Glück und Leid – beim Vespafahren immer in der Kombi zu haben

Mein letzter Zusammenbruch mit einer Vespa – schon drei Tage her. So geht das nicht. Also startete ich einen neuen Versuch, mit der frisch restaurierten GS, bei der ich den Tacho zum Laufen gebracht habe, so als Sonntag-Vormittagsarbeit.

Das Ziel war Rekawinkel, wo wir den 18. Geburtstag meines Neffen Matthias feiern wollten. Die GS lief prächtig, leider nur bis kurz vor Rekawinkel. Kurz vor der Bahnunterführung ein seltsames Stottern, leider bei genau diesem Motor nur allzu bekannt.

Bitte nicht! Nicht dieser Defekt! Nicht schon wieder ein undefinierbarer Schaden, der von der Zündspule, der Zündgrundplatte, dem Kondensator, dem Polrad, dem Vergaser, den Vergaserdüsen, der Schwimmerkammer, der Benzinzufuhr, dem Tank, den Simmerringen, dem Zylinderkopf, der Batterie, dem Kabelbaum, dem Gleichrichter oder von sonstwo kommen kann.

Einen halben Kilometer weiter dann die Klarheit: sie nimmt kein Gas mehr an, ich rette mich über den Rekawinkler Berg bis zum Haus meiner Schwester und ihrer Familie.

Irgendwie mochte bei mir keine rechte Feierlaune aufkommen und ich entschloss mich, die Heimreise noch bei Tageslicht anzutreten. Die GS sprang tadellos an und hatte wieder ihre Leistung. Bis zum Kreisverkehr in Pressbaum. Dann war es wieder da, das Problem. Ich rief bei meiner Schwester an und bat meine Mutter noch etwas zu warten, ich käme wieder zurück. Da sie auf ihrem Heimweg ohnehin bei mir vorbeifährt, könnte sie mir quasi Schützenhilfe leisten.

Ich schaffte es auch bis Rekawinkel, langsam, aber doch.

Aber vielleicht war das Problem ja auch zu beheben. Es könnte z.B. daran liegen, dass die Entlüftung des Tankdeckels nicht ordentlich funktioniert. Dann entsteht ein Unterdruck und der Vergaser bekommt nicht mehr genug Sprit – das würde das Phänomen erklären und auch, warum sie nach einiger Zeit wieder läuft.

Also versuchte ich mit Hilfe meines Schwagers und meiner beiden Neffen das Entlüftungsloch freizubohren. Das gelang und wir bohrten zur Sicherheit noch ein zweites hinein. Leider war es inzwischen sehr dämmrig und ich musste noch den Sicherungssplint für den Tankdeckel wieder hineinklopfen. Also griff ich zu meiner Jacke und wollte mein Handy herausholen, das ist nämlich ein Outdoor-Modell und nicht nur wasserfest und stoßfest und staubdicht, sondern hat auch noch eine famose Taschenlampe.

Doch mein Schwager Andi winkte ab und bat meinen Neffen die große, fette Mag-Lite zu holen. So war der Splint schnell eingebaut und ich machte mich frohen Mutes auf den Heimweg. Meine Mutter fuhr zur Sicherheit hinter mir her, und so kamen wir bis zu besagtem Kreisverkehr bei der Autobahnauffahrt. Ich blieb stehen und ging zu meiner Mutter, um ihr zu sagen, dass alles wunderbar läuft und ich jetzt wohl gut nach Hause kommen würde – Schaden erkannt, behoben, alles bestens!

Ich fuhr die Bundesstraße und tuckerte durch Pressbaum. Dann wurde aus dem Tuckern ein Stottern. Ich fuhr rechts ran und bemerkte zu meiner Freude, dass meine Mutter doch nicht die Autobahn genommen hatte, sondern aufgrund einer Vorahnung hinter mir hergefahren war. Gemeinsam überlegten wir, wo ich die Kiste abstellen könnte. So eine frisch lackierte GS Baujahr 1960 findet schnell neue Freunde.

Dann kam mir die Idee, noch ein Stückchen weiter zu fahren. Vielleicht ging es ja, langsam und mit der einen oder anderen Pause. Im unteren Drehzahlbereich nahm sie ja Gas an.

So kamen wir bis Hadersdorf-Weidlingau (dem berühmten HaWei), wo ich eine Woche zuvor den Kabelbrand hatte. Dort war es dann endgültig aus. Mit einem letzten Seufzer, garniert mit einer feschen Fehlzündung, verreckte der Motor.

Als ich die Vespa am Straßenrand parken wollte, bemerkte ich, dass mein Handy nicht in der dafür vorgesehenen Jackentasche war. Und leider auch in keiner anderen Tasche. Also rief meine Mutter in Rekawinkel an und rief die Familie auf den Plan, um eine lustige Spätabend-Handysuche zu beginnen. Ich müsste es dort verloren haben, wo wir die Reparatur vorgenommen hatten. Oder auf der Veranda. Oder sonstwo im Garten.

Nach etwa einer halben Stunde war klar: kein Handy. Mein Tagesfazit war somit ein eher durchmischtes mit lustigen Aussichten: eine lange Fehlersuche bei der Vespa, gefolgt von einer mühsamen Reparatur eines gerade erst frisch aufgebauten Motors, garniert mit der Frage, ob die Vespa bis zu ihrer Abholung noch dort stehen würde, wo ich sie abgestellt hatte sowie der Frage, wo ich ein geeignetes Transportmittel zu ihrem Heimtransport herbekommen könnte.
Und natürlich die nette Aussicht die Sim-Karte sperren zu müssen plus Handykauf plus dem Eintippen von ca. 600 Namen plus Telefonnummern etc.

An dieser Stelle gilt mein Dank meiner geduldigen Mutter, die ihren vollkommen entnervten Sohn noch nach Hause chauffieren durfte. Ich kann gar trefflich jammern, wenn mir danach ist!

Am nächsten Tag wurde mein nächtlich entworfener Schlachtplan umgesetzt: Trotz fetter Regenwolken Gilera satteln, Handy von Oliver ausborgen und meine Schwester anrufen, damit sie weiß, dass ich mich jetzt selbst auf die Handysuche mache. Dann die Strecke abfahren und schauen, ob irgendwo ein Handy liegt. In der Nacht hatte es stark geregnet, aber mein Handy ist ein Outdoor-Modell (sagte ich das schon?) und wasserfest. Und stoßfest, also würde es auch ein Herausfallen überlebt haben, ganz abgesehen davon, dass mir vollkommen schleierhaft war, wie das Ding überhaupt herausfallen konnte. Und wieso ich die Jackentasche nicht zugemacht hatte. Und wieso ich überhaupt so deppat bin.

An der Stelle in Pressbaum, an der aus dem Tuckern ein Stottern geworden war und ich meine Mutter hinter mir bemerkte, suchte ich ganz besonders genau.
Und genau da kam der Anruf meines Schwagers: Meine Mutter wurde angerufen, ein ehrlicher Mensch hätte mein Handy gefunden. Also rief ich meine Mutter und danach den ehrlichen Menschen (Danke Herr Strausky aus Dürrwien!) an und erfuhr, dass ich nur 3 Minuten entfernt wäre. Also hinfahren und Handy abholen. Ich erfuhr, dass er es an der Bushaltestelle vor dem Kreisverkehr gefunden hätte, heute früh. Dann hatte er die letzte angerufene Nummer gewählt (bezeichnet mit „Mutti Handy“ und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Es war mir wohl aus der Tasche gefallen, als ich mich zu meiner im Auto sitzenden Mutter runtergebeugt hatte, um ihr zu sagen, dass alles bestens wäre und ich ab jetzt allein gut nach Wien kommen würde. Die Jackentasche war offen, weil ich sie auf-, aber nicht mehr zugemacht hatte, als mein Neffe blitzschnell mit der Mag-Lite daher kam.

Herr Strausky ist ein alter Vespa-Fahrer und gab mir noch ein paar Tipps für die Fehlersuche und die Reparatur mit auf den Weg – übrigens welche, die ich noch nicht kannte. Das Handy selbst stellte sich als doch nicht wasserfest heraus, das Display funktioniert zwar noch, hat aber einige Macken. Nokia 3720 hält nicht, was es verspricht.
Glücklicherweise hatte ich eines meiner Bücher einstecken und konnte es Herrn Strausky verehren. So freudig hab ich noch nie eine Widmung wo hineingeschrieben!

Am nächsten Tag half mir Ronny mit dem Bus die GS abzuholen, die glücklicherweise noch da war.

Fazit: eine kaputte Vespa, ein wiedergefundenes Handy und einen netten Menschen kennen gelernt. Wer weiß, wozu das alles gut ist.

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