Bauernfängerei bei SPAR

wobei – es sollen gar keine Bauern, sondern möglichst viele Kunden gefangen werden.
Wie SPAR das macht?
Ganz einfach: Man stelle nebeneinander mehrere Paletten auf, gut gefüllt mit Süßwaren. Dann platziere man große Schilder darüber. Auf eines schreibt man „Aktion“ und weist damit auf verbilligte Ware hin.
Die großen Paletten signalisieren einen Überschuss, den man loswerden will. Psychologisch heißt das: „Wir haben davon so viel, dass wir euch das jetzt ganz billig geben.“
Das stimmt zwar nicht, aber die Ware ist gegenüber dem „Normalpreis“ meist tatsächlich etwas billiger.

Jetzt kommt der Trick: Daneben platziert man eine andere, in diesem Fall ähnliche Ware. Diese ist überhaupt nicht verbilligt und das steht auch nirgends geschrieben. Es steht aber – optisch in der gleichen Aufmachung wie die Aktion – einfach „Tipp“ darüber geschrieben.

Was heißt das nun schon wieder? Ganz einfach: SPAR gibt uns den Tipp, diese Ware zu kaufen. Warum? Das wird nicht bekannt gegeben. Ich tippe auf gute Margen bei SPAR.

Am Bild wird ersichtlich, wie das funktioniert:

spar.jpg

Bild: Werbetafeln bei SPAR

Das ist übrigens relativ neu und zieht sich durch mehrere Gänge hindurch.

Betrug ist das nicht, für mich aber als Irreführung einzustufen.

Niedermeyer hat nichts gelernt!

Über diese Unsitte (und das ist noch harmlos ausgedrückt) hab ich schon vor einiger Zeit gepostet. Niedermeyer macht einfach weiter und offeriert: „Jetzt kaufen und erst nach Weihnachten bezahlen“ (Quelle: aktueller Niedermeyer-Werbeprospekt 8b-2009).

Haben die überhaupt nichts aus der Kredit-Blase gelernt? Hat jemand, der jetzt schon kein Geld hat und sich die versprochenen Luxusgüter nicht leisten kann, automatisch nach Weihnachten Geld? Sind die dumm bei Niedermeyer oder spielen sie verantwortungslos mit der Gier der Konsumenten?

Ich halte es für grob unverantwortlich, die Menschen auf diese Art und Weise zu ködern. Ich halte es generell für zerstörerisch, Menschen Kredit zu geben für Dinge, die sie nicht brauchen und sich nicht leisten können.
Und was passiert, wenn das viele Kunden in Anspruch nehmen und nach Weihnachten nicht zahlen können? Wer muss dann bezahlen, wenn der Niedermeyer (was natürlich nicht zu hoffen ist) auf einmal kracht und hunderte MitarbeiterInnen auf der Straße stehen? Das Management wird dann unschuldig tun und meinen, das hätten sie nie ahnen können und man hätte auch keine Fehler begangen und könne sich das überhaupt nicht erklären…
Da muss ich nicht lange raten, da wird dann der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Ups, das bin ja ich!

Sorry, ich bin entschieden dagegen und werde die Firma in Zukunft boykottieren. Zumindest bis nach Weihnachten.

Aufgrund vieler Antworten auf dieses Posting im BörseExpress 24 hier ein paar Ergänzungen:

Es ist de facto so, dass die Kunden ihre Kredite nicht direkt bei Niedermeyer aufnehmen, sondern über eine Bank. Diese ist dann auch für das Inkasso verantwortlich und Niedermeyer kann sich raushalten.
Ich wurde gefragt, wie ich als Unternehmensberater so kritisch einem „Wirtschaftsbetrieb am freien Markt“ gegenüberstehen kann. Sehr einfach: Ich bin nicht McKinsey oder Roland Berger, ich berate keine Betriebe wie sie besser GEGEN ihre Kunden agieren können, ich berate nur wie sie besser MIT ihren Kunden gemeinsam Erfolg haben können.

Angesprochen wurde auch der „mündige Konsument“, der ja frei entscheiden könne, ob er so ein fragwürdiges Angebot annimmt oder nicht. Gemeint ist genau derjenige mündige Konsument, der sich in all seiner Freiheit immer freiwillig anschnallt, der das Kleingedruckte sorgfältig liest, für den man im Straßenverkehr auch keine Ampeln, Stopschilder, Verkehrszeichen generell oder sonstige Regeln bräuchte, weil er ja mündig ist und stets richtig und gut entscheidet. Er raucht nicht im Auto und würde auch nie telefonieren.
Bullshit! Ich will hier keine philosophische Diskussion über Freiheit und Ordnung beginnen, hoffe aber, dass meine LeserInnen so mündig sind, sich über dieses Thema schon Gedanken gemacht zu haben.

Todesurteil für Anlagebetrug in China

Ich zitiere die Kleine Zeitung vom 6. August 2009:
„Wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe sind zwei Geschäftsleute in der Volksrepublik China zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Die beiden hatten laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua hunderte Anleger insgesamt um umgerechnet rund 90 Millionen Euro betrogen. Der Betrug habe nach Erkenntnis der Justiz die „soziale Stabilität“ des Landes schwer beeinträchtigt, hieß es in der Pekinger Agenturmeldung vom Donnerstag. Die Urteile seien am Mittwoch vollstreckt worden.“

Darunter gibt es einige Leser-Kommentare, die von „traurig“ bis „bei uns wird so ein Gesindel noch mit einer fetten Abfertigung belohnt“ reichen.

Übrig bleibt die Frage, was bei uns in der „westlichen“ Welt tatsächlich bestraft wird und auch wie. Diese Diskussion wird es wahrscheinlich noch bis zum so genannten „St. Nimmerleinstag“ geben.

Einen Vorschlag hätte ich: Statt Tötung wäre „soziale Tötung“ eine Möglichkeit. Damit meine ich, dass diejenigen, die uns aus Gier und Arroganz das Geld aus der Tasche ziehen und nachher auch noch behaupten, sie hätten nichts gewusst und auch nichts geahnt und sich auch nichts dabei gedacht, zumindest nicht noch gefeiert und belohnt werden. Lasst sie den Schaden wieder gutmachen, auf irgend eine Art abarbeiten, aber gebt ihnen bitte keine Möglichkeit mehr, auf unser Geld zuzugreifen, in keinster Weise!

Ich bin auch dafür, die Namen derer zu nennen, die aus unserem Steuergeld den Herren Huber, Ötsch (stellvertretend genannt für viele andere) die Millionen zuschaufeln (tun die das immer noch? Ich vermute – warum sollten sie auch aufhören damit?) Wo sitzen die, in welchem Ministerium, in welcher Gesellschaft? Dort liegt die eigentliche Fahrlässigkeit. Die Gier derer, die nehmen, was sie bekommen können, kann ich noch eher verstehen als die vollständige Verantwortungslosigkeit dieser Herren.

Wie würden die dreinschauen, wenn sie sich einmal dem Volkszorn der Geschädigten aussetzen müssten, und sei es nur „modern-zivilisiert-human“ (warum schreibe ich das nur so ungern?) auf mediale Art und Weise?

Alles wegwerfen! – die neueste Saturn-Kampagne

Gerade erst zurück vom Sustainable World Congress – und dann dieses Flugblatt: Saturn wirbt mit einer Kampagne namens „www.hauweg.at“ und dem Spruch „Weg mit alten Geräten – her mit geiler Technik“ dafür, ältere Geräte (werden „Dreck“ genannt) wegzuwerfen und neue zu kaufen (natürlich bei Saturn!).

Auf der Website findet sich eine Art Zeichentrick-Videospiel, von dem ich noch nicht herausgefunden habe, wie es funktioniert – ein blader Wrestler steht in einem Ring herum…

Bitte verschont mich mit dieser Form von Geilheit – das hat schon beim Geiz nicht gewirkt.

Selten habe ich so einen Anachronismus erlebt. In einer Zeit knapper werdender Ressourcen damit zu werben, alte (noch funktionierende!) Geräte wegzuwerfen, nur um was „Neues“ zu kaufen und das auch noch als „geil“ zu bezeichnen – Schande über Euch!

Und ich bleibe bei meinem alten Fernseher, die Bildqualität ist nämlich immer noch viel besser als die der neuen Flachbildschirme.

Und ich schmeiße auch meine sozialen Beziehungen nicht weg, nur weil es irgendwo neue gibt.

Weg mit der Wegwerfgesellschaft!

Sustainable World Congress – Eine Rückschau

Letzte Woche Donnerstag und Freitag fand in Schloss Grafenegg bei Krems der Kongress statt, der vom Betreiber des „Save the world-Award“ Georg Kindel ins Leben gerufen und von Debbie Grumberg hervorragend organisiert wurde.

Gleich zu Beginn gab es eine Ansprache des Landeshauptmanns Erwin Pröll und es war wieder sehr erstaunlich, wie pointiert, staatstragend und ausdrucksvoll er sprach – ohne auch nur das Geringste zu sagen. Das war Politiker pur, sein Umweltlandesrat Dr. Stephan Pernkopf tat es ihm wenig später nach, auch hier keine Festlegungen, kein Funke an Selbstkritik oder Ähnliches.
Ich erlaube mir hier generell für Reden anzumerken: Sie gefallen mir nicht, wenn sie 1.) zu tragend-pathetisch sind, 2.) zu allgemein und 3.) ohne jegliche Selbstkritik.

Ganz anders der Einstieg der Nobelpreisträgerin Betty Williams, die ebenfalls einen der Startvorträge hielt und gleich zu Beginn alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufforderte, aufzustehen und den jeweiligen Nachbarn zu umarmen (ein herrliches Bild, wie sie Erwin Pröll innig umarmte, sein leicht gequältes Lächeln…) – gefolgt von ihrem Resümé: „Arms are for hugging, not for killing!“

Der Vortrag von Prof. Kromp-Kolb, einer Klimaforscherin, war sehr interessant, hier ihre zentrale Aussage, die uns alle ein wenig aufrütteln sollte: „Ein Überleben der Menschheit können wir uns im Zuge des notwendigen Wirtschaftswachstums nicht leisten!“

Der Schweizer Biologe Wulf berichtete, dass das Aussterben der Arten 100 bis 1000 Mal schneller vor sich geht als noch vor der Zeit der Menschen. Von 30.000 Reissorten würden heute nur 10 weltweit angebaut – er meint, die zu starke Reduktion der Artenvielfalt aus Gründen des Profits würde uns in Zukunft ernsthafte Probleme bringen, weil nur die Vielfalt eine (von der Natur clever ausgedachte) Möglichkeit der Krisenprävention darstellt.

Dr. Jan Sendzimir, Wissenschafter, berichtete, dass „virtual water“ in Zukunft eine wesentlich größere Rolle spielen werde als bisher – damit ist jenes Wasser gemeint, das tatsächlich zur Herstellung von Ge- und Verbrauchsgütern notwendig ist.
Ein Beispiel: Die Erzeugung eines Hamburgers verbraucht 2.500 Liter, ein T-Shirt 2.000 und ein halber Liter Milch 250 Liter Wasser.
Äußerst interessant seine Ausführungen bezüglich der Re-Kultivierung des Afrikanischen Landes Niger, das direkt an der Sahel-Zone liegt. Dort erholt sich die Natur in erstaunlichem Ausmaß, da man alte Kultivierungs- und Bewässerungsmethoden aus der Zeit vor der französischen Kolonisation wieder aktivieren konnte – mit enormem Erfolg. Bäume wachsen in großer Zahl, der Anbau von Gemüse und Getreide ist wieder möglich sowie Viehzucht – und das alles in einer Gegend, die zunehmend zur Wüste werden sollte…

Robert Slameczka, Vorstandsmitglied von respACT, zeigte uns ein Bild von Schachspielern, grübelnd über ihre Bretter gebeugt, scheinbar nachdenkend. Slameczka: „Das Bild trügt. Kein Schachspieler denkt jemals nach. Die denken alle VOR.“ Sein Appell: Nicht nachdenken, mehr vordenken, und dazwischen ein wenig Umdenken!

Nach einem spannenden Vortrag von Vandana Shiva, der Trägerin des Alternativen NObelpreises, bei dem sie berichtete, wie sie den Agrarmulti Monsanto in die Knie zwingen konnte, kam als Höhepunkt des ersten Tages der tolle Vortrag von Michael Braungart, seines Zeichens Erfinder des Cradle-to-Cradle Systems.
Er zauberte uns pointiert eine tatsächlich neue Sichtweise auf die Frage der Nachhaltigkeit: „Ich halte nichts von Nachhaltigkeit – wenn mich jemals wer fragt, wie die Beziehung zu meiner Frau ist, und ich antworte: nachhaltig! – dann lasse ich mich scheiden!“
Braungart entwirft eine spannende Weltsicht – nicht nur aus seiner Sicht als Chemiker, sondern durchaus gesamtökonomisch und gesamtökologisch gesehen: Aus Abfall werden Rohstoffe, direkt angelehnt an das Vorbild Natur, wo es Abfall in dem Sinn gar nicht gibt. Holland hat diesen Ansatz bereits ins Regierungsprogramm geschrieben und auch in Österreich gibt es eine Anzahl von Betrieben, die modern genug sind und weit genug in die Zukunft zu denken bereit sind, um diese Idee in ihr Denken und Handeln einzubeziehen.
Sein Resümé: Ich will einen MÖGLICHST GROßEN ökologischen Fußabdruck hinterlassen – aber einen NÜTZLICHEN!

Dazu noch abschließend ein Buchtipp: Braungart Michael – „Einfach intelligent produzieren: Cradle to cradle: Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können. Gebrauchsanweisungen für das 21. Jahrhundert“
Mein Kommentar dazu: Dort liegen die Investitionsmöglichkeiten der nächsten Jahre und Jahrzehnte!