Bahnfahren…

So alle heiligen Zeiten gebe ich der Bahn eine weitere Chance, immer und immer wieder. Und jedesmal ist es eine Qual!
Diesmal stand Kassel am Programm – eine Stadt, in der ich nicht einmal tot überm Zaun hängen möchte!
Bei der Hinfahrt fand ich im ICE ein „Ruheabteil“, in dem ich hoffte, ein wenig Ruhe zum Lesen und Entspannen zu finden – schließlich gibt es dort Handyverbot und ein Schild meint „Psssst!“
In der Praxis sieht das anders aus, das Handyverbot interessiert nur diejenigen, die ihr Handy zuhause vergessen haben. Zum Drüberstreuen fand sich noch eine lustig-laute Partie ein („Waasst wos da Patrick zum Danny g´sogt hot? Aaaaaharrr, haarrr, harrr…..)
Nein, ich weiß es nicht und ich will es auch nicht wissen. Unterstützt wurde das Lärmorchester noch durch ein quietschendes Plastikteil irgendwo im Waggon, quietschend tätig vom Westbahnhof bis Würzburg.
Kann das Unbehagen noch gesteigert werden? Selbstverständlich, z. B. durch eine Klimaanlage, die mir eisig auf die Füße bläst. Nachdem ich sie in eine Fleecejacke und eine Windjacke eingepackt hatte, war es erträglich.

Die Rückfahrt hatte auch einige Schmankerln zu bieten, etwa 8 freundliche Pensionisten, die sich schon in Hannover die netten Plätze mit den Tischen gesichert hatten. Dort fingen sie auch mit einer fröhlichen Schnäpschenrunde an („Ich hätte da noch Flaume mit Vodka, willste mal?“) und flaschelten sich gepflegt zu, am Weg nach Irgendwohin, unüberhörbar, ganz gemütlich…
Uhrzeit? 9 Uhr in der Früh. Woanders hinsetzen? Iss nich! Zuch voll!
Und 5 Minuten Verspätung, die sich als „rund 5 Minuten“ herausstellten und als echte 10 Minuten. Meine Umsteigzeit in Würzburg betrug 6 Minuten. Um es kurz zu machen: Der ICE 23 wartete auf uns, was ich ihm hoch anrechne. Meine „ich sah noch die Rücklichter“-Vision wurde nicht Realität, Deutsche Bahn sei Dank.

Fazit: Alles in allem eine derjenigen Bahnerfahrungen, die ich in der Vergangenheit schon übertreffen konnte. Also fast schon wieder gut!

Akustischer Tankterror

Aus der beliebten Serie „Marketingideen, die die Welt echt nicht braucht“ gibt es eine weitere Folge:

Dank Ogilvys Hilfe „darf“ man nun beim Tanken Musik hören, berichtet medianet: „An den Zapfsäulen von BP wird es dank Ogilvy Wien neben fließendem Benzin auch knallende Musik geben. Das Angebot erstreckt sich von internationalen Chart-Stürmern bis zu beliebten Schlagern.“

Warum nennt man das eigentlich „Angebot“? Darunter verstehe ich etwas, das man auch NICHT in Anspruch nehmen kann, was ja hier nicht der Fall ist.

Damit nicht genug des Terrors, man kann sich im Internet Musiknummern anhören und dabei animierte, hüpfende Autos betrachten. Darauf habe ich gewartet!
War es notwendig, die Kampagne durch einen Kreativen gestalten zu lassen, der aus Germanien kommt und kein „Österreichisch“ beherrscht? (Wie ist es sonst erklärbar, dass die im Shop kaufbaren Music-CDs, übrigens „Compilations“ genannt, offiziell „Fetenhits“ heißen. Mensch, Kalle, gehen wir mal auf ne dufte Fete!)

Vielleicht bin ich hier zu kritisch und die Kampagne wurde einfach ohne großen Aufwand fixfertig aus Deutschland gekauft. Das erklärt auch, warum der dazu gehörige „Schlager-Hit“ (also übersetzt ein „Schlager-Schlag“ – vielleicht sollte der Tischtennisspieler Werner Schlager hier eine Gewinnbeteiligung fordern) von DJ Ötzi stammt und brandneu ist: Ein Stern, der deinen Namen trägt…
Laut Medianet verzeichnete sie im Internet bereits in der ersten Woche über 5000 „Visitors“, was wahrscheinlich so viel wie „Besucher“ heißen soll. Und irgendwer hat einen Halblustigen in der Hose, weil er das alles als „crossmedialen Ansatz“ bezeichnen darf.

Ich glaube, es geht schlicht und einfach darum, mit den verkauften CDs Geld zu machen, alles andere ist schmückendes Beiwerk.

Im Werbebarometer bekommt diese Idee ein „LAAAAANGWEEIIIIILIG“

Grippe: Erste Übergriffe auf Schweine!

Laut APA gibt es erste Panikfälle in der Österreichischen Bevölkerung. Viele springen auf die Welle auf und rotten sich in kleinen Gruppen zusammen. Schuldige sind schnell gefunden: Die ohnehin in unserer Gesellschaft nicht mit übermäßig positiver Reputation versehenen Schweine werden immer öfter attackiert, erste verletzte Schweine haben sich bereits den Veterinärkliniken gemeldet. Ob sie dort abgewiesen wurden, ist nicht bekannt.

Soziologen rechnen mit einer weiteren Verschärfung der Situation: „Die Angst verwandelt sich in Aggression, vor allem wenn man in der Gruppe unterwegs ist, agiert der Einzelne gerne jenseits der Vernunft“ erklärt ein Experte. Schweine dürften in der nächsten Zeit durchaus einer höheren Gefährdung unterliegen, denn: „Schuldige werden schnell gefunden, idealerweise wählt man jene aus, die sich nicht gut wehren können, keine Lobby haben und von denen man quasi ohnehin immer schon gewußt hat, dass sie schädlich sind.“

Im Extremfall könnte es zu einer „Schweinskristallnacht“ kommen. Schweinen wird von offizieller Stelle empfohlen, das Land zu verlassen. Südlich von Wien soll bereits ein Schwein gelyncht worden sein.

Ein Experte, der nicht namentlich genannt werden will, ruft zur Besonnenheit auf: „Stell dir vor es ist Grippe, und kein Schwein geht hin!“

Welcome to the Hotel California!

Als Trainer gelangt man ja in das eine oder andere Seminarhotel. Manche sind professionell geführt, andere eher nicht. Und in manchen erlebt man das Wunder moderner Hotelerie:

Steigenberger Hotel in Deidesheim in der Pfalz
Ein gutes Hotel mit ein paar Macken, z.B. im Bereich der Ökonomie:
1. Auch bei vollem Sonnenschein wird vom Hauspersonal das Licht im Seminarraum aufgedreht.
2. Die Klimaanlage läuft immer und kühlt. Darunter ein Heizkörper, der ständig heizt. (Ich glaube nicht, dass das ein heimlich-clever installiertes Symbol des ewigen Kampfes der Kräfte sein soll – und wenn, dann der von Dummheit gegen Ignoranz)
3. Im Zimmer läuft ein Ventilator, auch wenn niemand drin ist.
4. Der Fernseher im Zimmer lässt sich nicht abschalten, maximal auf Ruhestellung.
5. Dampfbad und Sauna laufen im Vollbetrieb auch wenn keine Gäste da sind.
6. Die Klimaanlage ist für alle Seminarräume zentral schaltbar – und nur so. Somit ist sie für alle an oder für alle aus (das bekommt den Preis für besondere Schlauheit)
7. Es gibt keines der (auch für österreichische Verhältnisse durchaus schmackhaften) Pfälzer Gerichte, nur „internationale Küche“, also viel Plastikfisch (Tilapia und Pangasius) und Nudeln.
8. Vor dem Hotel, fast in Armreichweite, wachsen die süßesten und besten Trauben was wo gibt. Und im Obstkorb befinden sich die gekühlten, gespritzten, geschmacklosen Trauben, die gerade 1x um die Welt gereist sind. Die Zwetschgen erleiden das selbe Schicksal.

Maiers Oststeirischer Hof in Söchau in der Steiermark
Auch ein gutes Hotel, das leider in den letzten Jahren abgebaut hat. Früher standen überall Obstkörbe mit steirischen Äpfeln, heute machen sie es dem Steigenberger nach mit Plastiktrauben von Übersee (mitten im September in einer der besten Weingegenden…)
Ich hatte im „Haus Ursula“ eine von 6 Kuschel-Suiten (ungewollterweise, was anderes war nicht mehr frei), genauer gesagt die Suite „Romeo und Julia“.
Das ist eine Dachbodensuite in einem der ältesten Häuser von Söchau, sehr schön renoviert. Ich blicke aus dem Fenster genau auf die Dorfkirche, eine hohe Mauer darum herum und einen kleinen Gemüsegarten. Romantische Gefühle bleiben aus, nicht nur, weil ich keine Julia dabei habe.
Das ändert sich auch nicht beim Anblick des Jacuzzi, das mitten im Zimmer steht und das ich nicht bedienen kann (zu viele Tasten, deren Sinn sich mir nicht eröffnet), irgendwie bleibt eine Überschwemmungsangst.
Ein Kuhfell am Boden, keine Sessel sondern seltsam eingeringelte Diwans mit schwerem, dunkelrotem Stoff bezogen (ich glaube, das heißt Brokat), erinnert mich ein wenig an ein Puff. Daneben ein Kleinod von Plastikmistkübel, darin ein weißes Plastiksackerl (immer noch keine Romantikgefühle).
Was mir aber wirklich abgeht, ist das Licht. Es gibt über dem Tisch nur eine schummrige Hängelampe und es stehen jede Menge Teelichter herum, dazwischen liegen Rosenblätter aus Stoff und Plastik. Das einzige Licht, das es dort noch gibt, ist im Kleiderschrank. Wenn man den öffnet, kann man den Raum notdürftig beleuchten. Nun gut, vielleicht wollen das die Kuschelgäste so und vielleicht ist es bei vielen auch besser, wenn sie nicht genau sehen, mit wem sie es gerade zu tun haben.
Vielsagende Bilder mit viel nackten Körperteilen und: ein Monsterfernseher! Ein Wahnsinnsstück von einem Fernseher, ein Flattttscreeeen samt 3 Fernbedienungen, eine für den Fernseher, eine für den Tuner und eine dritte für eine Sony Playstation – wofür man die braucht, ist mir unklar, vielleicht wollen die Gäste nach einer Runde Sex eine Runde Autorennen spielen und necken einander mit romantischen Sätzen wie „Schatzi, spü ma a Runde World of Warcraft?“