Was wir vom Oman lernen können

Der Oman ist ein Wüstenstaat auf der arabischen Halbinsel und kaum jemand von uns war je dort. Es gibt viel Interessantes zu entdecken, ich möchte mich hier auf ein Thema beschränken, das bei uns auch gerade aktuell ist.

Wasser ist im Oman extrem wichtig. Sie haben daher eines der ältesten und schlauesten Systeme erfunden. Erstens funktioniert ihr Wassersystem ohne zusätzliche Energie, d. h. mit dem natürlichen Gefälle.
Zweitens gibt es dort eine wichtige Berufsgruppe, die „Wasserwächter“. Die meisten Männer, die diesen Job ausüben, haben ihn von ihrem Vater gelernt. Man kann so etwas nicht studieren, weil man nicht nur die Gesetze der Hydraulik beherrschen muss, sondern auch die sozialen Gesetze des Ortes. Der Wasserwächter muss etwa wissen, wie groß die Familien sind, wie viel Wasser sie wofür benötigen, wann sie was anbauen und wo sie gerade viel oder wenig Wasser brauchen.
Mit Wasser wird auch gehandelt, man kann es kaufen, verkaufen oder auch ersteigern, auf einer Art Börse.

Das funktioniert schon so lange, dass das Wassersystem des Oman als ältestes ökologisches System der Welt gilt. Im Gegensatz zu unserem für solche Dinge verwendeten Leistungsprinzip funktioniert das dortige nach dem Bedürfnisprinzip: Wer mehr Dattelpalmen hat, bekommt mehr Wasser. Wenn es wenig Wasser gibt, wird jedoch alles zu gleichen Teilen aufgeteilt, damit alle genug haben.

Das Wassersystem funktioniert unter anderem schon deswegen so lange, weil die Omani nichts ändern, was gut ist. Wozu auch? Sie tragen keine Jeans, weil ihre traditionellen Gewänder für das heiße Klima viel besser geeignet sind. Für manche Zwecke sind Geländewägen gut, daher haben sie welche, als Ergänzung zu den Eseln. Sie können etwas, das wir verlernt haben: Mit dem Optimum zufrieden sein. Wir können das nicht und streben immer nach einem Maximum.

Im Oman stimmen Tradition und Moderne zusammen. Junge Menschen bekommen eine gute Schulausbildung, lernen Englisch etc. – und doch arbeiten sie auch als Viehhirten. Das ist im Oman nämlich ein geschätztes und ehrenvolles Gewerbe. Die Menschen sehen hier keinen Widerspruch und wirken nicht so zerrissen wie unsereins.

Was ich am Pferdefleischskandal interessant finde

Lidl nimmt ein Produkt aus den Regalen, und zwar „Combino Penne Bolognese 750 Gramm“.

Ich zitiere aus medianet, die wiederum von der APA zitieren: Die Sperre sei aber vorausschauend geschehen, da der betroffene Artikel „ins Profil passt“, sagte ein Lidl-Sprecher der APA. Ob es sich beim betroffenen Produkt um dasselbe handelt wie „Tiefkühl Penne Bolognese 750 g“ des deutschen Diskonters Aldi Nord, in dem bereits Pferdefleisch gefunden wurde, war vorerst unklar. „Derzeit werden alle relevanten Artikel überprüft“, betonte der Lidl-Sprecher.

Jetzt kommt heraus, dass quasi eh überall das gleiche drin ist – oft ist nur die Verpackung anders. Das betrifft einen durchaus erklecklichen Anteil unserer „Consumer goods“ wie das im Fachchinesisch so schön heißt. Ich weiß persönlich von zwei Herstellern, die verschiedene „Marken“ auf ein und derselben Produktionsstraße erzeugen. Das wird natürlich geheim gehalten und auch die MitarbeiterInnen unterliegen der Verschwiegenheitspflicht. Es dürfte auch eine Art Abkommen mit den Medien geben, die darüber nahezu nie berichten.

An eine Folge dieser Produktions- Marketing- Produkt- und Werbestrategie denkt man dabei als Konsument meist nicht, bekommt sie aber zu spüren: Allgemeine Verwirrung. Was auf dem Etikett abgebildet ist, hat oft nichts mit dem zu tun, was dahinter enthalten ist. Die Produktbeschreibung und selbst die Auflistung der Inhaltsstoffe lassen keinerlei Rückschlüsse auf Herkunft, Qualität, Produktionsprozess und eben auch auf die Inhalte zu – weder Mengen noch Zusammensetzung. Die Industrie verteidigt diese Nicht-Information mit „notwendigem Betriebsgeheimnis“ – sonst könnte es ja jeder nachmachen und das wäre ein Wettbewerbsvorteil.

Das ist wahre Chuzpe – es ist sowieso überall das gleiche drin. Wer sich länger damit beschäftigt, dem vergeht der Appetit, ganz abgesehen davon, dass es extrem zeitaufwändig ist und oft in einer Sackgasse endet.

Im Laufe der Jahre haben sich die KonsumentInnen daran gewöhnt. Sie kaufen ein Produkt, auf dessen Etikett „mit neuer, verbesserter Rezeptur“ gedruckt steht. Worin diese Verbesserung besteht, wird ausnahmslos nicht hinterfragt. Es gibt auch keine gesetzliche Regelung, die konsumentenfreundlich unterstützt, daher ist es völlig egal, ob das Rezept jetzt anders ist. Und die meisten KonsumentInnen wollen das auch nicht wissen, sei es aus Bequemlichkeit, sei es aus Zeit- oder Motivationsmangel. Viele sind dort angelangt, wo die Industrie sie gerne haben will: Sie kaufen ohne jegliche Überprüfung und schauen maximal noch auf den Preis. Auch der Geschmack spielt meist keine Rolle, maximal die Konsistenz, fast immer jedoch Form und Farbe der Verpackung.

Ich werde das nicht ändern können, aber ich wünsche mir die Wahlmöglichkeit zwischen Mist und guter Qualität – also genau das, was die Industrie um jeden Preis verhindern will. Sie versucht sogar die letzte Lücke zu schließen, die es derzeit noch gibt: Direktkauf am Bauernhof. Nur wenn ich den Bauern kenne und ihm vertraue, kann ich noch einigermaßen sicher sein, dass ich das bekomme, was ich will. Das gilt aber auch nur, wenn er wiederum nicht selbst getäuscht wurde, etwa beim Einkauf seiner Rohstoffe.

Wenn einmal ausnahmsweise eine der zahlreichen Täuschungen bekannt wird, dann gilt das als „Skandal“. Damit werden die eigentlichen Skandale gut verschleiert und die Industrie kann in Ruhe genau so weitermachen wie bisher. Zu stark ist ihre Lobby, als dass sich die Politiker widersetzen würden.

Die Politiker vertreten in diesem Fall die Interessen der Industrie statt der WählerInnen.
Diese lassen sich das gefallen.
Dadurch sinkt die Qualität der Nahrungsmittel. Dem Betrug wird Tür und Tor geöffnet.
Das wiederum fällt den Menschen nicht auf oder ist ihnen egal.

Und das ist der eigentliche Skandal.

Der grosse Pizzeria-Test

Die Ausgangssituation

Es ist eine tolle Erinnerung aus meiner Jugend: An einer Pizzeria in Italien vorbei zu gehen war fast unmöglich – zu verführerisch der Duft, zu verlockend der Geschmack.
Auch in Österreich bekam man damals da und dort eine wirklich gute Pizza. Die Tiefkühlpizzae waren stets ein billiger Kompromiss, am besten noch diejenigen, die sehr sparsam belegt waren und die man selbst mit Belag und Gewürz verbessern konnte.
Es war ein schleichender Prozess mit einem für mich enttäuschenden Ende. Über viele Jahre verschwand die gute Pizza aus Wien. Genauer gesagt verschwand der gute Geschmack.
In einer Doku über die Pizza erfuhr ich vor ein paar Jahren, dass der gute Geschmack wesentlich durch die Qualität der Inhaltsstoffe bestimmt wird. Konkret geht es dabei um die Basiszutaten wie Paradeissauce, Gewürze und Käse.
Und genau daran wird heute gespart, auch in „echt italienischen“ Pizzeriae in Wien. Den Teig bekommen viele sehr gut hin, aber es mangelt am Rest.

Das ist für mich aber noch kein hinreichender Grund für die Entwicklung, denn dann könnte ich ja etwas mehr bezahlen und würde auch eine bessere Pizza bekommen. Doch es gibt sie auch nicht für viel Geld.
Der einzige Grund, der mir dafür noch einfällt, sind die KonsumentInnen und die Veränderung ihres Geschmacks. Der zieht sich nämlich quer durch alle Lebensmittel und schließt die Pizza mit ein.
Ich nenne das die „Verheinekenisierung“ unserer Nahrung. Heineken ist ein Bier, dem jeglicher Biergeschmack entzogen wurde. Es trifft daher den kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenner aller Biertrinker weltweit, und der ist ganz unten, also bei „kein Geschmack“. Daher lässt sich Heineken auch weltweit verkaufen, so wie seine Nachahmer. Der Verkauf erfolgt über Marketingmaßnahmen. Ein gutes Beispiel ist bei uns das Corona-Bier, das auch niemand wegen des Geschmacks trinkt, sondern weil es so exotisch aussieht und ein exotisches Image hat. Man stopft die Zitrone, die eigentlich zur Desinfiszierung des Flaschenrandes im nicht gerade überhygienischen Mexiko verwendet wird, in das Bier hinein und hält sich dabei für modisch-schick.

Ähnlich sieht es bei der Pizza aus. Hier ist in ganz Österreich die „American Pizza“ in Mode. Sie besteht aus dickem, fettigem Teig mit einem riesigen Haufen an minderwertigen Zutaten (Wasserschinken, Dosenchampignons, Analogkäse). Da all diese Zutaten laut des österr. Lebensmittelgesetzes deklarationsfrei verwendet werden dürfen und die KonsumentInnen dies auch ohne Zögern kaufen, setzt sich der Mist durch, da er gut lieferbar und sehr billig ist.

Pizza ist generell keine teure Nahrung und so sind die Gewinnspannen entsprechend gering. Die Pizzeriae müssen mit Pizzadiensten ihren Umsatz erhöhen und die Lieferpizza wird meist hinsichtlich ihres Sättigungsgrades gekauft und nicht wegen des Geschmacks. Der Großteil dieser Pizzae müssen also der American Pizza entsprechen und da man normalerweise nicht zwei verschiedene Arten erzeugt, macht man eben jetzt alles mit entsprechenden Zutaten und ohne Geschmack.

Ich leide darunter, denn ich habe immer noch diesen Duft und Geschmack in Erinnerung. Also beschloss ich vor ein paar Jahren nach einer Pizzeria zu suchen, die vielleicht noch die gute italienische Pizza bäckt. Ich sage es vorweg: bisher war ich in Wien erfolglos.
Nach und nach beschlich mich der Verdacht, dass ich einer romantischen Verklärung nachhänge und es diese Pizza gar nicht gibt. Doch dann fuhr ich im Sommer 2012 nach Italien und bekam sie, und zwar in der Pizzeria „La Lanterna“ in Cavallino bei Jesolo. Das ist ein Ristorante mit Spezialisierung auf Fischgerichte, aber eben auch eine Pizzeria (www.lalanterna.info). Sie wird nicht nur von Touristen, sondern auch von Einheimischen besucht und ich war 2x dort. Meine Freude war riesig, denn ich bekam exakt das, was ich aus meiner Jugend in Erinnerung hatte. Selbst wenn man den „Urlaubsfaktor“ abzieht, bleibt eine Pizza übrig, die sich vom hiesigen Zeug um Welten unterscheidet.
Ich konnte leider nicht feststellen, wie bzw. womit sie die Pizza genau zubereiten, am Ofen bzw. am Teig lag es jedenfalls nicht.

Hier nun die Testergebnisse aus Wien. Sie werden laufend ergänzt, denn ich teste weiter. So lange, bis ich eine gute Pizzeria gefunden habe oder alle durch bin. Alle basieren auf Empfehlungen („Da musst Du hingehen, dort ist die Pizza spitze.“) Meistens bestelle ich die Pizza Prosciutto, also mit Schinken, denn dann kann ich am besten vergleichen. Sie heißt bei uns übrigens meistens Cardinale.

1.) Pizzeria Da Filippo, 1160 Wien, Richard Wagnerplatz 17
Eine eher ungemütliche Gruft, die Bedienung ziemlich unbeteiligt. Man tut, weil man muss. Der Teig Standard, die Pizza ohne jeglichen Geschmack, Dutzendware.

2.) Ristorante Pizzeria Francesco, 1140 Wien, Linzer Straße 415
Als Lokal ist es mir zu dunkel. Die Bedienung okay, die Pizza ein wenig über dem Durchschnitt, den man in Wien bekommt. Aber eben nur ein wenig. Der Teig ist sehr gut, nicht zu dick und nicht zu dünn, auch die Konsistenz stimmt und ebenfalls die Belagstärke. Einzig die Würzung fehlt wie immer. Selbst wenn Knoblauch oder Oregano eher als Notwürze eingestuft werden können, gibt es nicht einmal das. Das gilt übrigens auch für das Schwesterlokal auf der Grinzinger Straße. Dort ist die Qualität vor ca. 5 Jahren deutlich zurück gegangen und liegt jetzt unter dem Durchschnitt. Beide Lokale sind nicht billig, das hat aber leider keinen Einfluss auf die Pizzaqualität.

3.) Pizzeria Vesuvio, 1170 Wien, Römergasse 77
Bei einem Freund habe ich Pizza bestellt, weil die Vesuvio in Reichweite lag. Das war eine der größten Enttäuschungen überhaupt und die derzeitige Benchmark nach unten. Fetter, zäher Teig und unfassbar geschmacksbefreite Zutaten. Das Zeug lag schwer im Magen und ich bekam es überhaupt nur mit entsprechend viel scharfer Sauce hinunter. Das Feedback auf den Internet-Bestellseiten überschlägt sich vor Lob und ich frage mich, was diese Leute sonst für Nahrung zu sich nehmen (ich wollte das zwar drastischer formulieren, hoffe aber, es kommt auch so an).
Ich achte seitdem nicht mehr auf das Feedback, lasse mir aber immer noch gerne Tipps geben.

4.) That´s Amore, 1030 Wien, Messenhausergasse 13
„Wir sind halt durch und durch Italiani veri“ meinen sie auf ihrer Website www.thatsamore.at. Sie haben bei ihren „Mamas“ gelernt. Nun ja, fragt sich nur was – Pizza backen jedenfalls nicht. Ich bestellte die Pizza des Hauses (That´s amore) und bekam eine Art Doughnut, einen dicken Teigring, gefüllt mit Ricotta. Leider war die Speisekarte „italiano“ und ich merkte das erst, als es zu spät war. Ich wollte aber eine Pizza und hoffte, dass der Kellner mir das umtauschen würde. Das tat er auch, wenngleich es ihn viel Mühe kostete zu unserem Tisch zu kommen, weil er intensiv mit Kollegen tratschen musste und außerdem noch die Abrechnungen der vielen Pizzaboten erledigen durfte.
Dann bekam ich die neue Pizza, mit Unmengen Schinken, Käse und Dosenchampignons. Alles schwamm in Öl und ließ auch die geringste Würze vermissen. Mein lieber Freund Bernhard hatte es ein wenig besser getroffen, ihm schmeckte seine Pizza. Das half mir leider nichts, ich würgte das Ding runter und wir verließen das Lokal möglichst schnell. Meine Enttäuschung war groß, weil das eine sehr intensive Empfehlung war. Und eines der schlimmsten Erlebnisse. Genau so schmeckt das Gegenteil von einer guten italienischen Pizza.

5.) Pizza Mari, 1020 Wien, Leopoldsgasse 23A
Die bisher eindringlichste Empfehlung: „Geh hin, die weltbeste Pizza, das Lokal ist aber nicht schön.“
Also ging ich mit einer lieben Freundin hin und setzte mich in die neon-beleuchtete Bahnhofskantine. Ich muss dazu sagen, dass mir das nichts ausmachte, denn ich war ja zum Pizzaessen dort. Die netten Studentinnen der Bedienung waren schnell und freundlich, die Karte klein und die Preise fair. Außerdem war das Lokal gut besucht, nur die ständig verkehrenden Pizzaboten machten mich unsicher.
Ich sage es mal so: Wäre noch die Zutat „Geschmack“ auf meiner Pizza gewesen, dann hätte es gepasst. Ab der Hälfte wurde der Teig übrigens sehr zäh und ließ sich nur mehr mit großem Aufwand schneiden.
Ich hatte eine Pizza mit einer niederösterr. Wurst bestellt, weil es dort keine „normalen“ Pizzae gibt – was mir nichts ausmacht. Die Wurst selbst war sehr würzig, konnte aber nicht verheimlichen, dass der Rest komplett ungewürzt war. Auch hier dürfte die Paradeissauce aus dem großen Plastikkanister kommen und der Käse von woher auch immer.
Fazit: Durchschnittliche Pizza, weit entfernt von der guten italienischen.

6.) Pizzeria Cavallo Bianco, 1180 Wien, Schulgasse 51
Mehrfach getestet, stets das Gleiche: die Pizza für´s Auge. Schon die Nase hat nichts mehr davon und der Gaumen dann erst recht nicht. Ich bin stets aufs Neue verwundert, wie man es fertig bringt, die Pizza komplett geschmacksfrei zu halten. Selbst mit zusätzlich als Notlösung bestelltem Oregano und Knoblauch drauf war einfach nichts da. Gar nichts, nicht einmal der Versuch von Geschmack. Der Teig war übrigens okay.

7.) Trattoria I Carusi, 1070 Wien, Kirchengasse 21
Es ist schon länger her, aber die „feinste traditionelle italienische Küche“ bezieht sich zumindest sicher nicht auf Pizza. Die schmeckt so wie in hundert anderen Pizzeriae in Wien, nämlich nach wenig. Schade, auch das war eine Empfehlung, die ich leider nicht weiter geben kann.
UPDATE FEBRUAR 2016
Ich war noch einmal dort und durchwegs positiv überrascht. Die Pizza des Tages mit Zwiebel und Parmesan hatte einen guten Boden, vielleicht einen winzigen Hauch zu weich, aber wirklich nur winzig. Der Belag war geschmackvoll und reiht sich hier sicher in die Top 5 in Wien ein. Einzig und allein Fett muss man mögen, die Pizza hatte reichlich davon, wahrscheinlich Öl und der Käse.

8.) Pizzeria „Il Sestante“, 1080 Wien, Piaristengasse 50 (www.sestante.at)
Die beste bisher! Die Preise sind normal, die Kellner südländisch-ang´fressen darüber, dass sie gerade ihren Job machen müssen und nicht mit hübschen Frauen in einem flotten Sportwagen eine Küstenpromenade unsicher machen können.
Kurz gesagt: Die Pizza reicht bei weitem nicht an das italienische Vorbild heran, sticht aber aus dem bisher getesteten Einheitsfraß deutlich heraus. Da ist schon so eine Idee von Geschmack enthalten, der Teig war auch gut und die Portion normal-ausreichend. Das Dessert darf auch speziell gelobt werden und die Atmosphäre ist angenehm.

9.) Ristorante Pizzeria Giuliano, 1090 Wien, Tendlergasse 3 (www.pizzeria-giuliano.at)
Ein nettes Lokal mit guter Bedienung und guter Pasta. Der Pizzateig ist hervorragend, die Preise sind normal, für den Knoblauch auf der Pizza zahlt man allerdings einen Euro extra.
Leider hilft er auch nicht etwas Geschmack zu erzeugen. Wieder einmal ein Reinfall, ich kenne das Lokal schon seit zehn Jahren und die Chefin hat mir schon seinerzeit gesagt, ich müsse es vorher bekannt geben, wenn ich Würze auf der Pizza möchte.
Nein, das möchte ich nicht. Ich möchte eine Pizza, die deswegen gut schmeckt, weil es dem Koch oder wem auch immer ein Bedürfnis ist sie geschmackvoll zuzubereiten. Ich muss in Italien ja auch nicht extra um den Geschmack bitten.
An dieser Stelle darf ich auch auf die tolle Website hinweisen. So wie inzwischen viele italienischen Restaurants ist sie professionell gemacht, ansprechend und bei der Beschreibung läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Hier wird z. B. geschrieben, dass man „ausschließlich erlesene Zutaten aus der Region“ verwendet. Ich frage mich nur, was das Erlesene an der Tomatensauce oder am Käse ist und aus welcher Region sie kommen. Aus der Formkäsefabrik in einer deutschen Region? Aus der chinesischen Tomatenplantage? Oder vielleicht tatsächlich aus Italien, wo es halt auch schon die Tomatenfabriken gibt, die diesen Mist erzeugen.

10.) Peppones Little Italy, 1050 Wien, LEIDER FÜR IMMER GESCHLOSSEN
Echte Italiener – alle Kellner sind tatsächlich aus unserem südlichen Nachbarland. Die Atmosphäre passt, man ist freundlich inklusive dem kleinen Schuss Verachtung, den junge Italiener den Gästen antragen, die sie zu diesem Job zwingen. Man würde lieber mit einer Bella Ragazza irgendwo abhängen.
Die Speisekarte ist klein, was ein gutes Zeichen ist. Die Minestrone als Vorspeise war gut, aber nicht außergewöhnlich.
Nun zur Pizza: Gehört sicher zum besten, was ich in Wien bisher bekommen habe. Der Mozzarella ist echt vom Büffel – zumindest schreiben sie das. Der Teig ist okay, fast ein wenig zäh, aber man bekommt vorsichtshalber sehr gute Messer. Die Pizza hat sie übliche Größe und ist für meinen Geschmack um einen Hauch zu dick belegt – aber wirklich nur um einen Hauch.

PepponePizza

Der Geschmack ist gut, bis halt, ja bis halt auf die Würze. Das geht scheinbar verloren, wenn ein italienischer Pizzakoch über die Grenze nach Norden reist. Ich habe keine Ahnung warum. Meine Kollegin Renate bat dann noch um Salz, was den Koch zu einem Aufschrei des Entsetzens bewog.
„Würz deine Pizza so wie es sich gehört“ hätte ich ihm gerne zugerufen, „dann braucht man nicht nachwürzen.“ Er würde es nicht verstehen, und das liegt nicht an der Sprache.
Alles in allem empfehlenswert, auch das Tiramisu war okay, wenngleich zu geil, weil fast nur aus Mascarpone bestehend. Pizzamäßig deutlich über dem Durchschnitt, aber auch deutlich unter einer guten italienischen Pizza.

11.) Il Sole, 1090 Wien, Liechtensteinstraße 96
Ich mache es kurz: Danke für die vielen Tipps, liebe Freunde. Leider habt ihr oft eine ausgesprochen andere Vorstellung von guter Pizza als ich. Das trifft auch auf das „Il Sole“ zu. Ein feuchter Innenhof mit seltsamen Tischen und noch seltsameren Sesseln, an sehr heißen Sommertagen aber ein guter Platz. Ich wähle diesmal die Pizza Mama Mia, das ist eine Cardinale mit Zwiebel und zwei Pfefferoni. Wie in Wien so oft ist der Teig sehr gut. Diesmal wirklich fein, nicht zu dick, knackig aber nicht hart und die Pizza ist sehr groß.
Doch dann – wässriger Schinken ohne Geschmack, unterboten von der üblichen Tomatensauce, würzbefreit, plus dem obligaten Metro-Pizzakäse. Falls er nicht vom Metro ist, bitte ich um Entschuldigung, geschmeckt hat er jedenfalls so, nämlich nach nichts. Das dürfte sich zum österreichischen Pizza-Durchschnittsgeschmack entwickeln, was sich ausgesprochen bedaure. Ein paar Körnchen Oregano nutzen nichts und der feinste Pizzaofen kann das nicht mehr wettmachen, die Pizza im Il Sole ist essbar, wenn man eine Füllung des Magens braucht. Wer italienische Pizza will, muss woanders hin gehen.

12.) Monte Christo, 1190 Wien, Döblinger Hauptstraße 34
Ein Lokal mit freundlicher Optik, einem durchaus annehmbaren Schanigarten und südländisch wirkenden Kellnern. Das „südländisch“ zeigt sich etwa daran, dass sie kein einziges Mal an den Tisch kamen um zu fragen, ob wir noch einen Wunsch hätten. Vielleicht ist das ja auch nicht typisch südländisch, sondern einfach nur ökonomisch blöd.
Egal, es geht um die Pizza. Und die ist eine Pizza. Viel mehr muss man darüber nicht anmerken, oder wie Falco sagen würde: „Es ist doch alles schon gesagt. Ohne uns sind wir die Hälfte wert.“ Das Übliche, essbar, sogar mit Oregano, Teig okay, Belagstärke sogar sehr fein. Und aus.

13.) Da Capo, Schulerstraße 18, 1010 Wien, www.dacapo.co.at
„Leider, Oregano haben wir keinen.“
Eigentlich könnte ich mit dieser Antwort auf meine Frage nach ein wenig Würze schon wieder aufhören, es ist fast alles geklärt. Aber ein paar Details erwähne ich noch. Diesmal war auch der Teig nicht wirklich ein Genuss, eine Mischung aus zäh und eher hart. Der Belag hatte die richtige Stärke, war aber wieder einmal komplett geschmacksbefreit. Und diesmal auch geruchsbefreit, die Pizza roch nach gar nichts, und ich hatte definitiv keinen Schnupfen und bin stolzer Besitzer einer großen Nase.
Sie brachten mir dann ein wenig Knoblauchsauce und eine Art Chilisauce, mit der ich die Pizza beträufelte.
Die Pizzae sind nicht billig, aber wir verließen das Lokal trotzdem ohne viel Geld auszugeben, denn der Kellner ließ sich für so lange Zeit nicht blicken, dass wir froh waren, noch etwas Wasser in den Karaffen zu haben.
Daumen deutlich abwärts.

14.) Pizzeria Dolce Vita, Nordbahnstraße 32, 1020 Wien www.meinepizzeria.at
Die Ecke Am Tabor und Nordbahnstraße bietet einen romantischen Blick auf Autos, Bahnen und Fabriksgebäude und der Schanigarten besteht im Sommer aus ein paar Tischen und Sesseln am Gehsteig. Auch innen eher na ja, mit einem großen Nichtraucherbereich und einem verdammt künstlichen Orangenbaum.
Aber was hat das mit den Pizze zu tun? Nichts. Außerdem war ich im Winter zu Besuch, auf eine Empfehlung meines alten Freundes Gabor, der der Einfachheit halber gleich mit mir dort war.
Die Kellner haben südländisches Temperament (Türken, schätze ich) und dementsprechend lange dauerte es um nachzubestellen. Übrigens kann man auch online bestellen und auf der schlichten Website wird genau erklärt, worum es geht: „Beste Qualität und großzügige Portionen“.
Das mit den großzügigen Portionen stimmt, die Pizza war wirklich groß und reichlich belegt, hart an der Grenze des zu viel, aber eben gerade noch nicht die unselige American Pizza. Sehr schön saftig war sie auch.
Auf der Karte steht geschrieben, dass sie mit Knoblauch und Oregano serviert werden – manche meinen, das gehört nicht auf eine Pizza, aber generell ist das zumindest ein klares Zeichen: Geschmack muss nicht bestellt, sondern er kann abbestellt werden.
Der Teig war ebenfalls okay und die Pizza wurde in angemessener Zeit serviert. Sie reiht sich punkto Geschmack ziemlich weit oben ein, zumindest für Wiener Verhältnisse. Sie kann eigentlich mit dem Il Sestante konkurrieren und landet somit ex equo auf Platz zwei. Nicht übel, dort kann man durchaus hingehen.

15.) Rossini, Schönlaterngasse 11, 1010 Wien
Sehr gemischte Feedbacks im Internet, von „bester Pizza aller Zeiten“ bis „Naja, miese Bedienung“ – das versprach einen spannenden Besuch. Unscheinbar von außen, innen eigentlich ganz nett, weil nicht übertrieben durchgestyled. Die Reservierung eine halbe Stunde vorher (öffnet erst um 18.30) war unkompliziert und freundlich. Sie war auch notwendig, denn das Lokal war an diesem Samstag Abend sehr gut besucht, sprich voll mit jeder Menge unterschiedlicher Leute: Pärchen mit Hunden, Familien, befreundete Paare etc.
Im Gegensatz zu etlichen Aussagen im Internet war die Bedienung freundlich, höflich, aufmerksam und schnell, dabei aber nicht aufdringlich, jedoch stets präsent. Da gibt es überhaupt nichts zu meckern.
Das Bier (Reininghaus) okay, die Preise generell in Ordnung, vor allem für die Innenstadtlage. Die Tische stehen wie bei vielen ähnlichen Lokalen recht eng zusammen, ein Date jenseits des etwas ausgereifteren Smalltalks würde ich dort nicht machen. Die Pasta Frutti die Mare war okay, und dann gab es auch noch die Pizza für mich.
Stimmt, die hätte ich fast vergessen. Das lag nicht an der Größe und auch nicht an der Wartezeit, die war nämlich jeweils okay. Der Teig war Durchschnitt, um einen Hauch zu zäh, aber okay. Der Schinken war halt Schinken und die Champignons waren Champignons und irgendwie war alles eh jo, eh, Pizza halt. Und wie in Wien leider üblich, fehlte auch hier der Geschmack. Und übrigens auch der Geruch. Vielleicht ist sie mit dem Wort „uninspiriert“ am besten beschrieben. Das bekommt man an jeder Ecke.

16.) Disco Volante, Gumpendorferstraße 98, 1060 Wien, www.disco-volante.at
Wenn Schwarzafrikaner nach Österreich kommen, dann nimmt ihre Pigmentierung ab und nach einiger Zeit können sie einen Sonnenbrand bekommen. So ähnlich geht es scheinbar italienischen Pizzabäckern, wenn sie nach Wien kommen. Sie verlernen es italienische Pizza zuzubereiten. Ich habe keine Ahnung warum das so ist, vielleicht hängt es auch mit den Zutaten zusammen. Wer in Kenia echtes Wiener Schnitzel zubereiten will, steht vor ähnlichen Problemen.
Das Lokal ist nett angelegt, mit der Backstube genau in der Mitte, hell und offen. Leider stehen die Tische so nahe aneinander, dass man mit den Ellbogen den Nachbarn streift. Das ist nicht jedermanns Sache und für ein intimes Date ist das ungefähr der schlechteste Ort aller Zeiten.
Die Bedienung ist studentisch und die jungen Männer haben neckische Overalls an. Es wirkt verdammt hip und in und cool.
Die Anzahl der Pizzae ist sehr reduziert und das lässt Vorfreude aufkommen. Außerdem erinnert es mich an die „Mari“ in der Hollandstraße in 1020 – vielleicht nicht zufällig, die gehören angeblich zusammen. Das lässt wiederum keine Freude aufkommen (siehe oben).
Auch hier gibt es einen Pizzadienst, was leider, leider, leider bisher immer auf billige Zutaten schließen ließ.
Dann kommt die Pizza. Die Geruchsprobe ergibt: kein oder fast kein Geruch. Der Teig ist ausgezeichnet und steht einer italienischen Pizza um nichts nach: cross am Rand, trotzdem nicht hart, gehört sicher zum besten, was ich in Wien bisher bekommen habe.
Auch der Käse dürfte nicht aus der Analogabteilung sein, wunderbar.
Aus. Das war es. Ich wünschte ich könnte weiter schwärmen, aber es ließ sich leider nicht die geringste Würze finden. Es ist zum verzweifeln! Die Basis ist toll, auch die Belagstärke tadellos, nur fehlt halt, wie so oft, zu oft, der Geschmack. Möglicherweise liegt es am Wiener Publikum, das sich für Geschmack einfach nicht interessiert oder diesen sogar ablehnt. Ich weiß es nicht, aber leider ist es auch hier so wie fast überall. Der Durchschnitt schickt seinen langen Schatten voraus.

17.) Ristorante Francesco, Grinzinger Straße 50, 1190 Wien, www.francesco.at
Das ehemalige Grinzinger Landhaus ist schon seit 1996 ein Italiener. Die Einrichtung ist noch immer recht urig, es ist gut besucht und ich hab es in guter Erinnerung. Vor ein paar Jahren hat der Koch gewechselt und seitdem mag ich die Pizza nicht mehr. Jetzt war wieder der Zeitpunkt für einen neuen Test, schließlich können sich Lokale ändern und tun das auch mitunter.
Mein Bruder aß Tagliatelle con crema di rucola – Bandnudeln mit Shrimps und Rucolacreme. Das sah absolut verführerisch aus, schmeckte aber nach genau nix. Oder „fad“, wie mein Bruder anmerkte. Meine Schwester aß Cannelloni spinaci, die ihr nicht sehr mundeten, mir allerdings ganz gut schmeckten.
Bei mir wurde es eine Pizza „Massimo“ – eine vegetarische, belegt mit allerlei Gemüse. Ich war sehr gespannt. Und wurde enttäuscht. Diesmal war auch der Teig nicht gut, und das schaffen sie in den meisten Pizzeriae in Wien. Ein dünner, trockener, harter Rand – eher wie eine Tiefkühlpizza. Der Belag war reichlich, aber nicht zu viel, durchaus passend. Und das Gemüse schmeckte auch nach Gemüse. Damit hatte es aber auch schon den geschmacklichen Höhepunkt definiert, ansonsten war das Ganze komplett uninteressant. Daher leider Daumen nach unten, das kann gar nix. Schade für ein Lokal mit großem Potenzial.

18.) Trattoria Castel Nuovo, Weidlinger Straße 39, 3400 Klosterneuburg, www.castelnuovo.at
„Gemma zum Royadh“ sagt man in Klosterneuburg und meint den Besitzer der Trattoria und Pizzeria. Er kommt eigentlich aus Bagdad, braucht sich aber hinter den meisten Italienern wahrlich nicht verstecken. Bei der Pizza war ich überrascht, und zwar positiv. Sie kommt zwar an eine italienische Pizza (so wie ich sie kenne) nicht heran, reiht sich aber im bisherigen Test ganz oben ein, eigentlich schon ex equo mit Peppones Little Italy (das es leider nicht mehr gibt).

CastelNuovo

Belagstärke, Teigstärke, Konsistenz – alles sehr gut. Punkto Würze und Geschmack fehlt dann leider doch das gewisse Etwas. Aber hingehen und gut essen kann man dort allemal.

19.) Ristorante Roma, Kutschkergasse 39, 1180 Wien, www.ristorante-roma.at
Auch hier trieben mich gleich mehrere Empfehlungen hin und außerdem ist es quasi bei mir um´s Eck. Eh eine Schande dort noch nie gewesen zu sein. Aber heute war es soweit, ein lauer, eigentlich warmer Sommerabend, ein netter Tisch im Freien, die Pizzavielfalt überschaubar, was durchaus ein gutes Zeichen sein kann. Und sie war schnell da, die Pizza Cardinale, die ich ja standardmäßig bei meinen Tests zu verzehren pflege. Diesmal mit leichter Mehrinvestition, die Pizza ist hier um ca. 2-3 Euro teurer als normal.
Ein bisschen seltsam war er schon, der Gesichtsausdruck des Kellners, als ich Oregano und Knoblauch zum Nachwürzen verlangte. Leider war das dringend notwendig, weil es sich auch hier um eine absolut geschmacksfreie Pizza handelt. Auch der Teig ist weit unter dem Durchschnitt, einfach ausgesprochen zäh zu schneiden. Belagstärke und Käsekonstitution waren okay, aber das war es dann auch schon.
Das Bier okay, die Kellner im Prinzip auch, und für die Würze haben sie nichts extra berechnet. Schade dass mein erster Besuch auch zugleich mein letzter sein wird.

20.) Pizzeria Ristorante Ponte Rialto, Kreuzgasse 14, 1180 Wien, www.ponte-rialto.at
Das Lokal führt ein netter Herr aus Syrien. Das Outfit ist bescheiden (nicht vom Herrn aus Syrien, sondern vom Lokal) und Platz gab es genug, auch im kleinen Hinterhof. Es wurde wieder die Cardinale, wobei die Kellnerin vorher die Frage stellte, ob mit oder ohne Knoblauch. Das Ergebnis war knoblauchig, was aber nicht schlecht ist. Der Teig leider etwas zäh, die Belagstärke gut, ansonsten gibt es eigentlich nichts zu berichten.

21.) Pizzeria Luna Rossa, Währinger Straße 74, 1090 Wien, www.lunarossa.at
Schlichte Einrichtung, ein großer Pizza-Ofen, eine nette junge Kellnerin, wahrscheinlich aus der Slowakei. Der Chef selbst sitzt mit seiner Familie dort und isst Pizza. Alle paar Minuten kommt ein Pizzabote und holt Bestellungen ab, die er mit dem hauseigenen Smart ausführt. Offenes Bier ist leider von Heineken und damit für mich untrinkbar, die Alternative (Wieselburger aus der Flasche) begeistert mich nicht, ist aber zweitrangig.
Als der Koch die Pizza aus dem Ofen holt, gießt er noch eine satte Ladung Olivenöl drüber. Mein lieber Freund Bernhard findet das spitze und ist generell von seiner Ruccola-Pizza begeistert.
Ich kann dem nur partiell folgen. Der Teig ist okay, aber ein wenig zäh, schwierig zu schneiden. Belagstärke wunderbar, Käse nicht übel, der Schinken lässt jedoch Geschmack vermissen (Pizza Cardinale). Ansonsten gibt es wenig zu sagen. Würze Null, es schmeckt wie wenn der Koch sie vergessen hätte, was jedoch nicht der Fall ist, weil die nette Kellnerin unaufgefordert eine Salz-Pfeffer-Knoblauch-Chili-Kombi auf den Tisch stellt. Damit kann man sich etwas Geschmack auf die Pizza tun.
Wird wohl nicht meine Stamm-Pizzeria werden, trotz räumlicher Attraktivität und netter Bedienung.

22.) Ristorante Fratelli, Rotenturmstraße 11, 1010 Wien, www.fratelli.at
„Die Toskana vor der Haustüre“ tönt es auf der nett gemachten und modernen Website. Der echte Italiener am Telefon nimmt ausgesprochen freundlich die Reservierung entgegen und meint, er freut sich auf später. Ich mich auch.
Das Lokal ist riesig, der Nichtraucherbereich im Keller und die Einrichtung durchaus in dem italienischen Misch-Stil zwischen römischem Landhaus, Renaissance-Villa und viel Gold und Farbe und Ziegel usw. Im Sommer offerieren sie einen „klimatisierten Gastgarten“ – das ist dann wieder das Gegenteil von italienisch.
Die Karte wiederum offeriert eine Wucht von Branzino, Seeteufel, Wolfsbarsch etc. – alles, was an Fisch modisch und teuer ist, zu durchaus gepflegten Innenstadt-Preisen. Soll sein, die Pizzae kosten 11,50- Euro oder ein wenig mehr, das große Bier 5 Euro, glücklicherweise haben sie außer Heineken noch Zipfer Urtyp.
Diesmal wird es die Pizza Provenciale, die sich wenig später als eine Cardinale mit zwei Pfefferoni und einer Menge Dosenmais herausstellt.
Zuvor gibt es aber noch zwei Saucieren mit in Öl schwimmenden Chili-Schotenstückchen und eine Art Knoblauch-Pesto-Sauce. Mir schwant nichts Gutes, denn wenn sie selbst schon wissen, dass die Pizzae nachgewürzt werden müssen, was erwartet uns dann?
Nach der Geruchsprobe (negativ) und dem ersten Bissen kommt der Verdacht hoch, dass sie sich das Zeug vom Pizza-Mann nebenan liefern lassen. Der Teig ist so lala, der Belag viel zu dick und absolut definitiv ohne jeden Geschmack. Ist der Koch ein Menschenfeind? Hat er zu lange Maisdosen geöffnet? Wie kann man Gästen so etwas antun? Ist das so schwer eine einigermaßen anständige Pizza zu backen? Wo kaufen die ihre Zutaten ein – im Zementwerk? Und was zum Teufel ist das für ein Zeug, vom Analogkäse bis zur künstlichen Paradeissauce, vom Wasserschinken bis zu… wäh, schnell vergessen, sehr schnell.
Wenigstens haben sie nachher nicht gefragt, wie es geschmeckt hat. Diesen „kulinarischen Ausflug“ (Website Fratelli) werde ich nicht so schnell wiederholen.

23.) Pizzeria Riva, Türkenstraße Ecke Schlickgasse, 1090 Wien, www.pizzariva.at
Schnelle, sehr freundliche und einfache Reservierung: „Wir freuen uns schon auf Sie“ meint der nette Herr am Telefon.
Komisch, dass mir das Lokal noch nie aufgefallen ist – ich bin schon 100x dran vorbei gefahren. Dezent außen, sehr modern innen, mit einem riesigen Pizzaofen gleich beim Eingang.
Da war ein Innenarchitekt am Werk, der seinen Job versteht: Großzügiger Raum mit sehr interessanten Leuchten aus Kupfer, die Decke aus roh geschnittenen Holzbrettern, senkrecht abgehängt. Unaufdringlich, aber gepflegt; modern, aber gemütlich. Einziger Wermutstropfen: private Gespräche sollte man nicht planen, der Nachbartisch steht in Flüsterweite.
Das Lokal war gut besucht, das Publikum angenehm gemischt, die Musik im Hintergrund war im Hintergrund, der generelle Lärmpegel sehr niedrig – das gibt ziemliche Bestnoten.
Stiegl vom Fass, die Karte offenbart, dass es hier bis auf Dolci und Vorspeisen und Salat nur Pizza gibt. Kein Lieferdienst und in der Karte schreiben sie, dass sie echtes italienisches – genauer gesagt neapolitanisches – Mehl verwenden und italienische Paradeiser (auch wenn sie Tomaten genannt werden). Der Mozarella soll tatsächlich vom Büffel sein und auf der Website gibt es protziges Eigenlob: „In unserem Lokal in der Türkenstraße können Sie täglich die beste Pizza zwischen Spitzbergen und Neapel genießen!“
Nun, das stimmt so sicher nicht, aber die Pizza war eine durchwegs positive Überraschung. Am Bild sieht man gut den relativ dicken Teigrand – ich wurde vom freundlichen, bundesdeutschen Ober aufgeklärt, dass es sich hier um echten neapolitanischen Teig handeln würde, im Gegensatz zum römischen, der dünner und crosser wäre.

riva

Dieser Teig war jedenfalls geschmacklich wirklich gut, von der Konsistenz eher ein wenig zäh. Vor allem gegen Ende wurde das Schneiden auch aufgrund unseres Hochsitzes zu einer wackeligen Angelegenheit.
Mozarella und Paradeissauce nicht zu knapp, das Basilikumblatt fristete dafür ein äußerst einsames Dasein, die gegrillten Artischocken waren sehr gut.
Leider fehlte wiederum das gewisse Etwas. Für Wiener Verhältnisse bekommt man im Riva jedoch eine durchaus interessante und gute Pizza. Vielleicht ist sie sogar eine der besten Pizzae zwischen Spitzbergen und Klagenfurt. Für weiter südlich würde ich dann doch eher keine Garantie abgeben.
In meinem Pizzatest landet sie sicher unter den Top five, so viel ist sicher. Für alle Pizzaliebhaber, die den Durchschnittsfraß als Maßstab haben, ist sie sogar als Highlight zu empfehlen. Auch die Preise befinden sich in einem akzeptablen Rahmen, ca. ein Drittel höher als irgendwo.

24.) Pizzeria Federico II, Krieglergasse 14, 1030 Wien
Auch eine Empfehlung von irgendwem. Überwältigende Kritiken im Internet, eine echte Italiano am Telefon freut sich über meine Reservierung, pronto!
Es sind tatsächlich echte Italiener, die dort kochen und servieren. Das Lokal ist nett, einzig die massiven Gitterstäbe vor den Fenstern sorgen für ein wenig Irritation.
Was mir sofort auffällt sind die extrem eng beieinander stehenden Tische. Intimere Themen als das Wetter würde ich dort nicht anschneiden, für ein romantisches Date ist das Lokal eher nicht so geeignet.
Die Karte ist nicht allzu dick, was ich eher positiv bewerte. Eine Pizza Prosciutto e Funghi ist schnell bestellt, ein großes Stiegl dazu, das klingt vielversprechend. Dann werden die Messer ausgetauscht, wir bekommen extra Pizzamesser – die Erwartung steigt.
Dann die Pizza (pronto): Hauchdünner Boden, ziemlich cross, der Belag im richtigen Korridor, viel mehr sollte nicht drauf sein, aber es passt. Was weniger passt ist der Geschmack, der vor allem den Nachteil hat, dass er nicht vorhanden ist. Schon das komplette Fehlen irgendwelcher Hinweise auf Würze macht stutzig, die Geschmacksnerven bestätigen, was das Auge ahnt. Wer die Pizza im Internet als „grandios“ bezeichnet, dürfte mit eben diesen Nerven nicht sehr üppig ausgestattet sein.
Dafür ist das Bier eiskalt und sehr spritzig, so mag ich es.
Viel gibt es darüber hinaus nicht zu sagen. Ich habe dann noch Oregano bestellt (Kritiker meinen, der gehört gar nicht auf eine Pizza. Sie mögen Recht haben, aber ich brauche irgendwas zum Würzen und der Oregano ist fast überall zu haben und besser als nix) – es kam Pepperonico Olio mit dezenter Schärfe, laut Kellner vom „Papa selbst gemacht“.

25.) Ristorante Monte Rosa, Herbeckstraße 78, 1180 Wien, www.ristorantemonterosa.at
Es sind tatsächlich echte Italiener, die dort bedienen. Witzige, redegewandte Italianos, nie um einen guten Schmäh verlegen. Zusammen mit dem gediegen und nett, aber nicht übertrieben ausgestatteten Lokal macht das schon einmal einen schlanken Fuß. Sie haben auch gerne bei unserem Fotoprojekt mitgemacht und die Freundlichkeit wirkt nicht gespielt.
Die Bedienung ist blitzschnell und sehr aufmerksam, der Weintipp gut. Ich bin in exzellenter Begleitung und wähle die Pizza des Hauses. Sie kommt mit einer Rucola-Orgie und gutem Prosciutto sowie gehobeltem Käse. Der Teig ist allerdings irgendwie misslungen – sehr brüchig, sehr trocken und geschmacklich verdammt unauffällig.
Die Belagszutaten sind okay, aber darunter fehlt die Basis – was ich sehr schade finde, denn das Lokal ist nett und gerade da würde eine wirklich gute Pizza hinpassen. Sogar Oregano war drauf, aber mindestens bei der Paradeissauce liegt der Hund begraben, beim Teig sowieso.

26.) Pizzeria Ristorante Vulcano di Sapori, Kutschkergasse 9, 1180 Wien
Man bietet Pizza vom Steinofen an und vor allem Zustellung. Das Lokal selbst ist eigentlich nur mehr Kulisse für den Essensdienst – man bietet einen Querschnitt aus Küchen aller Welt an, von amerik. Burger bis Lamm Stifado – einfach alles.
Das ist leider kein gutes Zeichen, denn wer alles kann, der kann eigentlich nichts. Pizza im Lokal kostet bis 17 Uhr 5,90 Euro – um das Geld kannst du keine guten Zutaten verwenden, leider.
Die Pizza ist entgegen aller Erwartungen gar nicht schlecht – sie reiht sich sicher im oberen Drittel ein und vor allem ist sie um Klassen besser als die Pizza im Ristorante Roma 15 Häuser weiter in der selben Gasse. Und das bei halbem Preis.
Das zeigt, dass die Qualität von Pizza und Nahrung generell ganz schwer einschätzbar ist und auch nicht oder nur wenig vom Preis abhängt. Das ist schlecht, weil es somit fast kein Kriterium gibt um festzustellen, wie man gute Qualität erkennen kann.

27.) Pizzeria Da Peppino, Lerchenfelderstraße 65, 1070 Wien, www.dapeppino.at
Ein sehr netter Italiener empfängt uns und mein lieber Freund Bernhard und er begrüßen sich plötzlich wie alte Bekannte. Sie sind es auch, denn der Chef hat jahrelang in einem Lokal hinter der Oper kellneriert und da war Bernhard mit seinem Vater öfters dort.
Die Sessel sind unbequem, aber sowohl hinter der Schank als auch in der Küche stehen zwei ausgesprochen hübsche junge Damen – die Augenweide lässt die Rückenschmerzen schnell vergessen.
Der Chef bedient persönlich und kümmert sich um jeden Gast – „una birra grande“ ruft er durch das Lokal und versprüht italienische Gastfreundlichkeit und Lebensfreude. Kein schlechter Beginn.
Die Pizzae halten was das Lokal verspricht, der Teig hat einen Hauch von Zähigkeit, aber wirklich nur einen Hauch. Die Cardinale ist gut belegt, fast schon ein wenig zu viel vom guten Käse – vom wirklich guten Käse. Alle Achtung, das haben bisher nur wenige andere Lokale geschafft.
Die Pizza reiht sich auch geschmacklich sehr weit oben ein, durchaus vergleichbar mit der Riva – das gibt eine echte Empfehlung für ein gut erreichbares Lokal mit einem engagierten Chef und einer guten Pizza.

28.) Pizzeria Minante, Siebensterngasse 5, 1070 Wien, www.minante.at
Die Reservierung gestaltete sich spannend, denn ich versuchte es über das Online-Formular, bei dem man sich zuerst bei einem Online-Reservierungsdienst registrieren muss. Dann wird man gebeten auf die Bestätigungsmail zu warten, die aber längere Zeit nicht daherkam. Ich musste aber weg und hatte danach keine Möglichkeit mehr meine Mails abzurufen. Anrufen wäre einfacher gewesen.
Das Lokal selbst ist nett, hat aber zwei Arten von Tischen: Welche für 4 Personen und welche für 2 – letztere stehen so eng zusammen, dass sie die Privatdistanz unterschreiten und in mir den Reflex auslösen nur mehr Smalltalk zu führen. Für den Fall eines spannenden Dates daher das falsche Lokal.
Der Chef ist originale Italiano, sehr nett und zuvorkommend und die Pizza lässt auch nicht lange auf sich warten.

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Als der Chef serviert, merkt er – nicht ohne Stolz – noch an, dass die Paradeissauce sogar gänzlich ungewürzt wäre, was in mir keine lauten, spontanen Jubelschreie auslöst. Und dann fragt er, ob wir nicht doch noch was haben wollen – Chilisauce etwa oder Salz oder Pfeffer.
Ich verneine und koste die Pizza. Wobei eigentlich koste ich sie noch nicht, sondern schneide eine Ecke ab, was zu spontanem Flüssigkeitsaustritt in nicht unbeträchtlichem Ausmaß führt. Mit anderen Worten: Die Pizza saftelt.
Macht aber nix, der Teig ist okay und ich bin hungrig. Gegen diesen Hunger ist die Pizza wunderbar, für den Gusto wäre sie jedoch leider nix – sie ist das, was man am besten mit „fad“ beschreibt, nämlich gänzlich ungewürzt. Also so richtig komplett ohne jede Form des Geschmacks und sie riecht auch nicht stark.
Wir bestellen Würze, wobei der Chef anmerkt, dass es keinen Knoblauch gäbe, da das unitalienisch wäre und nein, Oregano gäbe es auch nicht, da ebenfalls unitalienisch. Daher nehmen wir was da ist und würzen nach, was aber irgendwie nix nutzt.
Eine Pizza wird entweder mit Geschmack gemacht oder ohne, das kann man nicht nachwürzen. Die Oliven wirken wie aus dem Glas und haben auch keine Kerne mehr.
Passend zur Pizza der Rotwein – leider auch fast mit der Temperatur der Pizza, was ich bei Rotwein so gar nicht zu schätzen weiß.
Insofern hält sich die Begeisterung für das Minante leider in Grenzen, was aufgrund des eigentlich netten italienischen Flairs schade ist.

29.) Pizzeria San Giovanni, Jheringgasse 14, 1150 Wien, www.san-giovanni-wien.at
Wieder eines dieser Lokale, die in erster Linie Pizzadienst machen. Klein, nicht besonders ansprechend und Italiener hat diese Pizzeria auch noch nie gesehen.
Macht nix, es geht um die Pizza. Die ist extrem groß und extrem günstig, alleine grad mal zu schaffen. Es ist spürbar, dass wir hier in einer sehr preissensiblen Gegend sind. Der Kellner hat keine Ahnung von seinem Job, der Laden dürfte in Familienunternehmen sein, wogegen ja nichts spricht. Manchmal serviert auch der Koch, dann wieder der Chef – egal, es gibt was zu essen.

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An diese Pizza darf man nicht den Maßstab einer echten italienischen Pizza anlegen, dann ist sie gut. Wenn man es doch tut, dann ist das Ergebnis überraschend. Der Teig ist ziemlich zäh und verlangt nach einem scharfen Messer. Die Belagstärke ist gut und der Geschmack ist besser als man vermuten würde – besser jedenfalls als so manche von mir getestete Luxus-Pizzeria, wo die Pizza (hier: 6,50-) gleich einmal das doppelte kostet.

30.) Pizzeria Luciano, Kreuzgasse 54, 1180 Wien
Der Pizzadienst überwiegt, aber das Lokal hat auch eine Menge Sitzplätze und macht auch damit Geschäft. Die Betreiber sind sehr nett, kennen Italien nur vom Hörensagen und kochen trotzdem italienisches Essen. Zumindest auch italienisch, oder zumindest das, was wir dafür halten.
Es ist eines dieser unzähligen Vorstadtlokale, bei denen es irgendwie alles zu bekommen gibt – allein fünf verschiedene Arten von Pizza (normal, mittel, Familie und American sowie American mittel), dazu noch Pasta, Burger, Schnitzel, Chili, Steak, Eismarillenknödel und Brownies sowie noch vieles mehr.
Um das gewährleisten zu können, muss einfach alles aus der Tiefkühltruhe sein. Ich meine das gar nicht zu kritisch, denn das machen andere Lokale nicht anders.
Die Bedienung ist immer freundlich, das Bier wird auch in den gegenüber liegenden Rollershop geliefert und seit heuer haben sie sogar einen Schanigarten, der allerdings nur sehr wenig genützt wurde.
Die Pizza kann genau das, was ich von ihr erwarte: sättigen. Und sie ist vom Geschmack gar nicht so schlecht – würde ich hier eine Tabelle erstellen, bei der Qualität der Zutaten, Preis und Geschmack in Relation gesetzt werden, würde sie gegen einige Produkte aus Pizzeriae mit klingendem Namen gewinnen.

31.) Pizzeria Casa Mia, Perfektastraße 18, 1230 Wien, www.casamia1230.at
Den Tipp dazu habe ich schon vor ein paar Jahren bekommen, nur ist das für mich fast am Ende der Welt, auch wenn die Fahrt mit dem Motorroller weniger als eine halbe Stunde beträgt.
Die Casa Mia liegt in einem modernen Gebäude und sieht unspektakulär aus. Italienisch ist an ihr gerade mal der Name, aber irgendwie ist es dort familiär – vielleicht nicht ganz zufällig, weil das Lokal als Familienbetrieb geführt wird. „Pragmatische Gemütlichkeit“ kann man der Casa Mia attestieren, die Bedienung ist schnell und freundlich, das Bier spritzig und das Lokal gut gefüllt.
Die Pizza selbst reiht sich im Mittelfeld ein. Interessanterweise kann man sich die Art des Käses aussuchen und meine Pizza Cardinale mit Büffelmozarella war nicht schlecht, in jedem Fall deutlich über vielen Lokalen, die ich schon getestet habe. „Ein bissl fad“, ohne jede Raffinesse, aber durchaus okay – so lautet mein Fazit. Wer in der Gegend wohnt, ist mit der Casa Mia gut bedient.

32.) Pizzeria Il Mare, Zieglergasse 15, 1070 Wien, www.ilmare.at
Laut Eigenwerbung „Wiens älteste und beste Pizzeria“. Eine Herausforderung!
Auf jeden Fall ist sie groß und verwinkelt und sehr gut besucht – ein gutes Zeichen. Wir bekommen einen Tisch in der Ecke und werden sehr prompt bedient. Das Fassbier ist Schwechater, na ja.
Die Auswahl an Pizzae ist riesig, es gibt normale und spezielle und bianco und noch einiges. Ich wähle eine ganz einfach Provinciale und die ist auch nach kurzer Wartezeit da.
Sie dürfte aber ein wenig herumgestanden sein, weil so richtig heiß ist sie nicht mehr. Die Belagstärke ist gut – nicht zu viel und nicht zu wenig. Der Teig fasziniert mich nicht, er ist etwas zäh und der Rand ist als Rand fast nicht erkennbar – die Pizza hört quasi einfach auf. Das und die Größe bewirken eine erste Assoziation mit Tiefkühlware.
Glücklicherweise ist es das nicht, der Käse ist gut, die Zutaten sind auch nicht schlecht und so reiht sich die Pizza im Mittelfeld ein. Geschmacklich jo eh, nicht besonders toll aber auch nicht schlecht. Wer keine hohen Ansprüche stellt ist hier gut bedient.

33.) Ristorante Scala, Servitengasse 4, 1090 Wien, www.ristorante-scala.at
Schon beim Eintreten wird klar: das ist gemütlich! Ein sehr nettes Restaurant, gemütlich und vor allem nicht zu laut, sehr gut für ein nettes Date geeignet. Wir hatten das Glück einen der letzten kleinen Tische zu bekommen, der Schanigarten war wegen des Regens zwar leer, ist aber riesig und sieht ebenfalls einladend aus. Auf der Website sieht man, dass es sich um ein Foodora-Partnerrestaurant handelt. Hm, na ja, Pizzadienst spricht eigentlich nie für hochwertige Zutaten. Mal sehen.
Meine Wahl fällt auf eine vegetarische Pizza, also mit viel Gemüse wie Melanzani und Zucchini. Sie ist eher klein gehalten, für den normalen Hunger aber absolut ausreichend. Optisch fein, der Teig Durchschnitt, der Geschmack… okay, es gibt ihn. Das ist anzumerken. Mehr aber auch nicht, der Pizza fehlt jegliche Raffinesse – leider, denn genau hierher, in dieses gemütliche, italienisch anmutende Ristorante hätte so gut eine wirklich toll schmeckende Pizza gepasst.
Dass Bier und Wein sowie die Bedienung in Ordnung waren, darf ich noch erwähnen.

34.) Eatalico – pizza e pasta, Praterstraße 31, 1020 Wien, www.eatalico.at
Das Lokal ist riesig, der Schanigarten auch. Das Personal ist flink, tut sich jedoch mit der deutschen Sprache schwer, wodurch man es dahingehend eher „Balkanico“ nennen sollte.
Heutzutage ist es gerade sehr in Mode lustige Wortspielchen zu machen, und „Eatalico“ ist auch so eines. Auf der Website wird versucht mit Sprüchen wie „Pizza Pasta fertig los“ oder „Echte 40 cm!“ noch ein wenig Originalitätswürze drüber zu streuen. Soll sein.
Man erfährt alles mögliche, etwa dass bereits 49.245 Pizzae gebacken wurden und dass das Eatalico eine neue Form der Gastronomie darstellt.
Ich bestelle in der alten Form einfach eine Pizza. Meine Wahl fällt auf eine „Mascarino“ von der Wochenkarte, die ist mit Mascarpone, Paradeiserscheiben und Prosciutto belegt und kostet 10,50- Euro.
Sie kommt flott daher und stellt sich als wirklich riesige Pizza dar, die über den viel zu kleinen Teller weit hinausragt. Das sieht zwar sehr üppig aus, ist aber zum essen jetzt nicht ganz so super, weil immer irgend ein Teil am Tisch liegt. Der sieht zwar nicht allzu dreckig aus, ich wünsche mir aber von der neuen Form der Gastronomie hier eine Verbesserung, bitte schön.
Der Teig ist ziemlich dünn und ziemlich knusprig, der Belag genau passend und die Zutaten sind in der richtigen Mischung vorhanden. Leider bestellen meine Tischnachbarn Salz und Pfeffer und irgendwas zum Nachwürzen. (An diesem Moment ist es sehr praktisch, dass die Kellner keine Italiener sind und somit auch nicht böse, wenn man Würze verlangt.)

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Das hat seinen Grund, denn die Größe ersetzt nicht den eher nicht so großen Geschmack. Ich meine, das ist jetzt keine schlechte Pizza und kann mit dem Durchschnitt hier in Wien locker mithalten, liegt sogar noch etwas drüber. Mehr aber auch nicht.
Dazu kommt noch, dass die Pizza durch ihre Größe trotz Hunger nicht schnell gegessen werden kann. Ab 2/3 ist sie eiskalt, was den Teig dazu veranlasst sich spontan die Konsistenz einer Schuhsohle zu geben, was die schnelle Essbarkeit noch zusätzlich erschwert. Aber man kann nicht alles haben, das Preis-Leistungsverhältnis ist jedenfalls ein sehr Gutes.

35.) La Cintura, Sanetty Straße 4 (Ecke Lerchenfelder Gürtel), 1080 Wien, www.la-cintura-wien.at
Ein winziges Ecklokal im Souterrain, auf den Tischen sind Plastiktischtücher, es gibt gerade mal 5 Tische und alles schreit nach Lieferservice. Den Tipp bekamen wir vom Kellner des gegenüber liegenden „Weberknecht“, der leider keine Küche hat außer Schinken-Käse-Toast („aber wir haben leider gerade keinen Schinken, ihr könnt aber das Essen mitnehmen, das ist kein Problem“).
So richtig gemütlich ist es in der La Cintura nicht, obwohl man versucht hat mit einer Zielmauer-Tapete irgendwas zu retten, was hier nicht zu retten ist. Italienisch ist hier gar nichts, weder das Ambiente noch die Kellner, die – wie heute üblich – aus Pakistan, Marokko oder sonstwo stammen. Der Pizzakoch ist aber ein Profi, er wirft die Teigfladen nur so herum und fertigt riesige Räder an, das machen echte italienische Pizzaioli auch nicht besser.
Freundlich sind sie auch, wenngleich zu spüren ist, dass dies eine Küche ist, voll ausgestattet mit allem, was man für ein Lieferservice braucht. Und dort sitzen kann man auch noch, das stimmt.
Alkohol gibt es keinen, der Kellner bedauert, und so trinken wir halt Apfelsaft gespritzt.
Die Pizzae gibt es in normal und riesig, was man schon an den überdimensionalen Kartons erkennen kann, die stapelweise für die Lieferpizzae zur Verfügung stehen.
Wir bestellen normal und bekommen riesig, weil die Kommunikation zwischen Kellner und Koch nicht ganz optimal funktioniert. Ich kam eigentlich mit kleinem Hunger her und weiß, dass ich das enorme Ding nicht bewältigen werde.
Der Teig ist gut, der Rand relativ groß aber im normalen Maß. So ähnlich (nur kleiner) sieht man es auch bei neapolitanischen Pizzae. Der Belag ist in der richtigen Stärke und auch der Geschmack ist gar nicht schlecht. Verglichen mit vielen teuren Italienern ist das durchaus bemerkenswert. Die Pizza reiht sich nicht ganz vorne ein, aber am Ende des oberen Drittels, auf jeden Fall deutlich besser als der Durchschnitt. Hätte ich mehr Hunger gehabt, so hätte die Pizza wahrscheinlich noch besser geschmeckt.
Trotzdem stellt sich immer wieder die Frage, wie bei diesem Preis wirtschaftlich gearbeitet werden kann. Natürlich gibt es hier auch Burger, Hühnerschnitzerl, SpareRibs und noch vieles mehr, aber der Schwerpunkt liegt eindeutig bei der Pizza.
Wenn der Anspruch nicht High-End ist, kann man dort durchaus hingehen oder sich was liefern lassen.

36.) I Ragazzi, Burggasse 6-8, 1070 Wien, www.iragazzi.at
Mitten in Bobostan, die Kellner echte Italiener und einen Platz im Freien haben wir auch ergattert. Was kann da noch schiefgehen? Nun, zum Beispiel die Pizza. Boden tadellos, Belagstärke wunderbar, Preis im Bobostan-Rahmen (Prosciutto 10,50-), Geschmack fad. Ich würde noch gerne ins Detail gehen, aber da gibt es keine Details mehr, das war es auch schon. Getrunken hab ich ein Franziskaner Hefe-Weizen, weil ich das Villacher Bier nicht mag, das sie offen anbieten.
Ja, das war es wirklich schon. Ende.

37.) Via Toledo, Laudongasse 13, 1080 Wien, www.viatoledo.at
Sie nennt sich „Endopizzeria“ und befindet sich an der Ecke zur Lange Gasse. Der erste Eindruck: stylish, modern, luftig, aber nicht ungemütlich. Die Website ebenfalls sehr modern, an jeder Ecke wird die italienische Authentizität betont, vielleicht ein wenig zu oft.
Die Bedienung ist freundlich und recht aufmerksam, die Musik sehr dezent im Hintergrund, dorthin kann man eine schöne Frau ausführen, keine Frage.
Wenn jetzt die Pizza auch so schmecken würde wie in der Via Toledo in Neapel, dann hätte ich hier ein perfektes Lokal gefunden. Leider tut sie das nicht, mit Verlaub, sie schmeckt einfach langweilig, ohne Pep, ohne das, was eine italienische Pizza ausmacht. Teig und Belagstärke okay, ersterer fast eine Nuance zu zäh, aber das ist kein echter Kritikpunkt.
Ich wollte noch einiges mehr schreiben, aber es wäre so leer wie meine Geschmacksempfindung nach der Pizza im Via Toledo.

38.) Ristorante Trattoria Alfredo, Steinbruchstraße 30, 1160 Wien, www.alfredo.at
Ich kenne kein anderes Lokal in Wien, bei dem es rundherum kein einziges anderes Lokal gibt, und zwar in großem Umkreis. Das Alfredo liegt einsam und allein neben Schrebergärten an der Grenze zwischen Ottakring und Benzin. Modern eingerichtet, nicht zu viel Schnick-Schnack auf superitalienisch, dafür sprechen alle Kellner als ob sie erst gestern direkt aus Neapel gekommen wären.
Drei Anläufe hat es gebraucht bis ich einen Tisch bekommen habe. Eigentlich ein gutes Zeichen und auch diesmal war das Lokal fast voll und dürfte generell gut besucht sein. Der Rotwein nicht zu warm – die verstehen ihr Geschäft. Nicht ganz glücklich war ich mit der Dolce-Karte, das Tiramisu wird mit Marillen „verfeinert“ und auch alle anderen, eigentlich sehr reizvollen Nachspeisen sind mit irgendwas kombiniert, was sie nicht brauchen. Zu viel des Guten. Auch die diversen italienischen Speisen auf den Nachbartischen sahen sehr verlockend aus.
Hab ich was vergessen? Ach ja, die Pizza. Nun ja, Pizza halt. Wie bei tausend anderen Lokalen in Wien, wo man auch Pizza bekommt. Irgendeine Pizza halt. Teig okay, Belagstärke okay, kann man essen, ist nicht schlecht. Mehr aber auch nicht. Dass sie auch zustellen verwundert mich daher nicht.

39.) Pizzeria Romantico, Währinger Straße 163, 1180 Wien, www.romanticowien.at
Ein Vorstadtlokal, die Fliesen schon etwas abgeschlagen, die Ausstattung bedarf keiner besonderen Erwähnung. Die Pizza leider auch nicht. Absolute Durchschnittsware, ohne irgendwie besonders zu sein, schon gar nicht italienisch. Durchaus essbar und auch nicht schlechter als 70% der anderen getesteten Lokale. Da hilft auch der originale italienische Holzofen nicht, dafür gibt es Wiener Schnitzel und Cordon Bleu Hawai, Spare Ribs und Nutella-Palatschinken. Nur Kebab fehlt auf der Karte und Burger.

40.) Otto e mezzo, Schleifmühlgasse 20, 1040 Wien, www.otto-e-mezzo.at
Ein sehr nettes Lokal, geführt von einem Italiener und die Atmosphäre ist auch italienisch. Die Website ist von Foodora, dort scheint der Chef leider nicht auf.
Dieses Lokal hätte sich durchaus eine absolut italienische Pizza verdient, herrlich duftend und dann mit einem sensationellen Geschmackserlebnis.
Dann kam die Pizza und ich bin aufgewacht. Geblieben ist Fadesse, was mir sehr leid tut, aber nicht zu ändern ist. Ich hätte so gerne geschrieben, dass ich endlich eine Pizza gegessen habe, die italienisch schmeckt, so wie ich eine in Italien bekommen habe. Ich werde wohl weitersuchen müssen.

41.) Da Michele – Pizzeria Ristorante, 1070 Wien, Kirchengasse 39
Der Schanigarten hat als Boden Doka-Platten, Plastiksessel und wirkt wie eine Baustelle. Die Kirchengasse ist stark befahren, die Gemütlichkeit hält sich in engen Grenzen.
Aber deswegen bin ich nicht da. Ich habe Hunger. Auf Pizza. Also eine Rustikana, die auch flott daher kommt. Ein wenig Oregano ist drüber gestreut, verführerischen Duft strömt sie aber nicht gerade ab, eigentlich eher gar keinen Duft. Der Teig ist gut, kross aber nicht hart, die Größe passt, die zwei Artischockenstücke teilen sich je eine Hälfte der Pizza.
Eher skeptisch bin ich bei der Paradiessauce. Damit wurde gespart, und zwar so heftig gespart, dass genau genommen nur eine Ahnung davon oben ist.
Vielleicht gibt es deswegen auch nur eine Ahnung von Geschmack. Ich kann das Lokal leider nicht weiterempfehlen.

42.) Pizzeria Bar All´ Italiana, 1030 Wien, Landstraßer Hauptstraße 71, www.allitaliana.at
Ein heißer Sommerabend, wir ergattern einen Platz vor dem Lokal direkt in der Passage zur Hainburger Straße. Zum Lokal gibt es nicht viel zu sagen, zur Pizza auch nicht. Essbarer Durchschnitt, einen Hauch darüber. Bier kühl. Genau genommen war es das schon.

43.) L´Osteria in Grinzing, 1190 Wien, https://losteria.at/restaurant/wien-grinzing/
Eine Kette. Versucht originell zu sein – den Saft bekommst du in einer Art Karaffe mit zwei Plastikstrohhalmen. Umweltbewusstsein: Null. Ist im Konzept der Kette nicht vorgesehen. Der Kellner entschuldigt sich gleich vorweg, dass die Pizza nicht sehr geschmackvoll sein wird (ohne dass ich ihn gefragt habe), weil man eine Filiale einer Kette ist und die Kette gibt den Geschmack vor. Und der sei halt nicht italienisch.
Sehr beruhigend. Ich bin trotzdem zuversichtlich und auch hungrig.
Als die Pizza kommt, überrascht zuerst einmal die Größe – sie ist riesig und fast doppelt so groß wie der Teller. Das bedeutet allerdings, dass man am Tisch isst, nicht am Teller, weil sich das genau gar nicht ausgeht.

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Belagstärke ist gut, Teig okay, wenngleich eher ein wenig zäh, was sich mit dem sukzessiven Auskühlen der Pizza noch verstärkt. Ordentlich Muskeln zum Säbeln des Teiges ab ca. der Hälfte der Pizza schaden jedenfalls nicht. Sie so schnell zu essen, dass sie nicht auskühlt, verlangt Fertigkeiten, die ich nicht habe.
Der Geschmack ist Kette, also dezent, wenig gewürzt, damit man niemand abschreckt, aber auch nicht so schlecht wie ich das von manchen Lokalen schon erlebt habe.
Mein Vater hat Pizzastangerl bestellt. Die kommen in Form einer Art kleiner Pizza, die man wie einen Kaffeefilter geformt und in eine Schüssel gesteckt hat. Eine große Menge Teig, nackter Teig. Ganz unten beim Loch des Filters ein wenig Knoblauch und Öl und Kräuter. Auf unsere Nachfrage bringt der Kellner noch Knoblauch, den wir dann auf die restlichen 90% des Trichters schmieren. Das wäre halt so, man sei eine Kette, meint der Kellner.
Beworben wird die Pizza übrigens als „beste beste Pizza“. Streichen wir einfach zwei Mal das „beste“, dann stimmt es. Es gibt dort eine große Pizza. Das wär´s.

44.) Pizzeria Primo Piano, www.primopiano.at, 1180 Wien, Gersthofer Straße 21
Vor einem halben Jahr erst eröffnet, noch dazu in meinem Bezirk – da muss ich hin. Der Chef hat ordentlich investiert, das Lokal ist in warmen Braun- und Goldtönen gehalten, ziemlich dunkel, aber durch die Spotbeleuchtung der Tische sieht man zumindest drei Viertel seiner Pizza. Offiziell heißt es übrigens „Osteria Pizza Bar“ und ist gut besucht, Reservierung empfohlen.
Das Besondere ist der Pizzaofen aus Neapel – leuchtend wie eine Goldkuppel, blitzsauber, gasbetrieben und mit Thermostat, der die Temperatur (290 Grad) exakt so hält, dass die Pizzae nicht verbrennen und trotzdem schnell fertig sind. Beste Voraussetzungen, auch weil das Bier kühl und spritzig ist.
Die Pizza selbst hat die perfekte Größe und ist auf die „römische“ Art zubereitet, also dünner Teig, eher knusprig. Ziemlich knusprig am Rand, genauer gesagt nicht zu schneiden mit den Spezialmessern, die man dazu bekommt. Die haben eine zu starke Wellung, sind eher Säge als Messer und wo man ansetzt, bleibt man auch. Das führt dazu, dass viele der Gäste sich größere Stücke abreissen und mit der Hand essen. Der sehr nette Kellner hat leider nicht wirklich verstanden, was ich ihm sagen wollte und meinte, das nächste Mal würde mir der Koch die Pizza gerne vorschneiden, wenn das Messer nicht gut funktioniert.

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Die Pizza hat die richtige Belagstärke und der schön zerronnene Käse lässt Hoffnung aufkeimen, genauso wie die Tatsache, dass man hier nur Pizza, Antipasti und Nachspeisen bekommt. Diese wird ab dem ersten Bissen leider wieder erstickt, denn die fast nicht sichtbare Paradeissauce dürfte komplett ungewürzt sein, ich tippe auf die übliche Industrieware. Irgendwo muss der fehlende Geschmack ja herkommen. Diese Pizza ist absolut essbar, hat nur leider wieder einmal nichts mit dem zu tun, was man in Italien bekommen kann. Daran kann der beste Pizzaofen nichts ändern. Ich täte gerne einen Euro oder zwei mehr zahlen (die Preise bewegen sich zwischen 8 und 17 Euro) und dafür Geschmack bekommen.

45.) Francobollo Restaurant + Pizza, 9184 St. Jakob 59
Die beste Pizza Kärntens – in St. Jakob im Rosental. Da muss ich natürlich hinein und Pizza essen. An das Lokal ist noch dazu ein Bereich angeschlossen, in dem der Besitzer seine Vespa-Sammlung ausstellt. Gleich das Fazit vorweg: Die Vespas sind besser.
Das Lokal ist nett gemacht und die Auswahl an Pizzae ist riesig. Das Bier ist frisch und gut und ich bin sehr gespannt auf die Pizza. Leider werde ich – wieder einmal – enttäuscht. Es fehlt die Raffinesse. Wie so oft ist es wahrscheinlich die Paradeissauce.

46.) Spumante – Ristorante & Pizzeria, 1180 Wien, Gersthofer Straße 71, ristorante-spumante.at
Wir haben gerade die Corona-Krise und Essen gibt es nur in Form von Abholung oder Zustellung. Die Bestellung erfolgt telefonisch und äußerst unkompliziert. Einfach anrufen, wir wollen eine Quattro Stagione und eine Calabrese, Telefonnummer, Adresse, in einer halben Stunde kommt die Lieferung, Danke.
Die Pizze waren schon nach ca. 20 Minuten da, transportiert in einer Styroporkiste und so warm, wie das halt bei einer Zustellung möglich ist.
Der Teig gehört eher zur weichen Sorte, die Teigstärke angenehm, die Menge des Belags auch gerade richtig, der Preis mit 10 bis 11 Euro angemessen.
Das Problem bei Lieferpizza besteht darin, dass Pizza kein Liefergericht ist, sondern nur dann gut, wenn sie frisch aus dem Ofen kommt, sprich: ein bis zwei Minuten später beim Gast am Tisch liegt. Daher ist die Qualität schwer zu messen, eine gewisse Grundwürze war aber vorhanden und somit war die Pizza besser als das meiste, was ich sonst bisher bekommen habe. Aber ich kann natürlich nicht sagen, wie die Pizze der anderen Lokale geschmeckt hätten, wenn sie 10 bis 15 Minuten in einer Styroporbox gelegen wären.
Ich werde die Pizza vom Spumante vielleicht noch einmal im Lokal testen.

47.) Nino´s Café Ristorante Pizzeria, 1190 Wien, Himmelstraße 2, http://ninos.at
Abgesehen davon, dass dort einmal die Apostrophenpolizei vorbeischauen sollte, finden wir mitten in Grinzing ein nettes Lokal in einem uralten Gebäude. Auch die Website sieht sehr appetitlich aus, die Bedienung hat den in der Gastro inzwischen üblichen Osteuropa-Migrationshintergrund und wir wurden brav nach unserem 3G-Nachweis gefragt.
Mein Vater bestellte Spaghetti mit Meeresfrüchten und ich eine Pizza Nino´s (auch hier mit falsch gesetztem Apostroph) mit Mozzarella, Ruccola, Rohschinken und Grana (dem Billig-Parmesan).
Die wie fast überall fehlende Würze bin ich schon gewohnt und war gespannt, was beim Experiment („bitte etwas zum würzen) diesmal auf den Tisch kommen würde. Es war eine Flasche Essig und eine Flasche Öl.
Da ich mir keinen Essig über die Pizza leere, gab ich ein paar Tropfen Öl drauf und verspeiste sie. Der Rohschinken dürfte von guter Qualität sein und verlieh der Pizza eine wohltuende Portion Salz, Ruccola und Grana waren halt Ruccola und Grana, der Teig war gut und die Belagstärke tadellos.
Was ich auch immer öfter beobachte: Die Köche sparen bei der Paradeissauce, was ich schade finde. Ein wenig mehr wäre in diesem Fall durchaus angebracht gewesen.
Fazit: Nicht die schlechteste Pizza und mit 11,90 Euro für Grinzing zu einem sehr fairen Preis.

48.) Il Padrino, 5020 Salzburg, Janstraße 8
Auf der Suche nach einer Website landet man stets bei Lieferando – das ist leider kein guter Start. Das Motto „wer liefert, muss billig sein und daher bei den Zutaten sparen“ gilt leider uneingeschränkt. Als ich vor dem Lokal stehe, wartet auch schon eine Gruppe Lieferanten auf die Lieferpizza. Ich bekomme drinnen einen Platz und finde mich in einem sehr ansprechenden Lokal wieder, mit einem engagierten Chef, der wahrscheinlich auch lieber nette Gästerunden betreuen würde als Pizzakartons zu schlichten. Da der Hype „Pizza liefern lassen“ im Sinne einer Rundum-Convenience aber ungebrochen ist und durch die Pandemie natürlich noch angeheizt wurde, bleibt vielen Gastronomen leider nichts anderes übrig. Bequemlichkeit siegt immer.
Das Bier ist gut, die Pizza kommt schnell und ist vergleichsweise gut, aber auch nicht auffällig. Ich hätte gerne mehr darüber geschrieben.

Armut ist ansteckend

Eine spannende Sendung in 3sat über die Armut der Mittelschicht hat mich zu diesen Gedanken inspiriert.

Die soziale Mittelschicht, die in Europa eigentlich Trägerin des Wohlstandes ist, wird dünner, und zwar deutlich und immer schneller. Das gilt für Deutschland ganz besonders, aber natürlich auch für Österreich und etwa Frankreich.
Gut ausgebildete Menschen mit bisher guten Jobs und gutem Einkommen sitzen plötzlich auf der Straße, oft mit fünfzig Jahren am Buckel und damit in einer heiklen Situation: laufende Kredite, verwöhnte Kinder und ein Lebensstandard, an den man sich gewöhnt hat.

Eine Französin sagt: „Meine neue Situation wirkt auf meine Umgebung als hätte ich Krebs.“ Das ist erstaunlich und in meinen Augen ein Warnsignal. Sobald jemand arbeitslos ist oder in Gefahr gerät sozial abzusteigen, verliert er seine Freunde. Das wirkt wie ein Nachbrenner auf dem Weg nach unten. Die Menschen haben Angst, dass ihnen das auch passieren könnte und meiden die Person, der es gerade passiert oder schon passiert ist. So als hätte er/sie eine ansteckende Krankheit.

Was läuft da falsch? Mir wurde und wird ständig erzählt, dass durch unser Wirtschaftssystem plus Politik etc. die Mittelschichte wachsen würde und auch die unteren Schichten immer weiter hinauf wandern würden. Man hat sogar aus der „Unterschicht“ in den 1970ern die „Untere Mittelschicht“ gemacht. Der Reichtum der Oberen wird als Segen für die Unteren gepriesen.

Und jetzt geht das in die Gegenrichtung? Obwohl die Wirtschaft boomt, die Börsenkurse steigen und die glitzernde Konsumwelt geradezu gestürmt wird? Kann es sein, dass da was nicht stimmt?

Ist es notwendig, sich das Wertesystem, das dahinter gut verborgen ist, auf seine Brauchbarkeit zu durchleuchten? Machen uns die vielen Dinge, die wir besitzen (ich habe neulich meiner Schwester beim Umzug geholfen, ja, es sind sehr viele Dinge), wirklich glücklich und zufrieden?

Viele Fragen und ich habe noch keine guten Antworten.

Jedenfalls bröckeln einige der bürgerlichen Werte:

Fleiß und Anstrengung zahlen sich aus – das stimmt nur mehr sehr bedingt. Es gibt genügend Menschen, die enorm viel arbeiten und immer tiefer sinken.
Bildung zahlt sich aus – es gibt Absolventen mit mehreren Titeln, die Taxi fahren. Nein, keine Verrückten, ganz normale Menschen.
Mit einem guten Job alt werden – in immer weniger Branchen und Firmen ist das möglich bzw. überhaupt denkbar.

Was somit wegfällt ist die Steuerbarkeit und Planbarkeit. Man ist hilflos ausgeliefert – nur wem oder was eigentlich? Der Politik? Der „Wirtschaft“ oder der „Globalisierung“? Dem Glück?
Vielleicht nehmen deswegen die Glückspiele zu?
Viele schielen nicht mehr hoffnungsvoll nach oben, sondern eher ängstlich nach unten.

Es ist an der Zeit darüber zu reden, was wir falsch machen.