir von den 1970er- und 1980er Jahren. Danach kam Shania Twain, gefolgt von Reba McEntire, Martina McBride und zahllosen anderen. Die nächste Generation stand und steht immer schon in den Startlöchern, hervorzuheben sind Jennifer Nettles, Miranda Lambert und natürlich Carrie Underwood. Und auch sie sind schon die ältere Generation, neue Talente wie Kelsea Ballerini tauchen auf.

All diese Sängerinnen haben ein breites Spektrum, schon Emmylou Harris kam aus der Folk-Music und Linda Ronstadt war auch vielseitig unterwegs. Sie alle zeichnen sich durch ausgesprochen gute Stimmen aus, die meisten durch musikalisches Talent, dazu sind sie sattelfest auf der Bühne und durch die Bank attraktive Frauen.

Das ist aber noch nicht alles. Im Gegensatz zu anderen Szenen kooperieren sie gerne und es wirkt auch nicht aufgesetzt. Sie scheinen sich Erfolge zu gönnen und zeichnen sich durch professionelles Verhalten und harte Arbeit aus. Das beste Beispiel ist wohl Carrie Underwood, die in der Talenteshow „American Idol“ entdeckt wurde und bei der man die musikalische Entwicklung gut verfolgen kann.

In dieser Szene konnte sich Taylor Swift auf allen Ebenen behaupten, musikalisch, vom Auftritt und auch der Professionalität, ohne die sie lange nicht dort wäre, wo sie heute ist.

Ihr künstlerisches Schaffen beschränkt sich nicht auf das Schreiben von Liedern, sie formt ganze Alben mit speziellen Themen, zeigt Vielfalt und Kreativität.

c.) Erscheinung und Professionalität
Wenn sie wo auftaucht, bekommt sie sofort Aufmerksamkeit – sie betritt keinen Raum, sie erscheint. Das mag zu einem Teil aus der Popularität stammen, geht aber darüber hinaus. Ich formuliere es vorsichtig: Sie wird zu dem gemacht, was sie jetzt ist. Sie kann es aber scheinbar gut verkraften, wirkt nicht überfordert oder ausgebrannt.

Hier ein Link zu einem langen Interview bei einer US-Show. Hier ist gut zu erkennen wie sie sich selbst darstellt:

Sie ist so hoch auf der Karriereleiter und so tief in ihrem Business, dass das ohne Professionalität nicht möglich wäre. Entsprechendes körperliches und mentales Training ist in dieser Liga absolute Notwendigkeit, ebenso wie die dazugehörende Disziplin.

d.) Das Stretching
Unerreichbare Pop-Queen und lustiges Mädchen von nebenan. Wer sich zwanzig Minuten einer großen Show ansieht und danach zwanzig Minuten eines kleinen Konzerts, kann verstehen, was damit gemeint ist. Es sieht nach zwei verschiedenen Menschen aus und doch ist die Identität stets da.
Sie ist das „All American Girl“, kommt aus der Normalität (was auch immer man damit bezeichnen mag) und schafft es bis ganz nach oben.

Auf Youtube findet man natürlich jede Menge Videos, eines möchte ich aber besonders empfehlen, weil es Taylor Swift von einer Seite zeigt, die man in den Medien normalerweise nicht mitbekommt. Sie spielt in einer Art Wohnzimmerkonzert vier Nummern, durch die Geschichten, die sie erzählt, zeigt sich aber die Breite, die Tiefe und auch ihr Humor. Und die dritte Nummer ist diejenige, von der Lötscher und Glasenapp meinen, sie wäre ihre beste.
Hier der Link:

e.) Die Frau
Ganz zu Beginn der großen Laufbahn verkörpert sie in „Love Song“ eine Prinzessin, die vom feschen Prinzen umworben wird. Dort wird sie bereits ikonenhaft dargestellt: hübsches Gesicht, blonde Frisur, makellos-schlanker Körper.

Hier der Youtube Link:

„Man kann als Mädchen zur Frau werden ohne an Lebendigkeit einzubüßen“ heißt es in der Sendung. Dadurch wird Taylor nicht nur zum Vorbild für viele junge Mädchen, sie gibt auch dem Feminismus einen neuen Kick.
Sie muss nicht zum Mann werden, um Erfolg zu haben. Sie muss sich den Männern nicht beugen, nicht einmal scheinbar übermächtigen Konzernen. Sie macht ihr Ding und lässt alle oder zumindest fast alle Männer einfach hinter sich. Sie schlägt sie dort, wo es ihnen am meisten weh tut: bei Geld und Ruhm.
Als ihre Plattenfirma abhob und versucht hat sie zu hintergehen, hat sie sich erfolgreich gewehrt und einige Alben einfach noch einmal aufgenommen. Besonders nett ist an dieser Geschichte der Aspekt, dass sie mit den neuen Alben wesentlich mehr Erfolg hat als mit den alten.
Sie ist kämpferisch, sicher auch in gewisser Weise machtbewusst, zugleich wirkt sie durchaus nahbar, verletzlich und strahlt Freude an dem aus, was sie tut.
Seit einiger Zeit hat sie auch einen interessanten Mann gefunden, den NFL-Footballstar Travis Kelce. Der ist mehrfacher Superbowlsieger und ein echtes Raubein, als Paar sind sie zudem noch erfolgreicher als alleine. Nur durch die Verbindung gab es in der NFL einen deutlichen Entwicklungsschub, der sich nicht nur durch eine wachsende Fangemeinde auszeichnet.

f.) Die Selbstironie
Das alles geht nicht ohne Selbstreflexion. Sie zeigt, dass sie sich ständig mit ihrer eigenen Biographie auseinandersetzt. Das macht sie flexibel nach oben bzw. nach vorne. Sie kann sich selbst immer wieder neu erfinden und doch mit sich ident bleiben. Das macht sie widerstandsfähig – eine Eigenschaft, die sie gut brauchen kann und auch in Zukunft noch brauchen wird, wenn sie der raue Wind der Politik erfasst.

g.) Der politische Mensch
Sie ist möglicherweise der einzige Mensch, der eine zweite Präsidentschaft von Donald Trump verhindern kann. Dass sie oft mit ihrem Privatjet herumfliegt und dabei nicht gerade ein Umweltschutzvorbild ist, sei ihr vor allem dann verziehen, wenn sie den ganz großen Hebel zieht und die Welt vor weiteren vier Jahren Umweltdesaster schützt. Bis auf die Klimawandelleugner haben auch schon so ziemlich alle kapiert, was Trump anrichten wird, sollte er die Wahlen gewinnen.
Taylor geht einen interessanten Weg. Sie ist immer ein wenig hinter den politisch aktiven Kolleg:innen, hat sich erst 2018 zu den Mid-Terms politisch geoutet und nicht schon ein Jahr vorher bei Trumps erster Präsidentschaft.
Sie versucht auch nicht in die Links-Rechts-Spaltung hineinzugeraten, sondern sieht sich eher auf der Seite der Vernünftigen, Normalen – vielleicht in der Hoffnung, dass das eine Mehrheit ist, die auch vernünftig und normal wählen kann.

Derzeit ist es ja nicht besonders leicht Fan von Demokraten oder Republikanern zu sein. Die beiden Kandidaten wirken wir die Wahl zwischen Pest und Cholera. Taylor hat bereits im Frühjahr 2024 etwas Wichtiges getan: Sie hat ihre Fans aufgerufen sich registrieren zu lassen. Das ist eminent wichtig, denn nur rechtzeitig Registrierte haben überhaupt das Recht zu wählen.
Da sie derzeit ca. 300 Millionen Menschen in ihrer Fangemeinde hat, davon ein Großteil in den USA, könnte ein erfolgreicher Aufruf zur richtigen Zeit in der richtigen Art und gerichtet an die richtigen Leute, ein politisches Erdbeben erzeugen, so wie sie derzeit auf ihrer Eras-Tour in manchen Stadien bereits kleine Erdbeben erzeugt hat.
Angenommen sie hat in den USA 100 Millionen Follower, dann sind davon der Großteil weiblich und jung. Das ist keine sehr wahlaffine Gruppe, die haben meist andere Dinge im Kopf als sich zwischen zwei alten Männern entscheiden zu müssen. Wenn Taylor Swift es schafft davon nur ein einziges Prozent zur Wahl zu bewegen, könnte das den Ausschlag gegen Trump geben.
Viel politisch wirksamer kann man (frau!) nicht agieren.

h.) Die Querschnittsfrau
Ein Auswuchs des „Taylorverse“ (statt Universe) sind kitschige Liebesromane, die bei Swifties gerade sehr gefragt sind. Zu Beginn dieser Romane gibt es meistens eine Playlist, auf der Taylor mehrfach vertreten ist.
Sie spielt mit diesem Element in ihren Shows und Interviews, wo sie sich absolut nicht als Beziehungsgewinnerin präsentiert, sondern durchaus mit einer komplexen Liebesvergangenheit mit Höhen und Tiefen. Das bringt sie nicht nur ihren Fans näher, sondern ist auch klares Element ihrer Person.
Sie spielt aber noch in viele andere Lebensbereiche hinein. Es ist in Mode gekommen auf einem Swift-Konzert der Freundin den Heiratsantrag zu machen. Und ihre Fans treten miteinander in Interaktion, quasi als Nebeneffekt zum Konzert. Noch klarer wird das bei „Swifties-Nights“, also Veranstaltungen, zu denen Swifties kommen. Dort ist Taylor maximal über Lautsprecher oder eine Videowall präsent, aber das ist egal.

Ihre Fans knüpfen und tauschen Freundschaftsarmbänder, das hat sich zu einem riesigen Hype entwickelt. Der Ursprung ist eine einzige Zeile in einem ihrer Lieder (You´re on your own, kid), wo sie singt „So make the friendship bracelets“ – das war´s, mehr kam da nicht. Aber das hat gereicht.

Das Taylorverse reicht aber noch weiter, wird noch breiter. Sie nimmt die Strömungen, Ideen, Anregungen, Wünsche ihrer Fans und noch vieles mehr auf und rezipiert darauf, baut sie ein, entwickelt sie weiter, verändert sie. Somit arbeitet nicht nur sie am Taylorverse, an der Veränderung dieses kleinen Universums (das Universum ist per se nicht klein, nur so am Rande), sondern alle gemeinsam.

i.) Die Schreiberin
Nicht nur Texte für ihre Lieder, sie schreibt sich Frust von der Seele, sie wird im Schreiben kreativ. Das ist weit entfernt von normalen Pop-Sternchen, denen irgendjemand die Texte und auch den Rest erzeugt. Taylor schreibt Kurzgeschichten und es wäre ein großer Fehler, sie auf eine „Texterin“ zu reduzieren, wie Glasenapp erklärt: Sie ist eine Musikerin, ihre Texte mögen gut sein, aber erst in der Verbindung mit der Musik entfalten sie die Kraft, in der die wahre Taylor Swift steckt.

Die Summe aus all diesen Elementen lässt das Phänomen Taylor Swift erahnen. Wo sie wirklich einzuordnen ist, wird sich gegen Ende 2024 zeigen. Bis dahin bleibt sie auf jeden Fall ein stabiler Faktor in einer Welt, die immer mehr in die Instabilität abgleitet. Allein dafür verdient sie sich durchaus unsere Bewunderung, zumindest aber unseren Respekt.

Der Bacherl – ein später Nachruf

Sechs Todesfälle 2022, das war dann doch ein bissi viel. Zwei davon haben mich ganz besonders getroffen: mein Vater und der Bacherl. Vielleicht habe ich es deswegen nicht geschafft den Nachruf früher zu schreiben, der auf meinen Vater wird sowieso noch deutlich komplexer sein müssen.

Es ist immer noch schwierig. Ich werde es chronologisch angehen und mich hinarbeiten bis zu seinem Begräbnis am 13. Mai 2022.

Ganz genau weiß ich es nicht mehr, wann ich den Peter kennengelernt habe. Es war gemeinsam mit vielen anderen Klosterneuburgern irgendwann 1993, vielleicht bei einem privaten Festl oder einem Clubbing. Gleich zu Beginn – daran kann ich mich noch gut erinnern – ist mir aufgefallen, dass er stets von hübschen Frauen umgeben war. Auch seine damalige Freundin, die Babsi (in Klosterneuburg hießen damals irgendwie alle Babsi, außer die Kathis, dazu später) gehörte in diese Gruppe.
Damals hatte der Peter noch nicht studiert und machte beruflich irgendwas, ich weiß das einfach nicht mehr. Aber er war schon damals ein umtriebiger Typ und kannte halb Klosterneuburg und auch darüber hinaus eine Menge Leute. Daraus ergaben sich viele verschiedene Jobs, etwa im Bereich Security oder auch als DJ „Del Vino“.
Wahrlich nicht auf den Mund gefallen, für manche hin und wieder ein wenig nervig, aber auch jederzeit zu einem tiefsinnigen Gespräch bereit. Peter konnte zuhören, was keine allzu verbreitete Tugend ist. Deshalb saß ich mit ihm auch des öfteren beim Heurigen, natürlich nicht nur für tiefsinnige Gedanken, wir waren beide jung und deppert und hatten vor allem Parties im Kopf. Daher nahm ich ihn auf gute Festln mit und umgekehrt. Ich habe es sicher auch ihm zu verdanken, dass ich meinen heutigen Klosterneuburger Freundeskreis so schnell und gut kennenlernen durfte.
Der Freundeskreis, der ihn letztlich auch zu Grabe tragen musste.

Es fällt mir auch jetzt schwer auszuwählen, worüber ich schreiben möchte. Es waren fast dreißig Jahre Freundschaft, mit viel mehr Höhen als Tiefen, mit einer Konstanz, die alle Tiefen ausbügeln konnte, mit einer Basis, die wir nie in Frage stellen mussten.
Beim Schreiben dieser Worte muss ich tief seufzen. Das war auch einer der letzten gutgemeinten Tipps, die ich ihm gegeben habe, als ich das letzte Mal mit ihm gesprochen habe, kurz vor seiner Kehlkopfoperation. Danach konnte er nicht mehr sprechen, er, der kommunikative Typ mit der großen Pappn.
„Tief seufzen hilft mir oft, probier es doch aus.“

Jetzt bin ich wieder gesprungen. Eigentlich war ich noch in den Erinnerungen an die schönen Zeiten. Sie umfassen ja den weitaus längsten Teil unserer Freundschaft und reichen über die schon erwähnten zahlreichen Heurigenbesuche über den gemeinsamen Besuch von Festen aller Art bis zu dem netten Wochenende, an dem Peter mich zur Blockveranstaltung an der Uni Klagenfurt begleitet hat. Sogar an einer Organisationsaufstellung hat er einmal teilgenommen. Solchem Hokus-Pokus begegnete Peter mit einer soliden Skepsis, ich konnte ihn aber neugierig machen. Es war spannend, vor allem für ihn, denn er wurde als Repräsentant ausgewählt und stand dann da in der Aufstellung. Und dann passierte was, und es hinterließ einen bleibenden Eindruck. „Ich konnte auf einmal meinen Kopf nicht mehr bewegen, erst nach einer Auflösung der Situation war mir das wieder möglich“ meinte er danach.

Ich bleibe noch kurz beim Blockseminar in Klagenfurt. Wir gingen an einem der Abende in ein Wirtshaus und der Peter bestellte. Als das Essen kam, blickte er mit leichter Verzweiflung, aber nicht ohne Humor darauf: „Bestellt habe ich Pute mit Reis, bekommen hab ich Schwein mit Fritten.“ Das war typisch. Wir haben das dann mit ein paar Bierchen erledigt.

Am nettesten waren eigentlich die spontanen Treffen. Ein kurzer Anruf und wenig später saßen wir bei einem Bier in der Eule oder einem Spritzer beim Schmucki. Mir fällt es schwer mich an einzelne Abende zu erinnern, sie sind bei mir wie ein großes Ganzes abgespeichert, eine Art Freundschaftspaket, das mich mit dem Bacherl verbindet.
Einige Fotos können das vielleicht besser zeigen.

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Bild: Peter in Diskussion mit unserem Freund Dole

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Bild: Peter umgeben von schönen Frauen. Sehr unangenehm war ihm das nicht, er hatte mehrere lange, gute Beziehungen – bis er die Julia kennenlernte. An einem Abend, an dem er eigentlich daheim bleiben wollte und nur kurz auf ein Bier wegging. Fast im Jogger. Typisch Peter (der übrigens meistens durchaus gut angezogen war.)

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Bild: Am allerletzten Konzert von Drahdiwaberl am 11. Mai 2013. Es gab ja viele letzte Konzerte dieser legendären Wiener Punkband. Dieses war aber wirklich das letzte, zwei kräftige Herren schleppten Stefan Weber auf die Bühne, er krächzte 3-4 Nummern und dann haben sie in wieder runtergetragen. Das alles vor der Karlskirche, das Konzert war nämlich Teil der Wiener Festwocheneröffnung und ich wusste nix davon. Dann rief mich Peter an (oder war es Kathi? egal) und trotz Regen beschlossen wir uns das zu geben. Es war unglaublich, eine Replik auf die alten Zeiten. Es wurden rohe Eier ins Publikum geschmissen und rohe Hühnerteile. Was sie auf der Bühne alles aufführten, erwähne ich hier aus gutem Grund nicht. Am lustigsten waren fein gekleidete Festwocheneröffnungsgäste aus aller Herren Länder, die das überhaupt nicht packten.

Eine Veränderung unserer Beziehung brachte unser Engagement in der Politik. Leider nicht zum Guten – Peter stieg in Klosterneuburg bei den NEOS ein, ich in Wien bei den Grünen. In zahlreichen Diskussionen zeigten sich zwei doch recht unterschiedliche Weltbilder. Das konnte, das sollte, das durfte unsere Freundschaft nicht berühren. Und doch war es so. Wir hatten in der Zeit ohnehin weniger Kontakt und eine Zeit lang gab es Postings auf Facebook, die doch eine erhebliche Differenz zeigten. Wir konnten aber immer wieder gute Gespräche führen und die Differenzen diskutieren.
Dann wechselte Peter als Gemeinderat zur ÖVP. Das war für viele seiner Freunde ein Schlag, ich fand es weniger aufregend, weil seine Beziehungen in die ÖVP-Welt waren immer gut und er fühlte sich wohl. Zugleich lief es beruflich nicht optimal und es war Zeit für ihn neue Wege zu gehen. Unsere Freundschaft dümpelte vor sich hin, er hatte schließlich neben der Politik und dem Job noch eine Familie, die ihn zurecht auch forderte.

Dann kam der bittere Tag, an dem ich von seiner Erkrankung erfuhr: Krebs. Ein Stimmband raus, dann noch ein halbes. Hoffen, dass es damit erledigt ist. Das Wissen, dass gute Wünsche zwar nett sind, aber wenig ausrichten. Die Bitterkeit, schon vor vielen Jahren erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört zu haben und dann das. Einem Menschen, der von seiner Stimme lebt, von seiner Fähigkeit am Telefon zu kommunizieren, im Marketing, im Verkauf – mit einem Schlag fast vorbei.
Peter zog sich zurück, auch aus seinem riesigen Freundeskreis. Natürlich nicht ganz, aber doch spürbar. Auch wir sahen uns einfach seltener.
Dann kam die nächste schlimme Nachricht: Es ist wieder da. Und der Kehlkopf muss raus.
Das traf mich hart und ich fand keinen Zugang zu Peter. Bis zu dem Tag, an dem ich ihn einfach anrief, wissend, dass das Sprechen schwer fiel. Das Gespräch war lange und gut, ich sprach ihm so viel Trost zu wie nur möglich.

Was kann da noch passieren? Die Antwort ist einfach: Corona. Für einen frisch Operierten eine Katastrophe. Peter konnte nicht anders als sich möglichst umfassend zurückzuziehen. Der Kontakt beschränkte sich auf Emails oder Facebook-Postings. Aber die konnten keinen Trost spenden und die Freundschaft nur sehr schlecht aufrecht erhalten. Seine Verbitterung tat weh und tut es bis heute.

Dann kam der Herbst 2021 und der Start in die Football-Saison. Peter war seit Ewigkeiten im Football-Universum, viel länger als ich. Diesen Start feiern wir immer am ersten NFL-Spieltag bei einem Freund, der eine große Party gibt.
Peter war auch dort, nach langer Zeit wieder unter Menschen bzw. mit einer großen Gruppe. Nur ich war leider nicht da, weil ich mir genau an dem Wochenende einen alten Traum erfüllt hatte und nach Gstaad zum Konzert von Emmylou Harris gereist war.

So verpasste ich die Chance Peter zu sehen. Es sollte keine weitere geben. Das wusste ich damals natürlich noch nicht, denn Peter ging es den Umständen entsprechend gut und das war auch das, was ich erfuhr und was mich natürlich sehr freute.
Das hieß auch: Demnächst wieder beim Heurigen bei einem gepflegten Spritzer. Ich plante schon ihn anzurufen, dann kam alles mögliche dazwischen – egal, wir hatten es ja nicht so eilig.
Zumindest bis zum Neujahrstag 2022, als ich von einem Freund erfahren musste, dass der Krebs wieder gekommen war. Metastasen in der Lunge. Es sah schlecht aus, ich wusste das leider, weil ja 2014 drei meiner besten Freunde an Krebs verstorben waren.

Aber niemand gab die Hoffnung auf, auch Peter nicht. Er kämpfte sich durch eine Chemotherapie nach der anderen. Doch seine Facebook-Postings wurden weniger und die wenigen Freunde, mit denen er Kontakt hatte, zeigten nur mehr wenig Hoffnung.

Dann das Posting auf Facebook von einer Freundin, mit einer Todesnachricht. Ich dachte noch: Mein Gott, es ist was mit ihrem Vater! Aber dann war schnell klar, dass Peter gestorben war.
Am fünften Mai hatte er seine Frau kennengelernt.
Am fünften Mai hatte er sie geheiratet.
Und am fünften Mai ist er gestorben.

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Bild: Die Kerze von Peter und Julia

Peter hatte einen Sinn für Inszenierung. Wir verpassten ihm dafür ein Begräbnis, das wohl noch lange allen Anwesenden in Erinnerung bleiben wird. Die Stiftskirche in Klosterneuburg war gerammelt voll, der Bürgermeister – einer seiner engsten Freunde – hielt eine Rede, die mehr als außergewöhnlich war. Straßen wurden gesperrt für den Trauerzug zum Friedhof.

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Bild: Aufgebahrt in der Stiftskirche von Klosterneuburg. Ob er auch mit Sonnenbrille begraben wurde, ist nicht bestätigt

Und danach gab es eine Party wie sie dem Bacherl gefallen hätte – sehr gut gefallen sogar. Im Stollkeller, einem unserer Lieblingslokale, das schon lange geschlossen hatte und für uns, für Peter, einmal aufsperrte.

„Einst lehnte er im Stoll am Fassl,
heut lehrt er an der Uni Kassel.“

Der kleine Reim stammt von Peter und er druckte diese Wuchtel spontan an irgendeinem Abend viele Jahre davor, als wir beide am Fassl im Stollkeller standen.

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Bild: Am Fassl lehnend

Der Abend am Tag seines Begräbnisses wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Lachen und heulen zugleich, so viele Emotionen auf einen Haufen habe ich vorher noch nie erlebt. Auch bei mir selbst nicht. Es war zum Schluss wie eine Erlösung, auch für seine Frau Julia, die wahrlich keine leichte Zeit hinter sich hatte. So wie auch ihre beiden Kinder.
Ein paar Bilder können vielleicht einen Eindruck vermitteln.

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Bild: Am WC vom Stollkeller. Auch hier an jeder Ecke irgendein Bild vom Bacherl. So war es nun einmal notwendig. So gehört sich das.

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Bild: Auch das Wimmelbild im Garten vom Stoll spricht für sich. Der Verlust ist noch nicht fassbar, nicht verarbeitbar.

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Bild: Im Keller – auf diesem Bild finden sich alle Emotionen dieser Welt. Des Peters würdig.

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Bild: An der Bar vom Stollkeller. Mit Spritzer, Bier und guter Musik. Es gibt wohl keinen besseren Ort um vom Peter würdig Abschied zu nehmen. Inzwischen gibt es das alte Lokal nicht mehr. Irgendwie ist es mit Peter gestorben.

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Bild: Stowi und Andi spielen für uns, und speziell für Julia, während Peter im Hintergrund Blödsinn treibt.

Jetzt sind schon bald zwei Jahre vergangen. Peter ist präsenter als ich es erwartet hatte. Durch seine Frau Julia, die wieder nach vorne schaut und von allen herzlich willkommen geheißen wird. Durch die vielen Erinnerungen, die nicht nur in Klosterneuburg auftauchen, sondern auch sonst zu allen möglichen Gelegenheiten, in bunter, wilder Mischung sozusagen: Sprüche fallen mir bei Gelegenheit ein, oder ich treffe gemeinsame Freunde, oft zufällig, und dann ist Peter ein Thema.
Oder ich denke beim Schreiben an ihn, beim Musikhören, auf Konzerten, Festen, Veranstaltungen, Workshops etc. Es war eine Beziehung, eine Freundschaft, die mein Leben geprägt hat – so wie einige andere, aber nicht viele.
Diese Prägung wird anhalten, nicht nur bei mir, sondern bei erstaunlich vielen Menschen. Peter ist tot. Es lebe der Bacherl!

Rundumadum – der Wanderweg rund um Wien

Nachdem ich im August und September die 14 Stadtwanderwege gegangen und tw. auch schon gelaufen bin, stand jetzt die nächste Herausforderung am Programm.
Mit kleinen Schildern ist ein Weg rund um Wien gekennzeichnet, den ich ebenfalls sehr empfehlen kann.
Länge: 123 Kilometer
Höhenmeter: 1.727
Etappen: 24

Der Weg verläuft natürlich nicht exakt an der Stadtgrenze, bietet aber doch ein ordentliches Bild dieser Großstadt von und an ihren Rändern. Im Gegensatz zu den Stadtwanderwegen sind die Start- und Endpunkte natürlich immer woanders, was die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel notwendig macht – sofern man nicht mit dem Taxi fahren will.

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Bild: Die kleinen Schilder – ein rotes Herz und ein Pfeil.

Das kann mühsam sein, denn zu manchen Etappenabschnitten fahren nur Busse und die haben tw. recht dünne Intervalle, eine halbe Stunde oder manchmal auch eine ganze. Manche der – von der Stadt Wien so vorgesehenen – Etappen sind nur drei Kilometer lang, andere zehn. Sie decken sich teilweise mit den Stadtwanderwegen, aber nicht so, dass der Rundumadum nicht ein durchaus eigenes Erlebnis wäre.

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Bild: Der gesamte Rundumadum auf einen Blick. Beim Lainzer Tiergarten kann man gut die zwei verschiedenen Wegvarianten sehen.

Es gibt so etwas wie einen offiziellen Beginn, nämlich in Nussdorf, aber man kann dort beginnen oder aufhören, wo man gerade möchte. Ich habe am Nussdorfer Steg begonnen, also quasi im letzten Kilometer der Etappe Nr. 24, weil das nur ein paar Gehminuten von der U4-Station Heiligenstadt entfernt ist. Für mich ist das die erste Etappe.
Es beginnt locker entlang der Donau bis zum Kahlenbergerdörfl, von dort geht es über den Nasenweg hinauf auf den Leopoldsberg. Das ist zugleich auch das steilste und anstrengendste Stück des gesamten Weges. Laufen kann ich das nicht, nur gehen. Womit wir beim eigentlichen Punkt sind: Ich wollte den Rundumadum laufen. Nicht in einem Stück, wobei auch das machen manche Leute, dafür gibt es sogar einen eigenen Rundumadum-Lauf. Wer das machen will, hier ist die Website: https://www.wien-rundumadum.at

Am 3. November 2023 ist ein Währinger die Strecke in etwas mehr als 16 Stunden gelaufen. Das ist brutal, so viel kann ich jetzt schon sagen. Für mich war das Ziel es in mehreren Etappen zu schaffen und Steilstücke zu gehen. Das hat auch gut funktioniert, ich habe manchmal 2 der offiziellen Etappen auf einmal gemacht und meistens drei. Und ich war an manchen Tagen besser drauf und an anderen schlechter. Es hat auch nicht immer nur Spaß gemacht, wenn die Strecke einen öden Abschnitt hatte und ich eh schon ziemlich fertig war. Es hat sich aber ausgezahlt die Runde zu laufen, das kann ich als Resumé schon verlauten.
Manchmal gibt es zwei Wege, wobei einer davon für Hundebesitzer und -innen ist, weil die normale Route für Hunde gesperrt ist.

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Bild: Der Start entlang der Donau, mäßig romantisch, eine sehr lange Gerade

Ich werde hier die Strecke nur teilweise beschreiben, aber mit ein paar ausgewählten Bildern dokumentieren.
Der Nasenweg ist bereits einer der schönsten (und nicht nur anstrengendsten) Teile des Rundumadum. Jede Menge tolle Aussichtspunkte, nicht nur in die Stadt der Donau entlang, sondern auch hinüber zum Nussberg und den zahlreichen Weinbergen.

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Bild: Schon recht weit oben am Nasenweg mit Blick auf den Nussberg und die dortigen Weinberge und Buschenschanken

Oben wird es dann relativ flach und geht leicht bergauf-bergab entlang der Stadtwanderwege 1 und 1a hinüber zum Cobenzl. Dort umrundet man den Latisberg und setzt dann den Weg rund um den Hermannskogel Richtung Dreimarkstein fort. Dieser Teil der Tour besteht aus 100% Wienerwald. An vielen Stellen gibt es einen Blick tief hinein in diese riesige grüne Lunge von Wien.

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Bild: Zwischen Dreimarkstein und Hameau geht der Blick in den Westen

Der Großteil des Rundumadum besteht aus Asphaltwegen, aber vor allem im Wienerwald, aber auch in der Lobau gibt es fast nur Waldwege, allesamt gut ausgebaut, mit wenigen Ausnahmen, wo es über winzige Wege oder über kleine Brücken geht, oftmals auch nicht wirklich gut ausgeschildert. Die kleinen Schilder sind zwar häufig zu finden, aber nicht immer an der richtigen Stelle aufgehängt. Prinzipiell gibt es immer dann ein Schild, wenn sich die Richtung verändert. Das ist aber nur eine grobe Regel, ohne App wäre ich immer wieder zumindest kurz in die falsche Richtung gelaufen. Das ist nicht wirklich gut gelöst, ein paar Schilder mehr würden sehr helfen.

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Bild: Ein typischer Weg im Wienerwald

Meine zweite Etappe führte vom Dreimarkstein bis Hütteldorf, mit Zwischenstation im Schwarzenbergpark, wo man einen Großteil der Allee marschiert und dann hinauf zur Kreuzeichenwiese, hinüber zur Jubiläumswarte, deren Besteigung ich genauso empfehlen kann wie die der Stefaniewarte. Erstere liefert den vielleicht vollständigsten Blick über Wien, von der Westeinfahrt bis zum Bisamberg. Die Stefaniewarte hat – ähnlich wie die Habsburgwarte am Hermannskogel – nur an Wochenenden in der warmen Jahreszeit offen, bei allen lohnt sich der Weg hinauf und dann der Blick hinunter, bei der Stefaniewarte vor allem hinüber ins Weinviertel. Da wird mit einem Blick sichtbar, wie viel Windkraft in den letzten zwanzig Jahren schon ausgebaut wurde.

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Bild: Eines meiner super-seltenen „Selfies“

Meine dritte Etappe führte durch den Lainzer Tiergarten. Bis auf ein kurzes Stück, das sich mit dem Stadtwanderweg Nr. 6 deckt, gibt es diese Abschnitte nur beim Rundumadum. Sie sind wunderschön, beinhalten aber auch 2-3 ordentliche Steigungen.

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Bild: Hier sieht man eine sehr lange Gerade. Nicht zu sehen ist die Steilheit, es geht so bergauf, dass ich das nicht laufen konnte.

Der letzte Teil dieser Etappe führt bereits am Liesingbach entlang, das war mit 17,6 km meine zweitlängste und hat sich zum Schluss schon ordentlich reingehängt. Und dann kam noch was dazu: Beim Laufen darf man nicht zu warm angezogen sein, beim Rückweg ist man aber verschwitzt und sollte entweder eine gute Windjacke oder Reservegewand mithaben, um sich in der Straßenbahn oder im Bus nicht zu verkühlen. Die Fahrten dauern oft eine Stunde. Ich nehme auch immer 1-2 Wasserflaschen mit, je nach Streckendauer und Witterung. Hin und wieder gibt es auch Brunnen, wie etwa an der Mauer vom Lainzer Tiergarten in der Nähe von Breitenfurt.

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Bild: Einer der Brunnen mit dem hervorragenden Wiener Wasser

Ab meiner vierten Etappe wird es dann flach. Es geht sehr lang am Liesingbach entlang, an den riesigen Türmen von Alterlaa vorbei bis fast zum Verteilerkreis Favoriten. Immer wieder kreuzt man Stadtwanderwege oder benützt sie ein Stück lang. Ich kenne sie alle, war aber trotzdem nicht enttäuscht, weil der Rundumadum in Summe doch noch ganz andere Eindrücke erzeugt. Er ist irgendwie uriger, zeigt noch mehr die weniger bekannten Seiten dieser großen Stadt. Ich war in Gegenden, in denen ich noch nie war und in die ich auch sonst niemals kommen würde.
Manche Abschnitte sind auch eher fad, andererseits gehört das halt auch dazu.

Bei der fünften Etappe ging es in den Böhmischen Prater, durch die Löwygrube und dann hinunter nach Simmering bis in den Zentralfriedhof.

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Bild: Unterhalb des Böhmischen Praters geht es an Feldern entlang hinunter nach Simmerring. Am Bild ein kalorisches Kraftwerk

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Bild: Durch den Zentralfriedhof

Dort war auch ordentlich Stimmung, weil ich ihn zu Allerheiligen gelaufen bin. Während es rund um den Wienerberg noch rauf und runter geht, ist es ab dem Zentralfriedhof für lange Zeit komplett flach. An diesem Tag war es „zaaach“, wie man auf Wienerisch so schön sagt. Der Schluss geht über den unteren Teil der Donauinsel und ich hatte Gegenwind.

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Bild: Am Hafen Wien vorbei geht es über die Donau

Am Ende dieser Etappe steht eine kleine Weltreise, die genau genommen gar nicht so lange ist, vorausgesetzt der Bus 92B fährt einem nicht vor der Nase davon. Meistens kann man mit den Bussen gut die Linie U2 erreichen, mit der man dann schnell ins Zentrum kommt. Wer noch keine Jahreskarte besitzt – die vielen Fahrten für den Rundumadum laden dazu ein, sich eine zuzulegen.

Die sechste Etappe geht dann quer durch den Nationalpark Donauauen bzw. durch die Lobau. Das ist ein reizvoller Abschnitt, an dessen Ende man wieder bei einer der zahlreichen Neubausiedlungen ankommt, die in den letzten Jahren in der Donaustadt gebaut wurden. Das ist das wichtigste Stadterneuerungsgebiet und einigermaßen gut mit Bussen versorgt, auch wenn die Intervalle höchst unterschiedlich sind.

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Bild: Eines der zahlreichen Gewässer, an denen man vorbeikommt

Ab jetzt wird es eher fad. Die siebente Etappe führte mich rund um die Seestadt Aspern bis nach Süßenbrunn, wo man vom Etappenende noch einen knappen Kilometer bis zum Bahnhof gehen muss, um zur Schnellbahn zu kommen, die dann allerdings in wenigen Minuten bis Floridsdorf fährt.

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Bild: Die Gegend ist ländlich, obwohl es Wien ist. Hier gibt es noch echte Landwirtschaft und ehemals kleine Orte im Marchfeld, heute allesamt von Neubausiedlungen umzingelt. Die Stadt erscheint weit weg.

Mir war klar, dass der nächste Abschnitt wieder eine gewisse Herausforderung wird. Ich konnte irgendwie nicht sehr schnell laufen und hatte mir mehr Konditionszuwachs erwartet. Der kam nicht und so musste ich bei jeder Etappe immer wieder kämpfen – gegen die Ödheit mancher Landschaften, gegen den Wind und gegen mich selbst.

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Bild: Eine Reihenhaussiedlung in Süssenbrunn. Sie wurde mitten ins Nirgendwo gebaut und ist ohne Auto absolut unerreichbar. Hier sieht man die verfehlte Siedlungspolitik, die es nicht nur im Westjordanland gibt, sondern auch in der Donaustadt. Die Seestadt ist eine löbliche Ausnahme, ansonsten findet man seelenlose Schlafsiedlungen ohne jede Infrastruktur.

Das Wohnen kann dort trotzdem schön sein – je nachdem, welche Ansprüche man hat. Der Rundumadumweg verläuft hier meistens sehr gerade. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit hat sich im Laufe der Etappen erhöht, auch weil die ersten sehr bergig waren. Jetzt aber stockt es irgendwie, ich habe manchmal den Eindruck gar nicht voranzukommen. Auf dieser Strecke etwa dachte ich, dass ich noch langsamer sein werde als davor, war aber etwas schneller. Ich konnte auf 10 km/h erhöhen.

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Bild: Der Screenshot von bergfex.

Die Gegend ist superflach und man läuft zeitweise mitten durch Felder – auch das ist Wien.

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Ein Feldweg in einem noch unbebauten Teil von Wien. Da die Stadt weiterhin rasant wächst, werden dort wohl auch bald Wohnblöcke stehen. Im Hintergrund sieht man schon den Bisamberg

Von Süßenbrunn geht es in der achten Etappe dann durch Gerasdorf bis zum Marchfeldkanal, an dem man länger entlangläuft, und zwar bis Stammersdorf. Dort fahren die Busse echt selten und ich hoffte gleich drei Etappen zu schaffen.

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Der Kanal sollte ursprünglich der Schifffahrt dienen, wurde dann aber nie so genützt. Oder vielleicht auch ganz anders – entlanglaufen ist ganz okay.

Hinter Stammersdorf kommt eine kleine Steigung parallel zur Brünnerstraße, die man dann auch überquert und auf den Stadtwanderweg Nr. 5 trifft, dem man bis auf den Bisamberg folgt. Es geht stetig leicht bergauf, durch die Weinberge bis zur letzten echten Steigung des Rundumadum. Die ist dann doch knackig, ich konnte sie nicht laufen, auch weil ich schon viele Kilometer in den Beinen hatte. Oben wird es dann flach und geht schließlich wieder hinunter zur Kellergasse. Weil der Bus dort noch ewig gedauert hätte, bin ich gleich bergab durch eine weitere, sehr nette Kellergasse nach Strebersdorf gelaufen und konnte dort einen Bus erwischen, der mich zur Straßenbahn Richtung Floridsdorf brachte.

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Bild: Die längst gelesenen Weinstöcke am Fuße des Bisambergs in der Spätnachmittags-Novembersonne

Der Wein gehört zu Wien und deswegen muss man auch durch die Weinberge wandern bzw. laufen. Ich erwischte dafür einen der letzten schönen Herbsttage und wusste, dass ich den Rundumadum jetzt bald fertig machen müsste. Auf den letzten Etappen wurde es zunehmend kühler, am Ende dieser Strecke war ich echt froh über die Windjacke.

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Bild: Am Bisamberg im letzten Sonnenlicht, kurz bevor der steile Teil beginnt.

Die neunte und letzte Etappe war zugleich die kürzeste, weil ich ja schon einen Teil (bis Strebersdorf) davor gelaufen war und die letzte Strecke nur bis zum Nussdorfer Steg und nicht bis Nussdorf laufen musste. Dafür schneite es leicht und ich beschloss, die Sache flott anzugehen. Es ging auch einigermaßen gut, durch Strebersdorf wieder entlang des Marchfeldkanals bis zu seinem Beginn. Auch ein Ort, an dem ich zuvor noch nie war.

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Bild: Der Marchfeldkanal mit zwei Schwänen, im Hintergrund schon der Beginn der Alpen mit Leopolds- und Kahlenberg

Bei diesem Abschnitt muss man die Autobahn überqueren und läuft dann entlang des Donauufers bis zu einer Brücke, die auf die Donauinsel führt. Dort dann entlang bis zu einer weiteren Brücke, die wieder hinüber in den 19. Bezirk führt.

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Bild: Überquerung der Donauuferautobahn

Irgendwie lief es an dem Tag auch nicht so wie geplant, zumindest was die Geschwindigkeit anging. Gefühltermaßen war ich blitzschnell, de facto aber auch nicht schneller als bei der achten Etappe. Macht aber nichts, ich war echt froh den Rundumadum beendet zu haben. Ein paar Tage später schneite es so heftig, dass das Laufen keinen Spaß mehr gemacht hätte.

Fazit: Sehr empfehlenswert, weil anders als das, was man als Wanderer in und rund um Wien so kennt. Ich habe insgesamt 14 Stunden und 12 Minuten für meine neun Etappen gebraucht. Die Stadt Wien gibt auf wien.gv.at die Gehzeit mit mindestens 31 Stunden an.
Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war 9,13 km/h, das ließe sich mit etwas Training auf knapp über 10 steigern. Ich habe das aber nicht vor und war letztlich mit meiner Leistung ganz zufrieden.