
Bild: PeeWee 2006 (Bild Jörg)
Er ist so gestorben wie er gelebt hat – zurückhaltend und ohne jemandem auf die Nerven zu gehen.
Diesmal war es kein Krebs und kein Unfall, er hatte zwar immer wieder mal Blutdruckprobleme und etwas Asthma, aber keine bekannte, große Krankheit. Er ist einfach in der Früh nicht mehr aufgewacht.
So einen Tod wünschen wir uns zwar alle, aber nicht im Alter von 51. Das ist früh, zu früh.
Ich habe PeeWee in der Galleria kennengelernt. Er war mir auf den ersten Blick sympathisch, ich mochte seine Stimme, seine coole Art, seine Zuverlässigkeit und seinen guten Schmäh.
Die Galleria war eine Schrauberwerkstatt für Roller, genauer gesagt für alte Vespas und Lambrettas.
Jörg, PeeWee und Ronny waren die Betreiber, die Stamm-Mannschaft sozusagen. Der normale Tag war der Dienstag, da trafen wir uns so gegen 18 Uhr, tranken das eine oder andere Bier und schraubten an den Rollern herum.

Bild: PeeWee, Philipp, Jörg und Christian, der ebenfalls 2014 verstorben ist (Bild Jörg)

Bild: PeeWee flext an einer Vordergabel herum
Die Galleria war unaufgeräumt, nicht sehr sauber und im Winter musste man einen alten Ölofen starten. Das war alles okay, es zählte die Gaudi und das gemeinsame Erlebnis.

Bild: PeeWee im oberen Stock der Galleria, wo alle möglichen und unmöglichen Teile gelagert wurden.
Ich selbst bekam die Galleria samt Ronny (er hat uns schon 2014 verlassen) von einem inzwischen ebenfalls alten Freund vermittelt. Allan meinte, ich könne dort einfach vorbeischauen, weil ich mit meiner Vespa irgendein Problem hatte. Gesagt, getan – so lernte ich Ronny kennen und da wir beide Alt-Mods waren, passte die Chemie gut.

Bild: Guido, Ronny (2014 gestorben), PeeWee und Klaus in der Werkstatt von Jörg, selbstverständlich mit einem Werkstattbier (Bild Jörg)
PeeWee war kein Mod, er war einige Jahre jünger als wir und kam über zwei Ecken dazu: Vespas und Northern Soul.
Daher sahen wir uns nicht nur beim Zangeln, sondern auch bei gemeinsamen Ausfahrten und Festen. Es entwickelte sich eine kleine Freundschaft, sprich: Es war immer schön, sich zu treffen.
Zentraler Treffpunkt blieb aber die Galleria. Beim Zangeln lernt man sich gut kennen. Als ich meine 200er-Vespa neu aufbaute, bekam ich von PeeWee die beste Sitzbank geschenkt, die ich jemals gefahren bin. Sie ist bis heute auf der Vespa und hält die Qualität. „Das ist eine englische“ meinte PeeWee. Das war nur wenige Monate vor Ronnys Tod, nachdem die Galleria aufgegeben wurde.
Ich kaufte einen Teil der Einrichtung und baute mir in unserem Souterrain eine kleine, private Werkstatt auf. Dort trafen wir uns noch einige Zeit auf einen Werkstattabend, irgendwann hörte das aber auf. Der alte Spirit war vorbei, der Geist der Galleria hatte sich verflüchtigt.

Bild: PeeWee und Hörnchen bei mir in der Werkstatt, kurz nachdem ich sie bekommen und eingerichtet hatte
PeeWee – er hieß eigentlich Michael Pichler – sah ich immer seltener, weil ich auch nicht mehr so oft auf die Feste ging und daher liefen wir uns nur mehr bei Geburtstagen oder anderen Gelegenheiten über den Weg. Nachdem 2014 nicht nur Ronny, sondern auch Christian Höfer (und Oliver Jorns) gestorben waren, gab es auch die Ausfahrten immer seltener.
Wir fahren auch heute noch – in alter Tradition – am 26. Oktober mit den Vespas die Gräber unserer Freunde besuchen, sofern es das Wetter erlaubt.
Jetzt haben wir eines mehr, das wir anfahren müssen. Seines ist am Simmerringer Friedhof.

Das Bild wurde anlässlich eines Kurier-Artikels über Vespisti aufgenommen. Drei von den sechs Galleria-Freunden sind nicht mehr am Leben. Den anderen geht es glücklicherweise noch gut.
PeeWee drängte sich nie in den Vordergrund, er war aber immer deutlich präsent. Er hatte nur selten Streit (obwohl er auch störrisch und stur sein konnte) und war bei lustigen Aktionen immer dabei. Er fuhr eine blaue Vespa Sprint (namens Mathilda) und hin und wieder mit der roten Primavera (Antonio) seiner langjährigen Lebenspartnerin Eva. Die war es auch, die mit ihm noch am meisten Kontakt hatte – genau genommen hat sie bis Anfang des Jahres noch mit ihm zusammen gelebt – gute Freunde, quasi für immer. Sie hat auch versucht, ihn wieder in unsere Runde zu motivieren, das war aber leider erfolglos.
PeeWee hatte sich verändert. Ronny war sein bester Freund, als der starb, war für ihn auch das Rollerfahren gestorben.

Bild: PeeWee und Eva auf einer Party

Bild: Ein altes Bild aus 2007, eine Osterausfahrt auf die Dopplerhütte. Rechts sieht man ein Stück von PeeWees blauer Sprint-Vespa, die Herren neben PeeWee sind Karl und Andi, links Tamara und Martina (Bild Jörg)
Ich weiß bis heute nicht, warum er sich schon vor einigen Jahren zurückgezogen hat. Es gab meines Wissens keinen Streit oder sonst einen speziellen Anlass. Aber das war der PeeWee, er konnte auch stur sein. Auf seine Gesundheit hat er nie besonders geachtet, da musste Eva ihn immer wieder mal motivieren, auf sich zu schauen.
Er redete auch selten über seine Arbeit und daher habe ich nicht einmal mehr in Erinnerung, was er gearbeitet hat oder wo. Die Recherche ergab: Er war technischer Zeichner und hat als solcher auch bis zum Schluss in der Baubranche gearbeitet. Am meisten Spaß hat ihm die Arbeit an Projekten der erneuerbaren Energie gemacht.
Er kam selten von sich aus mit einem Thema, war aber gerne bei Diskussionen dabei.
Und bei einem guten Bier war er auch immer dabei. Nicht zu vergessen seine Hilfsbereitschaft. Er war einer von den Typen, die konnte ich anrufen, wenn ich ein Problem hatte. Es gibt Leute, die würden einem auch helfen, aber die ruft man nicht an. Bei PeeWee war das anders, bei ihm wusste ich, dass ich da keine Hemmungen haben musste. Solche Freunde sind sehr wertvoll.
PeeWee tanzte gern und gut. Der Northern Soul ist auch was ganz Spezielles, keine Frage. Mein Talent ist hier nicht sehr ausgeprägt, aber die Feste waren immer leiwaund und sind es bis heute. Die Szene ist nicht groß, aber lebendig. PeeWee hatte samt Eva keinerlei Scheu eine flotte Sohle hinzulegen.

Bild: Auf einer Geburtstagsparty – der DJ legt auf, es wird getanzt
In diesem Zusammenhang habe ich ihn heuer im Frühjahr (am 32. Mai) das letzte Mal gesehen. Er kam mir auf der Straße entgegen, als wir zur Sargfabrik marschierten, wo es eine Spezialaufführung eines Northern-Soul-Films gab, eine extrem lustige und kurzweilige Doku, die leider aufgrund fehlender Musikrechte nicht öffentlich gezeigt werden darf.
Ich freute mich riesig ihn wieder zu sehen. Wir tranken ein paar Bierchen und vereinbarten ein hoffentlich baldiges Treffen – wieder einmal im Holländer oder bei mir in der Werkstatt.
Dieses Bier werde ich jetzt nicht mehr mit ihm, sondern nur mehr mit Freunden auf ihn trinken können.
PeeWee, es ist schad um dich. Echt.

Bild: Klaus, PeeWee, Eva, Jörg und Thomas