Beim Kudlicka, Teil 3

Nicht immer entspricht die Qualität der Teile, die man beim Kudlicka bekommt, den teilweise hohen Anforderungen mancher Zangler. Sie kommen von sehr unterschiedlichen Lieferanten und man weiß erst mit der Zeit und mit einiger Erfahrung, was man besser beim Kura und was man besser woanders kauft.
Letztlich bleibt das Angebot jedoch einzigartig und man kann sogar hin und wieder ein echtes Schnäppchen machen.

Ich kaufte neulich eine elektronische Zündung für die PX meines Nachbarn. Leider war die Zündgrundplatte von Anfang an defekt, was wir jedoch erst nach einigen Versuchen und satten Flüchen bemerkten, da die Messung von Sergio anfänglich keinen Fehler ergab („muss jetzt gehen“ – „geht aber nicht“). Ich konnte die Platte aber anstandslos zurück geben und Sergio versprach, mir eine neue zu bestellen.
Das mit den Bestellzeiten ist so eine Sache beim Kudlicka, denn die Teile kommen von überall aus der ganzen Welt und wenn sie aus Italien kommen, dann kann man ganz besonders schlecht vorhersagen, wann sie da sind.

Also rief ich alle paar Tage an und erreichte eines schönen Tages Herrn Kudlicka persönlich am Telefon. Nach einiger Zeit kennt man schon seine Stimme und ich erkundigte mich höflich, ob die Zündgrundplatte schon da wäre. Er bedauerte, es wäre die falsche (eine mit 5 Kabeln, ich brauche eine mit 7) geliefert worden, aber die richtige wäre schon bestellt und käme vielleicht noch heute oder vielleicht auch morgen.

Am nächsten Tag rief ich noch einmal an und als ich meinen Namen sagte, kam als Antwort einfach nur „Nein“. Sonst nichts, Stille in der Leitung. Das dürfte dem alten Kudlicka punkto Kommunikationsökonomie einen weltweiten Spitzenplatz einbringen.
Ich jedenfalls wusste Bescheid und wünschte noch ein schönes Wochenende.

Nachwahlanalyse

Erstens: Es kommt Rot-Schwarz
Die Gründe dafür sind einfach und einleuchtend: Häupl möchte mit dem geringsten Widerstand koalieren und nimmt eine schwache Marek lieber als eine selbstbewusste, störrische Vassilakou, die noch dazu wegen jeder Kleinigkeit zur Basis rennen und sich dort ihr o.k. holen muss. Er wird den Grünen ein dermaßen peinliches Angebot machen, dass sie ablehnen müssen und das war es. Das kann übrigens das gleiche Angebot wie an die ÖVP sein – nur der wird es egal sein.

Zweitens: Die Grünen sind die großen VerliererInnen
Durch die ständige Prolongierung der Zerstrittenheit und einem Mangel an klaren Aussagen zu wichtigen Themen (Wirtschaft, Integration, Gesundheit, Bildung) haben die Grünen ein schlechtes Wahlergebnis erreicht. Was nützt ihnen die verlorene Absolute der SPÖ, wenn jetzt die Teufelskoalition (rot-schwarz) kommt?

Drittens: Strache ist lachender Dritter
Eigentlich ist er ja schon fetter Zweiter und kann jetzt auf Bundesebene gestärkt gegen Ausländer schimpfen. Die Kleinbürger werden es ihm nachtun und sich dabei gut fühlen – schließlich erspart ihnen das die lästige Auseinandersetzung mit eigener Unfähigkeit oder notwendigen, nicht immer angenehmen Schritten.

Viertens: Die extreme Rechte gewinnt weiter
Die große Koalition wird die wichtigen Themen (Bildung – Aufbruch der 50 min. Unterrichtseinheit; Verwaltungsreform – Eindämmung des Föderalismus; Gesundheit – echte Vorsorge etablieren; Integration – ein echtes Konzept entwickeln; Ökologie – radikale Förderung lokaler, alternativer Energiestrukturen etc.) schlicht und einfach nicht anpacken und schon bei der nächsten Nationalratswahl dafür die Rechnung bekommen.

Aktuell: die miese Wahlbeteiligung bei der Gemeinderatswahl in Wien

Woher ich das jetzt schon weiß? Leider sind hier keine besonderen Hellseherfähigkeiten vonnöten.

Bisher war es so: Die Wahlbeteiligung war den meisten Politikern egal, vielen sogar scheißegal. Der Grund dafür ist einfach: Es kann ihnen komplett wurscht sein, denn es beeinflusst ihren Job nicht. Selbst wenn in Wien nur mehr 100 Leute wählen gehen würden, kein Politiker hätte deswegen weniger Macht oder Geld.
Wieso sollen die auf eine höhere Wahlbeteiligung hinarbeiten? Offiziell bittet man die WählerInnen höflich zu den Urnen, inoffiziell gibt es nicht einmal ein Bedauern, ganz abgesehen davon, dass es manchen von diesen ehrenwerten Damen und Herren sogar nützt.

Was wäre zu tun?
Es ändert sich erst etwas, wenn sie für die PolitikerInnen was ändert. Daher habe ich Vorschläge und Ideen gesammelt und möchte diese zur Diskussion stellen und auch um weitere Vorschläge bitten.

Bisher haben wir folgende Ideen:

1.) Politikergehalt angleichen an die Prozentzahlen der Wahlbeteiligung. Für 65 % gibt es dann für die nächste Legislaturperiode auch nur 65 % vom üblichen Salär. Dagegen wird argumentiert: Die Politiker verdienen ohnehin in Österreich nicht so viel und gehen dann in die Privatwirtschaft. Ich meine: das könnte man nach unten deckeln oder auch progressiv ansetzen: Je mehr ein Politiker verdient, desto wichtiger sollte ihm dann die Wahlbeteiligung sein.

2.) Bonus-Stimmen (Idee von Volker Plass): Wer drei Mal zur Gemeinderatswahl geht, bekommt beim vierten Mal eine zweite Stimme. Wenn er/sie dann nicht hingeht, verliert er/sie diese Stimme wieder.

3.) Weniger Wähler – weniger Mandatare (Idee von Peter Bachmann): Wenn nur 50 % zur Wahl gehen bzw. gültig wählen, dann sitzen ab da auch nur mehr die Hälfte der Gemeinderäte im Gemeinderat.

Da könnte dann so mancher Schweinsgalopp beobachtet werden, wenn sie sich wieder ein wenig mehr bemühen um WählerInnenstimmen.

Also, wer hat Idee Nr. 4?

Öl-Info-Leck bei der deutschen Bundeswehr

Sie war nicht für die Veröffentlichung bestimmt, gelangte aber doch ins Internet. Spiegel online berichtet über eine Zukunftsstudie der deutschen Bundeswehr, die vor dem nahenden Peak-Oil warnt.

Hier die Zusammenfassung der Ergebnisse:

Öl wird bei Knappheit zu einem enormen Machtfaktor – damit gewinnen auch die Länder an politischer und ideologischer Macht, die viel Öl haben.

Das Zeitfenster wird beschränkt sein, daher werden die Länder ihre Machtinteressen mit kräftigen Mitteln durchsetzen.

Die Liberalisierung des Ölmarktes geht zurück – bilaterale Abkommen und Ländergemeinschaften dominieren.

Globaler Transport wird teuer, Engpässe bei Nahrungsmittelversorgung sind die Folge.

Erdöl ist für 95 % der Industriegüterproduktion essentiell – die Krise wird somit alle Bereiche treffen. Außerdem ist eine globale Wirtschaftskrise zu erwarten.

Die Studie warnt vor einem Zusammenbruch des globalen Wirtschaftssystems. die Folgen wären lokale Planwirtschaft. Außerdem bestünde die Gefahr des Zusammenbruchs der Demokratien, weil die Menschen Wirtschaftskrise mit Systemkrise verwechseln würden. Zu erwarten sind Extremisierungen und Bürgerkriege.

Monday, frosty Monday: Das U2-Konzert

Ich blicke gerade auf mein Außenthermometer und es zeigt 11 Grad. Das ist nicht allzu berühmt für August, erklärt aber teilweise, wieso ich beim Konzert jämmerlich gefroren habe. Zum Glück hatte ich über dem T-Shirt und dem Kaputzensweater noch das Security-T-Shirt und die absolut dichte Motorrad-Regenjacke. Okay, am dritten Rang pfeift der Wind so kalt wie im Westerwald, aber alles erklärt sich dadurch nicht.

Aufgewärmt in der warmen Stube darf ich ein wenig vom „größten Konzertereignis des Sommers“ (Zitat: Alle Medien) berichten.

Hart, kühl, metallisch: Die Musik

Der Sound von U2 hatte noch nie wärmende Elemente, sondern stammt aus den coolen 1980er-Jahren und ist dort auch geblieben. Die modernen Nummern sind – mit wenigen Ausnahmen – eher noch dissonanter und härter, und vor allem: kühl. Bono und Kollegen spielten einen klugen Mix aus alten Hadern und neueren und neuen Nummern, von denen ich nicht alle kannte. Wärmende Elemente waren maximal die immer noch absolut sensationelle Stimme von Bono Vox und ein Lied über Burma und die dort in Hausarrest sitzende, weil gewählte Eben-nicht-Präsidentin.

Gerade der Beginn des Konzerts war cool, auch das Auftreten und die Umgebung der Band (dazu komme ich gleich) waren stimmig.

Dass U2 musikalisch ihren Höhepunkt 1987 mit der komplett schwarz-weiß gestalteten LP „The Joshua Tree“ hatten, merkt man eindeutig daran, dass die wichtigsten Nummern daraus stammen und vom Publikum auch am meisten bejubelt werden („With or without you“ war eine der beiden Zugabennummern, davor noch „Where the streets have no name“ ). Somit gebührt der Gruppe auch schon der Titel „Rock-Opas“, wenngleich sie agil und frisch wirkten (aber das tun The Who auch und die sind noch älter).

Die Bühne

Ein unglaubliches Ding, das angeblich enorm teuer ist und auch so aussieht. Es handelt sich um eine Art Krake oder Spinne, die mit vier Beinen am Boden steht. Darunter hängt ein dunkler Kasten, der sich dann als 360-Grad-Leinwand, bestehend aus in die Länge gezogenen und wie ein Scherengitter bewegbaren Sechsecken herausstellt.

In allen Farben beleuchtet und mit einer riesigen Spitze, die über das Stadiondach hinausragt, ist des sicher die perfekteste, gewaltigste und technisch aufwändigste Bühne, die ich je gesehen habe. Und sie hat den Vorteil, dass sie rundum einsehbar ist, so dass das gesamte Ernst-Happel-Stadion ausverkauft werden konnte, bis auf einen kleinen Sektorteil hinter dem Technikkasten.

Die Monitorkaskade veränderte sich ständig und zeigte mit der Bühne gemeinsam jede Menge Spezialeffekte, der tollste davon war eine Art Glitzer-Spiegel-Jacke an einem beleuchteten Mikro-Ring, die Bono für eine Nummer anzog.

stage.jpg

Bild: Bühne

Aber auch hier: Kühle, die meisten Bilder in U2-typischem schwarz-weiß, die Bühne aus viel Stahl. Selbst das rote Licht wirkte dort irgendwie kalt. Die Bilder waren meist technisch modifiziert, alles wirkte extrem professionell, aufwändig und wie durch einen Filter gedrückt, der das Menschliche daraus entfernt. Bonos Charity-Elemente konnten den Eindruck bei mir auch nicht zerstören.

Der zentrale Eindruck: die Menschen treten in den Hintergrund, angesichts der Bühne wirkten die Musiker wie winzige Ameisen, die sich darunter bewegen, sichtbar nur durch die Scheinwerfer, die sie anstrahlen. So blickt auch niemand mehr (außer den Gästen direkt rund um die Bühne) auf die Musiker, sondern alle schauen auf die überdimensionalen Leinwände.

Rund um die eigentliche Bühne war der heute stets beliebte VIP-Bereich, abgeschottet vom Plebs und diesmal mit der Besonderheit, dass der Abschottungsring rundherum ging und mit der Bühne durch zwei bewegbare Brücken verbunden war. Die Zuseher im VIP-Bereich hatten somit das Vergnügen, hin und wieder unter einer der Brücken zu stehen.

Das Publikum

Von 15 bis 65 – alles vertreten, 70.000 Leute, Durchschnitt, angenehme Menschen wie wir alle, unaggressiv, höflich, brav mitsingend wo von Bono verlangt. Nur einmal gab es eine Überraschung: Der Refrain von „I still have´nt found what I´m lookin for“ wurde nach Ende der Nummer vom Publikum weitergesungen, mehrfach wiederholt. Bruce Springsteen etwa wäre darauf eingegangen und hätte einfach noch einmal hineingestartet – musikalisch haben U2 das allemal drauf. So wartete Bono bis den Leuten die Luft ausging und meinte dann „Thank you.“ Okay, aber eben auch kühl.

Ich selbst, diesmal wieder quasi dienstlich dort als Platzanweiser, hatte eine ruhige Kugel zu schieben. Nur einmal, da sah ich eine Frau mit grünen Gummistiefel an mir vorbeistiefeln. Ich darf erwähnen, dass es im Happel-Stadion am dritten Rang nur eher selten tiefen, morastigen Untergrund gibt und ein anderer Grund für Gummistiefel fällt mir um die Burg nicht ein. Verirrte Donaufischerin? Probandin im Dauerschweißfußtest? Keine Ahnung.
Ansonsten alles bestens, nach einiger Zeit sehen die Leute um mich herum aus wie der Betriebsausflug der Clown Doctors – viele rote Nasen.

Ein Phänomen darf ich noch berichten: Früher sah man bei ruhigen Nummern Feuerzeuge. Heute – oder vielleicht ist das gerade bei U2 besonders auffällig – sieht man statt dessen tausende kleine blaue eckige Lichter, die sich als die Monitore der iPhones, Digitalkameras und Handys herausstellen. Die Leute filmen was der Akku hält und spiegeln so die unterkühlte High-Tech-Show auf der Bühne wider: Alles wird durch einen Filter gejagt, sogar die eigene Wahrnehmung, die eigene Sicht geht durch eine Kamera.

monitore.jpg

Bild: Viele fotografieren

Alles in allem ein Erlebnis, von dem ich unterkühlt heimkomme: Perfekte Show, perfekte Bühne, perfekte Musik. Herz nicht erreicht.