Red Bull – aus dem Fenster damit!

Es ist ein wunderschöner Morgen in der Nähe von Spittal/Drau und ich beschließe, einen Spaziergang zu machen.
Neben der Pension geht ein netter Weg den Hang hinauf und von dort in den Wald hinein. Die Sonne scheint, die Berge sind oben leicht angezuckert, weiter hinten schimmert blau der Millstädter See – eine Idylle.

Dann fällt mein Blick nach links – eine Red Bull Dose. Und was für eine! Ich wusste bisher nicht, dass Red Bull so große Dosen erzeugt (es gab und gibt auch kein wie immer geartetes Bedürfnis danach, zumindest bei mir nicht), sie fasst 473 ml – warum weiß wahrscheinlich nur Red Bull.
Irgendwer hat sie aus dem Autofenster einfach in den Wald gepfeffert. Sie passt dort nicht wirklich gut hin und ich überlege, sie mitzunehmen.

Leider habe ich nichts, wo ich sie einstecken kann, aber beim Rückweg entdecke ich weitere Artefakte unserer leicht perversen Überfluss- und Wegschmeißgesellschaft. Diverse Dosen, Zigarettenpackerln und Plastikmüll, darunter auch ein Sackerl, das sich gut zum Transport eignet.

Ich sammle das Zeug ein und marschiere weiter. Nach ein paar hundert Metern steht mitten im Wald eine Bank. Davor liegen so ca. 80-100 Zigaretten und hinter einem kleinen Hügel dahinter die dazu gehörigen leeren Päckchen samt 3 Plastikflaschen Eistee.

Ich überlege, wer das dorthin geschmissen haben könnte und verdächtige spontan die Ausländer, wahrscheinlich eine Horde Scheinaslyanten aus der H.C.-Strache-Abteilung. Denen ist ja nichts heilig, schon gar nicht unsere Kärntner Natur!

Ich sammle die Reste des perversen Picknicks ein (Eistee und Tschick, sollte ich das je zu mir nehmen, vor allem mitten im Wald, so bitte ich um eine schnelle und schmerzlose Hinrichtung, sie kann gleich vor Ort stattfinden) und mache mich auf einen leicht getrübten Rückweg.

Mir fällt mein Großvater ein, ein der Dichtkunst mächtiger Herr, der auf so ein Bankerl einen kleinen Zettel geheftet hat, mit den Worten:

Ist denn der Mensch ein Schwein?
I wü ja net stierln
aber so vü Papierln
– ja muss denn das sein?

Heute sind es nicht mehr Papierln, sondern riesige Red Bull Dosen und sonstiger Müll, erzeugt mit viel Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung (Alu…), vermarktet mit miesen Tricks (siehe dazu mein nächstes Buch) und konsumiert von Vollidioten. Wer dies als zu heftige Bezeichnung empfindet, betrachte die angefügten Bilder. All das habe ich in wenigen Minuten im Wald aufgeklaubt.

Frohe Pfingsten!

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Bild: Müll aus dem Wald
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Bild: Sack mit Müll aus dem Wald

UPDATE 3. DEZEMBER 2025

Seit diesem Blog-Beitrag sind 16 Jahre vergangen. Und es hat sich was verändert: Seit heuer gibt es einen Dosen- und Plastikflaschenpfand – zwar nur 25 Cent, aber immerhin.
In den letzten Jahren bin ich hin und wieder an Bundesstraßen entlang gewandert, meistens an der Stadtgrenze von Wien oder kurz dahinter. Am Straßenrand sieht man, was von den Autofahrern entsorgt wird – sprich: einfach beim Fenster hinausgeworfen. An erster Stelle, mit großem Abstand: Red-Bull-Dosen.
Ich weiß nicht, warum das so ist. An zweiter Stelle folgen Bierdosen, danach Zigarettenpackerln und Plastikflaschen. Ich muss nachschauen, ob das jetzt immer noch so ist, bei der nächsten Wanderung werde ich es wissen. In Wien sehe ich jetzt ständig Menschen, die in Mistkübeln nach Dosen und Flaschen stierln und an den Pfandautomaten stehen Menschen, die säckeweise Flaschen und Dosen zurückgeben.

Ich bin gespannt, wie das weitergeht.

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