Die Ausbeutung Afrikas

Wir tun es jeden Tag und die meisten von uns wissen es gar nicht. Wir leben auf Kosten anderer, ohne wenn und aber. Ein spannender Doku-Film (wie üblich auf ARTE) zeigte die besonders unschönen Seiten.

Er beginnt in Rüschlikon, der reichsten Gemeinde der Schweiz. Es gibt dort keine Arbeitslosigkeit und enorm viele sehr wohlhabende oder reiche Menschen, unter anderem den Chef eines riesigen Bergbaukonzerns (Glencore, 180 Mrd. Dollar Jahresumsatz), der vor zwei Jahren in den Ort zog. Darauf erhöhten sich die Steuereinnahmen um 50 Millionen Franken und der Bürgermeister schlug eine Steuersenkung um 7 % vor.

Ein Bürger wandte ein, dass man doch 5 % machen könnte und das restliche Geld, ca. 2 Millionen Franken, nach Afrika als Entwicklungshilfe schicken könnte. Der Bergbaukonzern ist in Sambia aktiv und beutet dort die Menschen aus. Kein einziger Rappen der 50 Millionen Steuergeld wurde in der Schweiz erwirtschaftet und schon gar nicht in Rüschlikon.

Die Abstimmung im Ort ergab eine extrem hohe Mehrheit gegen die 5 %. Das Geld, so meinte man, solle im Ort bleiben. Was man hat, gibt man nicht mehr her.

Ist diese kleine Schweizer Gemeinde eine Ausnahme? Eine Analyse ergab, dass die meisten der Einwohner von den Zuständen in Afrika keine Ahnung hatten.
Psychologische Experimente haben herausgefunden, dass Menschen umso weniger gerne was hergeben, je mehr sie haben. Um das zu wissen, bräuchte man allerdings nur in der Bibel nachblättern: Eher passt ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in den Himmel kommt.

Sambia gehört zu den zwanzig ärmsten Ländern der Welt, obwohl es enorme Reichtümer an Bodenschätzen hat. Zwischen 2001 und 2008 hat sich der Kupferpreis weltweit vervierfacht. Da die internationalen Großkonzerne, die das Kupfer abbauen, jedoch in Sambia keine Steuern zahlen, profitieren nur einige wenige Privilegierte von deren Reichtum. Das erhöht den Gewinn der Schweizer Firma Glencore und den Preis zahlen die Sambier. Das ist Ausbeutungsfaktor Nr. 1.

Diejenigen, die am meisten von den Reichtümern profitieren, zahlen also keine Steuern. Wieso lässt sich die Bevölkerung das gefallen?
Hier kommt der alte Spruch zum tragen: „The king said to the priest: You keep them stupid, I keep them poor.“
Wer keine Bildung hat, kann das System nur schwer durchschauen und hat auch nicht die Ausdrucksmittel um seiner Stimme Gewicht zu geben – sofern er überhaupt in dem politischen System eine hat.
Wenn die Machthaber auch die Medien beherrschen, ist das System perfekt.

Glencore bekam einen hohen Kredit (50 Mio. Dollar) von der europäischen Investitionsbank und verwendete diesen um die Produktion der Kupferminen zu erhöhen. In den Umweltschutz wurde nichts investiert, daher gibt es verseuchtes Wasser, verseuchtes Land und verpestete Luft. Das erhöht den Gewinn von Glencore und den Preis bezahlen die Sambier. Das ist Ausbeutungsfaktor Nr. 2.

Wie kommt Glencore eigentlich dazu, die Kupferminen Sambias zu besitzen? Vor einigen Jahren waren die Minen staatlich und trotz Verschwendung landete doch einiges an Geld in den Staatskassen. Leider hatte Sambia viele ausländische Kredite und als der Kupferpreis nach unten ging, konnten sie die Kredite nicht mehr zurückzahlen. Also verlangte man (IWF und Weltbank) von ihnen die Privatisierung und den Verkauf der Minen, und zwar um den lächerlichen Betrag von 46 Millionen Dollar. Die jährliche Fördermenge stellt einen Wert von 6 Milliarden Dollar dar. Dazu kam ein korrupter, konsumsüchtiger Präsident und schon hatte Glencore ein Schnäppchen gemacht.

Kredite geben, dann wirtschaftlich unter Druck setzen und wenn sie die Kredite nicht mehr bedienen können: Kaufen und ausbeuten. Das ist Ausbeutungsfaktor Nr. 3.

Wie hat im Film „Let´s make money“ ein Nigerianer gesagt: „Hört auf uns auszubeuten, sonst kommen wir zu euch. Und dann wünsche ich euch viel Glück beim Bau einer Mauer rund um Europa.“

Ja, ein Teil unseres Wohlstandes beruht darauf, dass wir die Afrikaner ausbeuten. Es ist genau der Teil des Wohlstandes, der uns nicht glücklich macht. Er verschafft uns diejenigen Produkte, die wir nicht brauchen, die kein Bedürfnis befriedigen, sondern ein Begehren. Und das wird durch seine Befriedigung größer.

Der falsche Weg

Eine Pressemeldung bejubelt eine neue Erfindung: Mittels einer App am Smartphone plus elektronischer Schaltung müssen Radfahrer in Zukunft nicht mehr selbst schalten. Dies wird als „deutliche Erleichterung“ beschrieben und im Text genauer erklärt:

„Zur Auswahl stehen dabei zwei unterschiedliche Betriebsarten: Im „Manual Mode“ kommuniziert das Schaltsystem per Bluetooth mit einem Smartphone, das sich in der Hosentasche des Radlenkers befindet. Dessen Schaltkommandos werden über eine spezielle App an ein umgebautes elektronisches Getriebesystem weitergeleitet, das auch Bluetooth-Befehle verarbeiten kann. Im „Automatic Mode“ liest hingegen ein Magnetsensor die aktuelle Trittgeschwindigkeit ab. Aus den empfangenen Daten wird dann automatisch der optimale Gang berechnet und eingestellt.“

Für mich ist es das genaue Gegenteil:
1.) Ich verlerne das Schalten.
2.) Ich habe jede Menge zusätzliche Teile, die kaputt werden können und das durch die geplante Obsoleszenz auch werden.
3.) Die Umweltbilanz des Fahrrads wird deutlich schlechter, ich brauche eine Batterie, muss diese immer wieder tauschen etc.
4.) Das Rad wird schwerer.
5.) Ich mache mich abhängig von einem Hilfssystem, das funktionieren kann oder auch nicht. Bisher konnte ich jede Schaltung selbst reparieren, mit diesem System ist das nicht mehr möglich. Wenn es kaputt wird, muss ich in die Fachwerkstatt fahren und es dort teuer tauschen lassen.
6.) Manchmal will ich in einem anderen Gang fahren, ganz bewusst, etwa um die Muskeln anders zu belasten.

Die Nachteile überwiegen klar, ganz abgesehen davon, dass mir die Vorteile nicht ersichtlich sind. Ich hatte nie ein Problem mit dem Schalten und ich kenne niemanden, der jemals eines hatte.
Es erinnert mich an den elektrisch verstellbaren Innenspiegel beim Auto, der mir das Hinaufgreifen mit der rechten Hand plus einer kleinen Bewegung ebendieser erspart. Dafür brauche ich zwei elektrische Stellmotoren, jede Menge Kabel, Schalter etc.

Das sind zwei exzellente Beispiele für den falschen Weg. Er führt uns in die Abhängigkeit von technischen Hilfsmitteln ohne erkennbaren Nutzen. Gerade mal die Hersteller dieser Dinge haben einen solchen Nutzen, denn sie können ihren Umsatz steigern.

Wo machen wir uns von der Technik abhängig ohne echten Nutzen oder gar mit deutlichen Nachteilen, weil wir eigene Techniken verlernen? Was ist, wenn die Technik versagt und wir keine Alternative mehr haben, weil wir verlernt haben ohne die Hilfsmittel zu überleben?

Selbstverständlich ist es praktischer ein Feuerzeug zu haben als mittels Steinzeitmethoden Feuer machen zu müssen. Viele technische Erfindungen haben uns echten Nutzen gebracht, das soll hier nicht bezweifelt werden.
Aber wo ist die Grenze?

Das Extrem ist ein Mensch, der in einer warmen, weichen Umgebung liegt und sich nicht mehr bewegen muss, weil ihm (technische) Diener alle notwendigen Bewegungen abnehmen.
Das ist das alte Traumbild aus unserer Kindheit und es heißt „König“. In unzähligen Märchen und TV-Sendungen bekamen wir ständig das Bild des in Luxus und Wohlstand glücklich lebenden Königs aufgebrummt, mit einer hübschen Königin an der Seite und unzähligen Dienern, die den beiden das Leben auf dem Märchenschloss zum Paradies machen.
Viele Menschen lechzen auch heute noch nach diesen Bildern und die höchsten Einschaltquoten bekommen Märchenhochzeiten. Das ist verständlich, wir haben es ja unsere gesamte Kindheit hindurch gelernt.

Leider sind Märchen nicht real, nicht einmal für die „echten“ Prinzessinnen und Könige.
Aber das ist nicht das Problem.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Völker immer und ohne Ausnahme zugrunde gingen, wenn sie aufgrund von Luxus in die Dekadenz verfielen. Sie entfernten sich von der Realität und wurden von dieser immer irgendwann eingeholt. Ob das nun die Khmer in Kambodscha waren oder die mittelamerikanischen Hochkulturen, die Habsburger oder die Römer – sie alle gingen unter, weil sie den Blick auf die realen Umweltbedingungen verloren. Sie waren zu träge um sich zu bewegen, zuerst mit dem Körper und dann mit dem Geist.
Platon hat schon vor 2.500 Jahren auf dieses Problem aufmerksam gemacht und Hegel hat es in sein System der Herr-Knecht-Problematik übernommen, das dann von Karl Marx auf seine Theorie adaptiert wurde: Die Herrscher verlieren die Macht an die Knechte, weil diese sich der Umwelt stellen müssen und körperlich wie geistig fit bleiben. Irgendwann übernehmen dann die Knechte die Herrschaft und werden nach einiger Zeit zu dekadenten Herrschern, die irgendwann wieder von den neuen Knechten vom Thron gestoßen werden etc.

Es stellt sich die Frage, ob die Menschheit so weit ist, um diesen Kreislauf durchbrechen zu können. Oder siegt auch hier die ewig Wiederkehr des Gleichen? Der Unterschied zu den alten Kulturen ist heute die Globalisierung. Das erste Mal in der Geschichte betreffen lokale Krisen möglicherweise die gesamte Menschheit. Vielleicht führt das zu einem Lernprozess.

Schwingungen oder was?

Als Philosoph und rationaler Denker tue ich mir mit Spiritismus in all seinen Formen schwer und kann auch mit esoterischen Modellen wenig anfangen. Es ist aber immer wieder spannend, sich Phänomene genauer anzusehen. Das Ergebnis ist stets die Erkenntnis der Wahrnehmungsgrenzen und ich stehe staunend vor dem Unerklärlichen. Ein Physiker hat das einmal so geschildert: Stellen wir uns vor, wir wären zweidimensionale Wesen, also nur aus Länge mal Breite bestehend. Wir säßen auf einer riesigen Kugel, etwa wie die Erde. Nun bewegen wir uns fort und weil die Kugel so groß ist, können wir ihre Krümmung nicht wahrnehmen, sie erscheint uns wie eine Ebene.
Wenn wir nun geradeaus gehen, kommen wir irgendwann wieder an unseren Ausgangspunkt und können uns diese Tatsache unmöglich erklären.

So ähnlich sehe ich das mit den Phänomenen, die mir von Zeit zu Zeit begegnen. Dazu drei Beispiele:

1.) Ich war im Sommer 1987 mit meinem Vater und meiner Schwester in Tunesien zwecks Urlaub. Genau zu dieser Zeit starb mein Großvater. Als wir nach Wien zurück kamen, erzählte mir meine Mutter, sie hätte vor ein paar Nächten von ihm geträumt. Sie wusste aber noch nichts von seinem Tod. Und sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm und sich auch nicht mehr mit ihm beschäftigt.

2.) Vor ein paar Tagen kam mir ein Lied in Erinnerung, das ich schon länger nicht gehört hatte und das mir auch nicht in besonderer Erinnerung war: „On Silent Wings“ von Tina Turner gesungen.
Es wurde immer stärker und ich summte den Refrain mehr oder weniger ein paar mal am Tag und wunderte mich, warum mir genau dieses Lied ständig im Kopf herum geisterte.
Am nächsten Tag erfuhr ich in der Früh, dass meine Nachbarin (91) gestorben war. Jetzt wusste ich, warum mir das Lied eingefallen war und widmete es der freundlichen alten Dame.

3.) Vorgestern kam mir Norbert Walter in Erinnerung und ich erzählte einem Freund von ihm. Ich hatte ihn bei einem Kongress in München als inspirierenden Hauptredner gehört und er war mir als kritischer Geist in Erinnerung. Das ist deswegen bemerkenswert, weil er Chefökonom der Deutschen Bank war – da ist die Luft an kritischen Geistern sehr sehr dünn.
Sein wichtigster Tipp des Vortrags (2008) war: Wer zu wenig Zeit für wichtige Dinge hat, soll einfach seinen Fernseher in den Keller stellen. Das würde helfen, auch wenn es am Anfang schwer sei sich umzugewöhnen.
Er war einer, der die Finanzkrise voraussagte und in einer ruhigen Art präzise Analysen machte.
Gestern ist er gestorben.

Der Tod löst irgend welche Schwingungen aus – oder sonst etwas, für das mir die richtigen Worte fehlen. Er ist vielleicht über Entfernung wahrnehmbar, auch wenn wir für diese Wahrnehmung kein Organ besitzen, zumindest kein bekanntes.

Das mögen Zufälle sein und jede Analyse dieser Phänomene gelangt sehr schnell an die Grenzen des Unerklärlichen und des Spekulativen. Die Theorie der morphologischen Felder wurde widerlegt oder ist zumindest aus der wissenschaftlichen Perspektive verschwunden. Die Sterne als Erklärung ist mir auch zu dünn. Am ehesten lohnt es sich meiner Ansicht nach, wenn man in den neuen Theorien über Netzwerke nachsieht und dort weiter denkt. Vorbild sind hier die neuronalen Netze des menschlichen Gehirns, wo man ebenfalls ständig neue Phänomene entdeckt. Vielleicht gibt es ja größere Netzwerke, die ähnlich funktionieren und wir sind zweidimensionale Wesen, die sich über die Dreidimensionalität wundern.
Immerhin haben wir das Wundern als Wahrnehmungshilfe und wir können uns Gedanken und Theorien machen. Das ist dem einfachen zweidimensionalen Wesen nicht möglich.

Mein neues Leben

Zugegeben – der Titel wird nicht halten, was er verspricht. Aber ich bemühe mich.

Neulich im Vorfeld unserer Veranstaltung „Besser statt mehr – Perspektiven und Chancen einer Postwachstums-Ökonomie (PWÖ)“ hatte ich ein Gespräch mit meinem Kollegen Stefan und wie üblich kamen wir auch auf das Thema Vespa-Basteln.
Sein Kommentar: „Du machst eigentlich schon das, was wir vielleicht in Zukunft alle machen werden: Du arbeitest da und dort, für verschiedene Auftraggeber, hast kein oder nur ein geringes regelmäßiges Einkommen und bist in vielen verschiedenen Bereichen tätig: Motivforschung, Training, Organisationsentwicklung, Vespas Restaurieren, bei der Grünen Wirtschaft, Bücher schreiben etc.“

Aufgrund dieses Gesprächs habe ich begonnen nachzudenken und das mündet manchmal in einem Vordenken. Das Ergebnis deckt sich mit den Annahmen der PWÖ und geht darüber hinaus, als Philosoph darf ich noch etwas freier denken als die Ökonomen und Naturwissenschafter:

1.) Unsere Wirtschaft wird sich verändern und damit unser Leben. Das gilt für fast alle Mitglieder einer Gesellschaft.

Wirtschaft hat sich immer verändert, aber es wird einen Paradigmenwechsel geben und er wird ein recht radikales Umdenken notwendig machen. Das wird alle wichtigen Bereiche unseres Lebens betreffen und fast alle Menschen. Selbst diejenigen, die jetzt schon in einer Art PWÖ und somit „modern“ leben (auch wenn uns das derzeit noch als veraltet vorkommt) werden nicht unberührt bleiben. Die Aussage meiner Freunde, „Du und die Grünen, ihr wollt ja nur, dass wir in Zukunft alle wieder in Lehmhütten leben“ lässt mich kalt, Lehm ist ein sensationeller, umweltfreundlicher, klimaaktiver, billiger und stets vorhandener Baustoff und hat sicher Zukunft.

2.) Die Veränderung wird global sein.

Randgebiete und die dort lebenden Menschen werden etwas weniger betroffen sein, am stärksten wird man es in den großen Städten merken, denn die sind erstens nicht direkt an den notwendigen Ressourcen (deswegen entstehen gerade in New York City gerade so viele Projekte im Community Gardening) und zweitens brauchen sie besonders viel davon.

3.) Sie kommt entweder schnell und heftig oder etwas langsamer.

Alle, auch die Postwachstumsökonomen haben Angst vor einem großen Knall, der weder in seiner Quantität (Ausmaß) noch in seiner Qualität (von Ölkrise bis Weltkrieg) vorhersehbar ist. Von der Theorie, dass die Krise vor allem dann kommt, wenn man sie „herbeiredet“, halte ich nichts. Diese Ansicht wirkt pervers angesichts der hemmungslosen Ressourcenverschwendung, die fast global zu spüren ist. Das einzige Argument, das hier noch zu hören ist, lautet: „Die Technik wird sich so schnell weiterentwickeln und wir (wer eigentlich?) werden so tolle Dinge und Techniken und Verfahren entwickeln, dass es ohne Bruch gut weitergehen wird.“
Wie diese Techniken aussehen, kann von den Anhängern der Theorie „Der (Technik-)Papa wird´s scho richten“ auch niemand sagen. Man vertraut auf mögliche Erfindungen, die uns retten – das ist mir zu wenig.

4.) Es geht um Energie

Wie auch immer man es betrachtet, das Thema Energie steht immer im Vordergrund, sowohl bei den Ressourcen als auch bei der Umweltverschmutzung, dem Verkehr, der industriellen Produktion, der Landwirtschaft, dem Klima etc. Letztlich ist alles eine Energiefrage, vielleicht wurde ja deswegen der Heilsversprechung der Atomenergie so viel Geld in den Rachen geworfen – sie haben eine endgültige Lösung der Energiefrage versprochen. Den Preis dafür haben sie uns nicht verraten, aber inzwischen kennen wir ihn.

5.) Durch die richtigen Schritte können wir die Veränderung weder aufhalten noch verhindern, wir können nur den Weg frei räumen bzw. den Fall dämpfen. Das ist auch das Fazit der Postwachstumsökonomie, vor allem der Spezialisten aus Oldenburg. Daher müssen wir uns überlegen, wie es danach weiter geht, gut weiter geht.

Mein Idealszenario: Ein Weltwährung, die den globalen Handel sowie die Vernetzung ermöglicht. Dazu lokale Komplementärwährungen, die zueinander unabhängig sind und den Handel vor Ort gewährleisten. Die Verwaltungen sind ebenfalls national-global und regional-lokal. In Österreich kann man die Bundesländer weitgehend abschaffen, offiziell können sie aus sentimentalem Lokalkolorit und für den Tourismus erhalten bleiben. Landeshauptleute sind Repräsentationsfiguren ohne jede Macht, Bierzeltclowns, das reicht.
Weltweite Vernetzungen werden auf weit höherem Niveau stattfinden als jetzt, der Lokalbürger wird zugleich Weltbürger sein, wenngleich mehr auf virtueller Ebene, weil den derzeitigen Flugverkehr wird es nicht mehr geben. Wer nach Afrika reisen will, braucht eben mehr Zeit. Die haben wir dann auch, weil der wahnsinnige Druck wegfällt, den wir uns mit dem derzeitigen Produktionsirrsinn selbst schaffen. Druck ist immer Zeitdruck, oder fast immer. Hier folge ich den Ideen der PWÖ, die neue Arbeitsmodelle proklamiert: 20 Stunden klassische Erwerbsarbeit, etwa als Angestellter in einer Firma, der Rest für andere Tätigkeiten, die meist auch Arbeit sind. Hier erfolgt dann die Bezahlung in der Komplementärwährung, etwa in Zeitaustauschmodellen oder ähnlichem.

Wir werden weit weniger Produkte produzieren als jetzt und auch hier habe ich ein Idealszenario: Es werden genau die Produkte wegfallen, die wir jetzt schon nicht brauchen, sondern nur kaufen, weil sie der Nachbar auch hat oder weil uns fad ist oder Konsumrausch es uns ermöglicht, den Kopf so vollzubrummen, dass wir über nichts anderes nachdenken können und daher auch nicht müssen. Es gibt auf jeden Fall genügend Ressourcen auf dieser Welt, um alle Menschen zu ernähren und ihnen ein durchaus gutes Leben auf hohem Niveau zu ermöglichen. Mag sein, dass dann nicht mehr vier Leute mit fünf Autos auf den Golfplatz fahren können. Diesen Preis werden wir bezahlen können, auch wenn einige jammern werden.

Ja, es wird gravierende soziale Veränderungen geben. Die derzeit sich immer noch stark öffnende Schere arm-reich wird sich wieder schließen, schließen müssen. Die Reichen können sich aussuchen, wie das geschieht, diese Wahl haben sie. Ich erinnere mich an die alte Gerechtigkeitsgeschichte, bei der die Mutter einen Kuchen zwischen zwei Kindern aufteilen muss. Sie lässt das erste Kind teilen und das zweite aussuchen. Genau so wird es aussehen, die Reichen werden teilen dürfen und die Armen aussuchen.

Wie immer wird es Gewinner und Verlierer geben und es ist nicht klar, wer wo dabei sein wird. Das erinnert mich ein wenig an die „Theorie der Gerechtigkeit“ des amerikanischen Philosophen John Rawls, der das Modell des „Schleier des Nichtwissens“ erschaffen hat: In einer Art virtuellem Raum treffen Menschen vor ihrer Geburt aufeinander und müssen gemeinsam (und dann natürlich jeder für sich) entscheiden, wer in welcher Rolle geboren wird. Sie wissen aber nicht, was jeder sein wird – wie schnapsen sich die ein Modell aus? Rawls meint, dann wäre es ein gerechtes Modell. Er hat eine gute Theorie erschaffen, allerdings nicht mit einer menschlichen Eigenschaft gerechnet: dem Hasardieren („Ich werde möglicherweise ein armer Schlucker, aber das Risiko geh ich ein, vielleicht werde ich ja Millionär.“)

Sicherheit wird hauptsächlich definiert durch Vielfalt und Vernetzung. Das ist übrigens jetzt schon so, da die klassischen Sicherheiten ohnehin schon weggebröckelt sind (Kirche, Familie, Job, Geld, Energie, Rohstoffe…), nur merken es noch nicht viele. Ich habe aber das Gefühl, dass es viele schon spüren und dass sich ein Hauch von Panik durch die Gesellschaften zieht, wie ein dumpfer, noch recht weit entfernter Donner. Wenn ich die Menschen in meiner Umgebung frage, dann sagen die meisten, dass sie schon Donner gehört haben (bis auf die, die ständig ihre Kopfhörer aufhaben). Viele versuchen auch, sich vor dem kommenden Regen ins Trockene zu flüchten und kaufen Immobilien bzw. versuchen ihr Eigentum auf irgend eine Art zu schützen. Für einige wird das funktionieren, für andere nicht. Blöderweise wissen wir noch nicht, wer durch die Flut wohin gespült wird. Reichtum wird möglicherweise keinen Schutz bieten, zumindest nicht materieller Reichtum.

Ich kann somit nur hoffen, dass dann die Stunde der Philosophen schlägt, der ruhigen Vor- und Nachdenker, die sich jetzt schon Modelle und Techniken überlegen, die uns dann weiter helfen, so dass es möglichst vielen Menschen möglichst gut geht. Übrigens ein gänzlich anderes Modell, als es in unserer Gesellschaft derzeit in Mode ist.

One moment in time…

Ein paar Worte zu der gerade eben im Alter von 48 Jahren verstorbenen Whitney Houston.

Wer bei dem folgenden Video nicht ein klein wenig Gänsehaut bekommt, braucht diesen Blog nicht weiterlesen:

Was für eine Stimme!
Und wieso muss jemand erst sterben, um ins Zentrum der Betrachtung zu rücken, wie es bei vielen Prominenten passiert und derzeit natürlich wieder auf Facebook zu beobachten ist?

Die Gesellschaft ist ein gieriger Rachen, der einzelne Personen auffrisst und erst bei ihrem Tod wieder ausspuckt. Die Reste liegen dann manchmal von Drogen zerstückelt in irgend einem Hotelzimmer oder einer Villa. Eigentlich nicht nur manchmal, sondern ziemlich oft, auch wenn es immer wieder Individuen gibt, die diesem Schicksal entkommen, aber ich muss länger nachdenken, damit mir dafür Beispiele einfallen.

„In Wien musst erst sterben, bevor sie dich hochleben lassen“ – dieser Satz wird dem Qualtinger zugeschrieben. „Aber dann lebst ewig“ hat der Falco ergänzt. Das gilt übrigens nicht nur für Wien, und daher lohnt es sich, eine Ebene tiefer zu gehen. Oder am besten gleich mehrere.

Der Mensch ist ein Widerspruchswesen, daraus entsteht – philosophisch gesprochen – erst das Menschsein. Wir haben es übrigens mit vier Grundwidersprüchen zu tun:
Leben – Tod
Alt – Jung
Männlich – Weiblich
Eines – Vieles

Alle anderen Widersprüche bauen auf diesen vier auf. Heute möchte ich mich mit dem letzten beschäftigen: Eines und Vieles. Damit ist der Widerspruch zwischen dem Individuum und der Gruppe gemeint, denn in dieser Konstellation haben die Menschen den Großteil ihrer Entwicklungsgeschichte gelebt. Später kamen größere Einheiten dazu: Fürstentümer, Großreiche, Staaten, Staatengemeinschaften und Gesellschaften bis hin zur Weltgesellschaft.

Je größer diese Einheiten, desto größer auch der Widerspruch Eines – Vieles. Whitney Houston war das, was wir einen „Weltstar“ nennen, und daher mit dem größten denkbaren Widerspruch konfrontiert. Das Maul, das sie geschluckt und jetzt wieder ausgespuckt hat, war sozusagen das denkbar größte.

Das Monstrum heißt übrigens „Freizeitgesellschaft“ und ist eine Erfindung der Moderne, die zwischen Arbeit und Freizeit trennt. Diese Freizeitgesellschaft braucht Sinn stiftende Elemente, um existieren zu können, quasi ihre Nahrung. Dafür werden Individuen gesucht und gleichsam „geopfert“. Dieser Ritus des Opfers ist uralt und funktioniert bis heute, auch wenn wir es nicht so nennen. Die Menschen werden ausgewählt („gecastet“) und gefüttert (mit Plattenverträgen, Filmrollen, Geld, öffentlichen Auftritten etc.) und am Schluss geopfert. Dann wird ein neues Opfer ausgesucht und es geht von vorne los. Die Profiteure sind nicht andere Menschen, sondern die Gesellschaft. Das war schon vor tausenden Jahren so, ich erinnere an das Kolosseum in Rom. Dort werden die Individuen auf den Rängen zu einer Masse und für eine kurze Zeit verschwindet der Widerspruch zwischen Einem und Vielem. Damit das funktioniert, muss es ein Individuum geben, das aus der Masse heraus geholt wird, übrigens auch nur für kurze Zeit. Das funktioniert umso besser, je individualisierter dieser Mensch ist, bzw. gemacht wird. Dadurch werden diese Individuen als solche gut erkennbar, der Abstand zur Masse muss entsprechend groß sein.

Natürlich zahlt das Individuum einen Preis, im Normalfall sein Leben als Individuum. Diesen Preis zahlt es meist doppelt: zuerst wird es Gegenstand der Massenbetrachtung, also der Öffentlichkeit. Dabei verliert es seine Individualität („Ich kann nirgends hingehen ohne erkannt zu werden“) und zugleich wird genau diese Individualität verstärkt, indem die Person in eine extreme Sonderposition gehoben wird. Die ist dadurch definiert, dass sie nur von wenigen Einzelpersonen erreicht werden kann, und zwar von so vielen, wie die Masse braucht, um rund um die Uhr unterhalten zu werden. Den zweiten Preis zahlt das Individuum mit seinem Tod. Der ist notwendig, damit neue Opfer gefunden werden können, aber auch, um das Opfer erst perfekt machen zu können, quasi um es abzurunden. Die wenigen Menschen, die sich aus dieser Rolle befreien können, finden manchmal irgendwo auf der Welt einen Platz, an dem sie in Frieden alt werden können, gestört nur durch gelegentliche Besuche von Reportern aus der Was-wurde-eigentlich-aus-Liga.

Manchmal genügt es der Masse die Person zu zerbrechen. „Person“ heißt übrigens „durchtönende Maske“ und deutet auf die notwendige Maske hin, die das Individuum braucht, um sich eine Zeit lang vor der Masse verstecken zu können. Deswegen werden die Promis auch meist stark geschminkt und verändert, um ihnen quasi eine Atemschutzmaske zu geben, die sie vor dem allzu schnellen Verbrennen schützt.

Die notwendige Erhöhung zum massentauglichen Individuum wird durch eine Komprimierung erzeugt, also ein extrem verdichtetes Leben oder eine besonders ausgeprägte Eigenschaft:

I’ve lived to be
The very best
I want it all
No time for less

Es braucht nicht zu wundern, wenn diese Leben dann schneller zu Ende gehen als „normale Leben“. Körper und Geist halten diese oft extreme Beschleunigung meist nur mit chemischer Unterstützung durch, besonders beliebt sind hier Alkohol und andere Drogen.

Zerrissen wird das Opfer übrigens durch den Grundwiderspruch Eines – Vieles. Es muss nämlich einerseits extrem individualisiert werden, um quasi tauglich zu sein, andererseits muss es als Mensch, als Teil der Gesellschaft erkennbar bleiben. Auch dafür werden die Drogen gebraucht, die dann Bilder von ganz normal aussehenden Menschen erzeugen, die ein von Leiden durchzogenes Leben haben (Britney Spears ist so ein Fall). Hässlich aufgedunsen und am nächsten Tag wieder perfekte Göttin – so liebt es die Masse, so wird ihr klar, dass der Widerspruch voll einschlägt, dass das Opfer perfekt ausgewählt wurde, tauglich ist für die Riten, nach denen das Monster lechzt.

Verstärkt wird die Sucht der Masse durch extreme Zeiten, in denen z. B. die Sicherheitssäulen bröckeln. Dann ist eine kollektive Flucht notwendig, und die gelingt am besten, wenn es eine möglichst perfekt aufgebaute Scheinwelt gibt. Früher wurde diese um Mitternacht durch die Bundeshymne und das Testbild begrenzt, heute läuft sie rund um die Uhr und zeigt sehr schön die Veränderung der Gesellschaft und auch, in welche Richtung die Entwicklung geht: Panem et circenses, gebt den Leuten Brot und Spiele! In meinem Buch „Ich bin doch nicht frei – willkommen im blöden Markt!“ habe ich das genauer dargestellt und ich merke, es bleibt aktuell.

Wenn die Maschine rund um die Uhr laufen soll, dann braucht es dafür mehr Opfer und natürlich muss auch deren Qualität besser werden, also extremere Individualität und immer gleichere Masse: Rund um die Uhr sitzen die Menschen vor den gleichen Vergnügungsgeräten (Flatscreens) und nehmen die gleichen Ruhigsteller zu sich (Pizza, Pommes, Burger, Kebab, Cola, Bier) – Nahrungsmittel mit viel Fett und Kohlehydraten. Die Stars kommen und gehen immer schneller und es werden mehr, die Auswahl wird größer und durch die Globalisierung verstärkt sich das noch.

Die Angleichung der Opfer funktioniert auch durch einen weiteren Mechanismus: Sie bekommen für eine bestimmte Zeit ein (scheinbar) ideales Leben geschenkt, das aus der Summe unserer Wünsche besteht: große Villa mit Pool, teure schnelle Autos, Privatjet, Kaviar und Hummer den ganzen Tag. Auch dieser Mechanismus ist uralt, schon vor tausenden Jahren wurden die künftigen Opfer wie Könige behandelt, sie wurden sogar zu Königen gemacht, zu Königen auf Zeit.
Je besser ein Individuum dies repräsentiert, desto besser ist es als Opfer geeignet. Je schneller und wilder es lebt, sein vieles Geld verbraucht (siehe Michael Jackson), desto prachtvoller wird sein Opfertod. Dieser funktioniert übrigens dann besonders gut, wenn er tragisch ist (also schnell und plötzlich passiert). Auch langes Siechtum funktioniert, weil dadurch wird das Opfer wieder Teil einer Gesellschaft, deren Individuen auch meist nach längerem Siechtum ableben. „Er/Sie ist so wie wir und doch ganz anders“ – das ist der notwendige Widerspruch. Schnelles Wechseln zwischen diesen beiden Seiten hilft dem Mechanismus: Die Stars müssen in einer fernen Welt (Hollywood, Monaco) leben und zugleich angreifbar werden, daher sind öffentliche Auftritte notwendig, bei denen die Individualisierung zur Schau gestellt wird – Konzerte, Sportereignisse etc. Dort trifft die Masse auf das Individuum und vereinigt sich mit ihm. Das funktioniert vor dem Fernseher, wenn halb Österreich zum Fussball-Bundestrainer wird, aber auch im Leben („Live“), etwa in Stadien, wo die Masse im gleichen Rhythmus schwingt wie der Star auf der Bühne. Das „per-sonare“, also das Durchtönen, zeigt sich hier wieder: die größten Stars haben mit Musik zu tun. Dieses Medium verbindet sehr schnell und direkt, Musik durchtönt die Masse, sie nimmt sozusagen den Star in sich auf, verschlingt ihn, das Viele verschmilzt mit dem Einen, wenn auch nur für Momente. Whitney Houston hat das sehr schön dargestellt:

I want one moment in time
When I’m more than I thought I could be
When all of my dreams are a heartbeat away
And the answers are all up to me
Give me one moment in time
When I’m racing with destiny
Then in that one moment of time
I will feel
I will feel eternity

Die angesprochene Ewigkeit ist ja nur im Tod zu erlangen, womit wir bei einem anderen Grundwiderspruch wären. Und die Träume, die nur einen Herzschlag entfernt sind, repräsentieren die Individuen aus der Masse, die sich emotional nur einen Herzschlag weit weg von ihrem Star empfinden und es bei Konzerten sozusagen auch sind. Aber nur für den Moment.
Mehr zu sein als man dachte, dass man sein kann – das ist das Schicksal der Stars, die das für die Zeit ihres Ruhmes auch sind. Das Individuum kann etwas erreichen, was ihm als Individuum nicht zusteht, nämlich aus der Masse herausragen. Und zugleich will die Masse genau das, dass ihr Menschen vorzeigen, dass es das Individuum doch kann, obwohl es das nicht kann, weil es immer sterblich und somit Teil der Masse bleiben wird. Oder durch den Tod unsterblich wird, daher müssen die Stars sterben, sozusagen umso mehr, je höher sie oben sind. Damit liegen auch die Antworten bei den Stars, sie sind verkörperte Antworten des Widerspruchs und sie geben diese Antworten zur Masse zurück. Dort löst sich der Widerspruch für kurze Zeit auf, in Momenten der Ekstase, getrennt vom normalen täglichen Leben, im Rausch, in der Menge.

Die Individuen leben in ihrem Leben bestimmte Aspekte der Stars. Sie fahren Autos, die fast so aussehen wie die der Stars, und sie singen in Karaoke-Abenden die Musik. Das nähert sie den Stars an und zeigt zugleich, wie weit sie wirklich davon entfernt sind. Die Artefakte müssen käuflich sein, also der Masse zur Verfügung stehen. Dabei reichen Plagiate, die Originale wären zu teuer. Und es reicht der Wunsch danach, also nach der Villa, die man sich mit einem Lottogewinn leisten könnte und an der die meisten Lottogewinner trotzdem scheitern, weil dieses Leben eben nicht für die Individuen der Masse gemacht ist, ohne dass sie den entsprechenden Preis zahlen. So ein Leben „gratis“, also nur durch den Kauf eines Lottoscheins zu erhalten, ist fast unmöglich. Aber der Wunsch danach zählt, und er zählt umso stärker, je schlechter es den Individuen geht, also in den schon erwähnten Zeiten der Unsicherheit, wenn die Säulen bröckeln. Dann steigt der Pizzaverbrauch und Glückspiel sowie Drogenkonsum nehmen zu.

Das Schicksal der Stars (When I´m racing with destiny) macht sie wieder zum Teil der Masse, weil genau dieser Masse ihr Schicksal gehört, sie hat es schließlich erzeugt. In der Annahme des Schicksals vereint sich das Individuum wieder mit der Masse. Das Schicksal selbst besteht darin, letztlich doch von der Masse verdaut und wieder ausgespuckt zu werden.

Und doch gibt es einen Ausweg, ein Schlupfloch. Manche Stars schaffen es und entkommen, sie wählen sich ein anderes Schicksal, wenngleich auch manchmal ihre Umwelt (Angehörigen, Freunde) den Preis dafür zahlt. Wird es Bruce Springsteen schaffen? Hat es Tina Turner geschafft? Manche haben zugehört, wenn ihnen gesagt wurd: Achte darauf, dass Du rechtzeitig aussteigst, von Bord gehst, dich schleichst. Sei eine der Ratten, die das sinkende Schiff schon im Hafen davor verlassen haben. Es gibt einen spannenden Film (Flashpoint, 1984), wo Kris Kristofferson zu Treat Williams sagt: „Hau ab, jetzt gleich. Sei einer von denen, die davon kommen!“

Whitney hat es nicht geschafft, aber ihre Stimme hat die Masse verschluckt und erinnert sich daran. Für einen Moment, für one moment in time.