Alles wegwerfen! – die neueste Saturn-Kampagne

Gerade erst zurück vom Sustainable World Congress – und dann dieses Flugblatt: Saturn wirbt mit einer Kampagne namens „www.hauweg.at“ und dem Spruch „Weg mit alten Geräten – her mit geiler Technik“ dafür, ältere Geräte (werden „Dreck“ genannt) wegzuwerfen und neue zu kaufen (natürlich bei Saturn!).

Auf der Website findet sich eine Art Zeichentrick-Videospiel, von dem ich noch nicht herausgefunden habe, wie es funktioniert – ein blader Wrestler steht in einem Ring herum…

Bitte verschont mich mit dieser Form von Geilheit – das hat schon beim Geiz nicht gewirkt.

Selten habe ich so einen Anachronismus erlebt. In einer Zeit knapper werdender Ressourcen damit zu werben, alte (noch funktionierende!) Geräte wegzuwerfen, nur um was „Neues“ zu kaufen und das auch noch als „geil“ zu bezeichnen – Schande über Euch!

Und ich bleibe bei meinem alten Fernseher, die Bildqualität ist nämlich immer noch viel besser als die der neuen Flachbildschirme.

Und ich schmeiße auch meine sozialen Beziehungen nicht weg, nur weil es irgendwo neue gibt.

Weg mit der Wegwerfgesellschaft!

Sustainable World Congress – Eine Rückschau

Letzte Woche Donnerstag und Freitag fand in Schloss Grafenegg bei Krems der Kongress statt, der vom Betreiber des „Save the world-Award“ Georg Kindel ins Leben gerufen und von Debbie Grumberg hervorragend organisiert wurde.

Gleich zu Beginn gab es eine Ansprache des Landeshauptmanns Erwin Pröll und es war wieder sehr erstaunlich, wie pointiert, staatstragend und ausdrucksvoll er sprach – ohne auch nur das Geringste zu sagen. Das war Politiker pur, sein Umweltlandesrat Dr. Stephan Pernkopf tat es ihm wenig später nach, auch hier keine Festlegungen, kein Funke an Selbstkritik oder Ähnliches.
Ich erlaube mir hier generell für Reden anzumerken: Sie gefallen mir nicht, wenn sie 1.) zu tragend-pathetisch sind, 2.) zu allgemein und 3.) ohne jegliche Selbstkritik.

Ganz anders der Einstieg der Nobelpreisträgerin Betty Williams, die ebenfalls einen der Startvorträge hielt und gleich zu Beginn alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufforderte, aufzustehen und den jeweiligen Nachbarn zu umarmen (ein herrliches Bild, wie sie Erwin Pröll innig umarmte, sein leicht gequältes Lächeln…) – gefolgt von ihrem Resümé: „Arms are for hugging, not for killing!“

Der Vortrag von Prof. Kromp-Kolb, einer Klimaforscherin, war sehr interessant, hier ihre zentrale Aussage, die uns alle ein wenig aufrütteln sollte: „Ein Überleben der Menschheit können wir uns im Zuge des notwendigen Wirtschaftswachstums nicht leisten!“

Der Schweizer Biologe Wulf berichtete, dass das Aussterben der Arten 100 bis 1000 Mal schneller vor sich geht als noch vor der Zeit der Menschen. Von 30.000 Reissorten würden heute nur 10 weltweit angebaut – er meint, die zu starke Reduktion der Artenvielfalt aus Gründen des Profits würde uns in Zukunft ernsthafte Probleme bringen, weil nur die Vielfalt eine (von der Natur clever ausgedachte) Möglichkeit der Krisenprävention darstellt.

Dr. Jan Sendzimir, Wissenschafter, berichtete, dass „virtual water“ in Zukunft eine wesentlich größere Rolle spielen werde als bisher – damit ist jenes Wasser gemeint, das tatsächlich zur Herstellung von Ge- und Verbrauchsgütern notwendig ist.
Ein Beispiel: Die Erzeugung eines Hamburgers verbraucht 2.500 Liter, ein T-Shirt 2.000 und ein halber Liter Milch 250 Liter Wasser.
Äußerst interessant seine Ausführungen bezüglich der Re-Kultivierung des Afrikanischen Landes Niger, das direkt an der Sahel-Zone liegt. Dort erholt sich die Natur in erstaunlichem Ausmaß, da man alte Kultivierungs- und Bewässerungsmethoden aus der Zeit vor der französischen Kolonisation wieder aktivieren konnte – mit enormem Erfolg. Bäume wachsen in großer Zahl, der Anbau von Gemüse und Getreide ist wieder möglich sowie Viehzucht – und das alles in einer Gegend, die zunehmend zur Wüste werden sollte…

Robert Slameczka, Vorstandsmitglied von respACT, zeigte uns ein Bild von Schachspielern, grübelnd über ihre Bretter gebeugt, scheinbar nachdenkend. Slameczka: „Das Bild trügt. Kein Schachspieler denkt jemals nach. Die denken alle VOR.“ Sein Appell: Nicht nachdenken, mehr vordenken, und dazwischen ein wenig Umdenken!

Nach einem spannenden Vortrag von Vandana Shiva, der Trägerin des Alternativen NObelpreises, bei dem sie berichtete, wie sie den Agrarmulti Monsanto in die Knie zwingen konnte, kam als Höhepunkt des ersten Tages der tolle Vortrag von Michael Braungart, seines Zeichens Erfinder des Cradle-to-Cradle Systems.
Er zauberte uns pointiert eine tatsächlich neue Sichtweise auf die Frage der Nachhaltigkeit: „Ich halte nichts von Nachhaltigkeit – wenn mich jemals wer fragt, wie die Beziehung zu meiner Frau ist, und ich antworte: nachhaltig! – dann lasse ich mich scheiden!“
Braungart entwirft eine spannende Weltsicht – nicht nur aus seiner Sicht als Chemiker, sondern durchaus gesamtökonomisch und gesamtökologisch gesehen: Aus Abfall werden Rohstoffe, direkt angelehnt an das Vorbild Natur, wo es Abfall in dem Sinn gar nicht gibt. Holland hat diesen Ansatz bereits ins Regierungsprogramm geschrieben und auch in Österreich gibt es eine Anzahl von Betrieben, die modern genug sind und weit genug in die Zukunft zu denken bereit sind, um diese Idee in ihr Denken und Handeln einzubeziehen.
Sein Resümé: Ich will einen MÖGLICHST GROßEN ökologischen Fußabdruck hinterlassen – aber einen NÜTZLICHEN!

Dazu noch abschließend ein Buchtipp: Braungart Michael – „Einfach intelligent produzieren: Cradle to cradle: Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können. Gebrauchsanweisungen für das 21. Jahrhundert“
Mein Kommentar dazu: Dort liegen die Investitionsmöglichkeiten der nächsten Jahre und Jahrzehnte!

Odyssee 2009 – nicht im Weltall

Montag, 19:30, Bernhard und meine Wenigkeit haben beschlossen, uns eine Portion der besten Spareribs reinzustellen, die was wo gibt.
Tatort: Eulenspiegel, Klosterneuburg.

Vorteil: Haben einen Gastgarten seit ein paar Jahren. Nachteil: Haben am Montag zu.

Also beschließen wir, woanders unseren Hunger zu stillen, z.B. im neuen „Donau“ – frisch eröffnet und gar nicht weit weg vom Eulenspiegel und leider auch gar nicht sehr offen.

Macht nix, Castel Nuovo, die Pizzeria Richtung Weidling, super für einen schönen, lauschigen Abend im Freien, ein gutes Glaserl Wein, eine ordentliche Pizza, allerdings nicht so super am Montag, da hat sie nämlich geschlossen.

Leichte Verzweiflung, Hunger steigt, Zeit schreitet voran, wir beschließen, zurück nach Wien zu fahren. Der „Bamkraxler“ in Heiligenstadt ist nicht weit zu fahren und hat an allen Wochentagen offen. Außer Montags.

Gott sei Dank hat das Francesco offen, super Gastgarten, gutes Essen, sehr nett – und das wissen auch alle anderen Hungrigen, die am Montag essen gehen wollen. Bummvoll die Hütte.

Letztlich konnten wir einen Tisch ergattern (ich drohte einigen Gästen, eine meiner „Kurzgeschichten“ zu erzählen und Bernhard schlitzte derweil mit einem Skalpell ein Kastanienbaumblatt in feine Streifen – irgendwie half das) und die wirklich gute Bedienung und das kühle Bier retteten den Abend.

Was ist los, es Wiatn, Montags nie Hunger?

ZIB 2: Neuer Name für Eskimo!

Danke Armin Wolf für den kleinen Schmunzler, den ich gerade haben durfte.

Anlass: Die Firma Unilever wird kritisiert, weil sie ein neues Eis mit dem Geschmack von „Mohr im Hemd“ mit dem Slogan „I will mohr“ bewirbt.

Dass das sowieso eher aus der werbetechnischen Armutschkerlschiene kommt, sei nur am Rand erwähnt, die Plakatwerbung wird angeblich nicht verlängert.

Die Debatte über historische Reste in unserer Sprache bleibt jedoch aktuell.

Armin Wolf gibt ihr den Stellenwert, den sie verdient: Nennt doch gleich die Marke „Inuit“ statt „Eskimo!“

Ich darf noch ein paar Vorschläge dazupfuschen:

„Sinti-und-Roma-Schnitzel“ statt „Zigeunerschnitzel“

„Mafiatorte“ statt „Pizza“

„Schwarzafrikaner im Hemd“ statt dem erwähnten „Mohr im Hemd“

„Afro- und Anglo-amerikano-disisakum“ statt „Afrodisiakum“

Und was soll Dieter Mohr jetzt machen? Sich „Dieter Schwarzafrikaner“ nennen? Die Grenze der Zumutbarkeit wird gemeinsam mit der Grenze für Lächerlichkeit stark beansprucht!

Das müsste eigentlich reichen!

Mehr Drehmoment bitte! – der neue Porsche 911 GT3

Übrigens: ich habe Porschefahrer unter meinen Freunden, die trotz ihres Bolidens verantwortungsvoll mit der Umwelt umgehen. Vielleicht fallen mir Artikel wie der folgende ja gerade deshalb auf:

Aus einer Werbeaussendung von Porsche (von medianet gedruckt):

„435 PS gibt der auf 3,8 l vergrößerte Sechszylinder-Saugmotor jetzt ab, ein Plus von 20 PS gegenüber dem Vorgängermodell. Zudem bietet die Kraftkur des Boxermotors einen besonders im Alltagsbetrieb spürbaren Drehmomentzuwachs im mittleren Drehzahlbereich.“

Hm, ich überlege, wie mein Alltagsbetrieb aussieht. Beim Abliefern eines Buchmanuskripts kämen mir 20 zusätzliche PS durchaus zugute. Und am Weg zum Billa zählt Drehmoment, Drehmoment und nochmals Drehmoment – sonst käme ich ja nie an und die Milch wird sauer. Endlich ein Auto, das alltagstauglich ist!

Wie ist das eigentlich mit dem Fahrrad, mit dem ich zum Supermarkt komme. Hat das auch genügend Drehmoment im mittleren Bereich?
Und wenn ich zu Fuß einkaufen gehe (was ich mich schon fast nicht mehr traue, ist ja erbärmlich, mit so wenig Drehmoment, Drehmoment, Drehmoment), bezeichnet man das dann als „Gehmoment“?

Wenn einer an mir vorbeibraust, mit diesem als „Super-Sportler“ bezeichneten Auto, ist der Fahrer dann automatisch auch ein Supersportler? Nützt es dann was, wenn ich vom Gehen ins leichte Traben falle (das Billa-Sackerl wackelt dann so unangenehm) – der Porsche schafft immerhin 312 km/h Spitze, da kann ich im Laufschritt wahrscheinlich nicht mithalten.

Porsche gibt bekannt, dass gleichzeitig die Abgasemissionen verringert werden konnten – ha, da kann ich mithalten, sowohl am Fahrrad als auch zu Fuß.
Obwohl, wenn ich furzen muss, zählt das dann als Abgaswert? Und wie ist das, wenn der Porsche-Fahrer furzen muss, etwa wenn er (wie Porsche angibt) aus dem Stand in 8,2 Sekunden auf 160 beschleunigt, da kann einem ja versehentlich einer auskommen, zählt das dann als zusätzlicher Abgaswert?
Ja ja, der neue Porsche wirft viele Fragen auf, speziell für unseren Alltag.