Die Rath – ein Nachruf

„Gemma zur Rath“ – das war knapp dreißig Jahre eine Aussage, mehr als ein Vorschlag, eigentlich ein Programm.
Die Rath – das war die Buschenschank Rath in der Liebhartstalstraße am Fuße des Gallitzinbergs. Es war aber auch der Name der Chefin, Christine Rath sen.
Das Lokal war so klassisch wie es eine Buschenschank nur sein kann. Auf dem großen Grundstück steht eine alte Villa, in der die Familie wohnte. Der „alte Herr Rath“ – er war irgendwie immer schon alt, vielleicht weil er für junge Menschen so aussah – hatte in früherer Zeit eine Knopffabrik. Dann kam Asien und überschwemmte den Markt mit billigen Knöpfen und Herr Rath musste seine Firma zusperren.
Was nun?
Seine Frau stammte aus einer Winzerfamilie und es gab da noch einen kleinen Weingarten hinterm Haus und noch andere – der Gedanke an eine Buschenschank war da nicht weit.
Also sperrte man Anfang der 1980er Jahre auf, mit ein paar Tischen im Garten und weiteren „indoor“, wie man heute sagen würde.
Vorne die Villa, an der man seitlich vorbeiging, hinten das Lokal. Es gab eine Küche (leider nur eine für Privathaus und Betrieb, das war aber erst viel später ein Thema) und eine Schank und viel mehr war auch nicht notwendig.
Drinnen war es richtig kuschelig, rechtzeitig reservieren von Vorteil, an Gemütlichkeit war es aber fast nicht zu übertreffen.

Es war ein Familienbetrieb und wer die Gastro kennt, kann abschätzen, was das bedeutet. Als viele Jahre später die Frage im Raum stand, ob eines von den Kindern den Betrieb übernehmen würde, konnte diese leider nur mit „nein“ beantwortet werden, aus unterschiedlichen Gründen.
Aber so weit sind wir noch nicht.

Ich lernte das Lokal in der Schulzeit kennen, es muss so 1983 oder 1984 gewesen sein. Die mittlere Tochter Petra ging mit meiner Schwester in die Klasse – unsere Schule war in der Nähe – und irgendwann landeten wir beim Heurigen.
Der Wein war okay, schädelwehfrei, aber wir tranken den Weißwein immer als Spritzer. Die Mindestbestellung war „Liter – Liter“, in späteren Zeiten meinte Frau Rath einmal „Ich bring gleich 2 Liter Wein, wegen einem rennen zahlt sich bei euch nicht aus.“
Besonders hervorzuheben war der Sturm, der gehört für mich bis heute zu den besten, an die ich mich erinnern kann. Der wurde uns aber nur mehr in Dopplern an den Tisch gebracht, sicher ist sicher.

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Bild: Das letzte Foto vom letzten Tag 2013

Mit der Zeit wurde die Rath zu meinem Stammlokal und ich bekam immer einen Tisch, auch wenn sie eigentlich ausreserviert war. Mein Maximum waren 30 Besuche in zwei Monaten. Das war eine Ausnahme, aber ein Mal pro Woche war das absolute Minimum, wenn sie ausgesteckt hatte.
Auch sehr erwähnenswert war das Essen. Lungenbraten mit Käse im Teig, das sah aus wie eine Buchtel und war absolut köstlich.
Und der Schinken-Kren-Aufstrich, der durfte auf meinem Tablett nie fehlen. Viel war ohnehin hausgemacht, was eine Menge Arbeit bedeutete.

Während ich das schreibe, merke ich, wie sehr mir dieses Lokal fehlt, natürlich samt den Freunden, mit denen ich oft dort war und auch der Frau Rath. Ihre Stimme höre ich immer noch im Ohr, ihr freundliches Lächeln hab ich vor mir, wenngleich das in den letzten Jahren immer in Kombination mit etwas Erschöpfung einherging.
Sie war Wirtin mit Leib und Seele, trank mit den Gästen gerne einen guten Schluck, aber stets in Maßen.
Der Herr Rath war auch immer wieder mal dabei, stand aber eher in der Küche oder half am Buffet aus. Er war ein ausgesprochen gemütlicher Typ, während sie meistens recht energiegeladen war.
Das alles ist schon lange her und doch noch so nahe, die Erinnerungen sind klar und deutlich, vielleicht weil das eine wichtige Zeit für mich war.

Am 7. September 2013 war der letzte Tag und er ist für mich mit viel Wehmut verbunden, weil klar war, dass der Betrieb nicht weitergeführt wird.
Die älteste Tochter, Petra, war damals alleinerziehende Mutter und hatte einen guten Job. Der Sohn Gernot war Bibliothekar und wollte seinen Beruf auch nicht aufgeben und die jüngste Tochter, Christine, war Volksschullehrerin.

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Bild: Gerhard Müller, ein alter Freund und Stammgast, Petra und mein Bruder Peter.

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Bild: Meine Schwester Erika, daneben ihr Mann Andi, die Tochter Hanna und mein Bruder Peter

Und sie erinnerten sich alle an ihre Jugend, als die Freunde und Freundinnen auf Parties gingen und sie daheim in der Buschenschank aushelfen mussten. Das war nicht immer lustig, da geht gerne mal ein Teil der Jugend verloren. Ich weiß aber, dass ihnen die Entscheidung auch nicht leicht gefallen ist.
Zudem konnte der Betrieb nicht vom Privathaus getrennt werden, wie schon erwähnt, gab es nur eine Küche. Das Haus behalten und den Heurigen verpachten wäre nicht möglich gewesen.
Wenn man die Villa samt Grundstück verkauft hätte, wäre diese von einem Immobilienentwickler gekauft worden. Dann wäre das passiert, was mit dem Nachbargrundstück passiert ist, auf dem früher der „Baumeister Friedreich“ war, ebenfalls ein Heuriger.
Der sperrte schon Anfang der 1990er zu und heute stehen dort viele kleine Betonzellen, die sich Wohnungen nennen und sündteuer verkauft wurden.

Die Villa steht heute noch, das Google-Earth-Bild (von 2022) zeigt gut die Wiese, auf der die Tische standen und auch den alten Weinberg dahinter.

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Bild: Das gesamte Grundstück

Zu Beginn hatte die Rath gerade mal eine Handvoll Tische. Dann kam so jedes Jahr einer dazu oder auch zwei, zum Schluss war die Wiese bis oben mit Tischen voll, allerdings locker aufgestellt, irgendwie gerade noch gemütlich.
Wobei – so ganz stimmt das nicht. Die Frau Rath kannte die Grenzen des Betriebs und hinten blieb noch ein großes Stück Wiese für einen Kinderspielplatz und genau genommen wäre auch sonst noch jede Menge Platz für weitere Tische gewesen.

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Bild: Christine, die jüngste Tochter, beim Scherzen mit Gästen. Links und rechts vom Weg standen die Tische, ganz hinten auf der Wiese war der Kinderspielplatz

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Bild: So muss eine Buschenschank aussehen. Die Tische stehen im Garten auf der Wiese und an schönen Tagen war die Rath immer ausreserviert.

Die Bilder vom letzten Tag sind leider fast alle verschwommen, ich hatte damals keine gute Kamera, aber sie sind mir trotzdem lieb und wert. Sie zeigen das Ende einer tollen Zeit.

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Bild: Frau Rath bei ihrer Abschiedsrede

Von ca. 1983 bis 2013 – das sind tatsächlich fast dreißig Jahre, in denen ich dort Gast war. Das Gefühl ist ein anderes, viel kürzer.
Die Erinnerungsfetzen lassen sich nicht auf einzelne Besuche fixieren, außer es gibt Fotos und sie waren irgendwie besonders, wie der Abend am 7. Juli 2011, an dem ich mit meinem – inzwischen leider auch verstorbenen – Freund Oliver dort war. Damals sattelten wir unsere alten Vespas, die wir mit Ausnahmegenehmigung von der Frau Rath vor der Villa abstellen durften, und gönnten uns einen schönen Abend.

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Bild: Oliver vor seiner gelben Vespa GL 150, dahinter meine GS 150, vor der Villa.

Der Hund. Über viele Jahre gab es einen großen Hund – also eigentlich mehrere, einer hieß Merlin – von dem man mit Gebell empfangen wurde. Das gehörte irgendwie dazu. Normalerweise wurde er eingesperrt, aber halt nicht immer. Problem war das aber auch nie eines.
Am 4. September 2026 ist Christine Rath mit 79 Jahren gestorben. Sie hätte ja auch damals, vor 13 Jahren, irgendwie gerne weitergemacht, aber auch ihr Mann war nicht mehr bei bester Gesundheit und sie hatte ein langes, anstrengendes Heurigenleben hinter sich. Die Pension hatte sie sich absolut verdient, auch wenn es für die enorme Anzahl der Stammgäste ein bitterer Abschied war.
Die Buschenschank war so beliebt, dass sie mehr oder weniger nur mit den Stammgästen betrieben werden konnte. Der versteckte Ort im Liebhartstal war auch touristisch nicht erreichbar, die Rath war eine der letzten Heurigen in der Gegend. Heute gibt es in der Gegend nur mehr 1-2 Betriebe (den Herrmann und den Leitner) und die sind nicht vergleichbar, am ehesten noch der Leitner, unterhalb vom Schloss Wilhelminenberg.
Die meisten alten Buschenschanken haben inzwischen zugesperrt, nicht nur in Ottakring, auch im Rest von Wien und in Niederösterreich. Den Stary am Schafberg gibt es schon lange nicht mehr, den Binder (früher neben dem Herrmann) auch nicht mehr. Es wird immer schwieriger sie zu betreiben. Genau genommen braucht es ein Winzerehepaar mit Kindern und das Lokal muss auf Eigengrund stehen.
Die Rath bewirtschaftete die Rieden nicht mehr selbst, aber es war ihr Wein, der ausgeschenkt wurde.

Derzeit stehen viele Winzer und Winzerinnen vor dem Problem, dass sich die Gegebenheiten aufgrund des Klimawandels schnell verändern – wir werden in Zukunft wohl „südliche“ Weinsorten haben und keinen Grünen Veltliner oder Welschriesling mehr. Dazu kommt Kostendruck von vielen Seiten, leicht werden sie es nicht haben.
Wir können nur hoffen, dass es junge Unternehmer:innen gibt, die sich das trauen, was sich „die Rath“ getraut hat.
Und wir alle können dann dorthin gehen und dieses Kulturgut schätzen lernen. Auch im Andenken an die Frau Rath und ihre tolle Buschenschank.

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Bild: Links Gernot, der Sohn, in der Mitte Herr Rath und daneben Frau Rath

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Bild: Das letzte Foto ist dunkel, aber irgendwie passt das auch. Gernot, Herr Rath, Christine, Frau Rath und Petra

Alte Schulfreunde bleiben in Erinnerung

Gleich vorweg: Neulich habe ich eine Handvoll alter Schulkollegen getroffen und wir hatten einen großartigen Abend.
Leider musste ich von drei weiteren Todesfällen erfahren:

Rainer „Bauxi“ Kempf
Auch mit ihm war ich in der Unterstufe, ich habe immer noch seine Stimme im Ohr und ein Bild von ihm in Erinnerung. Er ist 2024 verstorben, nach einem Leben mit Höhen und Tiefen. Vom guten Job mit gutem Einkommen bis zum Alkohol.

Harald Löscher
Auch ein Klassenkamerad aus der Unterstufe. Ihn habe ich noch zur Schulzeit aus den Augen verloren. Meine stärkste Erinnerung ist die an einen sehr selbstbewußten Typ, der beim Fußball immer hinten in der Verteidigung stand und die Bälle nach vorne verteilte. Zu seinem Tod weiß ich leider nichts.

Vladimir Vaverka
Er hat uns auch nach der Unterstufe verlassen, auch von ihm weiß ich wenig, nur dass er noch in seiner Jugend irgendwie ins Drogenmilieu abgerutscht ist und das nicht überlebt hat. Meine intensivste Erinnerung: Er war schon damals an Chemie interessiert – ich glaube mich zu erinnern, dass sein Vater Chemiker war. Ich bekam damals einen Chemiebaukasten und gemeinsam mit Vladimir habe ich mit chemischen Stoffen experimentiert – auf niedrigem Niveau, aber es hat großen Spaß gemacht – stinkender Schwefel, violett werdendes Kalium-Permanganat etc.
Von seinem Tod wußte ich schon lange, aber mehr als die angeführten Infos habe ich auch nicht.

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Bild: Die Unterstufenklasse Maroltingergasse 1980. Bisher haben uns nur die Burschen verlassen.

Um die drei tut es mir sehr leid. Genauso wir um den Michi.
Und auch noch um den Helmut.

Helmut Benedek
Ein Freund aus Jugendtagen, eine Zeitlang Pächter meines ehemaligen Stammlokals „Slupinski“. Ein witziger und immer ein wenig schräger Typ, unverkennbar durch seine Hakennase. Wir sind uns alle paar Jahre irgendwo über den Weg gelaufen und ich hab mich immer gefreut ihn zu sehen. Zu mehr Kontakt ist es aber nicht mehr gekommen.
Auch über seine Todesumstände weiß ich leider nichts.

Der Michi Fink, ein Freund aus lang vergangenen Tagen.

Ich war mit dem Michi vier Jahre in der Unterstufe im Gymnasium und er war immer ein wenig schräg. Vom Typ her kräftig gebaut und von Beginn an mit einer viereckigen Krankenkassabrille ausgestattet (siehe Bild oben), die gefühltermaßen nie mitgewachsen ist.

In der Oberstufe war er dann in der Parallelklasse, wir hatten aber immer Kontakt, der sich nach der Schule noch intensiviert hat. Michi begann mit anderen Freunden ein Jus-Studium, kam aber nicht sehr weit.
Dann erhielt er – ich glaube über seinen Vater oder Onkel – die Möglichkeit bei der Justizwache einzusteigen. Das war ein sicherer Beamtenjob, der ihm zu Beginn einigermaßen taugte.
Damals hatte er noch etwas größere Pläne, etwa eine Dienstprüfung machen, die ihm einen Karrieresprung ermöglicht. Und wir gingen ein paar Mal Mountainbiken, wobei ich mich an eine Tour noch sehr gut erinnere: Wir sind auf den Troppberg bei Purkersdorf gefahren, von der Gablitzseite aus, haben ihn sozusagen überquert und dann hinein in die Pfalzau und hinauf auf den Pfalzberg. Michi kannte die Strecke, vor allem der letzte Anstieg auf den Troppberg war durchaus anspruchsvoll.
Am Pfalzberg gab es damals eine kleine Jausenstation, wo wir uns Brote mit Eiaufstrich hineinwarfen.
Das war irgendwie die konkreteste Geschichte mit Michi, weil sie so besonders war. Alle anderen Treffen spielten sich meistens in Beisln ab, wo wir am Abend und ein Bierchen genehmigten oder zwei.
Michi machte damals irgendwie keine persönlichen Fortschritte, sondern versank in einen Alltagstrott aus Dienst im Gefängnis und Bierbeisl. Dazwischen ging er noch hin und wieder auf ein Hardrockkonzert, das war seine zweite Leidenschaft.
Mit dem Mountainbiken hörte er auf, was ich damals schade fand, denn ich wäre gerne noch weitere Touren mit ihm gefahren.
Zu dieser Zeit hatte er noch Pläne, von deren Umsetzung er sich aber immer weiter entfernte. Das Bier wurde mehr und auch der Michi wurde mehr. Dazu kam noch, dass er nie wirklich Erfolg bei Frauen hatte. Das war insofern schade, als er durchaus nett und witzig war und man mit ihm gute Gespräche führen konnte, wenngleich auch das mit der Zeit immer schwieriger wurde.

Aber es gab noch einen Anknüpfungspunkt: Ostafrika. Genauer gesagt Kenia, das ihn faszinierte. Er fuhr zwar nie mit mir, dafür aber mit meinem Bruder hinunter. Die überbordende Exotik, die wilden Abenteuer, die sie dort gemeinsam verbrachten, waren ein Aufwecker, der leider nicht nachhaltig war.
Dort hatte er auch die Möglichkeit Frauen kennenzulernen. Die wollten zwar in erster Linie sein Geld, man darf sich das allerdings nicht wie normale Prostitution vorstellen. Die Mädchen waren darauf aus einen (mehr oder weniger) reichen Weißen kennenzulernen und im Idealfall eine Beziehung aufzubauen. Das haben gar nicht wenige geschafft, etwa die Lydia vom Erich, einem Freund und Geschäftspartner meines Bruders.
Wenn das nicht klappte, nahmen sie zumindest Geschenke an, meist in Form von Geld, aber auch andere. Einen alten Freund von mir hat eine damals gebeten, dass er ihr das Schwimmen beibringt, weil sie alleine nicht ins Hotel zum Schwimmbecken durfte und außerdem niemand kannte, der das konnte.
Das war quasi die Gegenleistung für eine Woche Begleitung.

Also fuhr Michi in den darauffolgenden Jahren ein paar Mal nach Kenia, um dort das zu bekommen, was er hier nicht bekam.
Er hatte die Gelegenheit mit meinem Bruder und anderen „Haberern“ Safaris zu machen, eine sogar hinauf zum Turkana-See. Das war damals eine andere Zeit, die modernen Straßen von heute waren noch Schotterpisten oder noch schlechter, viele Reisen sind absolut als Abenteuer einzustufen.

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Bild: Michi bei einem Bootsausflug am Lake Baringo. Der ist durch den Anstieg aller Seen im Rift Valley heute weitgehend uninteressant geworden. Damals gab es einen feinen Campingplatz und man konnte mit einem Boot Nilpferde beobachten.

Und es gibt eine Menge lustiger Geschichten.
Die Beste ist zweifellos sein erster Kontakt mit einem Corner-Man. Das sind Männer, die einem an einer Straßenecke auflauern (daher der Name) und versuchen irgendwie betrügerisch tätig zu werden.
Die Jungs wollten nach Tansania und dafür braucht man ein Visum. Michi hatte noch keins und daher schickten sie ihn in die City zur Tansanianischen High-Commission. Nachdem er dort das Visum beantragt hatte, wurde ihm mitgeteilt, dass er in zwei oder drei Stunden wiederkommen sollte.
Also setzte Michi sich unten in ein Kaffeehaus, um sich die Zeit zu vertreiben. Auf einmal kommt ein Mann und fragt, ob er sich zu ihm setzen darf, er würde auf ein Visum warten und ihm wäre fad.
Sie plaudern ein wenig, plötzlich kommen zwei Männer in Trenchcoats, der Mann bei Michi springt auf und rennt weg. Einer der beiden Trenchcoat-Männer läuft ihm nach, der andere bleibt bei Michi und fragt ihn, was er mit dem Typen zu tun hätte.
Sie wären nämlich von der Kriminalpolizei und zuständig für die Bekämpfung von Falschgeld. Der Mann, der weggelaufen war, sei so ein lange gesuchter Geldfälscher und es sei nicht auszuschließen, dass Michi sein Komplize ist.
Dem Michi geht der Reis, wie man so schön sagt, und er beteuert, dass er nur auf ein Visum warte und sich der Typ einfach dazugesetzt hätte.
Der Trenchcoat-Typ meint, das klinge plausibel und er glaube ihm durchaus. Allerdings müsse er sicher gehen, dass Michi nicht doch ein Geldfälscher wäre und daher müsste Michi ihn zum Büro der Kriminalpolizei begleiten.
Michi geht noch mehr der Reis und er meint, dass er auf sein Visum warten müsse und außerdem hätte er noch was vor etc.
Der Typ ist milde gestimmt und meint, sie könnten es auch anders machen: Michi solle ihm einfach nur all seine Dollar geben, er würde sie überprüfen und falls sie echt sind, ihm gerne vorbeibringen. Michi müsse ihm nur seine Adresse geben und er würde so schnell wie möglich vorbeikommen.
Einige Zeit später kommt Michi erleichtert ins Hotel zurück und erzählt, dass er jetzt warten müsse, bis der Kriminalpolizist vorbeikommen und ihm seine Dollar wieder bringen würde.

Mein Bruder meint, darüber lachen sie bis heute.

Die zweite, und wahrscheinlich typischste Geschichte spielte sich bei einem späteren Kenia-Besuch ab. Peter hatte einen Geschäftspartner, den Erich, und der war mit einer weißen Südafrikanerin liiert, der Wendy.
Sie war das, was man bei uns eine „Keiffn“ nennt und die beiden pflegten regelmäßig zu streiten, also eigentlich fast immer.
Eines schönen Nachmittags kamen die beiden streitend ins Hotel Boulevard, wo Michi gerade im Schatten am Pool saß und Bier trank. Genau genommen saß er schon den ganzen Tag da und trank Bier.
Er war bei dieser konzentrierten Tätigkeit nie sehr redsam und das Einzige, was er hin und wieder sagte, war „waiter, one more beer please“.
Mehr nicht.
Und dann kamen Erich und Wendy und streiteten und streiteten. Irgendwann hatten sie genug und gingen nach Hause um dort weiterzustreiten.
Michi saß da und hatte noch kein Wort gesagt.
Zeit verging. Dann meinte Michi „die g´heart eam gonz allaa“.
Das war es dann auch schon. Mehr sagte er nicht.
Es war aber auch genug.

Ich hatte Michi irgendwann aus den Augen verloren. Es muss schon zwanzig Jahre her sein, dass ich mit ihm das letzte Mal auf ein Bier war – in Breitensee, wo er gewohnt hat. Es war keine Absicht, aber die alte Freundschaft verging, die Gesprächsstoff wurde weniger, Michi redete nur mehr von Hardrock, Bier und sonst nichts mehr. Seine Karrierepläne hatte er längst aufgegeben und lebte nur noch zur Pension hin. Möglicherweise hatte er es auch aufgegeben eine Frau zu finden.
Vielleicht hat er irgendwann sich selbst aufgegeben. Durch Zufall erfuhr ich von einem alten Schulkollegen, dass er 2024 verstorben ist.

Mir bleiben ein paar schöne Erinnerungen, ein bisschen Wehmut und das Bier, das ich gerne auf ihn hebe, auch wenn gerade das sein Untergang war.

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Bild: Michi auf Safari im Oktober 1994 in der Masai Mara.

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Bild: Michi bei einer Jause mit Kuchen und Tusker-Bier

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Bild: Michi auf der Rückbank unseres VW-Busses, den mein Bruder 2025 wieder nach Österreich gebracht und restauriert hat.

PeeWee hat uns verlassen

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Bild: PeeWee 2006 (Bild Jörg)

Er ist so gestorben wie er gelebt hat – zurückhaltend und ohne jemandem auf die Nerven zu gehen.
Diesmal war es kein Krebs und kein Unfall, er hatte zwar immer wieder mal Blutdruckprobleme und etwas Asthma, aber keine bekannte, große Krankheit. Er ist einfach in der Früh nicht mehr aufgewacht.
So einen Tod wünschen wir uns zwar alle, aber nicht im Alter von 51. Das ist früh, zu früh.

Ich habe PeeWee in der Galleria kennengelernt. Er war mir auf den ersten Blick sympathisch, ich mochte seine Stimme, seine coole Art, seine Zuverlässigkeit und seinen guten Schmäh.

Die Galleria war eine Schrauberwerkstatt für Roller, genauer gesagt für alte Vespas und Lambrettas.
Jörg, PeeWee und Ronny waren die Betreiber, die Stamm-Mannschaft sozusagen. Der normale Tag war der Dienstag, da trafen wir uns so gegen 18 Uhr, tranken das eine oder andere Bier und schraubten an den Rollern herum.

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Bild: PeeWee, Philipp, Jörg und Christian, der ebenfalls 2014 verstorben ist (Bild Jörg)

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Bild: PeeWee flext an einer Vordergabel herum

Die Galleria war unaufgeräumt, nicht sehr sauber und im Winter musste man einen alten Ölofen starten. Das war alles okay, es zählte die Gaudi und das gemeinsame Erlebnis.

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Bild: PeeWee im oberen Stock der Galleria, wo alle möglichen und unmöglichen Teile gelagert wurden.

Ich selbst bekam die Galleria samt Ronny (er hat uns schon 2014 verlassen) von einem inzwischen ebenfalls alten Freund vermittelt. Allan meinte, ich könne dort einfach vorbeischauen, weil ich mit meiner Vespa irgendein Problem hatte. Gesagt, getan – so lernte ich Ronny kennen und da wir beide Alt-Mods waren, passte die Chemie gut.

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Bild: Guido, Ronny (2014 gestorben), PeeWee und Klaus in der Werkstatt von Jörg, selbstverständlich mit einem Werkstattbier (Bild Jörg)

PeeWee war kein Mod, er war einige Jahre jünger als wir und kam über zwei Ecken dazu: Vespas und Northern Soul.
Daher sahen wir uns nicht nur beim Zangeln, sondern auch bei gemeinsamen Ausfahrten und Festen. Es entwickelte sich eine kleine Freundschaft, sprich: Es war immer schön, sich zu treffen.
Zentraler Treffpunkt blieb aber die Galleria. Beim Zangeln lernt man sich gut kennen. Als ich meine 200er-Vespa neu aufbaute, bekam ich von PeeWee die beste Sitzbank geschenkt, die ich jemals gefahren bin. Sie ist bis heute auf der Vespa und hält die Qualität. „Das ist eine englische“ meinte PeeWee. Das war nur wenige Monate vor Ronnys Tod, nachdem die Galleria aufgegeben wurde.
Ich kaufte einen Teil der Einrichtung und baute mir in unserem Souterrain eine kleine, private Werkstatt auf. Dort trafen wir uns noch einige Zeit auf einen Werkstattabend, irgendwann hörte das aber auf. Der alte Spirit war vorbei, der Geist der Galleria hatte sich verflüchtigt.

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Bild: PeeWee und Hörnchen bei mir in der Werkstatt, kurz nachdem ich sie bekommen und eingerichtet hatte

PeeWee – er hieß eigentlich Michael Pichler – sah ich immer seltener, weil ich auch nicht mehr so oft auf die Feste ging und daher liefen wir uns nur mehr bei Geburtstagen oder anderen Gelegenheiten über den Weg. Nachdem 2014 nicht nur Ronny, sondern auch Christian Höfer (und Oliver Jorns) gestorben waren, gab es auch die Ausfahrten immer seltener.
Wir fahren auch heute noch – in alter Tradition – am 26. Oktober mit den Vespas die Gräber unserer Freunde besuchen, sofern es das Wetter erlaubt.
Jetzt haben wir eines mehr, das wir anfahren müssen. Seines ist am Simmerringer Friedhof.

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Das Bild wurde anlässlich eines Kurier-Artikels über Vespisti aufgenommen. Drei von den sechs Galleria-Freunden sind nicht mehr am Leben. Den anderen geht es glücklicherweise noch gut.

PeeWee drängte sich nie in den Vordergrund, er war aber immer deutlich präsent. Er hatte nur selten Streit (obwohl er auch störrisch und stur sein konnte) und war bei lustigen Aktionen immer dabei. Er fuhr eine blaue Vespa Sprint (namens Mathilda) und hin und wieder mit der roten Primavera (Antonio) seiner langjährigen Lebenspartnerin Eva. Die war es auch, die mit ihm noch am meisten Kontakt hatte – genau genommen hat sie bis Anfang des Jahres noch mit ihm zusammen gelebt – gute Freunde, quasi für immer. Sie hat auch versucht, ihn wieder in unsere Runde zu motivieren, das war aber leider erfolglos.
PeeWee hatte sich verändert. Ronny war sein bester Freund, als der starb, war für ihn auch das Rollerfahren gestorben.

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Bild: PeeWee und Eva auf einer Party

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Bild: Ein altes Bild aus 2007, eine Osterausfahrt auf die Dopplerhütte. Rechts sieht man ein Stück von PeeWees blauer Sprint-Vespa, die Herren neben PeeWee sind Karl und Andi, links Tamara und Martina (Bild Jörg)

Ich weiß bis heute nicht, warum er sich schon vor einigen Jahren zurückgezogen hat. Es gab meines Wissens keinen Streit oder sonst einen speziellen Anlass. Aber das war der PeeWee, er konnte auch stur sein. Auf seine Gesundheit hat er nie besonders geachtet, da musste Eva ihn immer wieder mal motivieren, auf sich zu schauen.
Er redete auch selten über seine Arbeit und daher habe ich nicht einmal mehr in Erinnerung, was er gearbeitet hat oder wo. Die Recherche ergab: Er war technischer Zeichner und hat als solcher auch bis zum Schluss in der Baubranche gearbeitet. Am meisten Spaß hat ihm die Arbeit an Projekten der erneuerbaren Energie gemacht.
Er kam selten von sich aus mit einem Thema, war aber gerne bei Diskussionen dabei.
Und bei einem guten Bier war er auch immer dabei. Nicht zu vergessen seine Hilfsbereitschaft. Er war einer von den Typen, die konnte ich anrufen, wenn ich ein Problem hatte. Es gibt Leute, die würden einem auch helfen, aber die ruft man nicht an. Bei PeeWee war das anders, bei ihm wusste ich, dass ich da keine Hemmungen haben musste. Solche Freunde sind sehr wertvoll.

PeeWee tanzte gern und gut. Der Northern Soul ist auch was ganz Spezielles, keine Frage. Mein Talent ist hier nicht sehr ausgeprägt, aber die Feste waren immer leiwaund und sind es bis heute. Die Szene ist nicht groß, aber lebendig. PeeWee hatte samt Eva keinerlei Scheu eine flotte Sohle hinzulegen.

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Bild: Auf einer Geburtstagsparty – der DJ legt auf, es wird getanzt

In diesem Zusammenhang habe ich ihn heuer im Frühjahr (am 32. Mai) das letzte Mal gesehen. Er kam mir auf der Straße entgegen, als wir zur Sargfabrik marschierten, wo es eine Spezialaufführung eines Northern-Soul-Films gab, eine extrem lustige und kurzweilige Doku, die leider aufgrund fehlender Musikrechte nicht öffentlich gezeigt werden darf.
Ich freute mich riesig ihn wieder zu sehen. Wir tranken ein paar Bierchen und vereinbarten ein hoffentlich baldiges Treffen – wieder einmal im Holländer oder bei mir in der Werkstatt.

Dieses Bier werde ich jetzt nicht mehr mit ihm, sondern nur mehr mit Freunden auf ihn trinken können.
PeeWee, es ist schad um dich. Echt.

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Bild: Klaus, PeeWee, Eva, Jörg und Thomas

Künstliche Intelligenz in der Diskussion

Das Thema ist zu komplex um es umfassend erörtern zu können. Angefangen habe ich damit bereits in dem Blog-Artikel „Künstliche Intelligenz oder die Rechenleistung einer Maschine?“, jetzt geht es in die Tiefe und Breite.
Auslöser ist für mich eine Diskussion in der TV-Serie „Philosophisches Forum“ (2023), die von Konrad Paul Liessmann geleitet und von Barbara Stöckl moderiert wird.
Hier möchte ich einige Aspekte beleuchten. Wie immer sind auch meine eigenen Gedanken und Schlüsse integriert.

Vorweg: Ich bin selbst als Lektor an einer Fachhochschule vom Thema direkt betroffen, weil anzunehmen ist, dass meine Student:innen da und dort „KI“ benützen, um ihre Arbeiten zu verbessern oder gar erstellen zu lassen.
Ich bin mit diesem Problem natürlich nicht allein, muss aber für mich einen Weg finden. Die FH gibt drei Möglichkeiten vor:

1.) Verbieten. Dann ist es in dieser Lehrveranstaltung (LV) nicht erlaubt, KI zu verwenden.
Das ist problematisch, weil schwer zu beweisen. Konkret meine ich es zu erkennen, wenn Formulierungen so geschliffen sind, dass ich selbst zu staunen beginne, vor allem, wenn der jeweilige Student/die Studentin solche verbalen Fähigkeiten sonst nicht erbringt.
Konkret geht es aber darum, dass die Verwendung ja Schummeln bedeutet und den Versuch, sich ohne Leistung eine Note zu erschleichen.
Das finde ich nicht gut, weil ich sowieso keine Prüfungen mache und meinen Studierenden viele Freiheiten gebe, um den Aufwand zu reduzieren. Ich will aber nicht, dass sie ihn auf Null reduzieren, weil wozu soll die Lehrveranstaltung dann dienen?
Die FH hat hier einen pragmatischen Ansatz: Was sich sowieso nicht verbieten lässt, sollte auch nicht verboten werden.
Das ist zu diskutieren.

2.) Erlaubnis für bestimmte Teile einer LV
Dieser Ansatz ist ebenfalls interessant, vor allem wenn er noch durch eine Sonderleistung ergänzt wird: Die Studierenden müssen selbst über den Einsatz der KI reflektieren und erklären, was sie gebracht hat und was nicht.
Das ist bei uns zwar nicht vorgesehen, könnte aber eine gute Ergänzung sein.
Ach ja: Auch in dieser Variante ist es nicht erlaubt eine ganze Arbeit einfach durch die KI erstellen zu lassen.

3.) Erlaubnis, sofern der Einsatz dem Lernzweck dient
Das ist ja ganz nett, aber so wie ich meine Pappenheimer kenne, dient dann jeder Einsatz der KI halt dem Lernzweck.
In Variante 2+3 muss der Einsatz übrigens dokumentiert, also in Form von Quellenangabe offengelegt werden.

So weit, so gut. Spannend wird es dann, wenn Masterarbeiten von der KI erstellt werden. Das ist nämlich nicht leicht überprüfbar. Wir werden sehen, in welche Richtung sich das entwickelt.

Zurück zum Thema, in dem wir natürlich schon drin sind. Ich selbst habe KI noch nie verwendet, schreibe derzeit aber mit zwei Kolleginnen ein Buch, wo wir das lange diskutiert haben, übrigens mit dem Ergebnis, dass wir keinerlei Passagen durch KI erstellen lassen. Es geht auch ohne, wenngleich die Vorteile da und dort natürlich offensichtlich sind.

Die Sendung reißt gleich zu Beginn eine Vielzahl an Themen auf, die Bandbreite ist enorm, die Ebenen sind vielfältig.
Trotzdem sticht ein Punkt aus philosophischer Hinsicht gleich hervor: Was ist überhaupt Intelligenz? Es fällt uns schon schwer das beim Menschen zu definieren, in der Diskussion wird das Wort derzeit äußerst leichtfertig verwendet. Das ist wichtig, denn es gilt in gewisser Weise der alte Spruch „was liegt, das pickt“: Wenn sich der Begriff einmal durchgesetzt hat, ist er schwerer zu hinterfragen. Wenn wo Intelligenz draufsteht, dann wird sie wohl auch drin sein – so der Trugschluss.
Dabei rutschen wir sehr schnell in die Themen Bewusstsein und Moral, gemischt mit Entscheidungsfindung und in Folge mit Grenzsetzung: Was soll KI dürfen und was nicht?
Jetzt taucht sofort die Frage nach der Beherrschbarkeit auf und wird mit der uralten Diskussion um den Golem verknüpft: Ein geschaffenes Wesen, das sich selbständig macht. Dieser Begriff macht tendenziell Angst, weil wir die Gefahr vermuten, dass der Selbständige auch gerne autonom wäre, also von uns nicht mehr zu kontrollieren, und dass er in Folge irgendwann auf die Idee kommt uns zu kontrollieren.
In zahlreichen Filmen (z.B. Terminator) wurde dieses Thema durchgespielt.

Um die Kirche im Dorf zu lassen: Bisher ergeben seriöse Diskussionen stets, dass der Begriff „Künstliche Intelligenz“ als nicht zutreffend einzustufen ist. Es handelt sich um Rechenoperationen eines Computers, die uns aufgrund ihrer Komplexität, Geschwindigkeit und Erscheinungsform als intelligent erscheinen.
Daraus folgt aber, dass diese Rechner nur das berechnen können, was wir ihnen eingeben. Wenn wir in die Eingaben Fehler einbauen, arbeitet die KI mit diesen Fehlern und produziert selbst Fehler.
Die Gegner dieses Standpunktes behaupten, dass die Computer aus den Eingaben plus dem, was sie sich selbst aus dem Internet holen, lernfähig sind. Das suggeriert, dass sie von sich aus eine höhere Abstraktionsebene erreichen können und das ist zu diskutieren.
Dazu zwei Geschichten:

Das Militär hat einen dieser neuen Computer gekauft, der strategische Entscheidungen besonders clever und besser als Menschen treffen können soll. Der gesamte Generalstab steht gespannt vor dem Riesending (die Geschichte ist schon ein paar Jahrzehnte alt) und der Programmierer gibt die Frage ein:
„Offense or Defense?“
Die Maschine beginnt zu arbeiten, rattert, es vergehen einige Minuten, dann spuckt sie das Ergebnis aus:
„Yes“.
Die Militärs sind aufgeregt, mit der Antwort natürlich nicht zufrieden und der Programmierer gibt eine neue Frage ein:
„Yes what?“
Wieder arbeitet der Rechner, diesmal fast doppelt so lang. Dann spuckt er das neue Ergebnis aus:
„Yes, Sir!“

Computer können uns maximal spiegeln, nicht aber übertreffen – das wäre die Conclusio aus diesem alten Witz.
Emotionale oder soziale Intelligenz haben Computer sowieso nicht, ganz zu schweigen von einem Bewusstsein ihrer selbst. Die Diskutierenden sind sich auch einig, dass die KI nicht einmal das Potenzial dazu hat.
Maximal in der Logik können sie punkten, wobei sie diese auch nicht selbst finden, sondern ihrer Programmierung folgen.
Das können sie hervorragend, so wie viele andere Dinge – etwa im Bereich der Medizin können sie große Sprünge in der Diagnostik bewirken und dadurch Menschenleben retten.

Weil viele Menschen die Frage nach der wirklichen Intelligenz gar nicht stellen, weckt die KI sowohl Hoffnungen als auch Ängste – Liessmann betont, dass beides wohl übertrieben sei.
Es ist die Kombination aus sehr schneller Rechenleistung plus Big Data plus den programmierten Vorgängen (Algorithmen), die das Ergebnis aussehen lassen, als wäre eine Intelligenz dahinter.
Wahrscheinlich, weil die meisten Menschen nicht verstehen, was dahinter verborgen ist. Und wohl auch, weil die mediale Berichterstattung stets auf Sensationsgier aus ist und die Debatte entsprechend steuert.
Verloren geht dabei die wichtige Frage, wie wir das alles nützen wollen und sollen. Wir erleben, dass KI einfach „passiert“, dass ChatGPT von Menschen genützt wird, weil es da ist und von daheim am Laptop mit einem Knopfdruck gestartet und verwendet werden kann, kostenfrei oder mit sehr geringen Kosten.
Wir leben immer noch in einem „technikgeilen“ Zeitalter und erhoffen uns von der Technik Lösungen für Probleme, die wir selbst nicht anpacken wollen oder können. Jede Zeit schafft ihre Erlösungsphantasien samt Erlösern, die irgendwann in Mode kommen und nach einer gewissen Zeit von etwas anderem, neuem abgelöst werden: A new kid in town!
Das war lange die Religion, später kamen die Naturwissenschaften etwa in Form der Genetik, der Biotechnologie und noch einiges mehr. Dann tauchten die Computer auf und jetzt ist es gerade die KI, die als Revolution, als neues Zeitalter gefeiert wird. Das war aber bei der Dampfmaschine auch schon so. Und beim Computer.

Um zu verstehen, was da vorgeht, müssen wir der Spur des Geldes folgen – eh wie immer, sozusagen. Sie führt uns zu den großen Technologiekonzernen, die ein enormes Interesse daran haben, die Debatte zu steuern, wie die Politikwissenschafterin Barbara Prainsack erklärt: Sie treiben die Ethikdebatte gerne vor sich her, um der Frage nach der Regulierung zu entkommen, denn das ist wiederum ihre größte Angst: Dass wir uns die Freiheit nehmen, die KI zu kontrollieren.
Dahinter steckt das Prinzip, dass Konzerne (samt den dort tätigen Menschen an der Hierarchiespitze) stets auf eine Maximierung des Gewinns aus sind und sich dabei ungern stören lassen. Da die dahintersteckende Gier immer unendlich ist, setzen sie sich selbst keine Grenzen, auch wenn sie nach außen hin anders auftreten.
Wenn die Menschen über ihr Ordnungsprinzip (genannt „Staat“) eingreifen wollen, wirken ihnen starke Kräfte in vielfältiger Form entgegen, die stärksten sind die Bequemlichkeit und die Neugier.
Daher bekommen sie Spiele (und Brot in Form von Zucker, das ist aber eine andere Geschichte) und nützen diese intensiv bis pervers. Im Idealfall machen wir uns von diesen Spielen – wir alle kennen sie als „Handys“ – so abhängig, dass wir ohne nicht mehr sein wollen und können.
Wer mit offenen Augen durch die Welt geht (und nicht gerade auf sein Handy starrt), kann das jeden Tag fast überall gut erkennen.
Das führt zu Phänomenen, etwa dass Menschen rund um sich herum alles egal ist, wenn sie auf ihr Handy (Computer, Fernseher etc.) fokussiert sind. Da stört am Weltuntergang nur, dass dann das Internet nicht mehr geht und das „Device“ nicht mehr geladen werden kann. Immerhin, dann sind die Menschen bereit aufzublicken, letztlich aber auch nur, weil sie dazu gezwungen werden.
Wir sind hier sehr schnell in einer politischen Diskussion, denn es ist die Verantwortung der Politik, die wesentlichen Fragen des menschlichen Daseins zu behandeln und im Sinne des Wohles der Gesellschaft zu steuern.
Die Technologiekonzerne werden sich um Fragen des Umweltschutzes, der Demokratie oder der Menschenwürde nur kümmern, wenn sie ihnen schnellen Profit bringen oder wenn sie dazu gezwungen werden. Da es in unserer Welt aber letztlich nur mehr zwei Dinge gibt, die man gefahrlos zum Zwecke der Profitmaximierung ausbeuten kann, wird dies auch getan: Menschen (die meisten zumindest) und Natur können sich nicht oder nur schwer wehren, zumindest nicht schnell genug, um die kapitalistische Wirtschaft zu bewegen. Hier gilt der Spruch „the king said to the priest: you keep them stupid, i keep them poor”.
Daher wird die KI auch in diesem Sinne verwendet, wenn wir dies zulassen. Die erste Bastion, die derzeit gerade massiv angegriffen wird, ist die Demokratie. Sie erschwert die schon angesprochene Profitmaximierung. Die Diktatur ist für die Konzerne viel praktischer: Ich besteche den Diktator und bekomme alle Rechte und Freiheiten, um Mensch und Natur maximal ausbeuten zu können. Das lässt sich an vielen Orten bzw. in vielen Ländern unserer schönen Welt trefflich beobachten.

Peter Kirchschläger wirft die Frage des Vertrauens auf: Dieses müssten sich die Technologiekonzerne erst erarbeiten. Liessmann entgegnet, dass sie (Günter Anders folgend) bereits einen Vertrauensvorschuss bekommen haben, der enorm groß ist – wie das bei neuen Technologien immer geschieht.
Sie erwecken Neugier und Hoffnung und bekommen in Folge Vertrauen, das erstaunlich lange anhält, bevor es bei Missbrauch in sich zusammenstürzt.
Dazu kommt noch die Pikanterie, dass die entsprechenden Konzerne ja darauf hinarbeiten, genau das Vertrauen nicht mehr zu brauchen. Wenn ich von etwas abhängig bin, muss ich ihm nicht vertrauen, weil ich sowieso keine Wahl, keine andere Handlungsoption habe. Deswegen suchen ja auch alle Wirtschaftsunternehmen die Monopolstellung, weil man ihnen und ihren Produkten dann nicht mehr vertrauen muss. Den Schmäh mit der „gesunden Konkurrenz“ muss man ja nicht unbedingt glauben, finde ich. Sie ist nicht mehr als ein Feigenblatt.

Auf die Frage, wie denn die Konzerne das anstellen, antwortet Kirchschläger: Mit Manipulation. Ihr großer Hebel liegt in der Unmenge an Daten, die gesammelt und verwertet werden. Die meisten Menschen, die Geld haben, haben auch Internet und stellen ihre eigenen Daten den Technologiekonzernen dort gratis zur Verfügung. Sie schreien zwar ständig nach Datenschutz, handeln selbst aber gegenteilig, indem sie ihre privatesten Daten jedem geben, der sie haben will. Der Köder ist die Gratis-Benützung der Programme (Facebook, Instagram, TikTok etc.) plus der Mehrwert der Teilnahme an einer Gemeinschaft – deswegen tut es auch weh, wenn man „entfreundet“ wird. Aber auch hier gilt die Regel: Wenn du für etwas nichts bezahlen musst, dann bist du nicht Kunde, sondern Produkt.
Diese Daten werden dann dazu verwendet, um uns zu manipulieren, etwa in unserem Konsum- oder in unserem Wahlverhalten. Nicht ohne Grund steckt die Politik Unsummen in Social-Media-Kampagnen und ebenfalls nicht ohne Grund geben die meisten Konzerne Unsummen für Werbung im Internet aus.
Selbstverständlich kann man sich dagegen wehren, den totalen Nicht-Konsum schafft aber wohl niemand ohne zu verhungern. Das Leben als selbstversorgender Eremit in der einsamen Hütte im Wald ist zwar möglich, allerdings nur für ganz wenige Menschen.
Alle anderen, also fast alle, brauchen soziale Kontakte, sind von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Haus, Supermarkt, Arbeitsplatz etc.) abhängig und müssen somit den gesellschaftlichen Normen folgen. Diese wiederum geben etwa vor, dass Menschen ein Smartphone brauchen. Ohne kann man heute vieles gar nicht mehr machen, das Leben wird sozusagen immer enger und schwieriger ohne Handy.
Im Gegenzug bietet es uns eine fast grenzenlose Welt der Unterhaltung, schon kleine Kinder bekommen heute von ihren Eltern ein Smartphone und werden damit ruhiggestellt. Die Gefahren werden nur höchst selten thematisiert und noch seltener diskutiert, möglicherweise weil auch die Politik am Smartphone hängt und diesen neuen Götzen nicht in der Kritik sehen will.

Eine nächste wichtige Frage ist die nach der Moral der KI. Kirchschläger führt aus, dass zur Moral die Freiheit gehört: Nur wer frei entscheiden kann, ist dazu fähig moralisch zu entscheiden. Ein Beispiel ist das autonom steuernde Fahrzeug. Wenn diesem einprogrammiert wird, den Fahrgast so schnell wie möglich von A nach B zu bringen, dann wird es diese Anweisung ausführen. Es gibt keine moralische Instanz, die es davon abhalten könnte. Das spielende Kind auf der Straße, das dabei überfahren wird, spielt für die so programmierte KI keine Rolle.
Wenn man einem Menschen diese Anweisung gibt, dann hat er das Potenzial diese moralisch abzuwägen und entsprechend zu handeln.

Der Informatiker Peter Reichel erläutert, dass Algorithmen nicht ethisch sind und daher auch nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Das obliegt einzig und allein dem Käufer eines autonomen Fahrzeugs. Ethik und Moral sind keine binären, digitalen Systeme – wenn jemand einen Schaden verursacht, dann wird er/sie als Mensch das Gefühl haben, dass es ihm bzw. ihr leid tut. Ein Computer kann so etwas nicht und wird es nie können.
Der Philosoph und Soziologe Christian Dries ergänzt, dass wir derzeit auf dem Weg sind Computern bzw. dem Internet mehr zu vertrauen als Menschen. Diese Entwicklung sollte so nicht weitergehen, auch wenn Computer manche Dinge schneller und sauberer ausrechnen können. Urteilskraft im Kant´schen Sinne lässt sich aber auf Computersysteme nicht übertragen.
Das Problem läge darin, dass wir seit Jahrzehnten Computer in unser Leben integriert haben und inzwischen der Annahme sind, dass sie uns insofern überlegen sind, als wir durch unsere Körperlichkeit und Emotionen nicht so scharf und klar rechnen können – wir werden dadurch sozusagen zu fehlerhaften KI-Systemen. Das überträgt sich dann auf unsere Entscheidungskraft, die in Folge ebenfalls als fehlerhaft angesehen wird. Dann vertrauen wir in immer mehr Lebensbereichen dem Computer, was wiederum dazu führt, dass dieser immer mehr Macht und in Folge noch mehr Vertrauen bekommt.

Dries greift auch noch die ökologische Frage auf: Die KI ist unglaublich energieintensiv und schöpft Ressourcen ab, die wir dringend für andere, oft lebenserhaltende Systeme brauchen – was wiederum großteils arme Menschen trifft. Wir kennen diese Thematik schon von den Blockchain-Währungen wie Bitcoin, die inzwischen unfassbare Mengen an Energie verbrauchen, was jedoch nahezu nirgends diskutiert wird.

Liessmann betont, dass die KI gar nicht in der Lage ist zu verstehen, was „Mensch sein“ überhaupt bedeutet. Es ist nicht möglich einer KI die Regel „schädige keinen Menschen“ mitzugeben, weil sie nicht wissen kann, was „Mensch“ bedeutet und was „schädigen“ ist.

Wir sehen also Chancen und Risiken, die dringend notwendige Diskussion auf gesellschaftlicher und politischer Ebene fehlt jedoch. Somit bleibt auch offen, wie es weitergeht.

Kornaten 2025 – ein Bubenwochenende

Bei unserem heurigen, runden Maturatreffen waren wir 28 Personen. Das finde ich 40 Jahren nach der Matura doch recht beachtlich.
Daher mussten wir das nachfeiern, bei einem guten Bier beim Grünspan. Und da kam Hubert die Idee uns auf ein Wochenende auf sein Boot einzuladen. Georg, Walter und Schmidl sagten sofort zu, Heini konnte leider nicht, dafür sprang mein Bruder Peter ein.
Als Termin wurde Mitte August gewählt: Donnerstag Abend mit Huberts Bus bis Zadar und am Montag wieder zurück – kein schlechter Plan.

Leider starb Schmidls Mutter und statt dem Burschenwochenende gab es für ihn ein Begräbnis.
So blieben wir zu fünft, was sich platzmäßig als optimal herausstellte. Einer mehr wäre noch gegangen, wobei es da in erster Linie um die Schlafplätze am Boot geht. Die Princess 330 ist – wie der Name schon sagt – 33 Fuß lang, das sind ca. 11 Meter. Zwei Kabinen mit Doppelbetten stehen zur Verfügung, wobei man sich da schon recht gut mögen sollte. Weitere Gäste können sich den Salon, das Heck oder die Flybridge aussuchen, was in heißen Sommernächten und einer luftigen Brise am Meer recht reizvoll ist. Weniger lässig ist es bei spürbarem Gelsen- oder Taueinfall, was je nach Ort, Wetter und Jahreszeit variiert.

Geht´s los? Es geht los!

Wir treffen uns am Bahnhof in Hütteldorf, wobei Georg traditionsgemäß zu spät kommt. Wir haben es aber nicht super eilig, Huberts Bus ist gemütlich und mit Kühlbox perfekt ausgestattet.
Die Fahrt ist kurzweilig und besteht bis auf die letzten fünf Kilometer nur aus Autobahn. Die Geschwindigkeit wird in erster Linie durch Baustellen und Staus bestimmt, die wir beide glücklicherweise nur in geringem Ausmaß erleben müssen. Die beiden Grenzen nach Slowenien und Kroatien haben auch ihren Schrecken verloren und bei Sonnenuntergang sind wir bereits tief am Balkan, was auch Zeit für ein Bier bedeutet.

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Bild: Die Rast ist kurz, aber notwendig

Gegen 23 Uhr kommen wir in der Marina Dalmacija in Sukosan an, die sich als riesig herausstellt, es gibt in Summe 1.700 Liegeplätze für alle Größen von Yachten.
Sofort leicht erkennbar ist, dass hier das Geld daheim ist. Vor allem wohlhabende Menschen aus Deutschland, Österreich und Kroatien haben hier ihre Motorboote oder Segelschiffe geparkt, die monatliche Miete für ein Boot der 10-Meter-Klasse beträgt ca. 800 Euro im Monat. Die hervorragenden Sanitäranlagen sind hier schon inbegriffen, Strom und Wasser auch oder kosten nicht sehr viel extra. An den dort geparkten Autos lässt sich der Geldadel gut erkennen, die meisten Kosten verursacht aber die Instandhaltung der Yachten. Sie müssen oft gewartet werden, müssen regelmäßig aufs Trockendock und brauchen generell viel Liebe und Pflege. Wer das nicht will, kann sich auch ein Boot chartern, was auch viele tun.
Beim Motorboot kommt noch der Sprit dazu, hier gibt es nach oben keine Grenze.

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Bild: Die Motorboote sind nach Größen geordnet und liegen dicht nebeneinander

Die erste Nacht schlafe ich in einer der Kabinen, mein Bruder zieht es vor oben im Salon zu übernachten, Hubert ebenfalls, Georg und Walter teilen sich die Bugkabine.

Am Freitag früh fahren wir in den Ort frühstücken und einkaufen. Wir haben keine Eile und die Gemeinschaftskasse wird nicht wirklich strapaziert, Wasser, Brot, Früchte und Käse stehen auf der Liste, am Abend werden wir jeweils ein nettes Lokal aufsuchen, Hubert hat keinen Herd an Bord.

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Bild: Einkauf im Supermarkt neben der Marina

Huberts Boot hat einen Steuerstand im Salon und eine Flybridge mit einem weiteren Steuerstand. Meistens wird von dort oben gesteuert. Alle modernen Geräte, die für eine sichere Fahrt notwendig sind, hat er an Bord, auch einen Autopilot, was die Sache sehr entspannt.

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Bild: Steuerstand

Das Boot hat zwei Volvo Penta Turbodieselmotore mit je ca. 330 PS. Sie sind sehr zuverlässig und brauchen im Verdrängerbetrieb nicht viel Diesel, im Gleitbetrieb natürlich wesentlich mehr. Wir sind bis auf zwei Mal zehn Minuten ausschließlich Verdränger gefahren, da wir es nicht eilig hatten und das Boot dadurch wenig verbrauchte.
Durch die vier Betten ist die ältere Princess natürlich für vier Personen ideal, dafür gibt es auch genügend Platz im Salon, wobei auf so einem Motorboot naturgemäß alles sehr eng ist und man ständig aufpassen muss – auf den Kopf, auf die Zehen etc.

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Bild: Salon, dahinter weiter unten die Küche, die Bugkabine, eine Toilette, die notfalls auch als Dusche verwendet werden kann und die zweite Kabine.
Die Toilette wird mit einer Pumpe betrieben – zuerst pumpt man ab und dann frisches Seewasser hinein. Das funktioniert tadellos und wer das Leben auf einem Schiff gewohnt ist, gewöhnt sich auch daran, dass das WC-Papier nicht ins WC geworfen werden darf.
Die Vorbereitungen zum Auslaufen gehen zügig voran, am Boot muss alles verstaut und in Ordnung gebracht werden. Hubert kontrolliert noch die Motoren, in Summe ist eine ganze Menge zu tun.

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Bild: Hubert bei der Ölkontrolle

Überall gibt es Klappen und jede Menge Herumhantieren mit Seilen und sonstigem Zeug. Georg und Walter werden als Leichtmatrosen eingeteilt und müssen lernen Mouringleinen einzuholen und Seilknoten zustande zu bringen.

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Bild: Walter ist für die Seile beim Ablegen verantwortlich.

Dann geht es los, wir laufen aus und nehmen Kurs auf die Kornaten. Diese Inselgruppe habe ich das erste Mal 1995 bei einer Tauchkreuzfahrt kennengelernt. Sie sind das beste Tauchrevier im ganzen Mittelmeer und ich war dort schon seit fast dreißig Jahren nicht mehr tauchen – was heute auch nicht mehr so einfach geht, es gibt nur ganz wenige Schiffe, die eine Sondererlaubnis bekommen. Damals war ich auf der „Vranjak“ unterwegs, heute gibt es die „Vranjak 2“, die vom Sohn des ehemaligen Betreibers Jani betrieben wird.

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Bild: Jani in den 1990ern, so wie ich ihn kennengelernt habe

Vielleicht ergibt es sich ja wieder einmal, reizen würde es mich schon sehr, ich habe dort – gemeinsam mit Hubert übrigens – ein paar meiner tollsten Tauchgänge erleben dürfen.

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Bild: Die alte Vranjak. Die beiden Masten sind reine Zierde, segeln kann man damit nicht.

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Bild: Georg darf ans Steuer. Die Princess 330 hat kein Bugstrahlruder und keine Gondeln, muss also über das Ruder bzw. die beiden Motoren gesteuert werden, was gar nicht so einfach ist, vor allem wegen der Trägheit muss man ziemlich vorausdenken. Das kleine, schwarze Kästchen mit den beiden roten Knöpfen ist der Autopilot. Damit hält das Boot den eingegebenen Kurs und mit den beiden Knöpfen kann man ein paar Grad nach links bzw. rechts korrigieren. Das hat man nach kurzer Zeit heraus.

An Bord ist es gemütlich, wir fahren mit 1.500 Umdrehungen langsam durch die Bucht zu einer Meeresenge mit einer Brücke und nehmen dann Kurs Richtung Süden, zu den Kornaten.

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Bild: Entspannt genieße ich die Fahrt, hinter mir die gerade durchfahrene Brücke.

Die erste Insel, an der wir vorbeifahren, ist Mrtovac, dort habe ich mit Hubert meinen bisher tiefsten Tauchgang (65 Meter) gemacht, vor langer Zeit. Die Erinnerung ist trotzdem noch sehr intensiv, ich kann mich an eine feuerrote Schmuckkoralle am Meeresgrund erinnern und an das Licht, das da unten dank des sehr klaren Wassers noch ausreichend vorhanden ist.

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Bild: Mrtovac – die Steilwand setzt sich unter Wasser fort, sie ist ab ca. 25 Metern Tiefe voll von Höhlen, in denen auf weißem Sand Langusten und Hummer hocken. Dazu gibt es tiefviolette Gorgonienwälder und noch einiges mehr. Ober Wasser ist das ein kahler Steinhaufen, unter Wasser befindet sich ein Paradies.

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Bild: Rote Gorgonie vor weißem Sandgrund auf Mrtovac

Wir fahren daran vorbei und weiter zu unserem Ziel, der Insel Levrnaka. Auch dort waren wir bei einer Dalmatienkreuzfahrt 1996. Ich erinnere mich noch gut an einen Abend, an dem wir mit einem schrägen Typen bei Rotwein, Brot und Oliven die tolle Atmosphäre dieser ruhigen Insel genossen haben.
Damals erzählte uns eine alte Frau von Kriegszeiten, als Partisanen einen Trupp deutscher Soldaten angriffen und die jungen Männer auf die Insel verschleppten. „Man hat ihnen dann die Beine gebrochen und sie in eine Doline (das sind tiefe Löcher im Kalkgestein, die meistens bis zum Wasser hinunterreichen) geworfen, wo sie langsam verreckt sind“ erzählte die alte Frau.
Mein alter Freund Gabor und ein paar andere fragten, ob sie wüsste, welche Doline das damals war und ob die Toten jemals geborgen wurden.
Natürlich wisse sie das und nein, die hat nie wer raufgeholt, meinte die Frau.
Also schnappten sich meine Tauchkollegen ein Seil und Ivan führte sie zur besagten Doline. Sie kletterten hinunter und fand die Überreste einer Handvoll junger Männer, vor allem Schuhsohlen, Gürtel und etliche Erkennungsmarken. Ich erinnere mich noch an eine Marke eines 19jährigen Deutschen eines Aufklärungsbataillons, einige waren durch das Leichengift zerfressen, viele aber noch gut lesbar.
Meine Kollegen haben sie dann ans Schwarze Kreuz geschickt, damit ihre Verwandten erfahren konnten, wo ihre Väter oder Brüder oder Ehegatten liegen – mit gut fünfzig Jahren Verspätung, aber besser als nie.

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Bild: Ein altes Bild von Levrnaka. Gut ist die Landbrücke mit dem Weg zwischen den beiden Buchten zu erkennen. Die Dolinen befinden sich in dem sonnenbeschienenen Teil hinter dem Hügel.

Die Insel besteht aus zwei Hügeln, die durch eine schmale Landbrücke verbunden sind. Seeseitig gibt es eine schöne Bucht, in der wir ankern. Laut Hubert lebt Ivan immer noch da und wir können ihn besuchen. Georg und ich beschließen zum Strand zu schwimmen, sehr weit schaut das nicht aus.
Da ich eine kleine Wanderung in Erwägung ziehe, borge ich mir einen Schwimmbeutel aus – garantiert wasserdicht, um mein Handy, ein T-Shirt (Sonnenbrandgefahr) und mein Bandana trocken transportieren zu können.
Die Strecke stellt sich dann als gar nicht soo kurz heraus und ich bin froh, am Strand angelangt zu sein.
Das mit dem Schwimmbeutel war keine gute Idee, er ist leider garantiert nicht wasserdicht und alles darin ist nass. Glücklicherweise funktioniert mein Handy noch und das nasse T-Shirt stört auch nicht wirklich, es ist ohnehin heiß.
Wir suchen einen Weg hinauf zu dem Haus und finden einen – den falschen, wie sich herausstellt. Georg und ich klettern über Felsen und an Büschen vorbei hinauf zum höchsten Punkt der Landbrücke – nur um festzustellen, dass es auf der anderen Seite des abgesperrten Camping-Geländes einen breiten, guten Weg gibt. Wir hatten uns ohnehin gewundert, wie all die Badegäste in der Bucht dorthin gekommen sind – egal, jetzt ist es eh zu spät.

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Bild: Blick in die Bucht, wo unser Boot vor Anker liegt. Es ist das letzte rechts hinten.

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Bild: Blick von der Höhe hinunter zum Anlegesteg auf der Innenseite von Levrnaka. Dort, wo die Ausflugsboote anlegen. Gut zu erkennen ist die Hauptinsel der Kornaten, Kornat. Dahinter ist dann das Festland. Und vor uns ein steiniger Weg (ohne Weg) hinunter zu dem Anleger.

Also klettern wir auf der anderen Seite hinunter, um vom Anleger den Weg zu dem gesuchten Haus zu gehen. Als wir dann den breiten Weg zu dem ehemaligen Haus gehen, finden wir uns in einem Camp wieder. Von einem Ivan hat hier niemand gehört, es gibt ihn wohl doch nicht mehr und wir wandern wieder die restlichen Meter zum Strand.
Georg und ich versuchen das Handy diesmal noch besser in dem Beutel zu verpacken und sind damit auch erfolgreich. Dann kommen wieder die anstrengenden paar hundert Meter zurück zum Boot, aber auch das geht vorbei.
Nach einem kleinen Snack starten wir wieder hinaus Richtung Piskera, wo unsere nächste Marina liegt.

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Bild: Kleines Mittagessen an Bord

Vorbei geht es an der schroffen Steilküste weiter in den Süden der Kornaten. Wir kommen an der Insel Balun vorbei, wo ich vor vielen Jahren an einer Kante in die falsche Richtung getaucht bin und meinen Buddy verloren habe.

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Bild: Balun

So schroff die Kornaten auch wirken, irgendwie ist die Landschaft auch schön. Weniger schön sind die unzähligen Steinmauern auf den größeren Inseln, vor allem auf Kornat. Bei einer kleinen Recherche erfahre ich, dass sie von Sträflingen gebaut wurden und viele dabei umgekommen sind. Das war vor fast hundert Jahren, so lange stehen diese Mauern schon. Sie erfüllen keinen wirklichen Zweck, angeblich wurden sie gebaut, um die vom Wind davongetragene Erde aufzufangen, haben diese Aufgabe aber nie wirklich erfüllt. Sie sind steinerne Merkmale menschlicher Grausamkeit, bleiben letztlich aber stumm, da es wohl nur wenige Menschen gibt, die ihren Sinn hinterfragen.

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Bild: Sinnlose Steinmauern

Wenig später sind wir in der kleinen Marina angelangt. Sie unterscheidet sich deutlich von der riesigen in Sukosan und liegt malerisch in einer kleinen Bucht. Auch hier sind die Sanitäranlagen tadellos, der Liegeplatz kostet für das Boot 70 Euro und ich komme drauf, dass ich meinen Rasierer daheim vergessen habe – zumindest die Klingen. Da die anderen auch keine dabeihaben, bleiben wir alle unrasiert. Soll nichts Schlimmeres passieren.

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Bild: Unser Boot in der Marina von Piskera

Dafür freuen wir uns auf ein gutes Abendessen im Restaurant der Marina. Die Preise sind stolz, 100 Euro für ein Steak keine Kleinigkeit.
Zu dritt essen wir einen großen Fisch, der mit Beilagen ebenfalls 100 Euro kostet, letztlich aber ausreichend ist und preislich somit okay. Das Bier schmeckt gut, lediglich die Gelsen trüben den wunderbaren Abend.

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Bild: Walter kämpft mit der Garnele in seiner Fischsuppe

Am nächsten Tag mache ich einen kleinen Spaziergang auf den Hügel neben der Marina, um mir die Beine ein wenig zu vertreten und weil die anderen eh noch schlafen. Es ist schon warm, aber noch nicht heiß und ich erhasche einen Blick auf die Kornaten in der Morgensonne.

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Bild: Kornaten im Morgenlicht. Rechts unten ist die Marina, die schmale Durchfahrt hinaus ins Meer verleitet dazu eine Abkürzung zu nehmen – sonst muss man nämlich um die ganze Insel herumfahren.
Das hat aber seinen Grund. Als ich darauf warte, dass die anderen aufwachen, fährt ein Segelschiff mit seinem Flautenschieber auf die Durchfahrt zu. Es macht einen Kracher und das Schiff läuft auf Grund. Jetzt haben alle erste Reihe fußfrei und können sich anschauen, wie die verzweifelte Mannschaft versucht das Schiff wieder freizubekommen. Sie scheitern mit mehreren Versuchen, dann kommt der Hafenmeister und versucht den Segler mit seinem Schlauchboot rückwärts zu ziehen, scheitert aber ebenfalls.
Erst ein herbeigeholter Fischer mit seinem kleinen, aber kräftigen Boot macht ein Seil an der Mastspitze fest und schafft es dann den Segler wieder ins tiefere Wasser zu ziehen. Er fährt dann sofort wieder raus aus der Marina, den Spott der vielen Skipper rundherum will er sich nicht geben.

Es ist Samstag und wir fahren zurück Richtung Zadar. Unser nächstes Ziel ist eine nette Bucht auf Dugi Otok, die wir nach ein paar Stunden Fahrt auch gut erreichen. Dort gibt es keine Marina, jedoch einen Hafen für Ausflugsboote und auch ein gutes, günstiges Lokal mit hervorragenden Grillplatten, wie Hubert uns versichert.
In der Bucht ankern jede Menge Motorboote und auch etliche Segelschiffe. Eines ist ganz besonders schön, ein alter Zweimaster, sicher älter als 70 Jahre, dessen Restaurierung nicht ganz billig war. Diese traumhafte Segelyacht gehört Italienern und heißt „Isabella“.

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Bild: Wunderschönes, altes Holzsegelboot in klassischer Form. Davor der Bug eines modernen Kevlarseglers.
Weil wir keine Mole haben, müssen wir mit einem kleinen Schlauchboot zum Ufer fahren. Mit einem wirklich kleinen Schlauchboot.

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Bild: Georg, Walter und Hubert im Schlauchboot

Gerudert wird, weil der kleine Außenbordmotor nicht funktioniert. Die Strecke ist aber nicht weit und wir verbringen den Nachmittag sowieso noch mit Faulenzen und auch das eine oder andere Bier muss daran glauben. Ich packe meine Schnorchelausrüstung aus, das Ergebnis ist aber mau, es gibt dort in der Bucht genau gar nichts zu sehen, absolut gar nichts. Das Gewicht und die Herumwurschtelei hätte ich mir sparen können, genauso wie den starken Sonnenbrand, den ich mir an diesem Tag hole. Ich schwöre, dass ich nur wenige Minuten in der Sonne war. Erst viel später werde ich erfahren, dass der Schatten an Bord nahezu nichts bringt, da das Wasser die UV-Strahlen so stark reflektiert, dass nur ein ordentlicher Sunblocker mich hätte bewahren können. So lernt man auch mit 58 Jahren noch was dazu, immerhin.

Nach einem kleinen Fußmarsch auf der Insel hinauf zu einer spektakulären Klippe (die dann doch nicht wirklich so spektakulär ist) sind wir bereit für die tolle Grillplatte.

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Bild: Peter vor der Klippe

Leider gibt es das Lokal nicht mehr bzw. es wurde umgebaut und ist jetzt ein mehr oder weniger nobles Restaurant. Die Karte spiegelt das wider.

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Bild: Speisekarte

Ähnlich wie auf Piskera zielen die Lokalbesitzer auf das betuchte Bootspublikum ab und liegen damit scheinbar goldrichtig. Wir gönnen uns trotzdem ein gutes Essen, schließlich ist das ein feines Wochenende und wir wollen unseren Spaß haben.
Am nächsten Tag in der Früh sehen wir die Ausflugsboote, wie sie in die Bucht einfallen, etwa ein knappes Dutzend, jedes voll mit Tagesausflüglern, die auf die Insel gebracht werden. Ich konnte nicht herausfinden, was sie dort den ganzen Tag tun und wir fahren ab Richtung Marina.

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Bild: Zwei der vollen Ausflugsboote

Davor treffen wir noch einen alten Bekannten von Hubert, der in der Marina mit seinem Boot den Nachbarplatz hat. Er ist so etwas wie das Marinafaktotum, kennt jeden und jeder kennt ihn. Wenn Du etwas brauchst, etwa einen schnellen Trockendocktermin, dann ist er der richtige Mann.
Gemeinsam gehen wir Mittagessen und finden endlich das, worauf ich mich schon die ganze Zeit freue: Ein kleines kroatisches Lokal (Ciao Ciao) direkt am Hafen von Kukljica mit gutem, bodenständigem Essen. Ich bestelle Oktopus und bereue es nicht, aber auch alle anderen Speisen sind gut und reichlich – so reichlich, dass wir nicht wissen, ob wir am Abend wirklich noch groß Essen gehen.

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Bild: Bereit für ein gutes Essen

Danach geht es heim in die Marina und gegen Abend bekommen wir doch noch Hunger und fahren in ein nettes Restaurant (Stari Most) zwischen Sukosan und Zadar, wo ich endlich die ersehnten Pleskjavica bekomme. Schließlich bin ich in Kroatien. Mit diesem Essen hoch über dem Meer geht der Urlaub auch fast schon wieder zu Ende. Wir haben am frühen Abend das Boot noch gesäubert und alles aufgeräumt und auf Vordermann gebracht, schließlich kommt morgen die Schwiegermutter von Hubert mit einer Freundin aufs Boot.

Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Wien. Die Fahrt verläuft störungsfrei und nach guten sieben Stunden sind wir gesund und munter wieder daheim. Es bleibt ein großes Dankeschön an Hubert und eine wunderbare Erinnerung an ein tolles Bubenwochenende – auch wenn diese Buben schon rasant den 60er ansteuern, es war so lustig wie zu Zeiten der Matura.

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Bild: Die Buben sind froh

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Bild: Sonnenuntergang auf Dugi Otok