Guido träumt! Heute Traum 2 von 12: SPAR bietet österreichisches Obst an

Es passiert meist in der Nacht und hin und wieder erinnere ich mich an meine Träume. Daher kann ich sie auch berichten. Heute gibt es den zweiten von zwölf Träumen:

Mir träumte von einem Flugblatt, in dem der Lebensmittelhandelsriese SPAR folgendes bekannt gibt:

„SPAR kauft bei österreichischen Bauern! Wir sind uns unserer Verantwortung für die Umwelt und die Gesundheit der ÖsterreicherInnen bewusst und wollen außerdem die heimische Wirtschaft unterstützen. Daher verzichten wir ab jetzt auf den Import und Verkauf von Obst aus dem Ausland. Selbstverständlich gibt es weiterhin Bananen und Orangen, aber wir verzichten auf dasjenige Obst, das ohnehin bei uns wächst. Wir werden jetzt zur jeweiligen Saison Erdbeeren aus Österreich anbieten, ebenso Marillen, Birnen, Zwetschken, Pfirsiche, Ringlotten, Äpfel, Kirschen und Weintrauben. Alles das, was wir bisher aus der ganzen Welt haben liefern lassen, ohne uns um die dortigen Anbau- oder Arbeitsbedingungen zu kümmern. Es wird nicht mehr vorkommen, dass wir im Herbst 32 Traubensorten anbieten und es ist keine einzige österreichische dabei.

Wir lassen ab jetzt auch nicht mehr gelten, dass der Kunde das so haben will. Bei uns hat ein Umdenken stattgefunden, wir denken, dass der Kunde das kauft, was wir ihm anbieten. Wenn wir ihm Kirschen aus Österreich anbieten statt wie bisher aus Südafrika, dann wird er diese auch kaufen. Wir glauben nicht, dass er dann sofort zur Konkurrenz läuft, weil dort die Kirschen um ein paar Cent billiger sind. „Wir müssen uns nach dem Markt richten“ – das gibt es ab jetzt nicht mehr, denn WIR sind der Markt. Wir haben genügend Filialen und Marktkraft, dass wir die Maßstäbe setzen können. Das ist auch Zeichen unseres Umdenkens und unseres neuen Bewusstseins: Ab der nächsten Ölkrise wird der Transport sowieso zu teuer – wir wollen heute schon die heimischen Alternativen stärken, so dass sie uns dann zur Verfügung stehen.“

Schade, dass dies nur ein Traum ist. Ich war gestern wieder beim SPAR – bis auf ein paar Äpfel ist alles ausländische Ware. Und beim Gemüse sieht es nur wenig besser aus.

Das schöne Leben in der Geisterstadt

2008 zeigte der Film „Let´s make money“ einen Flug über eine schier endlose Geisterstadt an der spanischen Mittelmeerküste (irgendeine „Costa del…“) Tausende leer stehende Häuser, schon seinerzeit als Traum aller Mitteleuropäer, als idealer Alterssitz und als fantastische Geld-, bzw. Wertanlage gepriesen.

Leider stehen diese Häuser bis heute leer und werden langsam zu Ruinen. Wem sie gehören? Zum Teil den Großanlegern, etwa auch den österr. Versicherungen (nein, nein, IHRE Pension oder Lebensversicherung betrifft das sicher nicht…), zum Teil pleite gegangenen Bauträgern.

Jetzt werden diese Objekte wieder angeboten, da die Halbwertszeit der Erinnerung gieriger Schnäppchenjäger nicht sehr groß ist. Einige Idioten werden diesen Betrügereien leider aufsitzen und das Gejammer wird groß sein, wenn das gesamte Geld weg ist.

So etwa sieht das Gejubel aus:

„Was wird aktuell am Markt angeboten? Gottinger hat ein Apartement mit 90 m plus Terrasse im Zentralraum Costa del Sol im Angebot. Preis: 215.000 € statt ursprünglich 300.000. Geboten werden Golfplatz und Meerblick. Oder direkt am Meer: ein Penthouse mit 120 m Wohnfläche und 45 m Terrasse, fünf Minuten zum Playa Cristo, Nähe zum Flughafen Malaga. Inbegriffen: Marmorbäder, Pool-Landschaft mit direktem Strandzugang. Kostet jetzt statt 875.000 € nur 475.000 €. „Ein echtes Schnäppchen“, so Gottinger. Auch Internetplattformen wie www.ferienimmobilien.net locken mit günstigen Angeboten. So wird eine 85 m Villa mit 200 m Grundstück in Torrevieja-Quesada an der Costa Blanca um 129.900 € angeboten.“

Dieses Geschreibsel entstammt dem medianet-Artikel „Günstige Immos am Meer“ (25. März 2011). Die Fehler sind nicht von mir eingebaut, sondern zeigen, wie medianet arbeitet: Artikel werden schnell zusammengepfuscht und vollkommen unhinterfragt und unkorrigiert übernommen.
Diesen Vorwurf mache ich nicht medianet speziell – ich war früher durchaus ein Fan dieses Blattes – sondern vielen Medien. Auch hier ist copy-paste inzwischen die einzige Rechercheform, die man sich antut. Unkritische Menschen bekommen den Eindruck, dass dies ein seriös erarbeiteter Artikel ist.

„Golfplatz und Meerblick“ stimmt, nur ist der Golfplatz nicht in Betrieb und den Meerblick genießt man dort sehr einsam. Und wie eine Villa gebaut ist, die um so einen Preis angeboten werden kann, kann ich mir durchaus vorstellen.

Weiter im medianet-Text:

„Spanien. Sie machen es vor und werden beneidet: US-Stars wie Drew Barrymore und Jack Nicholson mieten sich am Mittelmeer ein, andere wie Michael Douglas haben auf Mallorca sogar ein Domizil erworben. Durch die Folgen der Wirtschaftskrise ist das süße Leben am Mittelmeer aber nicht Superreichen vorbehalten. In Spanien und Griechenland sind die Preise für Ferienwohnungen drastisch gefallen.“

Was hier nicht dazu gesagt wird: Das Domizil in Mallorca ist ganz woanders und nicht vergleichbar mit den Ruinen an der Costa xy und das „süße Leben“ ist sehr wohl nach wie vor den Superreichen vorbehalten.

Wer gerne in einer Geisterstadt leben will, kann hier sicher ein Schnäppchen machen. Möglich, dass es ihm früher oder später im Hals stecken bleibt.

Der Sanfte ist gegangen

Es ist dreißig Jahre her, seitdem ich Gabriel das letzte Mal gesehen habe. Der Anruf von seiner Schwester kam mehr als überraschend: „Mein Bruder ist gestorben und heute war das Begräbnis.“
Durch eines dieser Missverständnisse, die einem im Leben begegnen, wußte ich nichts davon und habe es daher leider versäumt.

Sie hat zwei Brüder und trotzdem wusste ich sofort, welcher gemeint war. Wenn ich die Uhr um drei Jahrzehnte zurück drehe, dann taucht sofort ein Bild auf, von einem sehr schlanken, dunkelhaarigen Jugendlichen, mit dem ich gemeinsam Lautsprecherboxen baute – die ersten und einzigen meines Lebens. Eine davon ist verloren gegangen, aber die zweite habe ich noch.

Box.jpg

Bild: Selbstgebaute Lautsprecherbox

Wie wir auf das Thema kamen weiß ich nicht, aber Gabriel ging in eine Schule, in der man lernte, mit Elektronik umzugehen, und das fand ich toll. Er besorgte die Teile und gemeinsam bauten wir die Lautsprecher, die ich noch viele Jahre bei unterschiedlichen Gelegenheiten verwendete – die übrig gebliebene Box funktioniert übrigens bis heute.
Gabriel war anders als seine Geschwister. So wie ich war er der Älteste. Sein Bruder fuhr ein paar Jahre später gemeinsam mit uns in den Urlaub nach Kroatien. Er war ein kräftiger junger Mann, sehr offen der Welt zugewandt und gerade auf Menschen zugehend. Seine Schwester war ein kleines Energiebündel, frech und mit großen Augen.
Gabriel war ruhig und ein wenig an der Grenze zu einer dunkleren Welt, der beste Ausdruck ist eben „sanft“, auch wenn ich nicht weiß, was dahinter verborgen schlummerte.

Das Leben stellte die Weichen und wir verloren uns aus den Augen. Jahre später gab es noch einen Versuch meiner Mutter, uns noch einmal freundschaftlich zusammen zu bringen, aber der scheiterte, aus welchen Gründen auch immer.
Der Weg, den er eingeschlagen hat, war sicher kein leichter und endete hinter der Grenze, die ihn immer schon angezogen haben dürfte.

Er hinterlässt stärkere Spuren als andere Menschen, die ich zu dieser Zeit kennen lernte. Er pflanzte den Keim für meine Leidenschaft zu Musikanlagen, die bis heute ungebrochen ist. Die aktuellen Lautsprecherboxen hat mir auch ein Freund gebaut, dessen Leben zahlreiche Ecken und Kanten hat – manche Dinge ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben jedes Menschen.

Vielleicht bleibt ja von jedem Besucher dieser Welt etwas zurück. Wer weiß das schon. Ruhe sanft, Sanfter!

Offener Brief an Christian Kornherr

Der Mann ist Chefredakteur der autorevue, der spritzig und witzig geschriebenen österreichischen Autozeitschrift. Ich erlaube mir sein Kommentar (Ausgabe 3/11) zu kommentieren.

Sehr geehrter Herr Kornherr!

Sie schreiben mehr oder weniger über ein Ende des Elektrobooms und ein Wiederaufleben des Verbrennungsmotorautos und umschreiben Ihre Meinung mit „ein wenig Skepsis ist wieder gestattet.“
Dann folgt jedoch nicht Skepsis, sondern eine klare Absage an das Elektrokonzept. Sie unterstellen „Umweltaktivisten, Journalisten und Politikern“, dass sie die von ihnen herbeigewünschten Elektroautos selbst gar nicht kaufen würden. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie damit sich selbst meinen (als Journalist) und bei Politikern bin ich mir selbst auch nicht sicher. Wieso werden aber die UmweltaktivistInnen (ein wenig gendern könnte auch Ihre Weltsicht erweitern) pauschal angegriffen? Wieso sollten sich diese Menschen nicht ihre Autos aus öffentlichen Töpfen finanzieren lassen? Die derzeitige Autoindustrie wird auch nicht zu knapp gesponsert, oder? Woher kommen denn die Milliarden Euro, die an Opel gezahlt wurden? Ist das die „freie Marktwirtschaft“, von der Sie im letzten Abschnitt sprechen?

Sie schreiben, dass die Menschen kaum 30.000 Euro für „deutlich weniger Nutzen“ ausgeben werden. Ist Ihnen schon in den Sinn gekommen, dass es noch einen Nutzen jenseits der Autobahnhetzerei nach Salzburg und zurück in einem Stück geben kann und dass die meisten Fahrten Kurzstrecken zur Arbeit und zurück sind? Könnte es auch einen Nutzen jenseits Ihrer Vorstellungswelt geben, etwa einen für die Umwelt? Oder einen Nutzen in Form der Vorbildwirkung?
Sie schreiben, dass staatliche Subventionen in Zeiten von Euro-Krise und Inflationsgefahr „geradezu absurd“ wären. Und die Subventionen an private Organisationen wie Banken oder Autofirmen, die sind nicht absurd? Eine seltsame Sicht, könnte da eine Scheuklappe im Spiel sein?

Ihre Angst, dass wir EuropäerInnen mit einer progressiven Umweltpolitik „zu viel Zimperlichkeit und Zurückhaltung“ auf dem globalen Markt zeigen könnten, ist mir gänzlich unverständlich. Macht Ihnen Veränderung Angst? Sie meinen mit Fritz Indra, das Elektroauto würde ein „Spielzeug für ökobewusste Reiche“ bleiben. Noch vor 25 Jahren war das Mobiltelefon das auch (ohne ökobewusst), und heute?

Sie schreiben von der Abenddämmerung des Elektroautos. Lehnen Sie sich zurück, gießen Sie sich ein gutes Glas Rotwein ein und denken Sie über folgenden Spruch (Hegel) nach: „Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug.“ Ich wünsche Ihnen ein wenig Zukunftsoptimismus und Freude am Neuen. Ich jedenfalls freue mich darüber, dass mein derzeitiger „Schüttelhuber“ mein letzter Stinker sein wird, auch wenn ich noch nicht weiß, womit ich in Zukunft fahren werde.

Verbindlichst, Guido Schwarz

10 Tage Optimismus – Tag 10: Die Zeit ist gnädig

10 Tage Optimismus. In den Nachrichten nur Negatives und auch mein Blick ist schon zu sehr auf den Mangel gerichtet. Daher 10 Tage lang je ein Beispiel für was Positives auf dieser Welt.

Tag 10: Ich wollte eigentlich schon am Mittwoch und damit „pünktlich“ die Serie abschließen, idealerweise mit dem Bericht über den Wandel in Ägypten. Und dann spuckt mir der alte Diktator in die Suppe, weil er nicht weiß, dass seine Zeit abgelaufen ist.
Es geht um Zeit und ich bin nicht ohne Grund Mitglied im Verein zur Verzögerung der Zeit und pflege die Tugend der Geduld. Und hier liegt auch die Wurzel für den Optimismus: Die Zeit ist immer gnädig, d. h. sie spült mit ruhigem Lauf alles hinweg – bis hin zu ganzen Gebirgen, die entstehen und wieder abgetragen werden. Man muss nur lange genug warten.

Mubarak hat ein Zeitproblem, er ist 82 Jahre alt und scheinbar auch im Kopf so versteinert, dass er nicht versteht, dass für jeden Mensch irgendwann die Zeit gekommen ist, wo jüngere die wichtigen Entscheidungen treffen. Das gilt in Ägypten übrigens für das gesamte Regime, Mubarak selbst ist ja nur dessen Aushängeschild.
Die Zeit lässt uns optimistisch sein, denn wir brauchen uns nur zurücklehnen und warten, bis Mubarak weg ist. Die Zeit lehrt uns: etwas kann sehr lange dauern, sich hinziehen, endlos wirken. Genauso kann es dann aber ganz schnell gehen.

Ägypten hat extrem viele junge Menschen, 40 % sind jünger als 25 und viele fühlen, dass sie sich nur verbessern können. Sie werden die Zeit nützen und dafür sorgen, dass die Zeit für das alte Regime abläuft. Sicher ist die Zeit auch hier gnädig und lässt sie nicht mehr sehr lange warten.

Fazit: Das waren 10 Tage Optimismus. Die Rückmeldungen waren positiv, aber spärlich. Ab Tag 4 hatte ich keine fix fertigen Geschichten mehr auf Lager, aber dann kamen sie daher, ganz von allein, und ich merke: Wenn ich die Aufmerksamkeit darauf richte, dann finde ich sie auch. Das allein war es schon wert.