Lob, aber nicht gerade über den grünen Klee

Leicht windschief mit einer leicht überforderten Kellnerin, die den Ausflugsgästen vor allem Cordon bleu und Berner Würstl servierte – das war der Hanslteich. Ich war früher entweder im Zuge einer Mountainbike-Tour zu Gast oder an besonders heißen Tagen im Sommer, denn in der Senke samt Teich gab es stets angenehme Kühlung.

oma

Jetzt ist alles anders. Laut meiner Oma gehört das Wirtshaus jetzt der Nichte vom Herrn Wlaschek. „Da steckt viel Geld dahinter“ meint sie und daher hätte man nicht nur großzügig umgebaut, sondern auch noch jede Menge Werbung in der Kronen Zeitung und sonstwo investiert.
Gestern, am Pfingstsonntag, lud mich meine Oma zum Essen ein. Ich folgte einer Eingebung und rief um 11 Uhr an um zu reservieren (davor ging noch niemand zum Telefon). Ein motivierter Herr meinte, dass sie ausreserviert wären, vor allem am Wasser, aber ein paar Tische würden nicht vergeben und wenn wir rechtzeitig vor zwölf Uhr da wären, dann sollte sich das schon irgendwie ausgehen.

Die Website (www.kleeamhanslteich.at) ist smart, sieht sehr professionell aus und zeigt, dass die Hütte jetzt „Klee am Hanslteich“ heißt. Der Bus fährt einmal stündlich dort vorbei und spielt keine Rolle, denn das Publikum fährt mit Porsche Panamera und Bentley vor. Angeblich wären aber auch Gäste willkommen, die nur etwas trinken wollen, meinte meine Oma.

Es wäre nun übertrieben, wenn ich die „Location“ als „Schickimicki-Hütte“ bezeichne, aber es besteht natürlich die Gefahr, dass sie sich so entwickeln könnte. Es hat sich jedoch viel geändert. Der Betreiber ist eine anonyme Gesellschaft (MW Gastronomie Gmbh) in 1010 Wien, es gibt keinen Ruhetag und es herrscht das ganze Jahr über Betrieb. Die Investitionen waren sicherlich hoch und der Aufwand ist es auch. Man hat angeblich Platz für 400 Personen (drinnen und draußen), das Lokal wurde jedenfalls entsprechend vergrößert und ausgebaut. Eine neue Terrasse mit elektrischen Sonnenmarkisen, die Hälfte der Tische aber im Freien. Ein paar der alten Bäume wurden gefällt, viele jedoch blieben glücklicherweise stehen.

Terrasse

Das Ambiente ist jedenfalls exzellent und der Standort prinzipiell sehr gut, wenn man die fehlende Öffi-Anbindung berücksichtigt, was jedoch dem Publikum egal ist. Der Parkplatz wurde ebenfalls massiv vergrößert, ist aber derzeit noch eine Gatschwüste, zumindest der erweiterte Teil.
Von „Gefahr“ spreche ich deswegen, weil es das möglicherweise angepeilte Publikum immer nur eine Zeit wo aushält. Dann zieht der Tross weiter und mit ihm auch sein Geld. Durch das Image und die hohen Preise gehen diese Lokale dann sehr schnell Pleite, so ist es in Wien schon öfter passiert, etwa mit dem babu oder diversen Buddha-Bars.
Die Szene braucht ständig etwas Neues, um sich selbst in Szene setzen zu können. Ich hoffe, dass dem „neuen Klee“ dieses Schicksal erspart bleibt, denn die Grundvoraussetzungen für einen langfristigen Erfolg sind gegeben.

Wait to be seated
Bei der Ankunft sehen wir einen Tresen mit Computer und Telefon. Vor uns stehen zwei verdreckte Mountainbiker und fragen etwas unsicher, ob man noch einen Platz für sie hätte – sie würden eh nicht lange bleiben. Die 200.000 Euro-Autos am Parkplatz verschrecken die Menschen, die früher nie gezögert hätten. Da das Lokal derzeit exzellent ausgebucht ist, fällt das nicht auf. Zumindest derzeit.
Die Biker bekommen einen Tisch und auch wir werden von einer feschen jungen Dame zu „Tisch 16“ geleitet.
Alles sieht sehr modern aus, durchgestyled, professionell und eben auch teuer.
Wir haben Glück und bekommen einen Tisch im Schatten, was vor allem meine Großmutter erfreut, die ist mit ihren 91 Jahren schon ein wenig heikel in diesen Dingen. Es war eine gute Idee zu reservieren.

Die Karte
Es gibt nicht allzu viel Auswahl und das ist gut so. Kein Mensch braucht 100 Hauptspeisen und mir persönlich ist es lieber, sie haben wenig Auswahl und dafür sind die Speisen frisch gemacht.
Ansonsten zieht sich der moderne Stil auch durch die Karte. Das Cordon und die Berner von früher sind Geschichte, jetzt gibt es Mangalitza-Speck mit Morchelschaum und Saibling an Lemongras-Parfait-Sorbet plus natürlich irgendein Schäumchen. Das braucht man heute scheinbar.
Ich wähle bodenständig einen Tafelspitz und meine Oma das Kalbswiener.

Das Service
Sehr aufmerksam, fast schon extrem aufmerksam, jung, dynamisch, fesch und alle in schwarzer Uniform. Nett und sehr freundlich, ganz in einer Linie mit Aumann, Rochus und Blaustern. Es gibt jede Menge davon und wir werden sehr schnell bedient. Da gibt es nichts zu meckern, es fehlt lediglich jeglicher Wiener Charme, das Servierpersonal könnte auch in Barcelona oder Santa Monica servieren.

Das Essen
Der Tafelspitz war ein Tafelspitz. Die Rösti im separaten Gefäß, ebenso der Apfelkren und die Schnittlauchsauce, die eher nicht frisch gemacht wurde. Hier ist doch ein deutlicher Unterschied zu den Spezialisten wie dem Plachutta erkennbar. Aber es war gut und von der Portion her für den mittleren Hunger geeignet.
Beim Schnitzel meiner Oma hätte ich eine Wette eingehen können: Geschmack und Konsistenz 100% Schwein. Ich könnte es schwören, stünde da nicht auf der Karte, dass es vom Kalb ist. Ich werde es nie erfahren, ob ich diese Wette gewonnen hätte.
Das Dessert ließ auf sich warten, wobei hier unsere Auswahl auf den Schoko-Auflauf fiel. Das Vanilleeis aus der TK-Packung, der Rest gut, wenn man das mag. Klassische Mehlspeisen (Apfel- oder Topfenstrudel) gibt es nicht, auch hier dominieren Lemon-Tarte und andere Tartes.
Mit wirklich riesigem Hunger sollte man nicht hingehen, aber die Portionen sind auch nicht so winzig wie das in der Tütü-Küche oft der Fall ist. Der Erdäpfelsalat war ebenfalls international – gut, aber ohne den Touch, sprich den kleinen Schuss Zucker, den ich an der Wiener Küche so schätze.

Schoko

Das Publikum
Sehr gemischt, wie das bei einer Neueröffnung wohl immer so ist. Ältere Herrschaften, einige Familien, etliche ältere Herren mit weißer Hose und sockenlosen Mokassins plus Audi-Cabrio-Schlüssel am Tisch, einige kichernde junge Damen mit Sonnenbrillen größer als das Gesicht. Man wird sehen, wie sich das entwickelt.

Die Preise
Wir zahlten zu zweit 50 Euro, mit je einer Hauptspeise, einer gemeinsamen Nachspeise und je einem Apfelsaft gespritzt plus einem Kaffee für die Oma. Die Hauptspeisen bewegen sich zwischen 12 und 26 Euro, die Vorspeisen gibt es um 7 bis 12 Euro. Das fällt für mich in die Kategorie „schön essen gehen, aber nicht jede Woche“.

Hanslteich

Fazit
Durchaus empfehlenswert, immer noch mit tollem Ambiente, engagierter Bedienung und gutem Essen für die mitteldicke Börse. Das „neue Klee“ ist eine Bereicherung für die Lokalszene am Rande Wiens. Ob es sich mit diesem Konzept halten kann und die hohen Kosten hereinspielt, wird die Zukunft zeigen.

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