Die Weigerung E-Autos zu bauen

Ein interessanter Bericht in der 3-Sat Sendung „Nano“ hat mich nachdenklich gemacht. Der Staat Kalifornien erließ bereits 1990 ein Gesetz, das den schrittweisen Umstieg auf Elektroautos vorsah. Die großen Autohersteller fingen daraufhin an, Elektroautos zu entwickeln und zu bauen.

Das klingt doch gut! Wo aber sind all diese Entwicklungen hingegangen, wo sind die vielen Millionen Elektroautos, die es eigentlich schon geben müsste?

In der Nano-Sendung wurde es aufgeklärt: Die großen Hersteller entwickelten E-Autos um keine E-Autos auf den Markt bringen zu müssen. Wie sie das gemacht haben? Ganz einfach: GM z. B. entwickelte den „EV-1“ und lieferte 1996 die ersten Autos aus.

Leider hatte die Sache einen Haken: Man konnte den Wagen nicht kaufen, sondern nur leasen. Es war ein sportlicher Zweisitzer, der sehr flott und kräftig war und 100 km Reichweite hatte. Angetrieben wurde er mit Bleibatterien, das Design war aus heutiger Sicht altbacken, die Mieter jedoch liebten das Auto und es gab sehr lange Wartelisten.

Mit anderen Worten: Die Nachfrage war entsprechend groß. Was jedoch machte GM? Sie beschlossen, das Projekt zu verschrotten und verschrotteten zugleich auch die Autos, die sie ja zurück bekamen, da man sie nur geleast hatte.

Die Vorstandsentscheidung GEGEN das Elektroauto war bereits vor Projektstart gefallen, deswegen die Mietvariante.
Nebenbei bekämpfte die Autolobby das E-Auto-Gesetz, das auch 2003 gekippt wurde. Somit war der Weg für die Entwicklung neuer, großer Benzinfresser frei, Auto- und Öl-Lobby freuten sich und man entwickelte den Hummer, die riesigen SUV und die Monsterpickups.

Die so beliebten EV-1 wurden binnen kurzer Zeit eingesammelt und verschrottet und in der Wüste von Arizona gelagert.

Aufgrund gestiegener Ölpreise und noch anderer Faktoren entwickeln die Autohersteller jetzt erneut E-Autos. Ob sie das diesmal ernst meinen? Ich wäre mir nicht sicher. Schließlich gewinnt die Öl-Lobby gerade ordentlich an Macht.

Neues vom Häusl

Ich bin so stolz: Gestern durfte ich eine Flasche „Cif-24 h Gel extra dickflüssig Lemon fresh“ erwerben, zwecks Reinigung meines WCs.
Und wieder einmal beging ich den fatalen Fehler, einen einzigen Blick auf die Packung bzw. aufs Etikett zu werfen. So was darf man nicht tun, ich weiß, so was geht den Konsumenten nichts an, auch nicht den mündigen. Die Firmen werden schon wissen, was sie tun, die sind schließlich groß, ganz besonders die Unilever, die hinter der Marke Cif steckt.

Auf dem Etikett finde ich ein Siegel, eine wunderschöne blaue Weltkugel mit Sternchen, darunter steht „www.sustainable-cleaning.com“. Was das wohl heißen mag?
Auf der Website blinken Sternchen und man verweist auf die Website von A.I.S.E, deren Initiative das sei. Es handelt sich um eine „Charter für nachhaltiges Waschen und Reinigen“. Man werde, so heißt es, von unabhängiger Seite überprüft, ob man bei der Herstellung der Produkte auch brav die „Nachhaltigkeit“ berücksichtige. „Sicher und umweltschonend“ würde man erzeugen, da man die Rohstoffe „sorgfältig“ auswähle und sie sicher und effizient in der Erzeugung einsetze. Dann bekenne man sich noch zu „leicht verständlichen Informationen“ auf den Verpackungen, die einen „sicheren und umweltverträglichen Gebrauch“ gewährleisten würden.
Zu guter Letzt stellen die Firmen, die der Charter angehören, noch Daten zur Verfügung, „mit denen die wirtschaftliche, soziale und ökologische Gesamtleistung“ gemessen werden kann, und daraus entstünde dann ein jährlicher Nachhaltigkeitsbericht.

Wer genaueres wissen will, kann sich bei einer Telefonnummer erkundigen, die am Produkt drauf steht. Stimmt, in meinem Fall ist das eine kostenlose Nummer: 0800 206044, Unilever Austria. Oder man klickt einen Link an, dann kommt man zu den Daten des WKO-Fachverbandes der Chemischen Industrie, immerhin mit Ansprechpartner (Christian Gründling) und Telefonnummer 0590900 DW 3348.

Bleiben wir noch kurz bei der Seite. Wenn man im Menü die „Sicherheitsratschläge“ anklickt, dann kommen ein paar allgemeine Ratschläge à la „Reinigungsmittel nicht trinken“ oder „nachher gut lüften“ sowie der Hinweis „Den Inhalt dieser Nachfüllpackung vollständig in den Originalbehälter nachfüllen.“
Häh? Das ist eine Website, keine Nachfüllpackung. Waren die Programmierer besoffen? Hat sich das niemand angsehen, nachdem es online ging? Irgendwie erscheint mir das nicht besonders nachhaltig. (Glauben Sie nicht? So blöd kann niemand sein? Nachsehen: http://www.sustainable-cleaning.com/DE_safebehaviour.html)

Leider gibt es dann außer dem bisherigen Wischi-Waschi (eigentlich eh okay für eine Website über Reinigungsmittel) keine brauchbaren Informationen, nur Verweise auf verschiedene Initiativen, die dort wiederum sich selbst erklären. Wenn man auf die „Charter“ klickt, kommt der Hinweis auf die Website (auf der man sich ja schon befindet) und wenn man auf die Website geht, kommt der Hinweis auf die Charter.
Immerhin, ein wenig Kreislaufdenken dürfte da ja schon enthalten sein.
Was ich nicht finde:
1.) Den Nachhaltigkeitsbericht, der ja groß angepriesen wird.
2.) Informationen, was denn nun wirklich getan wird, um nachhaltig zu sein. Woher kommen die Rohstoffe, welche werden verwendet, ist die Verpackung umweltfreundlich, wie soll ich sie entsorgen? Nichts in der Art.

Also gehe ich auf die Cif-Website, schließlich habe ich ja meinen lemonfrischen Reiniger vor mir.
Dort wird es leicht bizarr, denn ein Werbespot beginnt unaufgefordert mich zu beschallen. Gott sei Dank kann ich ihn abschalten. Auch sonst wird hier geworben und man könnte auch selbst „loben oder tadeln“. Wenn man das allerdings versucht, landet man im Kontakt-Nirwana des Internets. Die aufpoppende Kontaktseite ist leer, sie bleibt so weiß wie die Wäsche, die man mit Unilever-Produkten waschen kann. Sie bleibt übrigens nachhaltig leer, und zwar egal mit welchem Browser man es probiert (Safari, Firefox…) und wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit.

Ob das der einzige Fehler ist? Okay, Umlaute werden nur bei jedem zweiten Aufruf der Seite dargestellt, das rechne ich als Kleinigkeit. Sehr nett ist die Beschreibung über die Anwendung, die für mich den ersten Preis für Verständlichkeit und innere Logik bekommt. Hier im Original:

cif.jpg

Bild: Cif

Haben die vor dem Programmieren vielleicht doch einen klitzekleinen Schluck vom WC-Reiniger genommen, so zum Testen?
Die einzig brauchbare Information ist der Verweis auf die Seite www.cleanright.eu, wo sich tatsächlich genauere Informationen über die Nachhaltigkeitsprogramme finden lassen.

Griff zum Telefon. Eine sehr nette Dame meldet sich (und zwar sofort, ohne Warteschleife) und nimmt meine Wünsche entgegen, etwa die Frage, woraus die Flasche meines Cif-Reinigers besteht und wie man sie entsorgen soll. Ich brauche auch nicht lange warten, das schüttelt sie aus dem Ärmel: „Die Flasche ist aus Plastik und gehört in den Plastikmüll.“ Kurze Sprachlosigkeit meinerseits, darauf wäre ich von alleine nicht gekommen.
Meine Nachfrage, aus welcher Art Plastik denn die Flasche bestehe, kann sie leider nicht mehr beantworten, verspricht aber, mir das zu schicken. Ich wünsche mir noch den oben erwähnten Nachhaltigkeitsbericht und bin, sagen wir mal, mittelmäßig zufrieden. Ich erwähne noch die leere, blütenweiße Kontaktseite von Cif und sie verspricht, nachzusehen.

Und ich? Ich werde berichten, was dabei rauskommt. Nachdem ich mein Häusl geputzt habe.

4 Stunden später: Die Antwort von Unilever ist da. Die Flasche besteht aus folgenden Bestandteilen:
Flasche:
– High density Polyethylen (HDPE)
– Polyethylen (PE)
Verschluss:
– Polypropylen (PP)

Wikipedia sagt dazu folgendes:

„Polyethylen ist durch seine hohe Beständigkeit gegen Säuren, Laugen und Chemikalien sehr langlebig und nicht natürlich abbaubar. Durch Sonneneinstrahlung kann PE verspröden und zerfällt dann in immer kleinere Teile, wird jedoch nicht von Bakterien, Tieren oder Pflanzen in den natürlichen Kreislauf integriert. Verpackungen aus PE überdauern die verpackten Produkte, wie Lebensmittel, um Jahrhunderte. Als sogenannter Plastikmüll verschmutzt PE ohne fachgerechte Entsorgung die Umwelt. Das bekannteste Beispiel ist der Müllstrudel im Pazifik. Hier hat sich im Nordpazifikwirbel (englisch „North Pacific Gyre“) ein gigantischer Müllteppich angesammelt.“

Soviel zum Thema Nachhaltigkeit, bei Unilever heißt das scheinbar: Schadstoffe halten sich besonders lange in der Umwelt!

Den Nachhaltigkeitsreport haben sie mir auch geschickt, leider ist das nicht der – möglicherweise spannende – Bericht unabhängiger Fachleute, sondern eine Art Werbeprospekt der Unilever, bunt mit Jubelbotschaften, was man nicht alles tut und wie sehr man Schadstoffe reduziert. Alles ist grün und bunt und viele Blumen und lachende Modells wohin man schaut.

Weshalb erzeugt man nicht umweltfreundliche Flaschen, idealerweise wiederverwertbar? Oder nachfüllbare Flaschen, das würde sich bei so stabilen Flaschen wie der meines WC-Gels auszahlen, die könnte man Jahre lang benützen! Unilever könnte sogar Marktanteile halten, weil die KonsumentInnen eher das gleiche Produkt in die Flasche einfüllen und diese auch eine ständige Markenerinnerung wäre.

Straches Freunde und der Ziegelstein

Schön langsam wird es Zeit, über die Sinnhaftigkeit von Facebook und ähnlicher Plattformen nachzudenken.

Derzeit gibt es eine Gruppe mit dem Namen „Kann dieser seelenlose Ziegelstein mehr Freunde haben als H.C. Strache?“

In der Internetplattform „Facebook“ sammelt man Personen als „Freunde“ und kann auch – je nach Einstellung – „Fans“ haben.

Zum Zeitpunkt der Gründung obiger Gruppe (5. oder 6. Februar) hatte Herr Strache ca. 18.000 Fans und ca. 3.900 Freunde. Der Aufruf, der obigen Gruppe beizutreten, hat gestern (10. Februar) die Marke von 65.000 Fans überschritten.

Was hat das zu bedeuten? Ist das eine neue Form politischer Meinungsmache oder schlicht und einfach belanglos – etwa weil die Menschen aus Jux und Gaudi dieser Gruppe beitreten, dann aber bei der nächsten Wahl trotzdem für Strache stimmen?

Die Gründer der Gruppe bleiben auf Facebook im Verborgenen, es gibt lediglich eine nichtssagende email-Adresse, es „steht“ quasi niemand zur Gründung und Verantwortung dieser Gruppe. Aber: Ist das notwendig?

Der Standard und Die Presse berichteten jedenfalls bereits darüber und als demokratische Meinungsbildungsplattform ist Facebook sicher ein modernes Medium.

Die Frage nach der Wirkung wird jedoch bis zu entsprechenden wissenschaftlichen Forschungen ungeklärt bleiben müssen. Worin unterscheidet sich diese Form der Meinungsäußerung von der einer Demonstration auf der Ringstraße? Die Mobilisierung von Menschenmassen funktioniert im Internet erwiesenermaßen, wie der Sportartikelhersteller Jack Wolfskin schmerzlich zu spüren bekam, als er nachlässig auf Reklamationen reagierte und in sinnloser Weise auf seine Markenrechte pochte. Verärgerte Kunden riefen im Internet zum Boykott auf und der Umsatz von Jack Wolfskin sank erschreckend deutlich und erstaunlich schnell, so dass die Firma zu einer Änderung ihrer Geschäftspolitik gezwungen war.

Das Beispiel von Flashmobs (spontane Kundgebungen vieler Menschen auf öffentlichen Plätzen) zeigt, wie schnell und direkt die Verbindung zwischen Internet und „Realwelt“ geknüpft werden kann.

Die Diskussion bleibt spannend!

Kommentar zu „The Who“ bei Superbowl XLIV

Ja, es ist mir möglich, jetzt schon eine Rückschau auf den Auftritt von „The Who“ zu machen, da die „Setlist“ vorliegt:

Meine Enttäuschung ist groß, es gab ein „Medley“, d. h. die Sache lief ab wie bei den Stones (und die waren unglaublich schlecht): In 2 Minuten wurde eine Bühne reingerollt, eine vorher zusammengestellte und wartende Menge lief hin, tat 5 Minuten so, als ob sie in unglaublich toller Stimmung wäre, aufgeheizt von einer Stunde Wahnsinnskonzert oder so, aus jedem Hit wurden 2-3 Sätze gespielt, alles in einer Wurst durch, und das war´s.
Ich hasse Readers Digest und genau das war es. Warum konnten sie es nicht so machen wie Tom Petty? Der hat wenigstens 2-3 Nummern durchgespielt.
Normalerweise kann Pete Townshend ein Konzert gut durchchoreographieren, warum hat er hier versagt? Vielleicht hatte er nichts mitzureden? Ich verstehe, dass es hier ausschließlich um Kommerz geht, d. h. um die Ankurbelung der Plattenverkäufe, aber ich lasse es mir nicht nehmen, trotzdem enttäuscht zu sein.
An dieser Stelle darf ich auch noch einmal Robert „Bob“ Seeger gratulieren, der es geschafft hat, im Puls4 Kommentar der Conference Finals zu sagen, dass in der Halbzeitshow „The Whos“ spielen werden.

Akustischer Tankterror

Aus der beliebten Serie „Marketingideen, die die Welt echt nicht braucht“ gibt es eine weitere Folge:

Dank Ogilvys Hilfe „darf“ man nun beim Tanken Musik hören, berichtet medianet: „An den Zapfsäulen von BP wird es dank Ogilvy Wien neben fließendem Benzin auch knallende Musik geben. Das Angebot erstreckt sich von internationalen Chart-Stürmern bis zu beliebten Schlagern.“

Warum nennt man das eigentlich „Angebot“? Darunter verstehe ich etwas, das man auch NICHT in Anspruch nehmen kann, was ja hier nicht der Fall ist.

Damit nicht genug des Terrors, man kann sich im Internet Musiknummern anhören und dabei animierte, hüpfende Autos betrachten. Darauf habe ich gewartet!
War es notwendig, die Kampagne durch einen Kreativen gestalten zu lassen, der aus Germanien kommt und kein „Österreichisch“ beherrscht? (Wie ist es sonst erklärbar, dass die im Shop kaufbaren Music-CDs, übrigens „Compilations“ genannt, offiziell „Fetenhits“ heißen. Mensch, Kalle, gehen wir mal auf ne dufte Fete!)

Vielleicht bin ich hier zu kritisch und die Kampagne wurde einfach ohne großen Aufwand fixfertig aus Deutschland gekauft. Das erklärt auch, warum der dazu gehörige „Schlager-Hit“ (also übersetzt ein „Schlager-Schlag“ – vielleicht sollte der Tischtennisspieler Werner Schlager hier eine Gewinnbeteiligung fordern) von DJ Ötzi stammt und brandneu ist: Ein Stern, der deinen Namen trägt…
Laut Medianet verzeichnete sie im Internet bereits in der ersten Woche über 5000 „Visitors“, was wahrscheinlich so viel wie „Besucher“ heißen soll. Und irgendwer hat einen Halblustigen in der Hose, weil er das alles als „crossmedialen Ansatz“ bezeichnen darf.

Ich glaube, es geht schlicht und einfach darum, mit den verkauften CDs Geld zu machen, alles andere ist schmückendes Beiwerk.

Im Werbebarometer bekommt diese Idee ein „LAAAAANGWEEIIIIILIG“